AIDS als koloniales Überbleibsel

Schimpanse, neben Ruß-Mangabe, Überträger des SI-Virus auf den Menschen. Bild: Thomas Lersch, CC BY-SA 3.0
Der segenreiche Kolonialismus hat es sogar fertiggebracht, Viren die Überwindung der Artenschranke zu ermöglichen

Raj Spielmann | TELEPOLIS

Diese wurden so erfolgreich, dass man sie jetzt als Geißel der Menschheit bezeichnet. Mit Ausnahme des Happy End enthält die Geschichte jedoch alle Elemente kolonialer Erfolgsstories: wissenschaftlichen Pioniergeist, das Gesundheitswesen, Eisenbahnen, neuen Wohlstand, Konsum und die Überwindung traditioneller Stammesschranken.

Die guten alten Zeiten…

Im Gleichklang zur europäischen Militärpräsenz in der Dritten Welt regen sich Stimmen aus Politik und Wissenschaft zur Weißwaschung der kolonialen Vergangenheit. Das französische Parlament verabschiedete 2005 die Forderung an das Schulwesen zur Betonung der positiven geschichtlichen Rolle Frankreichs in Übersee. Der britische Bildungsminister Michael Gove beklagte die negative Darstellung des Empire an Schulen. Günter Nooke, Afrikabeauftragter der deutschen Bundesregierung zitierte 2018 einen „Experten“ mit der Aussage, dass der Sklavenhandel zwar schlimm gewesen sei, doch habe die europäische Herrschaft in Afrika „dazu beigetragen, den Kontinent aus archaischen Strukturen zu lösen“. Zeitgleich liefen Verhandlungen der Bundesregierung mit Namibia über eine Entschuldigung wegen des Völkermordes an den Herero und Nama.

Unter Wissenschaftlern lässt sich diese Revue fortsetzen. In seiner „Weltgeschichte der Sklaverei“ stellte der Althistoriker Egon Flaig fest, der europäische Kolonialismus habe „Afrika nach einer 1000-jährigen Geschichte von blutigster Gewalt und Völkermorden die Möglichkeit zu neuen Wegen eröffnet“.

Nach dem britischen Historiker Bruce Gilley war die Kolonialzeit, insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg, die erfolgreichste Periode der kolonisierten Länder, sodass er den Belgiern aus reiner Menschenliebe empfahl, wieder in den Kongo zurückzukehren.1 Harvard-Professor Niall Ferguson ruft die amerikanischen Eliten unverhüllt auf, dem Vorbild des britischen Empire zu folgen.2

Hier wird gezeigt, wie der koloniale Kapitalismus einem Virus half, die Artenschranke zu überwinden. Die nachfolgenden Fakten und Thesen stützen sich größtenteils auf das Buch „The Origins of AIDS“3 des kanadischen Forschers und Arztes Jacques Pépin, der wichtige Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zusammenfasst. Sie wurden teilweise durch aktualisierte Zahlen ergänzt. Die Thematik wird außerdem in der sehenswerten Dokumentation von Carl Gierstorfer beleuchtet.4

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Julian Assanges Anwälte verklagen Spanier wegen Erpressung und Spionage

In Lissabon fanden am Donnerstag Kundgebungen und Demonstrationen zum 45. Jahrestag der «Carnation Revolution» statt, bei der nach 50 Jahren Diktatur die Demokratie wieder hergestellt wurde. Dabei wurden auch Plakate mit Bildern von Julian Assange getragen. Auch in Berlin und Dhaka gab es Kundgebungen bei denen die Freilassung von Julian Assange verlangt wurde. (Bild: Armando Franca / AP)
Wikileaks hatte Anfang April den ecuadorianischen Behörden vorgeworfen, Tausende von Fotos und Videos von Assange, die in der Botschaft gemacht wurden, gesammelt zu haben. Nach Angaben des isländischen Enthüllungsjournalisten Kristinn Hrafnsson war eine Gruppe in Spanien im Besitz der Aufnahmen und verlangte drei Millionen Dollar, damit diese nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

Neue Zürcher Zeitung

Die Anwälte von Wikileaks-Gründer Julian Assange haben nach Angaben aus seinem Verteidigerteam Klage gegen eine Gruppe Spanier wegen Erpressung und Spionage eingereicht. Die Beklagten hätten in der ecuadorianischen Botschaft «spioniert», wo Assange Zuflucht gesucht hatte.

