Schweiz: Das Verbot der Gotteslästerung muss weg – auch wenn der Bundesrat dagegen ist

Ein Westschweizer Bergführer verstiess gegen das Blasphemie-Verbot, als er Gipfelkreuze zerstörte. Bild: KEYSTONE
Nationalrat Beat Flach verlangt in einer Motion die Streichung des Blasphemieverbotes, doch die Landesregierung wehrt sich dagegen. Dabei hat es längst keine Daseinsberechtigung mehr.

Hugo Stamm | watson.ch

Mal ehrlich: Hast du gewusst, dass es in der Schweiz ein Blasphemieverbot gibt? Konkret heisst das, du darfst Gott nicht öffentlich lästern. Wer verletzende oder verhöhnende Äusserungen über Gott, religiöse Überzeugungen oder etwas Heiliges macht, kann eingeklagt werden.

Wörtlich heisst es im Artikel 261 des Strafgesetzes:

«Wer öffentlich und in gemeiner Weise die Überzeugung anderer in Glaubenssachen, insbesondere den Glauben an Gott, beschimpft oder verspottet oder Gegenstände religiöser Verehrung verunehrt, (…) wird mit Geldstrafe bestraft.

Religion und Glauben geniessen bei uns also einen besonderen Schutz. Einen Rechtsschutz, den Weltanschauungen oder politische Gruppen nicht für sich in Anspruch nehmen können. Sind solche Privilegien in einem Staat, der sich als säkular versteht und der eine Trennung von Kirche und Staat mindestens im religiösen Sinn kennt, noch sinnvoll?

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Necla Kelek: Über das Kopftuch von Chanel

Bild: mittelhessen
Eine Frankfurter Ausstellung zeigt moderne muslimische Mode – das ist falsch verstandene Vielfalt, schreibt Gastautorin Necla Kelek in ihrem Kommentar.

Necla Kelek | mittelhessen

Kleider „mit hochaufragendem Turban aus Seidenchiffon oder einer aufgeblähten, mit Edelsteinen besetzen Bomberjacke mit riesigen Pump-Ärmeln und Schulterstücken mit Hörnern“ sind für den FAZ-Rezensenten der Ausstellung „Modest Muslim Fashion“ in Frankfurt auch ein „Zeichen der Abgrenzung gegen eine als ausgrenzend empfundene Gesellschaft“. Der Ausstellungsdirektor wundert sich über den Protest, den Frauenrechtlerinnen gegen die Ausstellung über moderne muslimische Mode vorbringen.

Die Apartheid muslimischer Frauen wird in der Show auf die intellektuelle Frage reduziert, ob die Kopf- und Körperfessel Hijab von Chanel oder Prada schicker designt ist; und mit Ausgrenzung meint der Kritiker nicht den islamischen Harem, sondern die irritierten Blicke der westlichen Betrachter. Aber er sieht auch eine politische Dimension: „Es kulminiert in der Frankfurter Ausstellung der ganze globale Bürgerkrieg um Identität und Anerkennung.“ Ein „Bürgerkrieg“, besser wohl Kulturkampf, den der organisierte politische Islam seit der Machtübernahme der Mullahs im Iran an der Seite der Ölstaaten mit Petrodollars führt, die an der Kulturfront zum Beispiel solche Ausstellungen möglich machen mit großzügiger Unterstützung der Quatar Foundation.

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Debatte um Assange: „Die Idee ist in den Hintergrund gerückt“

Bild. tagesschau.de
WikiLeaks stand einst für Transparenz und Enthüllungen. Mittlerweile sei die Idee überschattet worden, sagt der Journalist Beckedahl im Interview mit tagesschau.de. Das liege auch an Assange.

tagesschau.de

tagesschau.de: Was steht bei Julian Assange für Sie persönlich im Vordergrund: Seine Verdienste für WikiLeaks oder die Probleme, die sich um die Plattform und seine Person entwickelt haben?

