Karfreitag, Himmelfahrt und Co: Feiertage abschaffen!

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An Tagen wie dem heutigen Karfreitag flammt regelmäßig Kritik daran auf, dass manche kirchliche Feste arbeitsfreie Feiertage sind. Unser Autor Philipp Spahn hat eine radikale Empfehlung für die Kirchen: Würden diese Feiertage abgeschafft, wäre das gut für den Glauben.

Von Philipp Spahn | katholisch.de

Heute ist Karfreitag. Und mit dem stillen Feiertag, das war so sicher, wie das Amen in der Kirche, sind auch die Diskussionen über das karfreitägliche Tanzverbot wieder aufgeflammt. Nicht, dass das partielle Verbot, das Tanzbein zu schwingen, an anderen christlichen Feiertagen, die zugleich arbeitsfrei sind, ein Problem darstellte. An Heiligabend zum Beispiel, an dem zeitweise immerhin in zehn Bundesländern ein Tanzverbot gilt, interessiert sich so gut wie niemand dafür. Und auch an gesetzlichen Feiertagen ohne christliche Bezüge stört sich niemand daran, dass nicht getanzt werden darf. Am Volkstrauertag beispielsweise schränken alle Bundesländer die beliebte Freizeitbeschäftigung des Tanzes stundenweise ein. Aber nur am Karfreitag, da regt sich hörbarer Widerspruch, da muss Tanzen bis in die Puppen sein.

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Warum sind Depressionen so verbreitet?

Der Autor Johann Hari kennt Depressionen aus eigener Erfahrung. (Bild: Alamy)
Der britische Sozialwissenschafter Johann Hari sucht weltweit nach den Ursachen und Begleitumständen von Depressionen. Was er dabei herausfindet, dürfte nicht nur Betroffene interessieren. Eine Buchbesprechung.

Nicola von Lutterotti | Neue Zürcher Zeitung

Der Absatz von Antidepressiva hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten weltweit stark zugenommen, auch in der Schweiz. So sind nach Angaben der Stiftung Sucht Schweiz 2017 hierzulande rund 3,6 Millionen Packungen der Stimmungsaufheller verkauft worden – doppelt so viele wie zwanzig Jahre zuvor. Dass es um den seelischen Zustand vieler Zeitgenossen nicht gut bestellt ist, legen auch die Daten des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums nahe. Demnach leiden rund 30 Prozent der Erwachsenen und Jugendlichen an leichten bis schweren Depressionen. Dabei wird meist unterschätzt, wie unerbittlich diese affektive Störung jeden Bereich des täglichen Lebens durchdringt. Es gibt kein anderes Leiden, das die Lebensqualität so vieler Personen so nachhaltig vermindert.

Woher aber kommt es, dass Depressionen so verbreitet sind? Und warum fühlen sich viele Betroffene trotz Behandlung mit Antidepressiva weiterhin niedergeschlagen? Auf der Suche nach Antworten vertieft sich der britische Sozialwissenschafter Johann Hari, selbst seit frühester Kindheit depressiv, in die einschlägige Fachliteratur, befragt Experten aus aller Welt und spricht mit Betroffenen der unterschiedlichsten Kulturkreise. Welche Erkenntnisse er dabei erzielt, schildert er in seinem kürzlich erschienen Buch «Der Welt nicht mehr verbunden». Ob seine Einsichten und Lösungsvorschläge anderen Betroffenen helfen, sei dahingestellt. Dennoch sind sie ausgesprochen lesenswert. Das gilt nicht zuletzt für all jene, die, wenngleich nicht depressiv, so doch aus scheinbar unerklärlichen Gründen unglücklich sind.

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Tanzverbot oder nicht? : „Dieser Staat ist nicht getauft“

Das Tanzverbot ist in Deutschland seit Jahren ein Streitthema. Bild: dpa
Ist das Tanzverbot am Karfreitag noch zeitgemäß oder nicht? Diese Frage sorgt für heftige Debatten – auch in der Politik. FAZ.NET hat bei den Fraktionen im Bundestag nachgefragt.

