Handy-Spiel enthüllt Alzheimer-Risiko

Ein von Neurologen konzipiertes Handy-Spiel macht subtile Frühzeichen von Alzheimer sichtbar – und kann sogar eine genetische Prädisposition für die Demenz verraten. © Rick Jo/ iStock
Ist mein Alzheimer-Risiko erhöht? Das kann nun offenbar ein Smartphone-Spiel beantworten. Denn die von Wissenschaftlern entwickelte App deckt subtile Defizite in der Orientierung auf, die schon lange vor den ersten Gedächtnisschwächen auftreten. Auch Menschen mit einer genetischen Prädisposition für Alzheimer lassen sich mit diesem Spiel identifizieren, wie die Forscher berichten. Das könnte bei der Früherkennung und frühen Behandlung helfen.

scinexx

Alzheimer ist eine der häufigsten Demenzerkrankungen im Alter. Weil die Zerstörung der Gehirnzellen jedoch schleichend fortschreitet, wird die Krankheit oft erst erkannt, wenn Gedächtnisdefizite auftreten und wichtige Hirnareale schon schwer geschädigt sind. Das Problem: Bisherige Therapien können diese Hirnschäden nicht rückgängig machen, das Absterben der Neuronen lässt sich nur verlangsamen. Umso wichtig ist es, Alzheimer möglichst früh zu erkennen – beispielsweise mittels Bluttests oder KI-gestützten Hirnscans.

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Vatikan-Studie zu Religionsfreiheit und Fundamentalismus: Radikalisierung als Reaktion auf Moderne

Vatikan. Bild: Pixabay, Selim Gecer.
Ein neues Dokument aus dem Vatikan führt als Gründe für religiöse Radikalisierung einen ethischen Relativismus im modernen Staat an. Zudem wird der interreligiöse Dialog betont, der nicht im Widerspruch zum Evangelium steht.

DOMRADIO.DE

Die Internationale Theologenkommission des Vatikan hat ein umfassendes Dossier zur Religionsfreiheit vorgelegt. Darin wird für wachsenden Fundamentalismus in verschiedenen Gesellschaften auch ein liberaler Staat verantwortlich gemacht. Das rund 37-seitige Dokument wurde am Donnerstag publik. Eine zehnköpfige Unterkommission hatte es von 2014 bis 2018 erarbeitet. Papst Franziskus gab es am 21. März zur Veröffentlichung frei.

Radikalisierung als Reaktion auf Moderne

Religiöse Radikalisierung erscheine nicht nur als Rückkehr zu strengeren und traditionelleren Frömmigkeitsformen, sondern sei oft auch eine Reaktion auf den modernen Staat und dessen ethischen Relativismus, heißt es in dem Dossier. Als einen zweiten Grund für Radikalisierung vermuten die Autoren, dass der religionsneutrale Staat religiöse Bürger nicht zureichend davor schütze, aufgrund ihres Bekenntnisses in ihrer Teilhabe am kulturellen und politischen Leben behindert zu werden.

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Enteignen? Unbedingt!

Bild: Free-Photos
Kommentar: Die Enteignung von Immobilienfirmen schafft keinen neuen Wohnraum, kann aber viel bringen, wie sich in Berlin zeigt

Ralf Hutter | TELEPOLIS

Endlich, eine Enteignungsdebatte! Obwohl – einige der wichtigsten Akteure verweigern eher die Debatte. Seit im „linksgrünmultikultistraßendreckversifften“ Moloch Berlin eine relevante Bewegung die Enteignung der Immobilienfirmen fordert, die mehr als 3000 Wohnungen in der Stadt ihr Eigen nennen, geht die bundesweite Gegenseite so verbalradikal zu Werke, als müsste sie gegen die Berliner Mauer anreden.

CDU/CSU und FDP verteufeln derartiges Gedankengut natürlich als indiskutabel, manche Polemiker erinnern da an die DDR. Doch selbst potenzielle Profiteure solcher Enteignungen stimmen da ein – auch Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, kritisierte in der Passauer Neuen Presse schon die Debatte an sich:

Durch derartige publikumswirksame Diskussionen, die sogar von einigen Politikern unterstützt werden, wird die Bereitschaft von privaten Investoren, neuen und zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, im Zweifel deutlich reduziert.

