Kameradschaften öffentlich machen

Schwarz-rot-braun: NPD-Anhänger auf einer Kundgebung in Wiesbaden. Bild: DDP/FAZ
Unlängst warnte der deutsche Verfassungsschutz vor einer «wachsenden Gefahr» rechtsterroristischer Anschläge.

Hans Stutz | tachles.ch

«Eine wachsende Gefahr» seien rechtsterroristische Kleingruppen oder Einzelpersonen, warnte vor kurzem der deutsche Verfassungsschutz in einem «vertraulichen Papier», das den Weg zu einer deutschen Sonntagszeitung fand. «Rechtsterroristische Ansätze und Potenziale» würden sich «in unterschiedlichen Strömungen und Spektren der rechtsextremistischen Szene» entwickeln, «aber auch am Rande oder gänzlich ausserhalb der organisierten rechtsextremistischen Szene». Diese letzte Feststellung ist keine Neuigkeit. Neu ist, dass der Verfassungsschutz davor warnt. Er hat ja vieles gutzumachen. Er hat in den vergangenen Jahrzehnten beim Kampf gegen rechtsextremen Terror regelmässig versagt, am markantesten bei der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU).

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Bistum Würzburg findet Hinweise auf sexuellen Missbrauch in 47 Fällen

Es geht um sexuelle Vergehen, aber auch um Körperverletzungen und Beleidigungen durch katholische Priester: Als Ergänzung zur MHG-Studie der deutschen Bischöfe hat das Bistum Würzburg eine eigene Untersuchung durchführen lassen – und dabei zahlreiche weitere Hinweise auf Missbrauch gefunden.

katholisch.de

Bei einer Sichtung alter Personalakten von Seelsorgern im Bistum Würzburg durch eine externe Anwaltskanzlei haben sich in 47 Fällen Hinweise auf sexuelle Übergriffe ergeben. Betroffen seien ausschließlich Priester, nicht aber Diakone, Gemeinde- und Pastoralreferenten, berichtete Rechtsanwalt Hans-Jochen Schrepfer am Freitag in Würzburg. Der Jurist hatte knapp 3.000 Akten von Seelsorgemitarbeitern für den Zeitraum von 1946 bis 1999 geprüft. Er hatte nach eigenen Angaben direkten Zugang zu den Datenbeständen.

In 29 Akten, ebenfalls ausschließlich von Priestern, ist laut Schrepfer von anderen Vorwürfen wie Körperverletzung oder Beleidigungen die Rede.

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Rechtspopulismus: Vaterland unser

Berliner Hedwigs-Kathedrale. Themenbild. Bild: bb
Bisher unbeachtet: Aber ein Blick auf die EU-Wahlergebnisse zeigt, dass der Rechtspopulismus seine extremen Ergebnisse in katholischen Ländern erzielen konnte.

Von Christian Thomas | Frankfurter Rundschau

Es war nicht der erste Wahlsonntag, an dem das Kreuz zum politischen Repertoire gehörte. Und Matteo Salvini war nicht der erste Rechtsextremist, der, um sich in der Rolle des von Gott gesendeten Retters zu zeigen, am siebten Tag zum Kruzifix griff. Als Italiens Innenminister es in seiner Männerhand zeigte, es in seiner Faust zum Mund führte. Es, sein Kruzifix, küsste.

„Der da oben“, wies der Demagoge auf zum Himmel über Mailand, habe geholfen. So also begab es sich am EU-Wahlabend. Ein sich ständig als starker Mann offenbarender Machtmensch, der sich als demütiger Mensch zeigte. Gottgesandt, wie es auch die Renaissancefürsten zu tun pflegten. Eben das alte Repertoire. Der da oben habe nicht nur ihm, nicht nur der eigenen Partei, vielmehr Italien geholfen. Und, so Salvini, Europa obendrein.

