Schmerzlinderung als organisiertes Verbrechen

Die Opioid-Hersteller sind laut Gericht mitverantwortlich für die Ausbreitung der Drogenszene in den USA. (Bild: Charles Mostoller / Reuters)
Mehrere Führungsfiguren des Opioid-Herstellers Insys sind in Boston wegen krimineller Verschwörung schuldig gesprochen worden. Der Straftatbestand entspricht der landläufigen Definition von organisiertem Verbrechen. Die Verkaufsmethoden waren haarsträubend.

Peter Winkler | Neue Zürcher Zeitung

Der Versuch, im Kampf gegen die Opioid-Epidemie in den USA auch Hersteller und Vertreiber der Schmerzmittel zur Rechenschaft zu ziehen, hat weiteren, aufsehenerregenden Erfolg verbucht. Nach einem zehn Wochen dauernden Prozess hat ein Geschworenengericht am Donnerstag in Boston den Gründer und vier Führungsfiguren eines Pharmaunternehmens der kriminellen Verschwörung schuldig gesprochen, worauf eine Maximalstrafe von 20 Jahren Gefängnis steht.

Skrupellose Gier

Laut dem Urteil stachelten die Beschuldigten einerseits Ärzte mit Bestechungsgeldern zum missbräuchlichen Verschreiben ihres Opioid-Schmerzmittels an. Anderseits täuschten sie Krankenversicherungen, um so sicherzustellen, dass diese die Kosten des teuren Mittels übernehmen würden. Konkret geht es um die Firma Insys, die den Fentanyl-Spray Subsys herstellt. Dieser wurde 2012 nur für die Schmerzlinderung bei schweren Krebserkrankungen zugelassen. Doch das reichte dem Unternehmen nicht.

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Was nicht rechts ist, wird rechts gemacht

Bild: Friedrich-Ebert-Stiftung
Viele haben die Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung kritisiert. Doch die besten Argumente gegen Rechtsruck und Alarmismus liefert die Mitte-Studie selbst

Fabian Goldmann | TELEPOLIS

Haben Sie in der vergangenen Woche die Schlagzeile gelesen, wonach fremdenfeindliche Einstellungen seit 2002 um 75 Prozent abgenommen haben? Oder die, dass die Abwertung von homosexuellen Menschen in den letzten 16 Jahren kontinuierlich abgenommen hat? Oder jene, wonach weniger Menschen denn je in Deutschland rechtsextrem orientiert sind? Oder dass sich sexistische Einstellungen in Deutschland auf einem historischen Rekordtief befinden?

Vermutlich nicht. Denn keine dieser Schlagzeilen hat es gegeben. Die geschilderten politischen Entwicklungen gab es hingegen schon. Zumindest, wenn man den Ergebnissen der Mitte-Studie glaubt, die im Auftrag der Friedrich Ebert Stiftung Ende April veröffentlicht wurde (Hat die Mitte ihren „festen Boden“ verloren?).

Statt eingangs formulierte Meldungen, titelten Medien hingegen folgendermaßen: „Die Mitte rückt an den rechten Rand“ (taz), „Verlust demokratischer Orientierung“ (Tagesschau), „Zustimmung zu Rechtspopulisten wächst“ (Saarbrücker Zeitung), „Gesellschaft rückt nach rechts“ (dpa), „Rechte Einstellungen verfestigen sich“, (Stern), „Wie der Gesellschaft die Mitte verloren geht“ (SZ) und „Äußerst alarmierend“ (SpOn).

Die Studie des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung wurde von vielen Seiten kritisiert: wegen unzureichender Fragenauswahl durch die Forscher oder ihre tendenziöse Interpretation des Antwortverhaltens. Selbst Sigmar Gabriel äußerte Kritik.

Nur das offensichtliche Argument gegen den Alarmismus im Namen der Mitte-Studie kam hingegen bisher zu kurz: die Mitte Studie selbst. Denn entgegen der öffentlichen Darstellung der Studie zeichnet sie ein überwiegend positives Bild der politischen Einstellungen in Deutschland.