Gerd Landsberg

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) beauftragte sogar den Verfassungsrechtsprofessor Helge Sodan, der schon einen gesetzlichen Mindestlohn in einer Studie von 2009 als „verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigt“ eingestuft hatte, mit einem Gutachten, das die Enteignungen zum juristischen Unding erklärte. Brisant daran ist, dass im BBU auch Berlins sechs städtische Wohnungsunternehmen Mitglieder sind, darüber hinaus etliche Genossenschaften. Deshalb gab es Protest gegen die vehemente Positionierung des Verbands gegen Enteignungen.

Künstlich aufregen konnten sich die üblichen Verdächtigen besonders schön, als der Grünen-Co-Vorsitzende Robert Habeck in lapidarer Übereinstimmung mit dem Grundgesetz sagte, Enteignungen von Immobilieneigentümerinnen seien „notfalls“ das richtige Mittel, wenn die Bodenspekulation überhandnimmt.

Aber sogar andere Spitzen-Grüne wollten Habeck da nicht folgen, sondern sprachen sich undifferenziert gegen Enteignungen aus: Hessens Vize-Ministerpräsident und Bauminister Tarek Al-Wazir und dann auch Winfried Kretschmann, Ministerpräsident Baden-Württembergs, stimmten in den Chor derjenigen ein, die sagen: So eine Enteignung schafft keinen neuen Wohnraum, verschreckt vielleicht sogar Investorinnen und kostet viel zu viel Geld – nötig ist vielmehr Neubau.

Doch das ist, freundlich ausgedrückt, unreflektiert. Bezogen auf die Grünen muss sogar hinzugefügt werden, dass es unökologisch ist. Dem steht erstens entgegen, dass das Neubau-Gerede heutzutage generell oft ideologisch und kurzsichtig ist. Zweitens ist das Verweisen auf hohe Enteignungsentschädigungen als eine Form der üblichen Politik-Simulation zu werten. Und drittens ignoriert diese anti-sozialistische Sichtweise die Situation der Hunderttausenden von Menschen, die allein in Berlin in den zu enteignenden Wohnungen leben.

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Italien spielt ein gefährliches Spiel mit dem Neofaschismus

Matteo Salvini bei der Einweihung eines Polizeikommissariats in Corleone. (Bild: Guglielmo Mangiapane / Reuters)
Matteo Salvini und seine Lega boykottieren den Gedenktag zur Befreiung vom Faschismus und ermutigen damit rechtsextreme Gruppen. Selbst die Linkspopulisten der Cinque Stelle nehmen das hin.

Andrea Spalinger | Neue Zürcher Zeitung

Italiens populistische Regierungsparteien sind so ziemlich in jeder Frage uneins. Täglich dominiert ein neuer Zwist zwischen Lega und Cinque Stelle die öffentliche Debatte. Die beiden starken Männer der Koalition, Matteo Salvini und Luigi Di Maio, liefern einander vor den Europawahlen einen erbitterten Kampf um die Gunst des Volkes. Das Land ist gespalten wie lange nicht mehr – und das trotz weitgehender Absenz der Opposition. Selbst am 25. April gewährten die beiden Streithähne dem Land keine Verschnaufpause. Zum Gedenktag für die Befreiung vom Faschismus steht Italien gewöhnlich still. Politiker aller Couleur legen Kränze nieder und nehmen an Gedenkveranstaltungen für ermordete Partisanen, deportierte Juden und andere Opfer des Regimes von Benito Mussolini teil.

Doch dieses Jahr boykottierte Salvini die Veranstaltung. Der Chef der Lega sprach abschätzig von einem langweiligen «Derby zwischen Kommunisten und Faschisten». Er weihte am Donnerstag stattdessen ein Polizeikommissariat in der einstigen Mafia-Hochburg Corleone ein und meinte schnippisch, er widme sich lieber der aktuellen Befreiung Italiens von der Mafia als einer überholten historischen Debatte. Auch die anderen Minister seiner Partei liessen sich zur «Liberazione» nicht blicken.

