Eisenachs Lutherhaus-Chef zu evangelischem „Entjudungsinstitut“: Jesus als „arischer Galiläer“


Der 6. Mai markiert ein unrühmliches Datum für den deutschen Protestantismus. An diesem Tag vor 80 Jahren gründeten „Deutsche Christen“ ein „Entjudungsinstitut“. Der Leiter des Lutherhauses Eisenach erklärt deren Ziele und Einflüsse.

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KNA: Herr Birkenmeier, welche Aufgabe hatte das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“?

Birkenmeier (Leiter des Lutherhauses Eisenach): Es hatte sich zum Ziel gesetzt, alle jüdischen oder vermeintlich jüdischen Einflüsse auf Lehre und Praxis der evangelischen Kirche zu beseitigen.

KNA: Warum?

Birkenmeier: Grund war die Vorstellung, dass es ein ursprüngliches Christentum gab mit einem Jesus, der kein Jude, sondern ein arischer Galiläer war. Nach dieser Auffassung hat der Apostel Paulus dessen Lehre später verfälscht.

KNA: Wer hatte die Initiative zu dem Institut?

Birkenmeier: Nach den Novemberpogromen von 1938, der sogenannten Reichskristallnacht, hatten Vertreter der „Deutschen Christen“, die den Nationalsozialisten nahe standen, das Gefühl, dass es nun an der Zeit sei, auch die Kirche radikal zu „entjuden“. In einer Zeit, in der sich die Machthaber immer stärker von den Kirchen entfernten, wollten sie damit nachweisen, dass Nationalsozialismus und Christentum vereinbar sind. Gründer des Instituts waren dann elf evangelische Landeskirchen.

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