Göttlicher Segen als historischer Fakt? Wohl eher eine Fiktion, wie sie typisch ist für die Willenslenkung und Gefühlspolitik des Populismus. Dagegen hängt man als Beobachter und EU-Bürger keiner Fiktion an, wenn man sagt: Italien, Frankreich, Österreich, Polen. Die Gemeinsamkeit nach den EU-Wahlen ist nur zu offensichtlich. Die rechtsnationalistischen und populistischen Parteien haben in diesen Ländern enorme Stimmengewinne erbeutet. In Frankreich erzielte das rechtsextreme Lager mit über 23 Prozent mehr als die Liberalen des Präsidenten Macron, in Polen kamen die Rechtskonservativen auf 45,6 Prozent. In Italien erreichten die rechtspopulistische LN 34,3 Prozent, zusammen mit den 17,1 Prozent, die die Fünf Sterne wählten, votierte mehr als das halbe Italien europafeindlich. Der rechte Populismus hat die parteipolitische EU-Karte tief blau eingefärbt.

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Die Rezo-zialisierung der CDU

Bild: Klaaschwotzer/CC0 1.0
Der NRW-Ministerpräsident und der BW-Innenminister informieren – Ein Kommentar

Markus Kompa | TELEPOLIS

Nach dem Faux-Pax über die vermeintlichen Presse-Regeln der analogen Welt von AKK und dem Digitalpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Tankred Schipanski, ergriffen auch weitere Unionspolitiker die Gelegenheit, um sich um Kopf und Kragen zu reden.

Parteirivale Armin Laschet verfiel ins andere Extrem und zitierte altklug bei einem Medienforum der Deutschen Welle in Bonn aus Artikel 5 des Grundgesetzes. „Jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern. Dafür gibt es keine Grenzen.“ Der Politiker betonte: „Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut und dieser vor 70 Jahren formulierte Artikel gilt heute uneingeschränkt als Grundrecht.“

Das ist Unfug. Als ehemaliger Journalist und amtierender Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, der von Hunderten Juristen umgeben ist, hätte man eigentlich Kompetenz oder Recherche erwarten dürfen. Im zitierten Artikel 5 GG steht nämlich in Absatz 2: „Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“

Diese dem CDU-Politiker Laschet unbekannten Schranken verbieten u.a. Beleidigung, üble Nachrede und Kreditgefährdung, die sowohl strafrechtlich als auch zivilrechtlich verfolgt werden können. Selbst Verdachtsäußerungen oder Andeutungen zwischen den Zeilen können teuer werden. Sogar politische Parteien genießen als juristische Personen Persönlichkeitsrechte.

Richtig an Laschets Aussage ist, dass Meinungs- und Pressefreiheit hierzulande sehr weit gehen, zumindest nach der Rechtsprechung von Bundesgerichtshof, Bundesverfassungsgericht und Europäischem Gerichtshof für Menschenrechte. Die Rechtsrealität sieht allerdings anders aus ( Hamburg hört in Karlsruhe auf ).

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A fungus weaponized with a spider toxin can kill malaria mosquitoes

MOSQUITO WATCH Entomologist Etienne Bilgo observes a mosquito breeding puddle inside a net-encased structure called the MosquitoSphere. Bilgo is part of a team that tested the ability of a genetically engineered fungus to kill mosquitoes that can spread malaria.
In field trials, genetically engineered Metarhizium pingshaense reduced numbers of the insects

By Tina Hesman Saey | ScienceNews

A fungus engineered to produce a spider toxin could help take down insecticide-resistant mosquitoes that can spread malaria.

In a netted, outdoor experiment in Burkina Faso, the genetically engineered fungus wiped out mosquito populations within two generations, researchers report in the May 31 Science. If the result holds up in a real-world situation, the modified fungus may one day become a tool for controlling mosquitoes that can transmit the deadly disease.

In 2017, an estimated 219 million people in 87 countries were infected with malaria, and 435,000 died, according to the World Health Organization. Africa carried most of the malaria burden, with 92 percent of cases and 93 percent of deaths occurring on the continent that year.