Markus Beckedahl: Assange ist eigentlich eine tragische Figur. Er war ein großer Innovator für einen zukunftsgetriebenen Journalismus und hat viele Sachen angestoßen, die von anderen Medien kulturell übernommen wurden.

Allerdings ist er in den vergangenen Jahren – wahrscheinlich auch durch die Situation mit seinem Asylverfahren und seiner Flucht vor einer möglichen Auslieferung in die USA – immer merkwürdiger geworden.

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Neue Form der Blitz-Bildung entdeckt

Wie Blitze entstehen, ist noch lange niocht vollkommen geklärt. Jetzt haben Forscher dabei ein ganz neues Phänomen entdeckt. © Assalve/ iStock
„Verkehrte“ Entladung: Forscher haben in Gewitterwolken eine ganz neue Form der Blitzentstehung entdeckt. Dabei bewegt sich die Entladung innerhalb der Wolke genau umgekehrt und ist negativ statt positiv geladen, wie ihre Messungen ergaben. Warum und wie oft solche negativen Kurzschlüsse in Gewittern entstehen, ist allerdings noch rätselhaft. Ihre Entdeckung bestätigt aber, dass die Prozesse bei der Blitzentstehung noch lange nicht vollständig aufgeklärt sind.

scinexx

Donner und Blitz sind die typischen Anzeichen für ein Gewitter. Die Blitze entstehen, wenn sich in der Gewitterwolke starke Ladungsunterschiede aufbauen. Die dabei auftretenden Spannungen können mehr als eine Milliarde Volt erreichen. Überschreitet diese Spannung einen Schwellenwert, kommt es zu einer abrupten Entladung – es blitzt. Die Luft im Blitzkanal wird dabei auf bis zu 30.000 Grad aufgeheizt. Bei heftigen Gewittern kommt es sogar zu sogenannten Kobold-Blitzen oder es entstehen Gammastrahlen und Antimaterie.

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Versuchter Kirchensteuereinzug bei Konfessionslosen – klingt wie Schutzgelderpressung der Mafia

Kirchensteuer-Rasterfahndung: Solche Fragenbögen verschicken die Kirchensteuerstellen bei den Finanzämtern in Berlin zehntausendfach. Foto: © A. Platzek
Im Frühjahr dieses Jahres bin ich berufsbedingt nach Berlin umgezogen und erhielt nun – nach fünf Monaten am Wohnort – zu meiner Überraschung ein Schreiben von der „Kirchensteuerstelle beim Finanzamt Treptow-Köpenick“, die behauptet, dass meine Kirchenmitgliedschaft „ungeklärt“ sei. Ich bin vor 16 Jahren aus der Kirche ausgetreten.

Von Babro Walker | Gläserne Wände

Ich wurde gebeten, umgehend hierzu Angaben in einem beigefügten Bogen zu machen. Der Bogen enthielt allerlei sehr persönliche Fragen (wie etwa wann und wo ich getauft wurde) und darüber hinaus wurden Angaben abgefragt, die wohl kaum von einem mittelalten Erwachsenen gemacht werden können (etwa wie meine genaue Anschrift zum Zeitpunkt meiner Geburt lautete). Insgesamt stellte der Bogen mehr als 20 Fragen, zu denen auch Details zu meinem Kirchenaustritt (wann, wo, zuständige Behörde) gehören. Ich wurde gebeten, meinen Kirchenaustritt nachzuweisen, indem ich die Austrittbescheinigung der Behörde, die mir (vor Jahrzenten) meinen Austritt bescheinigt hat, beizufügen. Selbstredend musste ich befürchten, das entsprechende Dokument nicht mehr zu haben. Ich wusste nicht mal mehr mit Sicherheit zu sagen, welchen Wohnort ich zum Zeitpunkt meines gewollten und ganz bewusst gewählten Austrittes hatte. Ich sollte nun aber bitte binnen zwei Wochen antworten.

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Sexuelle Gewalt und Atheismus: Schwierige Themen unbedingt zulassen!