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Wenn das «Mutterglück» unglücklich macht

Die Depression der Mutter begann nach der Geburt ihres Kindes. (Bild: Alamy)
Depressionen während der Schwangerschaft und im Wochenbett bergen erhebliche Gefahren für Mutter und Kind. Oft werden sie nicht erkannt. Dabei lassen sie sich mit simplen Tests identifizieren und ziemlich gut behandeln.

Nicola von Lutterotti | Neue Zürcher Zeitung

Längst nicht alle Frauen schweben im siebten Himmel, wenn sie Mutter werden. Manche stürzt die neue Rolle in eine schwere seelische Krise. Anders als gemeinhin angenommen, sind solche Empfindungen keineswegs selten. In den Industrienationen leiden 7 bis 15 Prozent aller Frauen, die ein Kind erwarten oder gerade zur Welt gebracht haben, an Depressionen; in ärmeren Regionen der Welt liegt der Anteil sogar bei 19 bis 25 Prozent.

Anders als der Baby-Blues

Nicht berücksichtigt ist darin die grosse Zahl von Frauen, die in der Schwangerschaft oder im Wochenbett ausgeprägte Stimmungstiefs erleben. Solche negativen Emotionen gelten als natürliche Reaktion auf die extremen Hormonschwankungen, denen der weibliche Organismus während der Entwicklung des neuen Lebens ausgesetzt ist. So steigt der Östrogenspiegel dabei zunächst um rund das Hundertfache an und fällt nach der Entbindung wieder auf die Norm zurück. Während Schwangerschaftstrübsal und Baby-Blues aber schon bald wieder abklingen, bleiben die Schwangerschafts- und die Wochenbettdepression längerfristig bestehen. Beide Arten von mütterlicher Schwermut – im Fachjargon spricht man auch von pränataler und postnataler Depression – gehen häufig Hand in Hand, können jedoch auch unabhängig voneinander auftreten.

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Fontane und das Judentum: „Es wäre übertrieben, es als antisemitisch zu bezeichnen“

Julius H. Schoeps.Foto: Wolfgang Borr/dpa
Der Historiker und Politikwissenschaftler Julius H. Schoeps schaut in seinem Brief auf das ambivalente Verhalten Fontanes gegenüber Juden.

Julius H. Schoeps | Potdamer Neueste Nachrichten

Verehrter Meister, sehr geehrter Theodor Fontane,

Mann oh Mann, haben Sie sich dabei eigentlich etwas gedacht? Sind Sie tatsächlich ein in der Wolle gefärbter Judenfeind, wie das heute vielfach behauptet wird? So wie Sie sich seiner Zeit geäußert haben, könnte man das fast annehmen. Die Literaturhistoriker oder sagen wir besser die Fontane-Germanisten streiten sich heute darüber, und zwar heftig. Sie hätten, so behaupten einige von ihnen, zu denjenigen gehört, die mit ihren Einlassungen das negative Judenbild Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland mitgeprägt haben.

Mir scheint der Vorwurf, Sie seien ein unbelehrbarer Judenfeind, allerdings etwas übertrieben zu sein. Manche Ihrer Äußerungen, zumeist aus Ihren späteren Lebensjahren, lassen zwar den Schluss zu, dass Sie das sind, und dass Sie sich gar nicht so sehr von Judenfeinden vom Schlage Richard Wagners, Heinrich von Treitschkes oder Adolf Stoeckers unterscheiden. Aber ich meine doch, wir sollten genauer hinsehen.

In einem Brief, den Sie einst an den Philosophen Friedrich Paulsen schrieben, stellten Sie eine Unvereinbarkeit zwischen Deutschen und Juden fest. Mehr noch: Die Juden seien, so erklärten Sie, „ein schreckliches Volk“, das sich mit der „arischen Welt nun mal nicht vertragen kann“ (12. Mai 1898). Der Brief, den Sie nach dem Fortgang der Geschichte heute wohl so nicht mehr schreiben würden, wird immer wieder zitiert – wenn es gilt, Sie einer antisemitischen Grundeinstellung zu überführen.

