Überraschender Fallout


Monte Perdido, Pyrenäen. Bild von makunin auf Pixabay
Mikroplastik kann entlegene, weit von der Emissionsquelle entfernte Gegenden erreichen – auf dem Luftweg

Bernd Schröder | TELEPOLIS

Die beim Abbau von Konsumprodukten aus Plastik entstehenden mikroskopisch kleinen Kunststoffteilchen haben sich mittlerweile zum globalen Problem gemausert. Sie sind beispielsweise in den Weltmeeren zu finden, im Eis der Polargebiete und in den Sedimenten der Meeresböden der Tiefsee. In diese vom Ort ihrer Herstellung und hauptsächlichen Nutzung weit entfernten Gegenden gelangen sie vor allem über die Wasserläufe. Eine im Fachblatt Nature Geoscience vorgestellte Studie fügt dem Verteilungsbild nun eine weitere Facette hinzu: Die Forscher konnten nachweisen, dass selbst in entlegenen Gebieten mit einem nicht zu vernachlässigenden Eintrag aus der Atmosphäre zu rechnen ist.

Branchenkenner schätzen den Umfang der weltweiten jährlichen Kunststoffherstellung gegenwärtig auf 335 Millionen Tonnen. Davon werden allein in Europa 60 Millionen Tonnen produziert (Stand 2016). 27 Millionen Tonnen Plastik wiederum werden dort jedes Jahr als wiederverwerteter, verbrannter oder deponierter Müll erfasst. Für die Autoren der vorliegenden Studie werfen diese Zahlen Fragen zum Verbleib der restlichen Menge von 33 Millionen Tonnen auf: Einige Kunststoffe mit Langzeitanwendung von bis zu einem halben Jahrhundert könnten zumindest einen Teil der Diskrepanz in dieser europäischen Massenbilanz von Kunststoffen erklären, wie auch die schätzungsweise 10 Prozent der erzeugten Kunststoffmenge, die jährlich in die Weltmeere gelangen soll.

Große Mengen makroplastischer Abfälle würden in der terrestrischen Umgebung leicht zu beobachten sein. Auf mikroskopisch kleine Partikel heruntergebrochen entziehen sie sich jedoch einer einfachen Erkennung: etwa Mikroplastik, mit Partikelgrößen zwischen fünf Millimetern und einem Mikrometer – unterhalb dieser Ausmaße hat man es mit noch schwieriger wahrnehmbaren Nanokunststoffen zu tun.

Der Ursprung von Mikroplastik ist vielfältig: Sie bilden sich zum Beispiel beim mechanischen Verschleiß größerer Kunststoff-Gegenstände wie Autoreifen. Oder sie finden sich als faserige Schuppen im Flusensieb von Wäschetrocknern oder Waschmaschinen wieder: Ein durchschnittlicher Waschgang mit sechs Kilogramm Kunstfaser-Wäsche kann über 700.000 Fasern aus den Garnen der Gewebe lösen. Andere stammen aus absichtlich in Umlauf gebrachten Quellen, wie z. B. mikroplastische Scheuermittel in Reinigungs- und Kosmetikprodukten. Mikroplastik-Teilchen sind persistent in der Umwelt: Bis zu ihrem vollständigen Abbau brauchen sie teilweise hunderte von Jahren.

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