The fungus Metarhizium pingshaense, long known to infect and kill mosquitoes, was made even deadlier to the insects by the addition of a gene that produces a spider bite toxin called Hybrid. Researchers engineered the fungus to make Hybrid in the presence of the mosquito version of blood, called hemolymph. “We’re just bypassing the spider fangs and getting the fungus to do the same job,” says study coauthor Raymond St. Leger, an entomologist at the University of Maryland in College Park.

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Abt fordert Abschaffung des Weltjugendtags: „Ökologische Katastrophe“

Bild: © KNA
Auch in der Seelsorge müsse auf den „ökologischen Fußabdruck“ geachtet werden, findet der Abt des Klosters Plankstetten, Beda Maria Sonnenberg. Weltjugendtage passten da nicht. Die Sonntagspflicht aber müsse um einen bestimmten Faktor erweitert werden.

Von Christopher Beschnitt | katholisch.de

Sollten Gläubige besser Bäume betrachten als mit dem Auto zum Gottesdienst zu fahren? Fragen wie diese beschäftigen Beda Maria Sonnenberg (52). Der Abt des Benediktinerklosters Plankstetten in der Oberpfalz sieht im ökologischen Fußabdruck in der Seelsorge ein bisher unbeachtetes Kirchenthema.

Frage: Herr Abt, sollte man der Messe lieber fernbleiben als mit dem Auto hinzufahren?

Sonnenberg: Wenn möglich sollte man zu Fuß hingehen oder das Fahrrad nehmen. Man würde nicht nur weniger die Umwelt belasten, sondern auch etwas für seine Gesundheit tun. Früher kamen die Gläubigen mit der Kutsche oder dem Schlitten zur Kirche. Für Kranke oder Gebrechliche sollten Soziale Medien besser eingesetzt werden, und die Kommunion könnte in guter Tradition vom Pfarrer gebracht werden. Aber wer fit ist, sollte zum Gottesdienst kommen, indem er sich selbst bewegt, „auto-mobil“ wird. So würde nicht nur die Umweltbelastung verringert, auch der Weg zur Messe würde schon zum Gottesdienst.

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Nach der Europawahl: «Die starke AfD in Ostdeutschland zeigt, wie gespalten das Land ist»

Der Politologe Hans Vorländer von der TU Dresden. (Bild: Jürgen Heinrich / Imago)
Von zwei Deutschlands, die nicht vergehen wollen, spricht der Dresdner Politologe Hans Vorländer. Nach der jüngsten Europawahl ist für ihn klar, dass die AfD ihre Wählerbasis verstetigt hat. Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung in Ostdeutschland fühlten sich fremdbestimmt, sagt Vorländer im Gespräch mit der NZZ.

Christoph Eisenring | Neue Zürcher Zeitung

Fast jeder Fünfte war 2005 im ostdeutschen Bundesland Sachsen arbeitslos. Zuletzt waren es lediglich noch 5,5 Prozent – eine enorme Verbesserung. Und dennoch war bei der jüngsten Europawahl die nationalistische Alternative für Deutschland (AfD) in dem Bundesland vor der CDU die stärkste Partei. Schon bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 hatte die AfD die CDU knapp überflügelt. Allgemein erreichte die AfD im Osten rund 20%, in Westdeutschland blieb sie einstellig, mit Ausnahme Baden-Württembergs (genau 10%). Das erstaunt auf den ersten Blick, geht es den Ostdeutschen wirtschaftlich doch besser als den Bewohnern anderer ehemaliger Ostblockstaaten und auch im Vergleich mit der eigenen (DDR-)Vergangenheit. Doch die Referenzgrösse, mit der sich die Ostdeutschen vergleichen, sei Westdeutschland, sagt der Politologe Hans Vorländer von der TU Dresden im Gespräch. Bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf klafft hier immer noch eine Lücke von gut einem Fünftel. Dabei wird allerdings ausgeblendet, dass die Lebenshaltungskosten im Osten Deutschlands geringer sind, weshalb die reale Differenz kleiner ist.