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USA melden Masern-Rekord

Bild: Centers for Disease Control/Barbara Rice (Public Domain – USGov)

Von knapp 20 Jahren erklärten sich die USA als frei von Masern. In diesem Jahr stieg die Zahl der gemeldeten Fällen auf einen neuen Höchststand. Grund dafür seien Fehlinformationen.

tagesschau.de

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat eine Rekordzahl von Masern-Fällen registriert. Demnach stieg die Zahl der gemeldeten Krankheitsfälle aus 22 Bundesstaaten auf 695. „Das ist die höchste Zahl von Fällen, die seit der Eliminierung der Masern in diesem Land im Jahr 2000 in den Vereinigten Staaten gemeldet wurde“, teilte die Behörde mit.

Die hohe Zahl sei vor allem auf größere Ausbrüche im US-Staat Washington sowie in der Stadt und im gleichnamigen Bundesstaat New York seit Ende 2018 zurückzuführen. Je länger die Ausbrüche andauerten, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit wieder in den USA Fuß fassen könne, hieß es.

Unzureichender Impfschutz

Die USA hatten sich im Jahr 2000 als frei von Masern erklärt. Die jüngsten Ausbrüche seien die Folge von ungeimpften Reisenden, die die Krankheit in die USA importiert hätten, erklärte die CDC. Die Ausbreitung der Krankheit führte die Behörde auf einen unzureichenden Impfschutz zurück.

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On Chalmers and Dennett’s „Is Superintelligence Impossible?“

Andy Clark, Image credit: Edge.org

I think we can divide the space of possible AI minds into two reasonably distinct categories. One category comprises the “passive AI minds” that seemed to be the main focus of the Chalmers-Dennett exchange. These are driven by large data sets and optimize their performance relative to some externally imposed choice of “objective function” that specifies what we want them to do—win at GO, or improve paperclip manufacture. And Dennett and Chalmers are right—we do indeed need to be very careful about what we ask them to do, and about how much power they have to implement their own solutions to these pre-set puzzles.

The other category comprises active AIs with broad brush-strokes imperatives. These include Karl Friston’s Active Inference machines. AI’s like these spawn their own goals and sub-goals by environmental immersion and selective action. Such artificial agents will pursue epistemic agendas and have an Umwelt of their own. These are the only kind of AIs that may, I believe, end up being conscious of themselves and their worlds—at least in any way remotely recognizable as such to us humans. They are the AIs who could be our friends, or who could (if that blunt general imperative was played out within certain kinds of environment) become genuine enemies. It is these radicalized embodied AIs I would worry about most. At the same time (and for the same reasons) I’d greatly like to see powerful AIs from that second category emerge. For they would be real explorations within the vast space of possible minds.

Edge.org

ANDY CLARK is professor of philosophy and informatics at the University of Sussex; author, Surfing Uncertainty: Prediction, Action, and the Embodied Mind. Andy Clark’s Edge Bio Page

I was enthralled by Dennett and Chalmers‘ recent discussion of the threats and prospects regarding artificial superintelligences. Dennett thinks we should protect ourselves by doing all we can to keep powerful AIs operating at the level of suggestion-making tools, while Chalmers is impressed by the market forces that will probably push us into devolving more and more responsibility to these opaque and alien minds. But I felt as if their picture of the space of possible AI minds could be usefully refined, and with that in mind I’d like to push on two further dimensions.

The first is action. Agents that can act on their (real or simulated) worlds can choose “epistemic” actions that both test and improve their model of that world. A simple example might be a robot equipped with a camera and an arm that can push and prod objects in its field of vision. Such a robot can actively create sensorimotor flows that help reveal objects as integrated wholes distinct from their backgrounds and from other objects. These systems, simple versions of which have been explored by Giorgio Metta and others, possess a crucial but under-appreciated capacity, which is to use their own worldly actions to refine or disambiguate information both for learning and during practical action.

The second dimension is the shape of the objective function. For these kinds of “active AI minds” may best be driven by a very general kind of imperative or objective function (my own favourite being try to minimize the expected prediction error of future outcomes). Minds like that inhere in systems that, like us animals, begin with some baseline knowledge, form, and a few intrinsic drives or expectations (to eat, be warm, hang out with others). They then spawn their own future goals, as sculpted by the general-purpose imperative, through embodied exchanges with the world. Such artificial minds (given a well-chosen general imperative) are also curious minds, forever trying to improve what they know by acting in the world.