Rechtsextreme Einstellungen sinken um 75 Prozent

Das zeigt sich unter anderem bei der Verbreitung rechtsextremer Einstellungen. Diese haben die Forscher in sechs „Dimensionen“ gemessen. Neben der „Befürwortung einer rechtsgerichteten Diktatur“ und eines „nationalen Chauvinismus“ suchten sie nach „Verharmlosung des Nationalsozialismus“, „fremdenfeindlichen Einstellungen“ sowie „Antisemitismus“ und der „Befürwortung eines soziobiologischen bzw. rassistischen Sozialdarwinismus.“

Das erfreuliche Ergebnis: Blickt man auf die Entwicklung seit der ersten Befragung im Jahr 2002 haben rechtsextreme Einstellungen in sämtlichen Bereichen abgenommen. So befürworteten bei der Erstbefragung noch 7,7 Prozent der Befragten eine rechts-autoritäre Diktatur. Aktuell sind es mit 3,3 Prozent weniger als die Hälfte. Chauvinistische Einstellungen finden sich heute noch bei 12,5 Prozent der Befragten. 16 Jahre zuvor waren es noch 18,3 Prozent. Den Nationalsozialismus verharmlosten aus Sicht der Studienmacher im Jahr 2002 4,1 Prozent der Befragten. Heute sind es nur noch 2,5 Prozent.

Auch antisemitische Einstellungen sind zurückgegangen: 9,3 Prozent aus dem Jahr stehen aktuell nur noch 3,4 Prozent entgegen. Am deutlichsten ist der Rückgang bei der Fremdenfeindlichkeit. Stimmten im Jahr 2002 nach Meinung der Forscher noch 26,9 Prozent der Deutschen solchen Einstellungen zu, bleibt davon in der Untersuchung 2018/2019 mit 8,9 Prozent gerade noch Drittel übrig.

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„Der Staat muss gottlos sein …“

Bild: erf.de
Welche Rolle soll Religion heute spielen? So wenig wie möglich, wenn es nach Helmut Ortner geht. Statt das „christliche Abendland“ zu beschwören, ist es an der Zeit, die Grundlagen eines säkularen Staates zu verteidigen – meint der Herausgeber und Autor einer Streitschrift, die jetzt unter Titel „EXIT – Warum wir weniger Religion brauchen“ erscheint.

Von Mart van Holst | hpd.de

Mart van Holst: Ist Ihr Buch eine Reaktion auf die zahllosen Missbrauchsfälle?

Helmut Ortner: Die Missbrauchsverbrechen zeigen: das System katholische Kirche ist krank. Doppelbödigkeit und Verlogenheit, das ist der Wesenskern dieser Institution. Die Kirche hat ihre Täter so lange vor dem Rechtsstaat geschützt, bis man diese juristisch nicht mehr belangen konnte …

Eine kirchliche Paralleljustiz, die Täter schützt?

Ja, ein ex-territorialer Raum, der jenseits rechtsstaatlicher Institutionen agierte, richtiger: nicht agierte. Bis heute. Sexueller Missbrauch ist ein sogenanntes „Offizialdelikt“, eine Straftat, die von Amt wegen von der Staatsanwaltschaft verfolgt werden muss, aber weder von der Kirchen noch von den Ermittlungsbehörden mit Nachdruck verfolgt wurde. Eine erschütternde Wirklichkeit.

Die Justizbehörden haben zögerlich oder nicht konsequent genug reagiert. Es gab kaum Sanktionen …

Man stelle sich einmal ein anderes weltweit agierendes Unternehmen vor, dessen Angestellte über Jahrzehnte Tausende Straftaten begangen haben – keine Bagatellvergehen, sondern schwere und schwerste Verbrechen: den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Der Vorstand weiß davon, aber er vertuscht, deckt die Täter und verhängt keine sichtbaren Sanktionen, weder gegen die Täter noch gegen deren Helfer. Normalerweise müsste man die Staatsanwaltschaft einschalten, aber das Unternehmen unternimmt nichts. Und wo kein Kläger, da kein Ermittler. Hier aber ging und geht es nicht um ein normales Unternehmen, sondern um eine Weltfirma, die als Alleinstellungsmerkmal Barmherzigkeit und Glaubwürdigkeit beansprucht: die katholische Kirche.

