Konfirmanden für den Führer


Ausgelöst durch den Fund einer Konfirmationspredigt von 1941 begeben sich ein pensionierter Bibliothekar und ein Pfarrer auf die Suche nach einem ungewöhnlichen Kirchenmann. Ans Licht kommt ein beschämendes Kapitel evangelischer Kirchengeschichte.

Von Kirsten Serup-Bilfeldt | Deutschlandfunk Kultur

Die Geschichte beginnt ganz banal – mit einer klemmenden Schublade. Als der pensionierte Bibliothekar Peter Bruhn sie schließlich mit einem brachialen Ruck öffnet, findet er ein paar vergilbte Schreibmaschinenseiten, die dort offenbar seit rund sechs Jahrzehnte lagen. Auf dem Deckblatt liest er:

„Zur Erinnerung an die Konfirmationsfeier der Schlossgemeinde Wernigerode am 23. März 1941.“

Bruhn liest aufmerksam den Text, den er 60 Jahre zuvor nur überflogen hatte. Und Stück für Stück kommen ihm längst vergessene Erlebnisse ins Gedächtnis zurück:

Erinnerungen an den Konfirmandenunterricht, die Konfirmation und einen „geselligen“ Abend im Haus des Pfarrers, Superintendent Ludwig Beer.

Verlangt wurde „Mut zum tapferen Sterben“

In der Konfirmationspredigt, die Bruhn jetzt schaudern lässt, ist die Rede von einer „bedeutsamen Stunde“ und einer „gewaltigen Zeit“ für die Konfirmanden, vom „Mut zum tapferen Sterben im Gehorsam gegen den Führer“ und von den Aufgaben des „deutschen Menschen für die Kirche Martin Luthers“. Dem Text vorangestellt ist der Spruch:

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