Schmidt-Salomon: „Der Staat braucht keine religiösen Dogmen“

Michael Schmidt-Salomon Quelle: Udo UngarDiplom-Designer
Die religionskritische Giordano-Bruno-Stiftung kämpft für eine strikte Trennung von Staat und Kirche. Finanziell seien diese noch immer eng verflochten, moniert ihr Sprecher Michael Schmidt-Salomon.

Von Simon Benne | Hannoversche Allgemeine

Herr Schmidt-Salomon, derzeit tingeln Sie mit einem Bus durch Deutschland, um im Rahmen einer großangelegten Kampagne Menschen zum Atheismus zu bekehren. Woher rührt der missionarische Eifer?

Es ist keine atheistische Kampagne. Wir sind nicht gegen Religion, sondern für einen weltanschaulich neutralen Staat. Dafür können sich auch gläubige Menschen einsetzen. Schon 1919 wurde in der Weimarer Reichsverfassung die Trennung von Staat und Kirche verankert. Doch bis heute sind beide finanziell eng verflochten. Der Staat zahlt zum Beispiel der Gehälter von Bischöfen. Hundert Jahre Verfassungsbruch sind genug!

Auch jemand, der selbst nie ins Schwimmbad geht, finanziert als Steuerzahler den Bau von Bädern mit. Was ist an der Bischofsbesoldung so schlimm?

Das ist eine ganz andere Frage. Laut Bundesverfassungsgericht kann nur ein Staat, der keine Religionsgemeinschaft privilegiert, Heimstatt aller Bürger sein.

Sie beklagen auf ihrer Website eine „verfassungswidrige Diskriminierung religionsfreier Menschen“. Welche dunklen Mächte diskriminieren Sie denn? Leben wir nicht in einem freien Land?

Unsere Gesetze sind von der Wiege bis zur Bahre von religiösen Normen mitbestimmt. Vom Embryonenschutz bis zum Friedhofszwang. Ein weltanschaulich neutraler Staat darf sich jedoch nicht von religiösen Dogmen leiten lassen. Doch es gibt Zwangsberatungen vor Abtreibungen, und Sterbehilferegelungen, die sich an kirchlichen Normen ausrichten.

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Erstes Doppelspalt-Experiment mit Antimaterie

Typische Interferenz beim Doppelspalt-Experiment mit Elektronen – deren Antiteilchen, die Positronen, verhalten sich genauso, wie ein Experiment nun enthüllt. © Alexandre Gondran/ CC-by-sa 4.0
Doppelnatur auch in der „Gegenwelt“: Physiker haben erstmals das klassische Doppelspalt-Experiment mit Positronen durchgeführt – dem Antimaterie-Pendant der Elektronen. Wie bei normalen Teilchen zeigte sich dabei ein Interferenzmuster. Dies liefert den ersten experimentellen Nachweis, dass der für die Quantenwelt typische Welle-Teilchen-Dualismus auch für Antiteilchen gilt, wie die Forscher im Fachmagazin „Science Advances“ berichten.

scinexx

Das Doppelspalt-Experiment ist ein Klassiker der Physik. Dabei lässt man kohärentes Licht auf eine Blende mit zwei Schlitzen fallen. Auf einem Beobachtungsschirm hinter der Blende zeigt sich dann ein Interferenzmuster aus hellen und dunklen Streifen. Mit Hilfe dieses Experiments bewiesen Wissenschaftler den Welle-Teilchen-Dualismus des Lichts, aber auch von Elektronen, Neutronen und sogar Molekülen.

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Erhaltung der Artenvielfalt – China archiviert Pflanzensamen

Bild: tagesschau.de
Das chinesische Wirtschaftswachstum geht auch auf Kosten der Umwelt. Um die Artenvielfalt für die Nachwelt zu erhalten, wird in Hangzhou Saatgut katalogisiert und aufbewahrt.

Von Steffen Wurzel | tagesschau.de

Das Hangzhouer Pflanzensamen-Archiv ist nicht öffentlich zugänglich. Nur selten kommen Besucher. Die Räume sind abgeschlossen, eine Mitarbeiterin muss erst einmal die Schlüssel suchen für die Archiv- und Trockenräume. In den drei verschiedenen Räumen herrschen unterschiedliche Bedingungen, erklärt Mitarbeiter Qian Jiangbo, während er vor einer großen dunklen Box steht, von der aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit gesteuert werden.