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Scheinheiligkeit: Wenn Christen für Muslime beten

Evangelikale aus der Schweiz und anderen Ländern beten während des Ramadans für Muslime – oder vielmehr für deren Konversion zum «wahren Glauben». (Bild: Christian Beutler / NZZ)
Grosszügig und gastfreundlich seien die Muslime, loben evangelikale Christen – und beten den ganzen Ramadan lang für ihre Mitmenschen in der islamischen Welt. Doch die vermeintliche Nächstenliebe entpuppt sich als Scheinheiligkeit.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Die Meldung lässt aufhorchen: Christinnen und Christen aus dem freikirchlich-evangelikalen Spektrum zeigen sich solidarisch mit den «von Krieg und Terror» erschütterten muslimischen Ländern – und wollen 30 Tage lang für die Menschen dort beten. Und dies ausgerechnet während des Fastenmonats Ramadan, der dieses Jahr am 5. Mai beginnt.

Die hierzulande federführende Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) erklärt zum Anlass, «Islam» sei in unseren Breitengraden für viele Menschen ein negativ besetzter Begriff. Nach Ereignissen wie den Terroranschlägen in Sri Lanka an Ostern gelte das wohl erst recht. «Dabei geht schnell vergessen, welche Vielfalt unterschiedlicher Ausprägungen den Islam weltweit ausmacht und wie vielen Muslimen mit einer pauschalen Verurteilung Unrecht getan wird.»

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Unter Klimawandel-Leugnern: Wo sich ihre Argumente verbreiten und sie Unterstützer finden

Der bekannteste Leugner des menschengemachten Klimawandels ist wahrscheinlich US-Präsident Donald Trump. Wenn es Kältewellen in den USA gibt, wundert er sich, was denn mit der globalen Erwärmung geschehen sei. Kürzlich erst ernannte er einen erklärten Skeptiker als Leiter einer Konferenz zum Klimawandel.

Fabian Schmidt | bento

In der deutschen Politik herrscht dagegen weitgehender Konsens darüber, dass sich die Erde wegen menschengemachter Einflüsse erwärmt – hauptsächlich bei der Frage, wie man darauf reagieren sollte, wird sich gestritten. Von den im Bundestag vertretenen Parteien leugnen nur große Teile der AfD den menschengemachten Klimawandel – und setzen im Europawahlkampf gezielt darauf. (SPIEGEL ONLINE)Doch auch in Deutschland verbreiten sich die Theorien und Thesen der Klimawandel-Leugner – hauptsächlich im Internet. In Blogs veröffentlichen Skeptiker und Hobby-Wissenschaftler ihre Gedanken – und auf Facebook werden ihre Beiträge geteilt und Diskussionen angestoßen.

Unter Klimawandel-Leugnern

Ich will wissen, wie die Szene agiert, welche Argumente sie nutzt – und wie sich ihre Thesen verbreiten. Ich erstelle ein neues Facebook-Profil, trete in die Gruppen der Klimawandelleugner ein und like Seiten, in denen an der Erderwärmung gezweifelt wird.

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A Killer Asteroid Is Coming — We Don’t Know When (So Let’s Be Ready), Bill Nye Says

Artist’s illustration of a potentially hazardous asteroid headed for Earth. (Image: © ESA)
People are too complacent about the asteroid threat for Bill Nye’s liking. 

By Mike Wall | SPACE.com

The former TV „Science Guy,“ who currently serves as CEO of the nonprofit Planetary Society, warned that catastrophic impacts like the one that offed the dinosaurs 66 million years ago are not confined to the past.

„The Earth is going to get hit with another [big] asteroid,“ Nye said yesterday (May 2) at the International Academy of Astronautics’2019 Planetary Defense Conference in College Park, Maryland.

„The problem is, we don’t know when,“ he added. „It’s a very low probability in anyone’s lifetime, but it’s a very high-consequence event. If it happens, it would be like control-alt-delete for everything.“

Unlike the dinosaurs, however, we don’t just have to sit around and wait for doom to rain down on us. We can do something about the asteroid threat — and we should start prepping for it now, Nye stressed.