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Kinderpornos besessen: Bistum Limburg schränkt Dienst von Diakon für fünf Jahre ein

Der Dom in Limburg Foto: dpa
Das Bistum Limburg schränkt die Aufgabenbereiche eines Mitarbeiters ein, bei dem Kinderpornos gefunden wurden. Der Mann darf in den kommenden fünf Jahren nicht als Diakon arbeiten und Tätigkeiten übernehmen, die mit diesem Amt verbunden sind, wie das Bistum am Mittwoch mitteilte.

Kölner Stadt-Anzeiger

Das sei das Ergebnis des damit abgeschlossenen kirchenrechtlichen Strafverfahrens. Dem Mann sei die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verboten worden und er müsse sich 150 Tage unentgeltlich im sozialen Bereich engagieren. Der Mann bleibt der Mitteilung zufolge Mitarbeiter des Bistums und soll künftig in der Verwaltung eingesetzt werden.

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Machten explodierende Sterne den Menschen zum Zweibeiner?

Am Ende seines Lebens kann ein supermassiver Stern als Supernova explodieren Quelle: UIG via Getty Images
Die Vorfahren des Menschen lebten in Afrika auf Bäumen. Irgendwann wagten sie sich in die Savanne und begannen, aufrecht zu gehen. Warum es dazu kam, erklären US-Forscher nun mit kosmischen Ereignissen.

Von Norbert Lossau | DIE WELT

Waren Supernova-Explosionen der Auslöser dafür, dass der Homo habilis vor Millionen von Jahren den aufrechten Gang erlernte? Diesen erstaunlichen Zusammenhang stellen Wissenschaftler jetzt im „Journal of Geology“ her.

Demnach begann vor ungefähr acht Millionen Jahren ein Bombardement der Erde mit kosmischer Strahlung, die bei Explosionen von sterbenden Sternen freigesetzt worden ist. Vor ungefähr 2,6 Millionen Jahren, so die Forscher, habe diese Strahlung ihr Maximum erreicht.

Laut den Autoren der Studie führte die kosmische Strahlung zu einer elektrischen Aufladung der unteren Atmosphäre durch Elektronen und Ionen. Die Aufladung hat nach ihrer Überzeugung die Zahl der Blitze aus Wolken zum Erdboden sehr stark erhöht. Die Blitze wiederum sollen der Auslöser für Waldbrände rund um den Globus gewesen sind.

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Geheimdienst hatte Straches Fallensteller schon an der Angel

foto: sz Das Video, das die Republik in Atem hält. Gudenus veranschaulicht in Activity-Manier das Produkt der Firma Glock.
Während des Ibiza-Drehs liefen noch Ermittlungen des BVT gegen den Detektiv, der Strache und Gudenus in die Finca lockte

Andreas Schnauder | derStandard.at

Um die Hintermänner des Ibiza-Videos schießen die Spekulationen ins Kraut. Drei Detektive, ein Anwalt und eine als Oligarchen-Nichte auftretende Studentin sollen Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus zu den Aussagen verleitet haben, die zur Rücktrittswelle und Mega-Regierungskrise führten. Die Affäre hat neben der politischen Tragweite auch einige Facetten, die gut in einen Spionagethriller passen würden.

Das liegt einerseits an den atemberaubenden Video-Szenen und dem dunklen Umfeld der Sicherheitsleute. Andererseits wird die ohnehin pikante Geschichte noch mit Behauptungen gespickt, es gebe Verbindungen zum Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT).

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Ein Skandal, dass Berlin wieder die Al-Kuds-Demo zulässt

Bild: bb
Der Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein hat recht, wenn er vor der grassierenden Judenfeindlichkeit warnt. Doch seine Empfehlung, sich zu verleugnen und auf das Tragen der Kippa zu verzichten, ist falsch. Es gibt nur einen Weg, sich zu behaupten.