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Türkei: Transitland zum IS

Zehntausende IS-Anhänger aus aller Welt konnten ungehindert von der Türkei aus zum Dschihad nach Syrien reisen

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Schon 2014 warnte die demokratische Selbstverwaltung in Nordsyrien die Welt vor dem IS-Schlupfloch Türkei. Es gab Berichte Medien über die Verbindungen zwischen der Türkei und dem IS in den kurdischen Medien, in der damals noch existierenden oppositionellen türkischen Presse, auf Fotos und in Videos in den sozialen Medien.

Immer wieder tauchten Videos und Zeugenaussagen in den kurdischen Gebieten der Türkei auf, die Arabisch sprechende Polizisten und Soldaten in den Reihen der türkischen Polizei und des Militärs zeigten. Auch Telepolis berichtete mehrfach darüber. Aber die Bundesregierung duckte sich aus Rücksicht auf Erdogan und seine AK Partei, verschloss Augen und Ohren – und schwieg. Zehntausende IS-Anhänger aus aller Welt konnten ungehindert von der Türkei aus zum Dschihad nach Syrien reisen. Nun drückt man sich vor der Verantwortung, die in Nordostsyrien inhaftierten Islamisten in ihre Heimatländer zurückzuholen und zu verurteilen.

Reporter des Spiegel lieferten kürzlich eine „ganze Kiste voller amtlicher Belege zur Rolle der Türkei bei der Einreise von IS-Kämpfern in Syrien, vor denen die Bundesregierung nun nicht mehr die Augen verschließen, sondern endlich handeln sollte. Tacheles reden mit der Türkei – das wäre jetzt die richtige Reaktion. Denn viele Islamisten möchten zurück in die Türkei, wo ein gut funktionierendes Netzwerk von IS-Anhängern auf sie wartet. Viele sind sich auch sicher, dass sie in der Türkei – wenn überhaupt – nur mit kurzen Gefängnisaufenthalten zu rechnen haben.

Ein Team von Spiegel und Spiegel TV reiste im März in die Hauptstadt Qamishlo des Kantons Cizire in Nordsyrien und bekam Belege vorgelegt, die beweisen, dass die Reiseroute der meisten ausländischen Dschihadisten über die Türkei führte. Dem Team wurden mehr als 100 Reisepässe aus Deutschland, Indonesien, Slowenien, Russland und Tunesien, selbst aus Trinidad, Tobago und Südafrika vorgelegt.

Tausende weitere sollen sich in den Händen der syrischen demokratischen Kräfte (SDF) befinden. Allen Pässen gemein war der rote türkische Einreisestempel – der blaue Ausreisestempel nach Syrien jedoch fehlte, offiziell haben diese Leute die Türkei nie verlassen. Wie kamen dann nur diese Pässe nach Nordsyrien in die Verwaltungsgebäude des IS, wo die syrischen demokratischen Kräfte (SDF) Tausende solcher Dokumente sicherstellte?

Einige Reisepässe hatten mehrere türkische Einreisestempel, was nach Interpretation der Reporter ein Indiz dafür ist, „dass in der Anfangszeit bis 2014 viele Dschihad-Reisende erst einmal zum Schnupperaufenthalt ins Terrorreich kamen. Nach zwei, drei Monaten reisten sie wieder aus, um daheim weitere Willige zu rekrutieren und abermals zu kommen“. Der kleine Provinzflughafen in der Provinz Hatay avancierte ab Sommer 2012 zu einer „VIP-Lounge für internationale Fanatiker“, berichtet der Spiegel.

Kaum zu glauben, dass den türkischen Behörden dieser rege Reiseverkehr selbst in den Wintermonaten in die sonst wenig frequentierte Region nicht aufgefallen ist. Der SDF-Sprecher Mustafa Bali, der dem Reporterteam die Pässe zeigte, sagte: „Damals wollte uns keiner glauben. Heute haben wir die Beweise.“ Beweise gibt es, wie schon erwähnt genug. Zahlreiche Aussagen inhaftierter IS-Kämpfer, die der kurdischen Nachrichtenagentur ANF vorliegen, bestätigten, dass nicht nur IS-Kämpfer über die Türkei ins Kalifat kamen, sondern auch Waren und Waffen.