Dies sagte die Quelle, die anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AFP am Samstag. Die Klage wurde demnach in Spanien eingereicht. Sie richte sich auch gegen mehrere Botschaftsbedienstete und Mitarbeiter des Aussenministeriums Ecuadors, die in dieser Angelegenheit «verantwortlich sein könnten».

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Wie offen ist das Grundgesetz für andere Religionen?

Das Grundgesetz schützt Religionen und Weltanschauungen (imago images / Steinach)
Die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat „unsere Verfassung“ als „offen für andere Religionsgemeinschaften“ bezeichnet. Sie müssten aber bestimmte Anforderungen erfüllen,“ sagte die Juristin und ehemalige Bundesjustizministerin im Dlf.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Frau Leutheusser-Schnarrenberger, die am meisten diskutierte Religionsgemeinschaft dieser Tage ist sicher der Islam. Das Wort „Islam“ oder „Muslim“ kommt im Grundgesetz natürlich nicht vor, aber lassen Sie uns nachdenken über den Geist des Grundgesetzes, seine innere Ausrichtung. Wie offen ist das Grundgesetz für andere Religionsgemeinschaften?

„Es besteht keine Staatskirche.“

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Also, zunächst einmal sagt es ja ganz deutlich, dass es keine Staatskirche gibt, also nicht die Dominanz einer Kirche, die damit quasi auch eine Richtung vorgibt. Und die Verfassung ist, indem sie die Regelungen aus der früheren Weimarer Verfassung inkorporiert hat in unser Grundgesetz, offen, wenn Religionsgemeinschaften oder Religionsgesellschaften, wie das Grundgesetz sagt, bestimmte Anforderungen erfüllen. Das Grundgesetz sagt ganz klar: Der Staat muss wertneutral sein und darf nicht vorgeben, welche Religion Sie ausüben wollen.

Im Islam fehlt der Ansprechpartner

Main: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Leutheusser-Schnarrenberger: Es ist wichtig, dass es einen Zusammenschluss gibt innerhalb dieser Religionsgemeinschaft. Das ist bei den christlichen Kirchen vollkommen unkritisch, es gibt die jüdischen Gemeinden, auch sie bilden eine Körperschaft und sind anerkannt im Sinne des Artikels 137 Weimarer Verfassung, der eben jetzt auch im Grundgesetz durch den Artikel 140 gilt, um einfach mal die Ziffern zu nennen.

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Analyse des Verfassungsschutzes: Wachsende Gefahr durch Rechtsextreme

Bild: tagesschau.de
Das Bundesamt für Verfassungsschutz geht von einer wachsenden Gefahr durch gewaltbereite Rechtsextremisten aus. Das berichtet die „Welt am Sonntag“ und beruft sich auf eine vertrauliche Analyse. Vor allem Kleingruppen und Einzelpersonen sollen in Erscheinung treten.

tagesschau.de

Der Verfassungsschutz warnt laut einem Medienbericht vor einer wachsenden Gefahr durch gewaltbereite Rechtsextremisten in Deutschland. Wie die „Welt am Sonntag“ berichtete, schreibt das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in einer vertraulichen Analyse von „rechtsterroristischen Ansätzen und Potenzialen“, die sich „in unterschiedlichen Strömungen und Spektren der rechtsextremistischen Szene“ entwickelten, „aber auch am Rande oder gänzlich außerhalb der organisierten rechtsextremistischen Szene“.

Austausch und Radikalisierung online

Als maßgebliche Akteure würden demnach mittlerweile „vor allem wenig komplex organisierte Kleingruppen und Einzelpersonen in Erscheinung“ treten. Der Austausch zwischen den Kleinstgruppen und die Radikalisierung fänden primär online statt, so die Verfassungsschützer.

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America First

Wappen der C.I.A. – Zentraler Nachrichtendienst der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika. PD
Der amtierende Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, Mike Pompeo, sagte neulich auf einer Veranstaltung an der Texas A&M University unverblümt: „Ich war CIA-Direktor. Wir logen, wir betrogen, wir stahlen. Wir hatten ganze Trainingskurse dazu. Das erinnert mich an den Ruhm des Amerikanischen Experiments.“

