Die Lüge darf gerne über ihre kurzen Beine stolpern: Wieso Fake-News kein echtes Problem darstellen


John Stuart Mill (1806–1873) vertraute im Kampf um die Wahrheit auf die Macht des freien Meinungsmarktes. (Bild: London Stereoscopic Company / Getty Images)
Fake-News gelten als Gefahr für die Demokratie. Wirklich? Statt noch mehr Alarmismus brauchte es: mehr Gelassenheit.

Manuel Müller | Neue Zürcher Zeitung

Die sozialen Netzwerke werfen zurzeit einen langen Schatten auf Europa. Trolle, Hacker, Fake-News – fallen diese Stichworte, gerät der Kontinent in Angst um die Glaubwürdigkeit seiner Wahlen. Bereits im Herbst setzte sich die EU deshalb mit dem Silicon Valley zusammen: Die Techgiganten sollen vor den Europawahlen mehr Falschmeldungen entlarven, maschinelle Propaganda unterbinden und verdeckte Werbung offenlegen.

Es leuchtet ein, dass Europa auf die Gefahr mit einem Kontrollversuch reagiert. Darob geht jedoch vergessen, dass über die Wirksamkeit und die Reichweite der Desinformation wenig Klarheit herrscht. Nach der Wahl von Donald Trump schien zwar ausgemacht: Falschmeldungen haben die Waagschale in Schieflage gebracht.

Bei Lichte besehen, lässt sich dies jedoch schwerlich aufrechterhalten. Eine Studie zweier Wirtschaftsprofessoren der Stanford und der New York University zeigte bereits 2016, dass die allermeisten Leute Falschinformationen als solche erkennen. Zudem ist nur ein verschwindend kleiner Teil der News überhaupt Fake gewesen – und die meisten Wähler informieren sich nach wie vor über das Fernsehen.

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