Bild: © Rony Zmiri – stock.adobe.com (Symbolbild)
Schüler möchten über Atheismus oder sexuelle Gewalt reden: Gerät der Unterricht dabei außer Kontrolle oder kann man mit ihnen darüber sprechen? Lehrer Maximilian Golumbeck sagt: Keine Angst vor schwierigen Themen im Religionsunterricht – es lohnt sich!

Von Maximilian Golumbeck | katholisch.de

Kann ich im Religionsunterricht auch über „schwierige“ Themen sprechen? Dazu gehören Inhalte, bei denen eine äußerst kritische bis ablehnende Haltung vieler Schüler gegenüber Religion und Glauben zu erwarten ist, sowie Themen, die die jungen Menschen – zum Teil unvorhersehbar – emotional berühren. Dabei denke ich an Unterrichtsthemen wie Positionen des Atheismus, Erfahrungen von Tod und Trauer oder auch Berichte über sexuelle Gewalt in den Medien. Wäre es nicht sinnvoll, auf diese schwere Kost zu verzichten? Schließlich fordern solche Gespräche von der Lehrkraft viel (emotionale) Kraft ein und sie führen dazu, dass der Unterricht entsprechend der Reaktion der Schüler nur bedingt planbar und vorhersehbar wird.

Tatsächlich hat eine Schülerin in der Berufsfachschule kürzlich meinen Plan für die Reli-Stunde zu biblischem Grundwissen regelrecht durchkreuzt – und ich bin ihr dafür sehr dankbar! Auf meine Frage nach den Erfahrungen der Schüler mit der Bibel antwortete sie mit einer Gegenfrage: „Ich verstehe das alles nicht; Wie kann man die Welt bitteschön in sieben Tagen erschaffen und Menschen von dem Tod auferwecken?“ Sie ziehe aus diesen scheinbar unlogischen Sachverhalten die Konsequenz, dass die Bibel keine lesenswerte Lektüre und der Glaube an Gott längst überholt sei. Bei der Planung der Stunde hatte ich natürlich ein Arbeitsblatt zu Grundwissen in der Bibel vorbereitet. Mit der provokanten Gegenfrage der Schülerin veranlasste sie selbst jedoch ihre Mitschüler, die Bibel zur Hand zu nehmen und nachzuforschen, wie diese Aussagen in der Heiligen Schrift zu verstehen sind.

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Religion und der leere, unbesetzte Himmel

Der Philosoph Rudolf Burger sieht bei Zuwanderern eher ein Entfremdungs- als ein Integrationsproblem.

Wiener Zeitung

Der fundamentale Islam ist laut dem Physiker und Philosophen Rudolf Burger eine Reaktion auf die Aufklärung. Bei der Aufnahme von Zuwanderern in unsere Gesellschaft gehe es daher nicht um Integration, sondern um Entfremdung. Das sagte der 80-Jährige bei einer vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) veranstalteten Podiumsdiskussion am Mittwochabend zum Journalisten Michael Fleischhacker.

Individuen statt Kollektive

Die Integration sei nur möglich, wenn man es schafft, aus meist im Kollektiv denkenden Menschen Individuen zu formen, weshalb das Aufbrechen von Gemeinschaften gefördert werden müsse. Offenbarungsreligionen tradierten keine Werte, sondern Gebote, also klare Handlungsanweisungen, wie der Mensch sich zu verhalten habe. Im Gegensatz dazu sei das Offenbarungsreligionen eigentlich nihilistisch, da es keine durch ein höheres Wesen kreierte normative Seinsordnung gebe. In einem jahrhundertelangen, auch gewalttätigen Prozess habe sich die Denkweise „eines leeren, unbesetzten Himmels“ durchgesetzt. „Dort oben ist nichts, wir sind allein“, deshalb sei es essenziell, dass die Menschen selbst eine Ordnung fänden, „in der wir uns nicht umbringen“, postulierte der frühere Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien in Referenz zum Staatstheoretiker Thomas Hobbes.