Markus Kompa | TELEPOLIS

Der US-Botschafter in Russland, Jon Meade Huntsman Jr., nebenbei Vorsitzender der konservativen Denkfabrik Atlantic Council, besuchte neulich einen der beiden US-Flugzeugträgerverbände im Mittelmeer. Der Diplomat kommentierte: „Jeder dieser im Mittelmeer operierenden Transporter repräsentiert 100.000 Tonnen an internationaler Diplomatie.“ Die sei eine Botschaft an Russland. Wenn Russland bessere Beziehungen zu den USA wolle, müsse es weltweit seine destabilisierenden Aktivitäten beenden.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, brach diese Woche die Ratifizierung des Internationalen Waffenhandelsvertrags ab. Auf einer Veranstaltung der US-Waffenlobby gab Trump zu Protokoll: „Amerikaner leben nach amerikanischen Gesetzen, nicht nach Gesetzen anderer Länder.“

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Ärger in der AKP: Erdogan will parteiinterne Widersacher zur Rechenschaft ziehen

Bild: Magazin „The Economist“
Nach der Wahlniederlage der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in der türkischen Millionenmetropole Istanbul hat Präsident und Parteichef Recep Tayyip Erdogan eine Drohung an parteiinterne Widersacher ausgesprochen. „Die Arbeit einiger Leute aus dem Inneren (der Partei) ist schwer zu schlucken“, sagte Erdogan am Samstag bei einem Parteitreffen in Ankara. Namen nannte er nicht.

Kölner Stadt-Anzeiger

„Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen, wenn die Zeit gekommen ist. Wir werden sie nicht auf unseren Rücken tragen“, sagte Erdogan weiter. „Was in welcher Provinz, in welchem Bezirk passiert, all diese Informationen kommen bei uns an.“ Welche Maßnahmen er ergreifen wolle, führte Erdogan nicht weiter aus.

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Why a Traffic Flow Suddenly Turns Into a Traffic Jam

Image credit: Photo by Raymond Depardon/Magnum Photos/NAUTILUS
Few experiences on the road are more perplexing than phantom traffic jams. Most of us have experienced one: The vehicle ahead of you suddenly brakes, forcing you to brake, and making the driver behind you brake. But, soon afterward, you and the cars around you accelerate back to the original speed—and it becomes clear that there were no obstacles on the road, and apparently no cause for the slowdown.

By Benjamin Seibold | NAUTILUS

Because traffic quickly resumes its original speed, phantom traffic jams usually don’t cause major delays. But neither are they just minor nuisances. They are hot spots for accidents because they force unexpected braking. And the unsteady driving they cause is not good for your car, causing wear and tear and poor gas mileage.

So what is going on, exactly? To answer this question mathematicians, physicists, and traffic engineers have devised many types of traffic models. For instance, microscopic models resolve the paths of the individual vehicles, and are good at describing vehicle–vehicle interactions. In contrast, macroscopic models describe traffic as a fluid, in which cars are interpreted as fluid particles. They are effective at capturing large-scale phenomena that involve many vehicles. Finally, cellular models divide the road into segments and prescribe rules by which cars move from cell to cell, providing a framework for capturing the uncertainty that is inherent in real traffic.

It soon becomes clear that there were no obstacles on the road, and apparently no cause for the slowdown.

In setting out to understand how a phantom traffic jam forms, we first have to be aware of the many effects present in real traffic that could conceivably contribute to a jam: different types of vehicles and drivers, unpredictable behavior, on- and off-ramps, and lane switching, to name just a few. We might expect that some combination of these effects is necessary to cause a phantom jam. One of the great advantages of studying mathematical models is that these various effects can be turned off in theoretical analysis or computer simulations. This creates a host of identical, predictable drivers on a single-lane highway without any ramps. In other words, your perfect commute home.

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Die Kirchen leeren sich, das religiöse Bedürfnis bleibt – die Sekten freut’s

Die «heilige Mutter» und Umarmerin Amma bei einem Auftritt in Winterthur. Bild: KEYSTONE
Esoteriker, Geistheiler und Schamanen sind die neuen Priester, Konsumtempel die Ersatzkirchen.

Hugo Stamm | Watson.ch

Es ist unbestritten, dass das Religiöse immer mehr aus dem öffentlichen Raum verschwindet. Keine zehn Prozent der Schweizer besuchen regelmässig einen Gottesdienst. Nicht einmal mehr die Hälfte glaubt an einen personalen Gott. Und die Quote der Kirchenaustritte bleibt konstant hoch.

