Bildergeschichte der Frau von Deso Dogg


Grafik: TP
Eine arabische Journalistin ist an ein Handy mit vielen Fotos einer deutschen IS-Rückkehrerin gelangt. Ihr Bericht wirft Fragen zum Stand der Ermittlungen auf und zum Umgang der Sicherheitsbehörden mit ehemaligen IS-Mitgliedern

Thomas Pany | TELEPOLIS

In Zeiten von Fake News ist Vorsicht gegenüber spektakulären Enthüllungen angeraten. Das gilt auch für das Video der arabischen Journalistin Jenan Moussa. Denn im Mittelpunkt ihrer Recherchen steht ein gefundenes Handy mit vielen Bildern. Es erzählt die Geschichte einer Frau, die beim IS in Syrien war, unter anderem in Rakka, dort Kinder aufzog, mit zwei bekannten deutschen Dschihadisten zusammenlebte, und nun offenbar unerkannt eine Existenz in Hamburg als Beraterin für Schönheit und Gesundheit führt.

Das wirft die Frage danach auf, ob auch die deutschen Sicherheitsdienste über die Frau Bescheid wissen und ob sie überprüft wurde. Auf der Twitterseite von Jenan Moussa meldete sich die Hamburger Polizei mit der Mitteilung, dass ihr der „Sachverhalt bereits bekannt“ ist. (Einfügung: Auch die bayerische Polizei meldet sich auf dem Twitterkonto von Moussa. Sie gibt Bescheid, dass „der Fall bekannt ist und bearbeitet wird“.)

(Update: Mittlerweile wird „der Fall“, den die libanesische Journalistin der Öffentlichkeit bekannt macht, auf ihrem Twitterprofil ausführlicher dargestellt. Anfangs beschränkten sich die Angaben auf ein Video und zwei kurze Tweets).

Nach all dem, was aus dem Bericht von Jenan Moussa hervorgeht, war die Frau, die deutsche Staatsbürgerin ist, mit zwei deutschen IS-Dschihadisten, Nader Hadra und Deso Dogg, verheiratet und stand dadurch in enger Verbindung mit Männern, die an Verbrechen des IS teilnahmen. Das trifft auch auf den österreichischen Mohamed Mahmoud zu, mit dem sie laut Fotos ebenfalls in vertrautem Verhältnis stand.

Jenan Moussa arbeitet als Journalistin beim arabischen Fernsehsender Akhbar Al-Alan. Mit einer Undercover-Recherche, bei der sie die Federführung hatte, – über die dominierende Präsenz des al-Qaida-Ablegers al-Nusra-Front in Idlib -, wurde sie vor zwei Jahren auch in Deutschland bekannt. An dieser Stelle wurde im Juni 2017 über ihre Recherchen zu den Frauen in Raqqa berichtet: IS-Frauen aus Raqqa: Enttäuschte Dschihad-Groupies.

Anhand ihrer Arbeiten ist die libanesische Journalistin, die in Expertenkreisen oft verlinkt wird, als seriös einzustufen. Ihre jüngsten Recherchen, die sie nach Hamburg führten, stellt sie, wie zuvor schon andere Berichte, auf Twitter mit kurzen Zusammenfassungen in englischer Sprache vor. Mittlerweile gibt es auch ein etwa 20-minütiges Video, das mit englischen Untertiteln unterlegt ist und zeigt, wie Jenan Moussa versucht, mit der Frau in Hamburg in Kontakt zu treten, dazu Ausschnitte aus der dokumentierten Bildergeschichte der Frau.

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