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IS breitet sich in Afrika aus

Regierungssoldaten in der ostkongolesischen Stadt Beni (2014). Foto: MONUSCO. Lizenz: CC BY-SA 2.0
Die Terrororganisation setzt auf lokale Islamistengruppen wie die ugandisch-kongolesische MTM auf

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Ende März fiel die Ortschaft Baghus, die letzte Bastion der Terrororganisation Islamischer Staat IS auf dem zusammenhängenden Territorium in Syrien und im Irak, auf dem sich ihr Anführer Abu Bakr al-Bagdadi 2014 zum Kalifen ausrief (vgl. Das Kalifat ist besiegt, aber nicht der Islamische Staat). In anderen Ecken der Welt kontrollieren die Dschihadisten aber noch Areale – zum Beispiel in Libyen, wo sie unlängst den Truppen des Warlords Chalifa Haftar in den Rücken fielen (vgl. Libyen: Saudis unterstützen Haftar).

„Ort des Monotheismus und der Monotheisten“

Im Kongo, der bislang nicht als Teil des Kalifats galt, beanspruchte der IS über seine Propagandaagentur AMAQ am 18. April einen Angriff eine Militärbaracke in der Nähe der Stadt Beni für sich, bei dem acht Soldaten ums Leben kamen. Die Behörden im Kongo bestätigten diesen Angriff, nannten aber die im letzten Jahr in „Ort des Monotheismus und der Monotheisten“ (Madinat al-Tawhid wal Muwahedeen – MTM) umbenannte Miliz Allied Democratic Forces (ADF) als Angreifer. Bei ihren Mitgliedern, die zu einem großen Teil aus Uganda stammen, fand man bereits im letzten Jahr IS-Propagandamaterial wie ein von der Maktabah al-Himma veröffentlichtes Buch zur Anwendung von Scharia-Strafen und zum Aufbau eines Scharia-Sozialsystems.

Den Erkenntnissen der Congo Research Group an der New York University nach schickte der IS neben Propagandamaterial auch Geld an die Dschihadisten im Kongo. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Kenianer Waleed Ahmed Zein. Den Kongo nennt der IS in seiner Bekennerbotschaft „Wilayat Wasat Ifriqiyah“ – die „Zentralafrikanische Provinz“. Sie soll eine von insgesamt 35 Provinzen des Kalifats sein, von denen sich nur 18 in den nun verlorenen Gebieten in Syrien und im Irak befanden.

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Die Kirche stirbt – haltet sie nicht künstlich am Leben!

Image: Louis Berk/CC BY-ND 2.0
Bis zum Jahr 2060 werden die beiden Großkirchen in Deutschland gegenüber heute ihre Mitgliedszahlen halbieren. Das sagt eine aktuelle Prognose von Forschern der Universität Freiburg. Der Staat jedoch bedenkt die Kirchen weiterhin großzügig mit Geldern. Er sollte damit aufhören. Auch um das Sterben der Kirchen nicht länger herauszuzögern.

Von Daniela Wakonigg | hpd.de

Dass die beiden christlichen Großkirchen in Deutschland im Sterben liegen, darüber lässt die jüngst veröffentlichte Prognose vom „Forschungszentrum Generationenverträge“ an der Universität Freiburg wenig Zweifel aufkommen: Nachdem die Kirchen in Deutschland bereits in den letzten Jahrzehnten mitgliedertechnisch massiv ausgeblutet sind, werden bis zum Jahr 2060 die Kirchenmitgliedszahlen voraussichtlich um weitere 49 Prozent sinken – und mit ihnen die Kirchensteuereinnahmen. Grund hierfür sei, so die Forscher, zum einen die demografische Entwicklung – es sterben wesentlich mehr alte Kirchenmitglieder als junge per Taufe aufgenommen werden – vor allem aber die Tatsache, dass die Kirche junge Erwachsene einfach nicht an sich binden kann. Sie treten aus. Missbrauchs- und Finanzskandale beschleunigen diesen Trend.