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Urzeit-Chimäre verblüfft Paläontologen

So könnte die Urzeit-Krabbe Callichimaera perplexa vor 95 Millionen Jahren ausgesehen haben – sie ähnelt eher einem Mischwesen als einer typischen Krabbe. © Oksana Vernygora/ University of Alberta
Bizarres Mischwesen: Paläontologen haben in Kolumbien und den USA Fossilien einer extrem untypischen Urzeit-Krabbe entdeckt – einem Experiment der Evolution, wie die Forscher erklären. Denn das 95 Millionen Jahre alte Wesen vereint Merkmale gleich mehrerer Krebsformen in sich. Mit seinen großen Komplexaugen und Schwimmbeinen bildet es einen zuvor unbekannten, sehr eigentümlichen Seitenast der Krabbenstammbaums.

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Wie eine typische Krabbe – fachsprachlich Brachyura – aussieht, kennen die meisten von uns vom Strand: ein breiter, dicker Panzer, kräftige Scheren und eher kleine, gestielte Augen. Mit rund 7.000 lebenden und weiteren 3.000 fossilen Arten gehören die Krabben zu den artenreichsten Gruppen der Krebstiere. Doch weil vor allem aus den Tropen nur wenige Fossilien erhalten sind, ist der Stammbaum der Krabben bisher eher lückenhaft.

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Wenn Trauer in Gewalt umzuschlagen droht: Sri Lankas Muslime haben Angst

Eine Gruppe von Muslimen isst in einem Gemeinschaftszentrum in Pasyala, nordöstlich von Colombo. Sie wurden wegen möglicher Vergeltungsaktionen aus der Küstenstadt Negombo evakuiert. (Bild: Gemunu Amarasinghe / AP)
Nach den Selbstmordattentaten durch Jihadisten steht die muslimische Minderheit unter Rechtfertigungszwang. Von der Regierung fühlt sie sich alleingelassen.

Marco Kauffmann Bossart | Neue Zürcher Zeitung

Durch die enge Gasse, die sich zwischen Fischverkäufern und Ständen mit Kokosnüssen und Karotten auftut, bahnt sich ein Lieferwagen der Stadtverwaltung von Colombo den Weg. Über Lautsprecher werden die Bewohner im muslimischen Quartier Maligawatte gewarnt, achtsam zu sein: «Alarmieren Sie die Polizei, wenn Sie verdächtige Fahrzeuge oder Gepäckstücke bemerken.» Die Durchsage findet auf dem Markt kaum Beachtung. Ein Händler konzentriert sich auf das Zerlegen eines wuchtigen Thunfischs. Kundinnen, viele verschleiert, einige in Burka, verpacken sorgsam ihre Einkäufe.

Studiert, wohlhabend, Massenmörder

Von Normalität ist Sri Lankas muslimische Gemeinschaft, die rund 10 Prozent der Bevölkerung ausmacht, aber weit entfernt. Nach dem Blutbad vom Ostersonntag, das der IS für sich beansprucht, wurden vereinzelt Muslime tätlich angegriffen. In einem Geschäft brach ein mysteriöser Brand aus. Es sieht nach Vergeltungsaktionen aus. Als müssten die Muslime pauschal den Kopf hinhalten für den schlimmsten Terroranschlag in der Geschichte des Vielvölkerstaats, bei dem über 350 Menschen getötet wurden.

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Evangelicals have gone from being moral crusaders to enablers of the ‘porn star president’: political scientists

Pastors praying over Donald Trump (Photo: Screen capture)
Trump-loving evangelicals have completely changed their views of the importance of a president’s personal morality in the time between Bill Clinton was in the White House and now, two political scientists argue.

Brad Reed | RawStory

Writing in the Washington Post, Notre Dame professors David Campbell and Geoffrey Layman say that evangelicals’ shifting views of personal morality have been shockingly abrupt and they coincide with Trump’s political rise from a reality TV star to the presidency.