Von Carlotta Roch | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Jedes Jahr entbrennt die Debatte aufs Neue: Tanzverbot am Karfreitag – ja oder nein? Die einen finden, das solle jeder für sich selbst entscheiden und argumentieren mit der bestehenden säkularen Trennung von Staat und Kirche in Deutschland. Andere hingegen bestehen auf die Einhaltung dieser Regelung an dem christlichen Feiertag. Im Zusammenhang mit Ostern ist der Karfreitag für das Christentum einer der bedeutendsten Feiertage. Besonders in der katholischen Kirche ist der Karfreitag heilig, er gilt als strenger Fast- und Abstinenztag.

Am Donnerstag fachte der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert die Debatte neu an und forderte, das Tanzverbot an Karfreitagen abzuschaffen. Die Entscheidung, an Karfreitag feiern zu gehen, müsse jedem selbst überlassen werden, sagte Kühnert dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er selbst würde keine Party in einer Kirche anmelden, doch „wer an dem Tag in die Disko gehen will, sollte das auch tun können“.

Wie stehen die Parteien im Bundestag dazu? FAZ.NET hat bei den Fraktionen nachgefragt.

CDU/CSU

Von der Unionsfraktion war am Donnerstag für FAZ.NET kein Politiker für eine Stellungnahme erreichbar. Der Essener CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer sprach sich auf Twitter aber gegen eine Aufhebung des Tanzverbots aus. „Wenn [der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert] Disco am #Karfreitag fordert, dann würde das heißen: vorher auch arbeiten gehen. Nur weil #Christen dann dem Tag dem Sterben Jesu Christi gedenken, ist er nämlich überhaupt erst ein #Feiertag. #Tanzverbot“, schrieb Hauer.

Auch der Frankfurter Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) warb für die Einhaltung der Karfreitagsruhe. „An einigen wenigen Tagen im Jahr auf lautes Feiern zu verzichten, stellt keine besondere Einschränkung dar. Es ist vielmehr eine wichtige Geste, die von Respekt gegenüber den Mitmenschen zeugt und das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt fördert“, sagte Becker am Mittwoch. Der Karfreitag sei als christlicher Feiertag dem Gedenken an das Leiden und die Kreuzigung Jesu Christi gewidmet. „Dies verträgt sich nicht mit lautem und ausgelassenem Feiern“, erklärte Becker.

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„Kernkraft ist klimasmart“

AKW Oskarshamn. Bild: Anchor2009/CC BY-SA-3.0
In Schweden wächst die Zustimmung zur Atomkraft als grüne oder „grüngewaschene“ Energie

Jens Mattern | TELEPOLIS

Die Osterferien nutzt Schwedens bekannteste Klimaaktivistin zum Werben für ihre Sache: Am Dienstag trat die Schülerin Greta Thunberg im Europäischen Parlament in Straßburg als Rednerin auf, tags darauf empfing sie der Heilige Vater in Rom, ein Treffen mit dem italienischen Senat ist geplant, Schülerstreik in Rom und vielleicht folgt ein Auftritt im Houses of Parliament in London.

Dies wird Fans beflügeln und Gegner zum Spott anstacheln. Weniger im europäischen Fokus scheint jedoch zu stehen, was derzeit in Gretas Herkunftsland Schweden in Sachen Energiefragen passiert.

Dort gibt es einen Atomkraft-Hype, der sich nach Willen der bürgerlichen Parteien auch auf Europa ausdehnen soll. Wobei man das Wort „Kärnkraft“ (Übersetzung Kernkraft) nutzt – wie die Befürworter in Deutschland, die seit den 1960er Jahren das Wort „Atom“ vermeiden, um die Nähe zur Atombombe nicht anklingen zu lassen.

Alles zur Rettung des Klimas

„Kernkraft ist klimasmart“, „Kernkraft ausbauen für ein grüneres Schweden“ – mit solchen Beiträgen in schwedischen Zeitungen werben derzeit die Politiker und Kandidaten der bürgerlichen oppositionellen Parteien „Moderaten“ und „Christdemokraten“ für Straßburg vor der Europawahl. Und dabei geht es nicht nur um Schweden. Da Deutschland den Ausstieg aus der Atomenergie umsetzen will und somit für noch mehr Kohleemissionen sorgen werde, müsse das restliche Europa auf die nukleare Energie setzen. Die konservativ-liberalen Moderaten fordern, dass das Budget der EU für Atomenergie auf 4,2 Milliarden Euro verdoppelt wird – zur Rettung des Klimas.