Die Kirche in Deutschland stirbt also. Doch sie will es nicht wahrhaben. Die Verleugnungsphase. Eine verständliche Reaktion. Wer blickt dem eigenen Untergang schon gern ins Auge? Warum sollte sie auch? Schließlich spürt sie den Schmerz ihres Vergehens dank der staatlichen Palliativversorgung mit hohen Dosen an Finanzmitteln kaum. Ganz zu schweigen vom Mitspracherecht, das die Politik der Kirche in vielen Bereichen einräumt. Kein Wunder, dass sie sich deshalb selbst für unverzichtbar hält und davon überzeugt ist, dass nicht sein kann, was nicht sein darf: nämlich, dass sie aufhört zu sein.

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Medienfreiheit in Europa: Populisten gegen Journalisten

Bild: tagesschau.de
In Estland kündigt ein Journalist, in Österreich steht ein Moderator unter Druck, in Ungarn sind Medien unter Regierungskontrolle. Wo Populisten regieren, wird es für Medien schwer – warum eigentlich?

Von Silvia Stöber | tagesschau.de

Es war eine Amtseinführung mit viel Symbolik am Montag im estnischen Parlament in Tallinn: Präsidentin Kersti Kaljulaid trug ein Shirt mit der Aufschrift „Die Rede ist frei“. Gemünzt war dies vor allem auf die rechtspopulistische Estnische Konservative Volkspartei (EKRE), die nun an der Regierung beteiligt ist.

Zwei ihrer Vertreter – der neue Innenminister Mart Helme und dessen Sohn Martin Helme als Finanzminister – zeigten vor den Abgeordneten Gesten, die der neonazistischen „White Power“-Bewegung zugeordnet werden.

Zumindest verstanden Ex-Präsident Toomas Hendrik Ilves und andere Beobachter diese Fingerzeichen so und sahen sie als Bestätigung für rassistische, fremdenfeindliche und antisemitische Haltungen, die immer wieder in Äußerungen von EKRE-Politikern zum Ausdruck kommen.

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Engländer bestrafen Tories und Labour

Tory-Parteisprecher Brandon Lewis. Foto: Policy Exchange. Lizenz: CC BY 2.0
Bei den Kommunalwahlen verloren beide großen Parteien – ihre Sprecher sehen den bislang nicht gelungenen Ausstieg aus der EU als Ursache

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

In England wurden gestern über 8.000 Ratsmitglieder für 248 Kommunalparlamente gewählt. Dabei fuhren die regierenden Tories deutliche Verluste ein: Dem derzeitigen Auszählungsstand nach verloren sie mindestens 605 Sitze, aus denen im Laufe des Tages noch mehr werden könnten. Aber auch die oppositionelle Labour Party büßte Mandate ein – nach aktuellem Stand 78. Die verlorenen Sitze gingen an die Liberaldemokraten, kleinere Parteien wie die Yorkshire Party (vgl. „Das Vereinigte Königreich hat keine einheitliche Wirtschaft“) und unabhängige Kandidaten.

Unabhängige bei durchschnittlich 25 Prozent Stimmenanteil

Letztere kamen dort, wo sie antraten, auf durchschnittlich 25 Prozent Stimmenanteil. In zwei Kommunalparlamenten – Ashfield und North Kesteven – haben Unabhängige nun die Mehrheit. Und in Middlesbrough nahm ein unabhängiger Kandidat der Labour Party den Bürgermeisterposten ab. Die Liberaldemokraten legten um mindestens 300 Sitze zu und übernahmen acht Bezirke, darunter Winchester, North Norfolk, Cotswold and Bath und North East Somerset.

In mindestens 18 Kommunalparlamenten, in denen die Tories bislang eine Mehrheit hatten, haben sie diese eingebüßt – unter anderem in Peterborough, in Basildon und in St. Albans. Labour verlor mindestens drei Bezirke: Hartlepool, Bolsover und Wirral.

„Sehr klare Botschaft“

Sowohl Politiker der Tories als auch von Labour machten den bislang misslungenen Ausstieg aus der EU für die Verluste ihrer Parteien verantwortlich. Tory-Sprecher Brandon Lewis meinte, die Wähler hätten seiner Partei eine „sehr klare Botschaft“ übermittelt: Dass sie den Brexit-Stillstand „satt hätten“ und dass sie möchten, „dass wir das fertig kriegen“. Alle Abgeordneten im Unterhaus stünden nun in der Verantwortung, den Volksentscheid von 2016 zu „respektieren“ und er hoffe, dass die Gespräche mit der Labour Party in den nächsten Wochen in einen Ausweg führen.