Bedeutet dies, dass der Glaube an ein höheres Wesen, an ein Leben nach dem Tod, an spirituelle Phänomene ein Auslaufmodell ist? Sind die meisten Menschen in religiösen Fragen nüchterner und rationaler geworden? Also areligiös? Erleben wir eine radikale Säkularisierung?

Nein, das wäre ein Trugschluss. Das Bedürfnis nach religiösen oder pseudoreligiösen Ritualen und der Glaube an Magie und Wunder nehmen kaum ab. Die religiösen Institutionen verlieren zwar an Bedeutung, ihr geistiger Kern lebt aber in den meisten Leuten weiter.

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Erzbistum New York nennt 120 mutmaßliche Missbrauchstäter

Die Erzdiözese New York hat eine Liste mit 120 mutmaßlichen Missbrauchstätern aus den eigenen Reihen veröffentlicht. New Yorks Kardinal Timothy Dolan betont, kein Geistlicher übe sein Amt aus, gegen den ein Vorwurf bestehe.

DOMRADIO.DE

In einem am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Brief bittet New Yorks Erzbischof, Kardinal Timothy Dolan, zudem erneut um Vergebung „für das Versagen jener Kleriker und Bischöfe, die für die Sicherheit unserer jungen Menschen hätten sorgen sollen, stattdessen aber das von Gläubigen und Gott in sie gesetzte Vertrauen verraten haben“. In den vergangenen Monaten hatten bereits andere Bistümer entsprechende Namenslisten und Missbrauchsberichte veröffentlicht.

Zusammen mit den Namen der Diakone, Priester und Bischöfe veröffentlichte die Erzdiözese Angaben zum Jahr ihrer Ordination und zum Todesjahr sowie Angaben zu den eingeleiteten Maßnahmen wie Suspendierung oder Entlassung aus dem Klerikerstand. Dolan betonte, in der Erzdiözese übe „kein einziger Priester oder Diakon sein Amt aus, gegen den ein glaubwürdiger und begründeter Vorwurf des Missbrauchs Minderjähriger besteht“.

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Esoterik-Kongress „Welt im Wandel“: Wunder zu verkaufen, nur 195 Euro

Pendel. Bild von Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay
Steinchen gegen schädliche Strahlung, Armreifen zur Harmonisierung der Energiefelder: Eindrücke von einem Kongress in Würzburg.

Kevin Culina | taz.de

Ein Mann steht auf der Bühne, stumm. Er blickt in den Saal, mehr als 1.300 Menschen stehen vor ihm. Minutenlang lässt der Mann seinen Blick durch die Menge schweifen. Das lockere weiße Hemd bewegt sich nicht, blond-graue Haare umrahmen sein Gesicht. Im Scheinwerferlicht verharrt er. Dann verlässt er, immer noch wortlos, die Bühne. Manche im Publikum weinen, einige liegen sich ergriffen in den Armen. Stille im Saal.

Der Auftritt des selbsternannten Wunderheilers Braco aus Kroatien und sein „gebender Blick“ waren der Höhepunkt des ersten Tags des „Welt im Wandel“-Kongresses. Braco tourt seit 1995 durch Europa und selbst bis nach Hollywood. Im bayerischen Würzburg tagten Mitte April mehr als 1.300 Interessierte im städtischen Congress Centrum. Im Angebot: Esoterische Produkte, Seminare mit vermeintlichen Wunderheiler*innen und Vorträge selbsternannter Alternativmediziner*innen.

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AfD kritisiert Sternbergs Warnung vor der Wahl der Partei

Bild: © Christian Schwier/fotolia.com
Die Wähler dürften den Populisten in Europa nicht das Feld überlassen, hatte ZdK-Präsident Thomas Sternberg gesagt und davor gewarnt, der AfD die Stimme zu geben. Darauf reagierte nun Volker Münz, der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion.

katholisch.de

Nach der Warnung des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, vor einer Wahl der AfD kommt Kritik aus der Partei. Sternberg „spaltet die Gemeinden in ‚gute‘ und ’schlechte‘ Christen“, sagte der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz, am Samstag in Berlin. Sternberg, der bis 2017 CDU-Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen war, „missbraucht damit sein Amt als Präsident der katholischen Laienvertretung, um Politik zu machen“.

Sternberg hatte sich am Donnerstag auf dem Kölner Portal domradio.de im Zusammenhang mit der Europawahl geäußert: Auch wenn die Kirche – ob Laien oder Priester – „zum Glück“ keine Wahlempfehlungen mehr gäben, dürfe vor Parteien gewarnt werden.