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Forscher entdecken Überreste eines riesigen prähistorischen Raubtiers – in einer Museumsschublade

Künstlerische Rekonstruktion von Simbakubwa kutokaafrika. (Bild: Mauricio Anton)
Sie streiften vor Millionen Jahren, lange vor Löwen oder Tigern, durch Afrika, Asien, Europa und Nordamerika und jagten die frühesten Verwandten von Elefanten und Nashörnern. Nun haben Forscher einen neuen, riesigen Vertreter dieser urzeitlichen Raubtiere identifiziert.

Stephanie Kusma | Neue Zürcher Zeitung

«Wir sahen eine Reihe gigantischer, fleischfressender Zähne»: So beschreibt der Paläontologe Matthew Borth laut einer Mitteilung der Ohio University den Anblick, der sich ihm bot, als er eine Schublade im kenyanischen Nationalmuseum öffnete. Die 22 Millionen Jahre alten Knochenreste – Teile des Kiefers mit Zähnen und wenige Fussknochen – stammen aus der Fundstelle Meswa Bridge in Kenya und wurden in den späten 1970er bis frühen 1980er Jahren entdeckt.

Reiche Fundstelle

Die Ausgräber damals bargen Fossilien einer ganzen Reihe von Arten, waren selbst aber besonders an Primaten interessiert. Die Raubtier-Fragmente blieben deshalb unbeschrieben, bis Borth sie fand. Sein Interesse weckten sie nicht nur, weil verschiedene Zahnmerkmale darauf hindeuteten, dass sie zu einer bis anhin unbekannten Art gehörten. Sie sind auch vollständiger und besser erhalten als viele andere Fossilien aus ihrer Tiergruppe, wie Borth erklärt.

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Die Kirche und die Intellektuellen

Den Kirchen gelingt es immer weniger, ein intellektuell anspruchsvolles Publikum anzusprechen und zu überzeugen.(Bild: Joerg Sarbach / AP)
Viele Intellektuelle fühlen sich in der Kirche kaum mehr verstanden und kehren ihr den Rücken. Und diejenigen, die gelegentlich einen Gottesdienst besuchen, sehen sich nicht ernst genommen. Sie bringen die Auslegung des Evangeliums in den Predigten nicht mit ihren intellektuellen Ansprüchen zusammen.

Béatrice Acklin Zimmermann | Neue Zürcher Zeitung

Auf meine Frage, wie er sich das erkläre, dass die Kirchen überall dort, wo am Karfreitag die Matthäus-Passion gespielt werde, zum Bersten voll seien, während sie in den Gottesdiensten grösstenteils leer blieben und es doch in beiden Fällen um die Passion Christi gehe, meinte der niederländische Dirigent und Bach-Spezialist Ton Koopmann: «Ich sehe einen wesentlichen Grund darin, dass die intellektuellen Erwartungen, die man immer noch mit den Predigten verbindet, oftmals sehr unbefriedigt bleiben und die Worte vieler Prediger weder unseren Kopf noch unser Herz erreichen.»

Koopman vermisst in den meisten Predigten eine intellektuell verantwortete Rechenschaft über den christlichen Glauben, die auch von dem im vergangenen Jahr verstorbenen Philosophen Robert Spaemann immer wieder angemahnt worden war. Spaemann, der sich als Intellektueller mit christlicher Verortung und scharfsinniger Kritiker des Zeitgeistes in den öffentlichen Diskurs einbrachte, konstatierte einen zunehmenden intellektuellen Substanzverlust in der Kirche.