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Krise in Libyen: Seenotretter suchen einen sicheren Hafen

Die vormalige „Professor Penck“, nun „Alan Kurdi“. Bild: sea-eye.org
Ein Schiff der NGO Sea Eye mit 64 Migranten wartet auf Zusagen. Das Dauerdrama hat nun einen Krieg zum Hintergrund

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Lage ist verfahren. 64 Migranten sind an Bord des Seenotrettungsschiffes Alan Kurdi, das im Mittelmeer unter deutscher Flagge fährt. Das Schiff sucht nach einem sicheren Hafen zum Anlaufen. Es ist nicht das erste Drama dieser Art. Die langen Verhandlungen unter europäischen Ländern, bis man sich über die Aufnahme der Migranten einigen kann, sind hinlänglich bekannt. Diesmal kommt allerdings eine weitere Schwierigkeit hinzu.

Die Lage in Libyen ist alles andere als sicher. In der näheren Umgebung der Hauptstadt Tripolis und an deren Rändern toben schwere Gefechte zwischen Milizen. Verschiedene Aufrufe der Internationalen Gemeinschaft, der im Fall der letzten Erklärung der EU wiederum lange Verhandlungen zur Formulierung vorausgingen, haben keine wesentliche Wirkung ausgeübt. Die Kämpfe gehen davon unbeeindruckt weiter.

Das internationale Interessensgeflecht hinter den Auseinandersetzungen zwischen Khalifa Hafters Milizen und denen, die aufseiten der offiziell anerkannten Regierung unter Führung von Fajas Seradsch stehen, ist kompliziert (Libyen am Scheideweg). Umso mehr als die Loyalität der Milizen sich nach Gelegenheiten ausrichtet.

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Der Internationale Gerichtshof fügt sich den Drohungen aus Washington

Bild: ICC
Es wird keine Anklage gegen Kriegsverbrechen in Afghanistan gegen US-Soldaten und CIA-Mitarbeiter erhoben, weil es „der Justiz nicht dient“

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Massiv hatte Sicherheitsberater John Bolton bereits im letzten Jahr dem Internationalen Gerichtshof (ICC) gedroht, sollte er gegen US-Geheimdienstmitarbeiter und -Soldaten wegen Kriegsverbrechen in Afghanistan ermitteln. Die Staatsanwältin am Internationalen Strafgerichtshof, Fatou Bensouda, hatte im November 2017 den Antrag gestellt, eine Ermittlung wegen angeblicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzuleiten, die in Afghanistan seit 1. Mai 2003 begangen wurden. Beschuldigt werden die Taliban, die afghanischen Sicherheitskräfte, aber auch die CIA wegen Folter und Verschleppungen in Geheimgefängnissen. Bolton drohte: „Die USA werden alle notwendigen Mittel einsetzen, um unsere Bürger und diejenigen unserer Alliierten vor ungerechter Verfolgung durch dieses illegitime Gericht zu schützen.“

Man werde „mit allen Mitteln“ gegen den ICC vorgehen, warnte Bolton. Man werde, sollte der ICC die Ermittlungen aufnehmen, Richter und Staatsanwälte die Einreise in die USA verbieten, ihre in den USA befindlichen Vermögen sanktionieren und sie mit dem amerikanischen Gerichtssystem verfolgen. Zudem könnten die USA bilaterale Abkommen abschließen, um anderen Staaten zu verbieten, Amerikaner an den Gerichtshof auszuliefern (Sicherheitsberater Bolton droht dem Internationalen Strafgerichtshof).

Die USA haben seit dem Amtsantritt von George W. Bush und seiner Neocon-Regierung, der auch Bolton u.a. als Botschafter an der UN angehörte, die Einrichtung des ICC bekämpft und entsprechenden Druck auf Länder ausgeübt. Es wurde auch ein Gesetz, der als The Hague Invasion Act bezeichnet wurde, verabschiedet, dass den Einsatz von militärischer Gewalt ermöglicht, wenn US-Bürger oder Bürger von alliierten Staaten vor dem ICC angeklagt oder gar verurteilt werden, um sie zu befreien.