“In 2011, a poll conducted by the Public Religion Research Institute (PRRI) and the Religion News Service found that 60 percent of white evangelicals believed that a public official who ‘commits an immoral act in their personal life’ cannot still ‘behave ethically and fulfill their duties in their public and professional life,’” they write. “But in an October 2016 poll by PRRI and the Brookings Institution… only 20 percent of evangelicals, answering the same question, said that private immorality meant someone could not behave ethically in public.”

While there have been shifts among other religious groups over that period, they write, none of them has been as sharp as the shift among white evangelicals — which explains why they aren’t phased when Democratic candidates such as Indiana Mayor Pete Buttigieg call Trump the “porn star president.”

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DGB-Chef Hoffmann sieht gemeinsame Interessen mit den Kirchen

Reiner Hoffmann (2018). Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 3.0 de – Olaf Kosinsky
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Reiner Hoffmann, arbeitet bei gesellschaftspolitischen Themen nach eigenen Worten gut mit den beiden christlichen Kirchen in Deutschland zusammen.

evangelisch.de

„Ich habe mit Kardinal Marx und dem Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm ein gemeinsames Interesse daran, dass wir den digitalen Wandel der Arbeitswelt gestaltet bekommen“, sagte Hoffmann dem evangelischen Magazin „zeitzeichen“ (Mai-Ausgabe). Darüber hinaus gebe es ein gemeinsames Interesse daran, dass Europa „wieder auf den richtigen Pfad gebracht“ werde. Kardinal Reinhard Marx ist Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ist Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Allerdings kritisierte Hoffmann die Kirchen beim kirchlichen Arbeitsrecht, dem sogenannten Dritten Weg.

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Weltweit sind im letzten Jahr zwölf Millionen Hektar Regenwald verschwunden

Regenwald im Great-Otway-Nationalpark im australischen Gliedstaat Victoria. (Bild: Imago)
Der Tropenwald in Brasilien schrumpft. Und auch anderswo auf der Welt sind die Verluste laut einer Studie gross. Es gibt aber auch positive Nachrichten.

Neue Zürcher Zeitung

Weltweit sind nach einer Studie im vergangenen Jahr 12 Millionen Hektaren Regenwald verloren gegangen. Besonders besorgniserregend seien die Verluste von ursprünglichem Wald in den Tropen, heisst es in dem Bericht des Projekts Global Forest Watch (GFW), der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Insgesamt 3,64 Millionen Hektaren von diesem Baumbestand seien verschwunden – eine Fläche, grösser als Belgien.

Die Daten aus dem Bericht stammen laut GFW von der Universität Maryland, USA, und wurden durch die Auswertung von Satellitenbildern zusammengetragen. In dem Bericht geht es nicht nur um Abholzung von Wäldern, sondern auch um Zerstörung durch Brände. Wälder beherbergen nicht nur zahlreiche Arten, sondern haben, vor allem als Kohlenstoffspeicher, einen grossen Einfluss auf das Klima.

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Todesurteil gegen ägyptische Mönche bestätigt

Bild: © Richard Oechsner/Fotolia.com
Der Fall löste große Bestürzung in der koptischen Gemeinschaft Ägyptens aus: Zwei Mönche sollen ihren eigenen Abt brutal erschlagen haben. Jetzt wurde das harte Urteil gegen die beiden Angeklagten bestätigt.

katholisch.de

Zwei koptische Mönche sind wegen des Mordes an dem Abt-Bischof des Makarios-Klosters im ägyptischen Wadi al-Natrun, Bischof Anba Epiphanios, zum Tode verurteilt worden. Das Strafgericht in Damanhur bestätigte am Mittwoch die im Februar verhängte Strafe, wie der Sender BBC am Donnerstag berichtete. Das Urteil war dem Großmufti zur Überprüfung vorgelegt worden. Die Beschuldigten können dagegen Berufung einlegen.

Bischof Epiphanios (64) war in der Nacht zum 28. Juli 2018 in dem Wüstenkloster nordwestlich von Kairo getötet worden. Nach Angaben des Ermittlungsleiters General Khaled Abdel-Hamid hatten die beiden Täter bereits zweimal versucht, den Abt-Bischof zu töten. Hintergrund seien Streitigkeiten zwischen den beiden Tätern und Epiphanios über Finanzvergehen sowie Verletzungen der monastischen Tradition, so der Bericht.

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