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Kölner Pfarrer: „Fromme Floskeln gefährden Glaubwürdigkeit der Kirche“

Thomas Frings ist Pfarrer in der Innenstadt Foto: Thomas Frings
Thomas Frings, geboren 1960, ist Priester des Bistums Münster. 2015 legte er sein Amt als Pfarrer in einer Münsteraner City-Pfarrei nieder und begründete den Schritt unter anderem in dem Bestseller „Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“. Nach einer Auszeit in einem niederländischen Kloster kam er ins Erzbistum Köln, wo er seit 2018 in der Großpfarrei Innenstadt wirkt.

Von Joachim Frank | Kölner Stadt-Anzeiger

Herr Frings, wie kompliziert ist Ostern für einen Pfarrer?

Ich weiß ja, was kommt. Das ist das Gute an unseren Feiertagen. Die Kar- und Ostertage sind allerdings schon eine Herausforderung: besonders im Ablauf, anspruchsvoll im Inhalt.

Weil es um so etwas Unglaubliches geht wie die Auferstehung von den Toten? Erlebt hat so etwas ja noch niemand.

Mir wird immer deutlicher, dass genau das unsere Antwort im Glauben ist. Karfreitag ist den Menschen heute als „Feiertag“ immer schwerer zu vermitteln. Es geht an diesem Tag darum, dass jemand stirbt. „Ja gut“, sagen die Leute, „das müssen wir alle. Sollen doch die Christen machen, was sie wollen, aber warum müssen alle anderen sich danach richten?“ Das ist in der Tat nicht ohne Weiteres erklärbar. Mit dem Osterfest ist es etwas anderes. Alles im Leben, was uns Menschen nicht logisch ist, kleiden wir in die Form des Festes. Bestes Beispiel: Hochzeit. Ein großes Fest, weil das, was gefeiert wird, nicht „vernünftig“ ist. Es geht um etwas, was uns selbst übersteigt.

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Wann ist tot tot?

Grafik:TP
Während in Deutschland die Organspende zum Normalfall erklärt werden soll, wird in der Schweiz der Hirntod als Kriterium für den eingetretenen Tod angezweifelt

Christoph Jehle | TELEPOLIS

In Deutschland geht man zumeist davon aus, dass der Mensch mit dem Eintreten des Hirntodes sein Leben ausgehaucht hat, ein Bild, das im Übrigen aus dem Alten Testament stammt und als Geweihter Atem/Heiliger Geist die christliche Theologie bis heute beeinflusst, hatte doch der aus Lehm geformte Adam sein Leben erst durch das Einhauchen des göttlichen Atems erhalten. Mit dem Hirntod hat man in der europäischen Kultur den Tod eines Menschen definiert, auch wenn es heute möglich ist, viele lebenswichtige Körperfunktionen mit externen Mitteln anzusteuern, so dass sogar eine hirntote Frau ein gesundes Kind zur Welt bringen kann

In Deutschland will man auf der Basis der Definition des Hirntods jetzt die Entnahme von Organen zum Zwecke der Transplantation erleichtern, indem man auf die mit einem Testament vergleichbaren Einwilligung zu Organentnahme verzichten, die Organspende zum Normalfall erklären und für ihre jeweilige Ablehnung eine aktive Erklärung fordern will. Diese Widerspruchsregelung hat einigen Widerspruch herausgefordert. Dagegen gibt es in der Schweiz eine Ärzteinitiative, welche dafür plädiert, die Organentnahme bei Hirntoten zu verbieten.

Die erste Herztransplantation gelang dem südafrikanischem Chirurgen Christiaan Barnard am 3. Dezember 1967 im Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt. Zwar überlebte der 53 Jahre alte, aus Litauen stammende Gemüsehändler Louis Washkansky die Operation nur um 18 Tage, dies galt jedoch damals als großer Erfolg der Transplantationsmedizin. Das Herz stammte von der 25-jährigen Bankangestellten Denise Ann Darvall, die bei einem Verkehrsunfall tödliche Hirnverletzungen erlitten hatte.