Von Melody Sucharewicz | DIE WELT

In den letzten Tagen erregte der Kippa-Kommentar des Antisemitismusbeauftragten Felix Klein Öffentlichkeit, Medien und solche, die sich berufen fühlten, zu kommentieren. Es gäbe Orte in Deutschland, sagte er, an denen er Juden nicht empfehlen könne, die Kippa zu tragen.

Hat Klein in der Praxis recht? Ja. Der zertrümmerte Kiefer eines Rabbis, die Gürtelhiebe auf einen jungen Mann mit Kippa, Dutzende jüdischer Kinder, die an der Schule gemobbt wurden – ein kleiner Auszug aus der hässlichen Statistik –, reicht aus, um zu verstehen, dass Antisemitismus in Deutschland eine spürbare Gefahr geworden ist. Eine Gefahr, die die Grenze zwischen verbaler Beleidigung und physischem Angriff längst überschritten hat.

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Jährlich in Deutschland: 13 Millionen Tonnen Lebensmittel für die Tonne

Lebensmittel liegen in einer Bio-Mülltonne. Bild: dpa
Im Schnitt wirft ein deutscher Bundesbürger pro Jahr 85 Kilo Nahrungsmittel weg. Im Vergleich mit Gastronomie und Verarbeitung schneiden die Haushalte mit Abstand am schlechtesten ab.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Trotz vieler Appelle zum Stopp der Lebensmittelverschwendung landen in Deutschland jährlich fast 13 Millionen Tonnen Essen im Müll. Allein in den Haushalten wirft jeder Mensch im Schnitt 85,2 Kilogramm Nahrungsmittel im Jahr weg. Das zeigen neue Berechnungen der Universität Stuttgart bezogen auf das Jahr 2015. Mehr als 40 Prozent (37,3 Kilo) davon wären in den Haushalten vermeidbar, wie die Forscher sagen. Dafür müssten die Verbraucher etwa Obst, Gemüse und Brot richtig lagern, insgesamt weniger kaufen und welken Salat oder fleckige Äpfel sowie Reste nicht bedenkenlos wegwerfen.

Zählt man die Abfallmengen von Landwirten, Lebensmittelverarbeitern, dem Handel und der Gastronomie dazu, kommt man auf 12,7 Millionen Tonnen verschwendete Lebensmittel im Jahr.

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Portal veröffentlicht Entwurf der Kurienreform Stichwort: Dezentralisierung

Vatikan. Bild: Pixaby, Selim Gecer.
Mehr Laien soll es in der Kurie geben, die Glaubenskongregation verliert ihre herausgehobene Stellung – das sieht ein Entwurf der Neuverfassung des Vatikan vor, der den Bischofkonferenzen auf der ganzen Welt zur Stellungnahme vorliegt.

DOMRADIO.DE

Ein Entwurf der von Papst Franziskus geplanten neuen Verfassung für den Vatikan ist in Teilen bekannt geworden. Das US-amerikanische Portal „National Catholic Register“ veröffentlichte am Mittwoch Auszüge aus dem Entwurf, der derzeit den katholischen Bischofskonferenzen weltweit zur Stellungnahme zugesandt ist.

Gemäß diesem Entwurf sollen in der römischen Kurie als zentralem Leitungsorgan der katholischen Kirche künftig mehr Laien arbeiten.

Zudem gebe es eine Verlagerung von Kompetenzen an die Bischofskonferenzen. Dieser Impuls zur Dezentralisierung verändere auch die Beziehungen zwischen Bischöfe, Kurie und dem Papst.

Letzte Neuorganisation im Jahr 1988

Vor allem im 20. Jahrhundert hatten die Päpste die römische Kurie zur Spitze eines straff zentralistisch geführten Apparats ausgebaut.

Diese hatte Johannes Paul II. zuletzt im Jahr 1988 neu organisiert. In der Kurie und dem Vatikanstaat arbeiten rund 2.500 Menschen; ein Großteil von ihnen sind Kleriker.

