Wie die „Osterpflicht“ erfüllt und umgangen wurde: Der Beichtzettel


Bild: © Mathias Schmidt/Gemeinfrei/wikimedia.org
Laut Kirchengeboten müssen alle Katholiken mindestens einmal pro Jahr zur Beichte gehen. Früher wurde das mancherorts streng kontrolliert: Nach Ostern mussten die Gläubigen den Empfang des Bußsakraments nachweisen – mit einem Beichtzettel. Doch schnell fand man andere Wege der Beschaffung.

Von Matthias Altmann | katholisch.de

Um die Beichtpraxis der Katholiken ist es schlecht bestellt. Für die Bestätigung dieser These genügt ein Blick auf die Länge der Schlange vor den Beichtstühlen, wenn in einer Pfarrkirche Beichtgelegenheit ist. Doch auch es wenn bei den meisten nur für ein müdes Lächeln sorgen dürfte: Nach wie vor sind alle Gläubigen dazu verpflichtet, mindestens einmal pro Jahr die Beichte abzulegen. Das besagt das zweite der fünf Kirchengebote, das unter der Nummer 2042 im Katechismus der Katholischen Kirche zu finden ist. Der Termin muss nicht zwingend an Ostern sein, aber in der Praxis bietet es sich an: Das dritte Kirchengebot, ebenfalls unter Nummer 2042 im Katechismus nachzulesen, verpflichtet die Gläubigen, einmal im Jahr – und zwar während der Osterzeit – die Kommunion zu empfangen. Das macht man am besten „frisch gebeichtet“.

Bis die Mitte des vergangenen Jahrhunderts nahmen die meisten Katholiken diese „Osterpflicht“ noch ernst. Ob das daran lag, dass die Leute gläubiger gewesen wären oder ein stärkeres Sündenbewusstsein gehabt hätten, kann man nicht mit absoluter Gewissheit sagen. Wer sich davor drückte, galt nämlich als öffentlicher Sünder – im schlimmsten Fall wäre ihm ein kirchliches Begräbnis versagt worden.

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