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Hubble liefert umfangreichsten Blick ins All

Tiefer Blick ins All: Das Hubble Legacy Field zeigt Galaxien bis in eine Zeit vor 13,3 Milliarden Jahren – es ist das bisher umfassendste Bild des tiefen Alls. © NASA/ ESA, G. Illingworth and D. Magee (University of California, Santa Cruz), K. Whitaker (University of Connecticut), R. Bouwens (Leiden University), P. Oesch (University of Geneva) and the Hubble Legacy Field team
Blick durch Raum und Zeit: Astronomen haben mithilfe des Weltraumteleskops Hubble den bisher größten und tiefsten Blick ins Universums zusammengestellt. Das „Hubble Legacy Field“ zeigt alle Galaxien in einen Himmelsausschnitt von fast der Größe des Vollmonds und reicht bis in eine Zeit vor 13,3 Milliarden Jahren zurück. Einen umfangreicheren Blick ins All werden erst künftige Teleskope liefern können.

scinexx

Das Weltraumteleskop Hubble hat unsere Vorstellung vom Kosmos geprägt wie vor ihm kein anderes Werkzeug der Astronomen. Ihm verdanken wir einzigartige Aufnahmen von Galaxien, Sternenwiegen und Planeten, aber auch die tiefsten und fernsten Blicke ins All – Fenster in die Zeit des frühen Universums. Mosaikaufnahmen wie Deep Field und Ultra Deep Field enthüllten ferne, unerkannte Galaxien, frühe Quasare und andere Objekte und lieferten den Astronomen entscheidende Hinweise auf die Entwicklung des Kosmos.

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«Lasst es uns einfach nicht sagen» – die USA rücken von der Zweistaatenlösung ab

Jared Kushner hat am Donnerstag Grundzüge seines Friedensplans für den Nahen Osten enthüllt. (Bild: Yuri Gripas / Reuters)
Trumps Schwiegersohn legt bald seinen Friedensplan für den Nahen Osten vor. Er sieht wohl vor, dass die Palästinenser gegen Milliardensummen auf einen eigenen Staat verzichten sollen.

Meret Baumann | Neue Zürcher Zeitung

Die USA wollen offenbar von ihrer jahrzehntelangen Position im Nahostkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern abrücken. Donald Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner soll im Juni seinen lange erwarteten Plan für eine Friedenslösung vorlegen, über den bisher wenig Konkretes publik geworden ist. Am Donnerstagabend hat er nun aber anlässlich einer Veranstaltung des Washington Institute for Near East Policy erklärt, dass die Zweistaatenlösung nicht Teil seines Konzepts sei. «Wir haben gesagt: Lasst es uns einfach nicht sagen», so Kushner. Die Israeli und die Palästinenser verstünden unter der Zweistaatenlösung unterschiedliche Dinge, deshalb gelte es vielmehr an den Details zu arbeiten.

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Deutschlands ökologische Ressourcen für dieses Jahr verbraucht: Ein Leben auf Pump

Bild von Colin Behrens auf Pixabay
Deutschland hat seine natürlichen Ressourcen für 2019 aufgebraucht. Ab diesem Freitag leben die Bundesbürger ökologisch auf Pump – und damit auf Kosten künftiger Generationen und der Menschen im globalen Süden.

DOMRADIO.DE

Wer ständig sein Konto überzieht, ist schnell pleite. Von diesem Freitag an leben die 83 Millionen Bundesbürger ökologisch auf Pump – und damit auf Kosten der kommenden Generationen und der Menschen im globalen Süden. Denn dann sind nach Berechnungen von Wissenschaftlern des Global Footprint Network, einer internationalen Forschungsgruppe mit Sitz in Kalifornien, ihre nutzbaren Ressourcen für dieses Jahr verbraucht.