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Die Rückeroberung Istanbuls

Istanbul. Bild: Selda Yildiz und Erol Gülsen/Istanbul und Türkei Community. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE
Erdogans AKP steht mit dem Rücken zur Wand, während die Opposition im Wahlkampf wirkt, als wäre sie gerade aus einem langen Winterschlaf erwacht

Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Am 23. Juni finden in Istanbul Neuwahlen statt. Nachdem im ersten Wahlgang erstmals seit 1994 die oppositionelle CHP den Urnengang gewann, intervenierte Staatschef Recep Tayyip Erdogan bei der obersten Wahlbehörde YSK und ließ das Votum annullieren. In einer fairen und freien Wahl, daran zweifelt bislang niemand, würde CHP-Kandidat Ekrem Imamoglu erneut die Mehrheit der Stimmen holen. Aber mit fairen und freien Wahlen ist das so eine Sache in der Türkei…

Am 20. Mai trat Imamoglu in einer Livesendung des inzwischen unter weitgehender staatlicher Kontrolle stehenden Nachrichtensenders CNN Türk auf. Das Gespräch mit Moderator Ahmet Hakan sollte eigentlich bis Mitternacht dauern. Doch als Imamoglu begann, über Verschwendung von öffentlichen Geldern durch die AKP-Stadtverwaltung in Istanbul zu sprechen, wurde die Sendung unerwartet abgebrochen – um 23.30 Uhr.

In den sozialen Netzwerken führte das zu einem Ausbruch der Empörung – was schon deshalb bemerkenswert ist, weil in den letzten Jahren Zehntausende Menschen, die online die Regierung kritisiert hatten, vor Gericht gezerrt wurden. Das mag ein Zeichen dafür sein, dass die Anhänger der Opposition ihren Mut zurückgewinnen.

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Vatikan und Bundesregierung arbeiten bei Religionsfreiheit zusammen—“Gemeinsame Sorge um die Christen“

Sowohl der Vatikan als auch die Bundesregierung sorgen sich um die Lage der Christen auf der ganzen Welt, sagt Markus Grübel, Beauftragter der Bundesregierung für Religionsfreiheit. Von einer engeren Zusammenarbeit könnten beide Seiten profitieren.

DOMRADIO.DE

Der Beauftragte der Bundesregierung für die weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), war am Mittwoch zu Gast im Vatikan. Er führte dort Arbeitsgespräche mit dem vatikanischen Staatssekretariat und der Kongregation für die Ostkirchen. Während der Generalaudienz auf dem Petersplatz kam es auch zu einem kurzen Treffen mit Papst Franziskus.

DOMRADIO.DE: Wenn ich über das Thema Religionsfreiheit nachdenke, dann kommen mir Länder wie Syrien, der Irak und Afghanistan in den Kopf. Das letzte, woran ich denken würde, sind der Vatikan und die katholische Kirche. Warum passt das trotzdem zusammen?

Markus Grübel (Beauftragter der Bundesregierung für Religionsfreiheit): Weil Religionsfreiheit für die katholische Kirche ein wichtiges Anliegen ist. Der Papst und die katholische Kirche sind gut vernetzt sind in der Welt. Darum haben sie auch gute Informationen über die Lage der Menschenrechte und der Religionsfreiheit in den verschiedenen Ländern.

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„Christen“-Rocker wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Der Schriftzug „Landgericht und Amtsgericht Düsseldorf“ hängt an der Fassade des Landgerichts. Foto: Marcel Kusch/Archiv (Quelle: dpa)
Ein selbst ernannter Apostel der christlichen Rockergang „True Live“ (Wahres Leben) muss sich von Freitag (9.30) an vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Dem 36-jährigen türkischen Konvertiten und drei mitangeklagten Rockern aus dem Schwarzwald wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Sie sollen im Streit um Glaubensfragen versucht haben, einen anderen Rocker zu töten.

t-online.de

Die angeklagten mutmaßlichen Angreifer sollen Ende August 2018 in unmittelbarer Nähe des NRW-Justizministeriums und der Düsseldorfer Johanneskirche einen Rocker der „Black Jackets“ zusammengeschlagen und niedergestochen haben. Das 24-jährige Opfer ist ebenfalls zum Christentum konvertiert und kennt den Hauptangeklagten nach eigenen Angaben bereits von Kindesbeinen an.

