Umstrittene „Wiederbelebung“: Eine Schweinerei mit Toten


Davonlaufen ging nicht: Die Yale-Forscher haben als Schlachtvieh gedachte Tiere für ihre Hirnexperimente benutzt. Bild: dpa
An der Eliteuni Yale wollen Hirnforscher abgetrennte Schweineköpfe wiederbelebt haben. Mit einem Apparat haben sie den Tod besiegt – sagen sie. Und befeuern damit schwierige ethische Debatten.

Von Hildegard Kaulen | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Donnernder könnte der Paukenschlag nicht sein, der gerade in die abflauende Diskussion um die Neuregelung der Organspende platzt. Nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn soll jeder Spender sein, der nicht ausdrücklich widerspricht. Grundlage für die Organspende ist der Hirntod. Eine provokante Veröffentlichung von Nenad Sestan von der Yale School of Medicine und seinen Kollegen macht jetzt ein Fragezeichen hinter die Prämisse, dass das Gehirn großer Säugetiere schnell und unwiederbringlich verloren ist, wenn die Sauerstoffversorgung unterbrochen wird.

Sestan und seine Kollegen zeigen in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“, dass sich bei jungen Schweine die Zirkulation und einige metabolischen Aktivitäten noch vier Stunden nach dem Tod der Tiere wiederherstellen lassen (doi: 10/1038/s41586-019-1099-1). Allerdings haben die Wissenschaftler zu keiner Zeit globale Hirnströme in Form von EEG-Signalen gemessen. Die Hirne zeigen also keine Anzeichen von Wahrnehmung, Bewusstsein und Kooperation zwischen den einzelnen Regionen. Was die Forscher nach der Herstellung der Zirkulation beobachtet haben, waren grundlegende metabolische Prozesse, die allerdings den Verfall des Gehirns zu stoppen schienen. Damit spricht einiges dafür, dass seine Überlebensfähigkeit größer ist als bisher angenommen. Beim Menschen gelten schon wenige Minuten ohne Sauerstoff als fatal.

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