Dogmatikprofessor: Benedikt-Text offenbart „System des Schweigens“


Bild: brightsblog
Die kirchliche Hierarchie sei geschickt darin, mit „Zwangsmaßnahmen“ und „kirchenamtlichen Sprechverboten“ Dinge unter der Decke zu halten: Exemplarisch zeige das auch Benedikts Analyse zur Kirchenkrise, schreibt Dogmatiker Michael Seewald.

katholisch.de

Für den Münsteraner Dogmatikprofessor Michael Seewald lässt sich anhand des kürzlich veröffentlichen Texts von Benedikt XVI. zum Missbrauch exemplarisch ablesen, wie ein „System des Schweigens“ in der Kirche entstehen konnte. Dieses System zeige der Papa Emeritus in seinem Text gerade durch das, was er nicht erwähne, so Seewald in einem Gastbeitrag der „Frankfurter Rundschau“. Die Verantwortung der Kirche für das, was Menschen durch Geistliche angetan wurde, blende die Schrift Benedikts vollkommen aus.

„Zwangsmaßnahmen“ und „kirchenamtliche Sprechverbote“

Noch heute herrsche in der Kirche keine Meinungsfreiheit, analysiert Seewald: „Die freie Benennung von Missständen in der Kirche ist nur dort möglich, wo die Hierarchie es erlaubt.“ Die kirchliche Hierarchie sei geschickt darin, mit „Zwangsmaßnahmen“ und „kirchenamtlichen Sprechverboten“ Dinge unter der Decke zu halten, die nicht öffentlich werden sollten. Deswegen sei die Aufklärung des Missbrauchs auch nicht der Kirche selbst, sondern dem Mut einzelner Opfer und der Berichterstattung der Medien zu verdanken. Sinke der „mediale Druck“ wieder, bestehe die Gefahr, dass die Kirche in alte Muster des Schweigens zurückzukehre. „Man kann nur hoffen, dass die Öffentlichkeit nicht müde wird, einer Institution auf die Finger zu schauen, die dringend der Kontrolle bedarf“, schreibt Seewald.

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