Der Hauptangeklagte soll versucht haben, mit einer scharfen Pistole drei Mal auf sein Opfer zu schießen. Doch die Waffe hatte Ladehemmung – kein Schuss löste sich. Daraufhin soll einer der Mitangeklagten eine Reizgaswaffe genommen und auf den jungen Mann geschossen, ein anderer zugestochen und den 24-Jährigen mit einem Stich in die Herzgegend lebensgefährlich verletzt haben.

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Jesus tritt ab, die Unvernunft bleibt

Spirituelle Sinnstiftung ist weiterhin gefragt. Auch in irritierenden Formen. (Bild: Shannon Stapleton / Reuters)
Die Menschen kehren den Kirchen den Rücken. Doch wer darin den Triumph der Rationalität sieht, täuscht sich. Die Menschen suchen den Sinn anderswo – auch bei Scharlatanen.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Christina von Dreien füllt die Säle. Fast 200 Franken bezahlen ihre Anhänger, um den neuen Star der Esoterikszene zu sehen. Eine zerbrechlich wirkende 18-Jährige aus dem Toggenburg, die von ihrer überehrgeizigen Mutter angetrieben wird. Von Dreien, die eigentlich Meier heisst, behauptet, sie stehe in Kontakt mit ihrer als Baby verstorbenen Zwillingsschwester, aber auch mit anderen Toten. Sie verspricht eine Zukunft, in der sich die Menschen selbst heilen können. Aus ihrer Sicht sind die Regierungen dieser Welt Marionetten finsterer ausserirdischer Mächte. Und die Dinosaurier sind nicht ausgestorben, sondern leben in unterirdischen Höhlensystemen. Gegenwärtig warnt der Teenager mit dem blassen Gesicht: Die 5G-Strahlung werde Bäume zum Absterben bringen. Und die Fans glauben es.

Die meisten Seminare, die von Dreien abhält, sind ausverkauft, in der Schweiz, aber auch in Deutschland. Von einem solchen Andrang können viele Pfarrer nur träumen. Ihre Kirchenbänke sind immer leerer, die Zahl der Austritte bei Reformierten und Katholiken steigt und steigt. Für manche ist das eine gute Nachricht. Religionskritiker nehmen die Krise der Kirchen als Beleg dafür, dass endlich die Vernunft über den (Aber-)Glauben siegt. Doch in dieser Interpretation der Säkularisierung täuschen sie sich grundlegend.

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Innenministerium will Ausspähen von Journalisten erlauben

Das Grundgesetz schützt die Pressefreiheit. (Foto: dpa)
  • In Koalitionskreisen kursiert ein Entwurf für ein „Gesetz zur Harmonisierung des Verfassungsschutzrechts“.
  • Dieser würde es dem Verfassungsschutz vergleichsweise leicht machen, Redaktionen digital auszuforschen – auch ohne Richtervorbehalt.
  • Für eine Razzia in einer Zeitungsredaktion gelten heute sehr hohe rechtsstaatliche Hürden. So soll das Redaktionsgeheimnis gewahrt werden.
Von Ronen Steinke | Süddeutsche Zeitung

Das Bundesinnenministerium will dem Verfassungsschutz erlauben, Journalisten und ihre Redaktionen heimlich digital auszuforschen. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Spiegel-Affäre, bei der Polizisten in die Räume des Hamburger Nachrichtenmagazins eingedrungen waren, wäre dies ein deutlicher Bruch mit bisherigem Recht.