Ihr Vater gab die Zustimmung für die Entnahme des Herzens. Das war damals vergleichsweise unbürokratisch möglich. Inzwischen lässt sich die Abstoßung eines transplantierten Organs besser vermeiden und somit hat sich die Lebenserwartung der Menschen, welchen ein Organ eingepflanzt wird, deutlich erhöht. Und mit der Operationsroutine nahm auch die Zahl der Transplantationen zu, was manchen Organempfängern ein neues Leben nicht nur versprochen, sondern auch ganz praktisch ermöglicht hat. Und wer Menschen kennt, deren Weiterleben von einem gespendeten Organ abhing, kann einschätzen, welche Bedeutung die Organspende für diese Menschen hat.

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Erstes Molekül des Universums nachgewiesen

Spektrum des Heliumhydrid-Ions HeH+, das nun im Planetarischen Nebel NGC 7027 erstmals nachgewiesen worden ist. © William B. Latter (SIRTF Science Center/Caltech) und NASA/ESA; Spektrum: Rolf Güsten/MPIfR, Nature
Chemischer Urknall: Die allererste Molekülbindung in unserem Universum entstand zwischen Helium und einem Wasserstoffkern. Jetzt haben Astronomen dieses Heliumhydrid-Ion (HeH+) zum ersten Mal im Weltall nachgewiesen. Mithilfe des Flugzeug-Teleskops SOFIA spürten sie es in einem 3.000 Lichtjahre entfernten planetarischen Nebel auf. Nach jahrzehntelanger Suche ist damit bestätigt, dass dieses primordiale Ion im Kosmos entstehen kann und bis heute existiert, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

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Am Anfang war der Wasserstoff: Rund 380.000 Jahre nach dem Urknall bildeten sich die ersten neutralen Atome – die Elemente Wasserstoff, Helium und Lithium. Wenig später durchlebte das junge Universum einen weiteren bahnbrechenden Wandel: Die erste chemische Bindung entstand. Neutrale Heliumatome reagierten dabei mit Protonen des Wasserstoffs und formten Heliumhydrid-Ionen (HeH+).

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In Begleitung des Imams aus Christchurch: Ein Mann auf fragwürdiger Mission in Berlin

Abdul-Wached Nijasow (rechts) zusammen mit Gamal Fouda, dem Imam aus Christchurch, Anfang April im Abgeordnetenhaus.Foto: Georg Ismar
Wurde der Imam aus Christchurch in Berlin benutzt, um einem islamistischen Verein die Türen zu öffnen? Sicherheitskreise vermuten eine Nähe zur Muslimbruderschaft.

Von Frank Jansen, Georg Ismar | DER TAGESSPIEGEL

Abdul-Wached Nijasow hat eine wichtige Botschaft mit nach Berlin gebracht: „Wir sind hier auf einer Solidaritätsmission.“ In dem Manifest habe sich der Attentäter von Christchurch sehr stark auf Europa bezogen, daher habe man den Imam der Moschee eingeladen, sagt der Vorsitzende des European Muslim Forums am 5. April im Berliner Abgeordnetenhaus. Gemeint ist der Terroranschlag eines rechtsextremen Fanatikers in Neuseeland. Neben Nijasow sitzt Gamal Fouda, er ist der Imam der Al-Noor-Moschee, eines der beiden Ziele des Anschlags vom 15. März mit 50 Toten. Fouda predigte gerade, als das Massaker begann. Er ist nun mit der Spitze des European Muslim Forum (EMF) hier, um als Botschafter gegen den Terror aufzutreten.

Nun stellt sich die Frage: Ist der Imam instrumentalisiert worden, um einen zweifelhaften Verein bekannt zu machen? Der russische Staatsbürger und Vereinsgründer Nijasow, Fouda, und weitere Begleiter diskutieren in Berlin eine Stunde mit SPD-Fraktionschef Raed Saleh. Auch der Religionsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Grübel, trifft den Imam und Nijasow in Berlin. Ebenso der frühere SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

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HIV: Vielversprechender Antikörper getestet

Mikroskop-Aufnahme einer mit HIV infizierten T-Zelle © NIAID
Neue Hoffnung für HIV-Patienten: Forscher haben einen weiteren Antikörper gegen HIV getestet – mit vielversprechenden Ergebnissen. So blockierte der Wirkstoff im Körper von Betroffenen erfolgreich die Vermehrung der gefährlichen Erreger. Anders als gängige antivirale Medikamente musste er dabei nicht täglich, sondern nur wöchentlich oder sogar nur alle zwei Wochen verabreicht werden. Außerdem scheint das Mittel mit einem geringen Risiko für Resistenzen einherzugehen, wie das Team berichtet.