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Marianengraben: Erdölfresser geben Rätsel auf

Am Grund des Marianengrabens herrschen extreme Bedingungen – doch gerade dort scheint eine ganz eigene Lebenswelt zu gedeihen. © across/ iStock
Mysterium der Tiefe: Am Grund des Marianengrabens haben Forscher eine ganz neue Lebenswelt entdeckt. Denn dort existieren Unmengen von Erdölfressern – Mikroben, die langkettige Kohlenwasserstoffe fressen. Ihre Zahl schnellt unterhalb von 10.400 Metern abrupt in die Höhe, wie Proben enthüllen. Merkwürdig nur: Diese Bakterien scheinen geradzahlige Kohlenstoffketten zu fressen – und bisher ist kein Organismus bekannt, der solche Kohlenwasserstoffe erzeugen kann.

scinexx

Der Marianengraben ist der tiefste Punkt der Erdoberfläche – knapp 11.000 Meter liegt der Grund dieses Tiefseegrabens unter dem Meeresspiegel. Hier herrschen ewige Dunkelheit und auf jedem Quadratzentimeter lastet der Druck gut einer Tonne. Nur wenige Expeditionen haben sich bisher in diese lichtlosen Tiefen vorgewagt. Doch sie enthüllten bereits Überraschendes: In dieser extremen Umwelt leben überraschend viele Mikroben und auch größere Tiere scheinen bis in die Tiefen abzutauchen.

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Palliativmediziner: Frömmigkeit macht Sterben nicht leichter

Wenn es um die letzten Tage und Stunden eines Menschen auf Erden geht, unterscheiden sich fromme und weniger gläubige Menschen nicht unbedingt voneinander. Das hat der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zumindest beobachtet.

evangelisch.de

Fromme Menschen tun sich nach Erfahrungen des Palliativmediziners Lukas Radbruch nicht leichter mit dem Sterben als weniger gläubige Patienten. „Wir erleben es, dass Menschen mit tiefer Religiosität genauso mit dem Schicksal hadern wie andere – oder vielleicht sogar mehr“, sagte der Leiter der Klinik für Palliativmedizin an der Uniklinik Bonn der Bonner Kirchenzeitung „PROtestant“ (Osterausgabe). Die zentrale Frage sei, ob jemand im Frieden mit sich selbst sei. „Wenn der Glaube dazu führt, dass man im Frieden mit sich selbst lebt und weiß, dass alles irgendwie einen Sinn hat, dann kann er eine wertvolle Ressource sein.“

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Eine Blütenpracht verzaubert Kalifornien – «Super Bloom»

Im Anza-Borrego Desert State Park im Südosten Kaliforniens sehen Besucher meist nur Sand, Steine und Gestrüpp. Doch dieses Frühjahr erstreckt sich ein Blumenmeer im Park. (Bild: Etienne Laurent / EPA)
Das Naturspektakel «Super Bloom» verwandelt Kalifornien derzeit in ein Blumenmeer. Hunderttausende Besucher reisen dafür an – und zertrampeln auf der Jagd nach dem besten Selfie die Pflanzen.

Marie-Astrid Langer | Neue Zürcher Zeitung

Aus der Ferne sieht es aus, als habe jemand ganze Hügel und Wiesen lila-, orange- und gelbfarben angemalt. Erst aus der Nähe betrachtet, erkennt man, dass die Farbkleckse tatsächlich unzählige Eisenkraut-, Mohn- oder Sonnenblumen sind. Weite Teile Kaliforniens erstrahlen derzeit in einer Blütenpracht, insbesondere im Süden des Gliedstaats ist das Naturspektakel derart ausgeprägt, dass man es vom Weltall aus erkennen kann.

