Großbritannien: Begeisterung für Volksbefragungen ist gesunken


Grafik: TP
Brexit hat das Ansehen des politischen Systems in der britischen Bevölkerung weiter einbrechen lassen

Christian Bunke | TELEPOLIS

Zwei Jahre Brexit-Debatte und kein Ende. Wie ist es nach dieser Erfahrung um die Einstellung der Bevölkerung zum britischen parlamentarischen System bestellt? Statistisches Material zum Thema gibt es nun von der Hansard Society. Die Hansard-Society ist eine Art unabhängiger wissenschaftlicher Dienst für das britische Parlament. Seit 2004 führt Hansard eine jährliche Umfrage über politische Einstellungen in der britischen Bevölkerung durch. Gerade ist die neueste Ausgabe mit den Ergebnissen über das Jahr 2018 erschienen.

In Anbetracht zahlreicher sozialer, wirtschaftlicher und politischer Krisen, die Großbritannien im vergangenen Jahrzehnt erschüttert haben, nicht zuletzt die Auswirkungen der Austeritätspolitik sowie das seit dem Brexit-Referendum entstandene Regierungschaos, ist nicht verwunderlich, dass Parteien und Politiker nicht sonderlich gut wegkommen.

72% der von Hansard befragten Personen sind der Auffassung, dass das „politische System“ sehr starke Veränderung braucht. 2004 waren „nur“ 60% dieser Auffassung. Das ist einerseits ein deutlicher Anstieg, zeigt aber auch, dass die Unzufriedenheit mit der politischen Klasse schon zu den Hochzeiten der New-Labour Regierung unter Tony Blair sehr hoch war. 2004 war unter anderem ein Jahr, in dem die Beteiligung britischer Truppen an der Invasion des Irak noch stark und kritisch diskutiert wurde. Seitdem zeigt die Hansard-Studie ein stetiges Wachstum der Unzufriedenheit. Keine Regierung hat es demnach geschafft, den Vertrauensverlust abzubauen.

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