Theologin sieht keine Chancengleichheit in der Kirche: „Kirche schließt Frauen kategorisch von Leitungspositionen aus“


Mehr Frauen sollen in den Führungspositionen der Kirche arbeiten © Oliver Berg (dpa
Frauen in Leitungspositionen stören die Kirche. Diese These stammt von der Theologin Dr. Andrea Qualbrink. Für sie sind Frauen in den Schlüsselpositionen der Kirche unterrepräsentiert. Die Gründe dafür liegen in den Bistümern selbst.

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DOMRADIO.DE: Sie haben in Ihrer Studie die These aufgestellt, dass Frauen in Leitungspositionen die Kirche stören. Warum stören Frauen die Organisation Kirche?

Dr. Andrea Qualbrink (Theologin und Referentin im Stabsbereich Strategie und Entwicklung im Bistum Essen): Die Frauen stören die Organisation Kirche als produktive Irritationen. Sie stören die Kirche, weil sie zeigen: Kirche kann nicht so bleiben, wie sie ist. Die Frauen in den Leitungspositionen zeigen ganz deutlich, dass das Gesicht der Kirche mindestens aus Männern und Frauen besteht. Mit ihrer Tätigkeit in Führungspositionen zeigen die Frauen, dass die Struktur sie nach wie vor benachteiligt. Sie sind unterrepräsentiert. Das passt so nicht mehr.

DOMRADIO.DE: Wie schwer haben es Frauen heute in der Kirche?

Qualbrink: Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz habe ich unter anderem die Rolle der Frauen in Leitungspositionen in Ordinariaten und Generalvikariaten untersucht. Da zeigte sich zwischen 2013 und 2018 eine Erhöhung auf der oberen und mittleren Leitungsebene. Einmal von 13 auf 19 Prozent und einmal von 19 auf 23 Prozent. Heißt aber umgekehrt: Frauen sind in diesen Leitungsfunktionen noch ganz stark unterrepräsentiert.

Das liegt nicht in erster Linie an den Frauen selbst. Ganz im Gegenteil, es liegt in erster Linie an den Organisationen selbst und in den stereotypen Vorstellungen, wie Frauen und Führungskräfte sind. Diese Vorstellungen sind zum Teil unbewusst. Sie strukturieren aber vor, wer in Leitungspositionen hinein gefördert wird, wer akquiriert wird, wer diese Leitungspositionen überhaupt erreicht. Diese Vorstellungen haben sowohl Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber.

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