Für eine Razzia in einer Zeitungsredaktion gelten heute sehr hohe rechtsstaatliche Hürden, so soll das Redaktionsgeheimnis gewahrt werden. Eine heimliche Online-Durchsuchung mithilfe von Spionagesoftware in derselben Redaktion soll nun aber vergleichsweise einfach möglich werden, auch ohne Richtervorbehalt.

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Dürrefolgen: Teils noch immer zu wenig Regen

Bild: MichaelGaida/pixaby.com
Der Mai war landesweit zu kühl, unter anderem im Süden erheblich zu feucht, aber in einigen Bundesländern auch viel zu regenarm

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Der Deutsche Wetterdienst hat eine erste Bilanz für den ausgehenden Monat vorgelegt. Demnach war es im Mai nach 13 überdurchschnittlichen Monaten erstmals zu kühl. Mit 10,9 Grad Celsius lag der Mai-Temperaturdurchschnitt um 1,2 Grad unter dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990, der internationalen Referenzperiode. Zuletzt war der Referenzwert im März 2018 unterschritten worden.

Am wärmsten war es noch in Berlin mit 13 Grad Celsius (nur 0,6 Grad Celsius unter dem langjährigen Mittelwert), am kältesten in Bayern, wo die Thermometer im Landes- und Monatsdurchschnitt nur 10,2 Grad Celsius anzeigten, was 1,5 Grad Celsius unter dem dort Üblichen lag.

Beim Niederschlag zeigte der Mai ein recht durchwachsenes Ergebnis. Nach einem erheblich zu trockenen April hatte es bereits Befürchtungen gegeben, Mitteleuropa könnte womöglich erneut ein schlimmer Dürre-Sommer bevorstehen.

Diese Ängste haben vorerst keine neue Nahrung bekommen. Im Durchschnitt über die ganze Republik übertraf die Regensumme den langjährigen Mittelwert für Mai um 16 Prozent. Allerdings war das Nass sehr ungleichmäßig verteilt.

Während der Süden unter Starkregen und Überschwemmungen stöhnte, fiel der Mai in den meisten nördlichen Bundesländern wiederum zu trocken aus. In Bremen gab es ein Regendefizit von 50 Prozent, im benachbarten Niedersachsen von gut 26, in Mecklenburg-Vorpommern von etwas über 21 und in Berlin und Brandenburg von gut 35 Prozent.

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Die Kirchen und die Intellektuellen

Multimedia Projektion «Genesis» in der Zürcher Kirche St. Jakob. (Bild: Arnd WIegmann / Reuters)
Gottesdienst mitzufeiern, setzt intellektuell Mut voraus. Darin unterscheidet sich Liturgie- von Konzertbesuch und Theaterteilnahme.

Christian M. Rutishauser | Neue Zürcher Zeitung

Kürzlich wurde an dieser Stelle zu Recht darauf hingewiesen, dass die Kirche mit ihren Gottesdiensten die Intellektuellen kaum mehr erreiche. Es mangle an Predigten, die existenzielle Fragen entfalten würden. Eine Predigt müsse zu Herzen gehen und den Verstand ansprechen. Letzte Sinn- und Wertfragen würden heute im Theater und bei Konzerten verhandelt. Der Analyse ist nur zuzustimmen. Gerade aus römisch-katholischer Perspektive ist Liturgie aber nicht nur Predigt. Sie ist Vergegenwärtigung des Göttlichen, eröffnet Raum für Heilserfahrungen, ist heiliges Spiel. Liturgie kann man als Performance und Inszenierung verstehen. Dies kommt der ästhetischen Annäherung an letzte Fragen nahe, die sich in unserer Zeit neuer Beliebtheit erfreut. Liturgie ist mit den Medien Theater, Kunst und Musik verwandt. Um Intellektuelle anzusprechen, brauchen Vorsteher und Vorsteherinnen von Gottesdiensten also nicht nur die Fähigkeit, existenzrelevante Fragen in prägnanter Sprache vorzutragen. Sie brauchen auch dramaturgische und ästhetische Kompetenz.

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