Auf einem kleinen Display lassen sich hier die Werte überwachen. „Das hier unser Doppel-15-Raum, dort der Kurzfrist-Lagerraum und dieser Wert hier bezieht sich auf das die Langfrist-Kühlkammer. Im Doppel-15-Raum sollen 15 Grad bei 15 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen, so Qian. „Das ist die ideale Umgebung, um Pflanzensamen schnell aber schonend zu trocknen. Für den zweiten Raum zeigt das Display 3,5 Grad Celsius an, in der Langfrist-Kühlkammer ist es minus 14 Grad kalt.“

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Wissenslücken in Österreich

1938: Wagenkolonne Hitlers in Wien, vom Praterstern in die Praterstraße einfahrend. Bild: wikipedia.org/Bundesarchiv, Bild 146-1972-028-14 / CC-BY-SA
Die Jewish Claims Conference setzt ihre Untersuchungen zum Wissensstand über den Holocaust mit einer Studie zu Österreich fort. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Andreas Mink | tachles.ch

Eine starke Mehrheit der Österreicher weiss nicht, dass Hitler-Deutschland sechs Millionen Juden in Europa ermordet hat. Aber über ein Drittel ist der Auffassung, dass Nationalsozialisten erneut auch in ihrer Heimat an die Macht kommen könnten. Dies geht aus einer neuen Studie der «Conference on Jewish Material Claims Against Germany» (JCC) hervor. Der jüdische Dachverband für Entschädigungs-Forderungen jüdischer NS-Opfer an Deutschland und Österreich hatte 2018 die Haltung und das Wissen von Amerikanern und Kanadiern zum Holocaust untersuchen lassen.

JCC-Präsident Julius Berman hat die Ergebnisse zu Österreich Ende letzter Woche vorgestellt und erklärt, hier werde erneut ein besorgniserregender Trend deutlich: «Ohne Anstrengungen für Erziehung könnte die Geschichte des Holocaust verfälscht oder geleugnet und die Mordopfer könnten vergessen werden.»

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Auf den Spuren von Yetis, Jets und Jihadisten

Indische Soldaten während einer Zeremonie. (Bild: Danish Ismail / Reuters)
Die indische Armee wartet mit sonderbaren Erfolgsmeldungen auf. Zuletzt will sie sogar Beweise für die Existenz des Yeti gefunden haben. Der Spott bleibt nicht aus.

Marco Kauffmann Bossart | Neue Zürcher Zeitung

Manche glaubten an einen verspäteten Aprilscherz, aber das Generalsekretariat des indischen Militärs meinte es kürzlich mit seiner Twitter-Meldung todernst. Auf einer Expedition der Armee seien Fussabdrücke des mysteriösen Yeti-Wesens gesichtet worden. Die feldgrünen Berggänger untermauerten ihre Entdeckung mit Fotos, die auf schwer identifizierbare Fuss- oder Pfotenabdrücke von substanzieller Grösse hindeuten.

Wenig erstaunlich, löste die Meldung viel Erheiterung aus. Im Netz wurden die Verteidigungskräfte mit Hohn und Spott übergossen. Doch das Armeekommando krebste nicht zurück. Man besitze «physische Belege» sowie weiteres Bild- und Videomaterial, schoben Militärkreise beleidigt nach. Offenkundig sieht sich die Armee in ihrer Ehre angegriffen.

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Schweizer Kanton Glarus lockert Tanzverbot an Karfreitag: Feiern erlaubt

In Deutschland herrscht am Karfreitag Tanzverbot © Franziska Kraufmann (dpa)
Im Schweizer Kanton Glarus dürfen künftig auch an hohen Feiertagen öffentliche Veranstaltungen stattfinden. Die Landsgemeinde stimmte dem Kompromissvorschlag des Landrats zu, wonach die Freigabe allerdings auf geschlossene Räume beschränkt bleibt.

DOMRADIO.DE

Damit scheiterte zugleich ein Antrag der Jungfreisinnigen, einer der schweizerischen FDP nahestehenden Jugendorganisation, für eine komplette Abschaffung des „Tanzverbotes“ an Karfreitag, Ostern, Pfingsten, dem Buß- und Bettag sowie Weihnachten. Das Verbot untersagt an diesen kirchlichen Feiertagen öffentliche Versammlungen, Veranstaltungen des Unterhaltungsgewerbes, Tanz- und Musikveranstaltungen oder Kino- und Theatervorstellungen.