Richtiger Mix aus Dürre, Regen, Wind und Sonne

Eine solche «Super Bloom», wie die Amerikaner das Schauspiel nennen, trägt sich nur sehr selten zu; im Schnitt etwa alle zehn Jahre, schätzen Experten. Zahlreiche Faktoren müssen aufeinandertreffen: Zunächst muss es genügend winden, damit sich die Blumenpracht später über weite Flächen erstreckt. Dann muss es nach einer monatelangen Dürre kontinuierlich regnen, allerdings nicht zu stark, da sonst die Blumensamen weggespült werden. Gleichzeitig dürfen die Temperaturen nicht zu hoch oder zu niedrig werden, damit die Samen keinen Schaden nehmen.

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Wie das Bonner Aloisiuskolleg seine Missbrauchsvergangenheit aufarbeitet: „Man muss und kann darüber sprechen“

Schüler im Unterricht © Julian Stratenschulte (dpa)
Das Bonner Aloisiuskolleg hat eine schwere Zeit hinter sich. 2010 wurde öffentlich, dass jahrzehntelang Kinder und Jugendliche gedemütigt, geschlagen und zu sexuellen Handlungen gezwungen wurden. Nun arbeitet die Schule die Vergangenheit auf.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Pater Löwenstein, Sie sind seit 2017 Rektor an der Schule. Wie gehen Sie mit der Vergangenheit des Kollegs um?

Pater Löwenstein (Rektor des Aloisius-Kollegs in Bonn): Ich bin als Rektor tatsächlich der Ansprechpartner für Ehemalige und auch gerade für diese Fragen zuständig. Damit entlaste ich die Schule und den Schulleiter. Prävention und Kinderschutz gehen in die Mitte dessen, was Schule leisten kann – nämlich sich damit auseinanderzusetzen, wie Kinder sich gut entwickeln können.

Wir müssen anerkennen, was in der Vergangenheit passiert ist. Wir führen Gespräche mit den Opfern, aber auch mit den Vielen, deren Vergangenheit infrage gestellt wurde, weil sie eine tolle Schulzeit hatten. Erst im Nachhinein haben sie erfahren, dass ihre tolle Schulzeit und Erfahrung – sogar mit dem Hauptmissbrauchstäter selbst – die Kehrseite hatte, dass einzelne Schüler missbraucht wurden.

DOMRADIO.DE: Sie meinen, viele Schüler hatten eine schöne Zeit und waren sich der dunklen Schatten, die es an der Schule gab, gar nicht bewusst?

Löwenstein: Das Problem ist, dass man damals keine Sprache dafür hatte. Man hat das Problem wahrscheinlich geahnt. Ich habe gerade heute Morgen zufällig jemanden kennengelernt, der vorher auf der Schule war. Der erzählte mir, dass alle Schüler und Eltern wussten, dass der Pater auf Jungs steht. Man hat das aber in der Dimension nicht verstanden. Und man kam nie auf die Idee, welche Brutalität und Gewalt dahinter steht.

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Emil Nolde: Schöpfer „entarteter Kunst“ war selbst Antisemit

Emil Nolde, Porträtfoto von Minya Diez-Dührkoop, 1929. Bild: wikipedia.org/ PD
Der legendäre Expressionist Emil Nolde stilisierte sich als Opfer der Nazis, als Verfolgter. Eine neue Ausstellung zeigt ihn einem anderen Licht: als überzeugten Nationalsozialisten und glühenden Antisemiten. Aus dem Kanzleramt wurden seine Bilder bereits entfernt.

rbb24

Nach großem Wirbel um die Gemälde von Maler Emil Nolde im Kanzleramt präsentiert die Berliner Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof die mit Spannung erwartete Schau „Emil Nolde – Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus“ (12. April bis 15. September). Die Ausstellung zeigt das Werk des Expressionisten Nolde (1867-1956) erstmals auf Basis neuer Erkenntnisse im historischen Kontext seiner Biografie und ideologischen Haltung.