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Rund 37 Millionen Menschen sind weltweit mit dem Aids-Erreger infiziert – allein 90.000 davon in Deutschland. Ein Heilmittel für die tödliche Virusinfektion gibt es bislang zwar nicht. Dank antiviraler Medikamente können Betroffene heute aber ein weitgehend normales Leben führen. Zudem zeichnet sich zunehmend ab, dass auch Antikörper die HI-Viren wirksam in Schach halten könnten. So ist Forschern unter anderem bei Rhesusaffen bereits eine langfristige Hemmung der Erreger mit einer solchen Therapie gelungen.

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Ostdeutsche als „alte Migranten“ oder die „neuen Muslime“?

Grafik: TP
Ostdeutsche und Muslime werden in ähnlichem Maße benachteiligt? In der Studie, auf die sich Medien berufen, steht davon aber gar nichts

Fabian Goldmann | TELEPOLIS

Die Vorstellung hat etwas Versöhnliches: Sitzen Ostdeutsche und Muslime eigentlich im selben Boot? Eint die beiden Bevölkerungsgruppen, die sich dem Klischee nach doch so unversöhnlich gegenüberstehen, in Wahrheit eine gemeinsame Diskriminierungserfahrung? Sind Ossis nicht auch irgendwie nur Migranten?

Das ist der Ton, in dem dieser Tage viele Medien über eine sozialwissenschaftliche Studie berichten. Deren vermeintliches Ergebnis beschreibt Die Zeit so: „Ostdeutsche und Migranten ähnlich stark benachteiligt.“

„Studie zeigt: Ostdeutsche und Migranten werden ähnlich stark benachteiligt“, heißt es bei Focus Online. Und auch die dpa tickerte „Studie: Ostdeutsche und Muslime werden ähnlich benachteiligt“.

Nach realer Diskriminierung hat niemand gefragt

Der Haken an der Geschichte: In der Studie, auf die sich diese und viele anderen Medien berufen, steht überhaupt nichts über die Diskriminierung von Ostdeutschen und Muslimen. „Ost-Migrantische Analogien“ heißt die Untersuchung, die das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) herausgegeben hat. Unter der Leitung der Berliner Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan gehen die Forscher dort nicht der Frage nach, wie sehr Ostdeutsche und Muslime diskriminiert sind, sondern, was West- und Ostdeutsche sowie Muslime übereinander denken.

Die Forscher haben 7.200 Menschen befragt. 4.600 im Westen des Landes, 2.600 im Osten. Dabei stießen sie auf einige Ähnlichkeiten in der Wahrnehmung von Ostdeutschen und Muslimen. So stimmten 41,2 Prozent der Westdeutschen der Aussage zu, dass sich Ostdeutsche ständig als Opfer sehen. Ein ähnlicher Anteil der Westdeutschen (36,5 Prozent) bejahte die Aussage auch für Muslime.

Auch beim Thema Extremismus schnitten Ostdeutsche und Muslime aus westdeutscher Sicht ähnlich ab. So sagten 43,3 Prozent der befragten Westdeutschen, dass sich Muslime zu wenig vom Extremismus distanzieren. Nach Ostdeutschen gefragt, stimmten 37,4 Prozent der Westdeutschen zu. Etwas größer war der Unterschied bei der Aussage, „Ostdeutsche sind noch nicht richtig im heutigen Deutschland angekommen“. Hier stimmten 36,4 Prozent der Westdeutschen zu. Nach Muslimen gefragt, waren es 58,6 Prozent.

Die Studie verrät nicht nur, was Westdeutsche von Muslimen und Ostdeutschen denken; auch darüber, was Ostdeutsche von sich selbst halten, gibt sie Einblick. Was die Untersuchung allerdings nirgends macht, ist Aufschluss über reale Diskriminierung zu geben. Sie fragt nicht nach Erfahrungen bei Bewerbungen oder Wohnungsbesichtigungen, wertet keine Kriminalstatistiken aus.