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„Kante statt Teflon“

Grafik; TP
Oliver Georgi über die Floskelhaftigkeit in der Politik

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

In seinem Buch „Und täglich grüßt das Phrasenschwein“ setzt sich der Journalist Oliver Georgi mit dem Sprachverfall in der deutschen Politik auseinander.

Herr Georgi, welche Politikerphrase ist Ihnen persönlich die missliebigste und warum?

Oliver Georgi: Es gibt viele Phrasen von Politikern, die mich regelmäßig aufregen. Wenn sie nach einer Wahl eine „schonungslose Aufarbeitung“ der Niederlage ankündigen und damit bemänteln, dass sie am liebsten nichts unternehmen wollen. Wenn sie „die Zukunft des Landes gestalten“ wollen und man sich fragt: Sind sie Zauberer, dass sie die Zukunft nicht nur vorwegnehmen, sondern offenbar auch nach Belieben wie Knetmasse formen können?

Am schlimmsten finde ich es aber, wenn Politiker eine „Politik für die kleinen Leute“ machen wollen, eine äußerst beliebte Phrase. Damit wollen sie signalisieren, dass sie auf die Sorgen der Wähler eingehen und nicht abgehoben sind, dass sie die Kluft zwischen der Politik und den Wählern überwinden wollen. Dabei bewirkt die Phrase „kleine Leute“ gerade das Gegenteil: Sie vergrößert die Entfremdung noch, weil sie die Wähler bevormundet. Die Wähler sind klein und hilfsbedürftig, die Politik ist gnädig und groß.

„Folge von tausenden Vorträgen,“

Was hat die zunehmende Floskelhaftigkeit in der Politik mit dem Werdegang der Politik selber zu tun? Spiegelt sich darin eine gewisse Art von Politik wider?

Oliver Georgi: Man muss unterscheiden: Es gibt viele Situationen, in denen Politiker tatsächlich mit Vorsatz Phrasen verwenden. Etwa, wenn sie nach einer Wahlniederlage nach Konsequenzen gefragt werden und noch keine ziehen wollen. Dann können sie mit einem Satz wie „Wir müssen die Niederlage jetzt erst einmal aufarbeiten“ oder „Wir müssen jetzt dringend zur Sacharbeit zurückkehren“ viel reden, ohne sich auf etwas festzulegen.
An anderen Stellen sind Phrasen für Politiker aber auch so etwas wie eine Berufskrankheit. Über die langen Jahre und Jahrzehnte, die viele von ihnen schon in der Politik sind und in denen sie sich von den Jugendorganisationen ihrer Parteien über Orts- und Gemeinderäte bis in die Bundespolitik emporgearbeitet haben, haben sie sich diese Art zu sprechen antrainiert. So wie Ärzte sich ihr „Ärztelatein“ aneignen oder Anwälte eine hermetische Juristensprache. Das ist dann nicht unbedingt vorsätzlich, sondern die Folge von Tausenden Vorträgen, Grußworten und politischen Diskussionen. Die haben auch sprachlich ihre Spuren hinterlassen.

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Katholische Gemeinschaft „Das Werk“ ließ Missbrauchs-Film sperren

Bild: © manaemedia/Fotolia.com
„Gottes missbrauchte Dienerinnen“ behaupte nachweislich Unwahrheiten, sagte ein Sprecher des „Werks“. Es gehe vor allem um Anschuldigungen gegen einen Priester der Gemeinschaft, der bis vor kurzem leitend an der Glaubenskongregation tätig war.

katholisch.de

Die Einstweilige Verfügung gegen eine Arte-Dokumentation über den Missbrauch an Ordensfrauen durch Geistliche geht auf eine Klage der katholischen Gemeinschaft „Das Werk zurück. Der Sprecher in der Zentrale des „Werks“ in Bregenz, Pater Georg Gantioler, erklärte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Freitag, ein Rechtsanwalt der Gemeinschaft habe eine Einstweilige Verfügung gegen den Sender, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und den Deutschlandfunk erwirkt.

Erstmals Anfang März ausgestrahlt

Hintergrund sind demnach Anschuldigungen gegen einen Priester der Gemeinschaft, der bis Ende Januar an der Glaubenskongregation in Rom leitend tätig war. Der Film behaupte Dinge, „die nachweislich nicht stimmen“, sagte Gantioler der KNA.

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