Nolde wurde von den Nazis zwar als Schöpfer „entarteter Kunst“ diffamiert, war aber auch NS-Parteimitglied, Antisemit, Rassist und bis zum Ende überzeugter Nationalsozialist. „Wie kaum ein anderes hat sich unser Museum immer auch als Ort der Aufklärung verstanden“, sagte der Direktor der Nationalgalerie, Udo Kittelmann. „Der Blick auf Nolde wird sich verändern müssen“, sagte Kittelmann im Vorfeld der Ausstellung.

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Bußgeld wegen verweigertem Schulbesuch einer Milli Görüs-nahen Moschee

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Imamin Seyran Ates: „Ein Paar will nicht, dass sein Sohn an einem Schulausflug in eine #MilliGörüs-Moschee teilnimmt… Die 50 Euro waren eine Investition in die Weltoffenheit des Kindes.“

kath.net

Letztinstanzlich wurde nun bestätigt, dass die Eltern eines damals 13-Jährigen 50 Euro Bußgeld bezahlen müssen, weil sie ihren Sohn 2016 nicht am Schulausflug in die örtliche Moschee teilnehmen ließen. Darüber berichtete die „Welt“ und beschrieb die Moschee folgendermaßen: Die Centrum-Moschee Rendsburg „ist Mitglied im Bündnis der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland, welches der als islamistisch geltenden Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) nahestehen soll“. Die IGMG war über mehrere Jahre vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet worden.

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Koblenz: Muslimin bekämpft Burkini-Verbot

Model im Burkini. (Symbolbild) – APA/AFP/SAEED KHAN
Die Stadt Koblenz in Deutschland hat Ende 2018 beschlossen, dass Badegäste „im Nassbereich“ städtischer Schwimmbäder nur Badehosen, Badeanzüge, Bikini oder Badeshorts tragen dürfen.

Von Judith Hecht | Die Presse

Eine syrische Frau will diese umstrittene Badeordnung nicht akzeptieren. Die Asylwerberin hat beim Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz den Antrag auf Normenkontrolle gestellt. Gleichzeitig will sie, dass die entsprechende Regelung bis zu Entscheidung über ihren Antrag sofort außer Kraft gesetzt wird.

Die Syrerin erklärte in ihrem Antrag, sie solle – so haben ihr die Ärzte geraten – zur Linderung ihres Rückenleidens regelmäßig schwimmen gehen. Ihr muslimischer Glaube verbiete es ihr jedoch, dies ohne Burkini zu tun.

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Splatter-Kult: Möglicher „Heiliger des Internets“ Postulator – Körper von Carlo Acutis ist unversehrt

Bild: © Associazione Amici di Carlo Acutis
Vielleicht hat der potenzielle Internet-Patron Carlo Acutis bald die nächste Stufe zur Seligsprechung erklommen: In seinem Fall gibt es jetzt neue Erkenntnisse – und die betreffen den Leichnam des Jugendlichen.

katholisch.de

Laut dem Postulator im Kanonisationsprozess ist der Körper von Carlo Acutis unversehrt. „Nach dem, was ich gehört habe, ist der Körper intakt“, sagte Nicola Gori am Montag dem italienischen Fernsehsender Tv2000. Die Unversehrtheit kann ein wichtiges Indiz im Seligsprechungsprozess sein.

Der 1991 geborene und 2006 gestorbene Acutis war computerbegeistert und legte unter anderem ein Online-Verzeichnis Eucharistischer Wunder an. Seit seinem Tod hat sich die Bewunderung für ihn verbreitet – manche hoffen, dass er einmal Patron des Internets werden könnte. Papst Franziskus lobte den „ehrwürdigen Diener Gottes“ in seinem Schreiben „Christus vivit„: Acutis habe gewusst, dass „Mechanismen der Kommunikation, der Werbung und der sozialen Netzwerke genutzt werden können, um uns einzuschläfern und abhängig zu machen vom Konsum“. Er habe es aber verstanden, „die neuen Kommunikationstechniken zu nutzen, um das Evangelium zu verbreiten sowie Werte und Schönheit zu vermitteln.“

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