Dass viele Medien die Studie dennoch zum Anlass nehmen, über ähnliche Benachteiligung von Ostdeutschen und Muslimen zu berichten, ist aber nicht nur die Schuld ungenau arbeitender Journalisten. Die Studie selbst nimmt es mit der Definition ihres Untersuchungsinteresse nicht so ganz genau. Manches deutet darauf hin, dass die Möglichkeit der Fehldeutung der Untersuchungsergebnisse durchaus gewollt war.

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So viele Deutsche glauben an die Auferstehung Jesu

democraticunderground.com

Christus ist leibhaftig von den Toten auferstanden: Der Glaube daran ist der Grund, warum hunderte Millionen Christen am kommenden Sonntag Ostern feiern. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie es um den Auferstehungsglauben der Deutschen bestellt ist.

katholisch.de

Jesus ist leibhaftig von den Toten auferstanden: Etwa jeder fünfte Deutsche (18 Prozent) stimmt dieser Aussage zu. Das hat eine Umfrage des Erfurter Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA-Consulere im Auftrag der Evangelischen Nachrichtenagentur „idea“ ergeben. Demnach lehnen 42 Prozent den Auferstehungsglauben ab. 28 Prozent antworteten mit „weiß nicht“, elf Prozent machten keine Angabe. Für die Erhebung wurden rund 2.000 Personen ab 18 Jahren befragt.

Am meisten Zustimmung findet der Glaube an die leibhaftige Auferstehung unter freikirchlichen Christen: 55 Prozent aus dieser Gruppe glauben an diese These. Deutlich geringer ist der Anteil unter römisch-katholischen (28 Prozent) und evangelischen Befragten (23 Prozent).

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Glaubenssache

Crosses on Hillside © Getty Images
Was kommt dabei heraus, wenn sich Kant, Feuerbach und Marx über Gott unterhalten? Ein fiktives Gespräch über Religion, die Verherrlichung des Leidens und das österliche Versprechen der Erlösung.

Von Markus Tiedemann | Frankfurter Rundschau

Kant zitiert Goethes Osterspaziergang, Feuerbach begeistert sich für den Begriff der „religiösen Arschkriecherei“ und Marx beklagt die Betäubung der Massen – ein philosophischer Chat über Gott und die Welt: Die folgende Unterhaltung wurde in dieser Woche von den Smartphone-Providern der genannten Herren mitgeschnitten.

Kant: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick. . .“

Feuerbach: Lieber Freund, dass gerade Sie den Osterspaziergang zitieren. Immerhin waren Sie bereits vier Jahre tot, als Goethe seinen Faust veröffentlichte. Zudem hat der große Dichter behauptet, kein Organ für die Philosophie zu haben.

Kant: Und wenn schon. Es steckt einiges in seinen Texten, das uns Philosophen gefallen sollte. Dies gilt auch für den Osterspaziergang. Ich darf erneut zitieren: „Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht/Sind sie alle ans Licht gebracht.“ Wenn das nicht nach Aufklärung klingt!

Marx: Schon möglich, aber zu wenig ist seit damals erreicht worden. Heute, über zweihundert Jahre später, prägen die Religionen noch immer den Alltag. An diesem Wochenende läuft die Propagandamaschine mal wieder auf Hochtouren. Von der einen Kanzel wird die Selbstaufopferung verherrlicht, von der nächsten wird zum Warten auf ein himmlisches Jenseits gepredigt.

Kant: Das ist wahr, verehrter Kollege. Noch immer leben wir nicht in einem aufgeklärten Zeitalter, sondern bestenfalls in einem Zeitalter der Aufklärung. Allerdings sollten wir die Fortschritte nicht übersehen. Heute werden keine Hexen mehr verbrannt und das geistig verwirrte Gretchen würde nicht hingerichtet werden, sondern käme in eine psychiatrische Einrichtung. Rettung kommt nicht aus dem Jenseits, sondern aus der Medizin.