„Erdüberlastungstag“

Berechnet wird der „Erdüberlastungstag“ mit Hilfe des sogenannten ökologischen Fußabdrucks: Auf der einen Seite steht die biologische Kapazität der Erde, Ressourcen aufzubauen – etwa Wälder, Wiesen und Gewässer – und Abfälle aufzunehmen, wie zum Beispiel CO2-Emissionen. Dagegen wird der Verbrauch an natürlichen Ressourcen wie Wäldern, Acker und Flächen aufgerechnet.

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Giffey gegen Ramadan-Fasten von Schulkindern

Sorge um die Gesundheit: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat sich vor dem Start des muslimischen Fastenmonats Ramadan gegen strenges Fasten von Schulkindern ausgesprochen. Kinder müssten regelmäßig trinken und essen.

DOMRADIO.DE

„Sonst können sie nicht aufmerksam sein, lernen und sich gesund entwickeln. Das gilt generell und natürlich auch im Ramadan“, sagte Giffey der „Welt“ (Freitag).

Viele muslimische Eltern gingen zwar sehr verantwortungsvoll mit dem Thema Fasten um. „Leider gibt es aber auch jedes Jahr Kinder, die im Ramadan zusammenklappen, weil sie nicht genug getrunken und gegessen haben“, so Giffey weiter.

Um das zu verhindern, müssten alle Beteiligten zusammenarbeiten – Eltern, Lehrkräfte, Moscheen und Vertreterinnen und Vertreter der Muslime in Deutschland, so die Ministerin: „Es geht darum deutlich zu machen, dass Kinder nicht fasten müssen. Kindeswohl, Gesundheit und das Lernen in der Schule gehen vor.“

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Blutgefässe und Luftwege aus dem 3-D-Drucker

Lungenmodell: Die gedruckten Blutgefässe (rot) und der Luftsack (durchsichtig) funktionieren ähnlich wie in einer Lunge: Sauerstoff gelangt aus dem Sack ins Blut. (Bild: Jordan Miller / Rice University)
Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Herstellung künstlicher Organe: Amerikanische Biotechnologen haben mittels eines 3-D-Druck-Verfahrens weiche Blutgefässe und Luftwege hergestellt – ähnlich wie in einer Lunge.

Neue Zürcher Zeitung

Eine Gruppe um Jordan Miller von der Rice University in Houston konnte zeigen, dass die in sogenanntem Hydrogel gefertigten Strukturen in der Lage sind, Blut mit Sauerstoff anzureichern, wie die Wissenschafter in der Fachzeitschrift «Science» schreiben.

Eine wichtige Rolle bei dem neuen Ansatz spielt der künstliche Farbstoff Tartrazin (E 102). Er ist für das 3-D-Druck-Verfahren wichtig, für den Menschen aber ungefährlich. Vergleichbare bisher beim 3-D-Druck genutzte Substanzen sind hingegen als krebserregend und erbgutschädigend bekannt.

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Gänswein: Benedikt-Text zu Missbrauch mit Franziskus abgestimmt

Bild: © picture alliance / Vatican Media (Archivbild)
„Es kam grünes Licht“: Laut Kurienerzbischof Georg Gänswein wurde die vieldiskutierte Missbrauchs-Analyse Benedikts XVI. vom amtierenden Pontifex abgesegnet. Von einer „Einmischung“ in dessen Amtsführung könne keine Rede sein.

katholisch.de

Die jüngsten Äußerungen von Benedikt XVI. zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche waren nach Angaben von Kurienerzbischof Georg Gänswein mit Papst Franziskus abgestimmt. Das sagte der Privatsekretär des emeritierten Papstes in einem aktuellen ORF-Interview.

Benedikt XVI. habe den Beitrag Ende Februar verfasst, diesen dann über den vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin Franziskus zukommen lassen und gefragt, ob es möglich wäre, seine Überlegungen zu veröffentlichen. „Es kam grünes Licht; insofern kann man davon ausgehen, dass Papst Franziskus damit einverstanden war“, so Gänswein. Der Erzbischof ist Präfekt des Päpstlichen Hauses und damit auch ein enger Mitarbeiter von Franziskus.

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