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Sexismus in der Esoterik: Der kollektive Schmerzkörper

Wenn frau will, ist die Periode eine Party, ein mehrtägiger Orgasmus! Achja? Foto: dpa
In der Esoterik finden Frauen Rat zu schöpferischer Kraft, Menstruationspartys und anderen Traumvorstellungen. Sexismus ist dabei stark verbreitet.

Aylin Braunewell | taz.de

„Sie [die Frau] sammelt und vermehrt ihre weibliche Energie am besten in ihrem Zuhause. Hier sollte das Verhältnis 80 Prozent Familie und Zuhause und 20 Prozent im Außen, zum Beispiel Arbeit, sein.“ Als ich das zum ersten Mal las, dachte ich mir: Die Autorin hat wohl ein bisschen zu viel Lichtnahrung genascht. „Lebe deine weibliche Kraft“ heißt ihr Ratgeber, dem dieses Zitat entstammt. Ein Titel, der wohl empowernd wirken soll. Doch schon der Untertitel lässt vermuten, dass hier nach Empowerment im feministischen Sinne lange gesucht werden kann: „Das große Praxisbuch für Schönheit, Heilung und Sinnlichkeit“.

Die Autorin Ludmilla Weidner (Seelenname: Lumira) bezeichnet sich selbst als Schamanin und hellsichtig. Vor Kurzem las ich einige ihrer Texte und habe es bis heute nicht verkraftet. Geschockt von so viel mehr schlecht als recht getarntem Sexismus machte ich mich auf die masochistische Suche nach mehr und wurde im alles verschlingenden Paralleluniversum der Esoterik fündig. Mal mehr und mal weniger subtil wird dort immer wieder das Bild der Frau als Heilerin gezeigt, als diejenige, die durch ihre viel gelobte weibliche Intuition Probleme sieht, bevor sie entstehen, und so harmonisch handelt, dass das Fass gar nicht erst überläuft.

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US-Präsident kondoliert Papst nach Brand von Notre-Dame

Trump bietet im Telefonat mit Franziskus Hilfe für den Wiederaufbau der Kathedrale an

kath.net

US-Präsident Donald Trump hat Papst Franziskus nach dem Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame telefonisch sein Beileid bekundet. „Papst Franziskus hat diesen Nachmittag einen Anruf des Präsidenten der Vereinigten Staaten Amerikas, Donald Trump, erhalten, welcher dem Papst angesichts der Zerstörung der Notre-Dame-Kathedrale im Namen der Amerikaner ihre Nähe versicherte“, twitterte Vatikansprecher Alessandro Gisotti am Mittwochabend auf Englisch. Trump hatte zuvor ebenfalls auf Twitter von seinem Telefonat mit dem katholischen Kirchenoberhaupt berichtet. Demnach bot er Franziskus für den Wiederaufbau auch Hilfe amerikanischer Experten an.

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Erzapostel Burger: Papst könnte Zölibat abschaffen

Freiburgs Erzbischof Stephan Burger sieht die Abschaffung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester im Bereich des Möglichen. Bei einem anderen „heißen Eisen“ sieht er hingegen keinen Spielraum.

katholisch.de

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger hält es für kirchenrechtlich möglich, den Zölibat – das Ehelosigkeitsgebot für katholische Priester – abzuschaffen. „Der Papst als oberster Gesetzgeber könnte das ändern“, sagte Burger dem „Mannheimer Morgen“ (Donnerstag). Er persönlich befürworte den Zölibat, so der Erzbischof. Eine Abschaffung würde bei ihm aber keine „Glaubenskrise“ auslösen. Burger verwies darauf, dass die mit der katholischen Kirche vereinigten orientalischen und orthodoxen Kirchen diesen Weg bereits gehen würden. Er gehe gleichwohl davon aus, dass es den Zölibat auch künftig geben werde.

Im Blick auf eine Öffnung des Priesteramts für Frauen sieht Burger aktuell keinen Spielraum. „Das ist ein noch heißeres Eisen als der Zölibat. Ich kann mir aufgrund der weltkirchlichen Diskussion nicht vorstellen, dass diese Frage in den nächsten Jahren befürwortend geklärt wird“, sagte Burger.

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