Weiter hatten die Glarner Stimmbürger über einen Vorstoß zu einer Einschränkung der Ladenöffnungszeiten vor Sonn- und Feiertagen auf 17.00 Uhr zu begrenzen.

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Die Religionsunternehmer

Bild: Catedral Mundial da Fé, Gottesdienst in Rio de Janeiro/CC BY-SA 3.0
Wie evangelikale Megakirchen mit ihrem fundamentalistischen Kapitalismus-Kult im Brasilien Bolsonaros rapide an Einfluss gewinnen

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Mission accomplished? Der neue Präsident Brasiliens wusste ganz genau, wem er seinen Wahlsieg zu verdanken hatte. Seinen ersten öffentlichen Auftritt nach dem gewonnenen Urnengang absolvierte Jair Bolsonaro in der evangelikalen Kirche seines Chefpropagandisten und engen Verbündeten Silas Malafaia. Der charismatische Prediger hat bei dieser Gelegenheit die kommende Amtszeit des rechtsextremen „Tropen-Trumps“ in ein göttliches Licht getaucht:

Gott wird das Schicksal dieses Volkes verändern: Die Misere, die Gewalt, die Arbeitslosigkeit, die Korruption, das Elend – im Namen von Jesus Christus, treibe diese Gesandten der Hölle aus Brasilien hinaus!

Jair Bolsonaro

Der nie um Obszönitäten verlegene Rechtsextremist Bolsonaro, der schon mal pornographische Videos auf Twitter verbreitet, gilt als der Kandidat der aufstrebenden, konservativ-fundamentalistischen evangelikalen Bewegung in Brasilien. Während des Wahlkampfes bemühte sich der zweimal geschiedene Katholik Bolsonaro emsig um die Stimmen der gut vernetzten und rasch expandierenden evangelikalen Kirchen.

„Brasilien über alles, Gott über allem“

Schon der zentrale Wahlkampfslogan Bolsonaros, „Brasilien über alles, Gott über allem“, war darauf abgestimmt, Nationalismus und Chauvinismus mit christlichem Fundamentalismus zu amalgamieren. Der Hass des brasilianischen Präsidenten auf sexuelle Minderheiten, der ihn immer wieder zu entsprechenden Entgleisungen treibt, bildet genauso einen gemeinsamen Nenner mit den evangelikalen Fundamentalisten wie ein stockkonservatives Familienbild und eine repressive Abtreibungspolitik.

Vor zwei Jahren ließ sich Bolsonaro anlässlich einer Israel-Visite medienwirksam ein zweites Mal im Jordan taufen, was als ein Fingerzeig Richtung der evangelikalisch-fundamentalistischen Wählerschaft diente. Die dritte Frau des rechtsextremen Präsidenten Brasiliens stammte praktischerweise aus der Gemeinde seines evangelikalen Verbündeten Malafaia.

Diese Taktik war sehr erfolgreich, da die evangelikalen Stimmen einen wichtigen Faktor bei dem Sieg des Diktaturanhängers bildeten. Ersten Schätzungen zufolge sollen zwischen 70 und 73 Prozent aller evangelikalen Christen in Brasilien für Bolsonaro gestimmt haben.

Während die Wählerwanderung zur extremen Rechten innerhalb der Katholiken Brasiliens mit fünf Prozent relativ gering blieb und deren Stimmen sich beim vergangenen Urnengang nahezu gleichmäßig auf die Kandidaten der linken und der extremen Rechten verteilten, haben bei den Evangelikalen rund 20 Prozent der Wähler einen Rechtsschwenk vollführt. Bei den vorletzten Wahlen stimmten die Wähler dieser Gruppe noch uneinheitlich ab – ihre Stimmen verteilten sich damals ebenfalls gleichmäßig auf Linke wie Rechte Kandidaten.

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A mysterious conspiracy theory from the far-right fringe is fueling terrorism — and Donald Trump’s Twitter feed

Image: RawStory
The family of the accused Poway Chabad terrorist was profoundly anguished and confused by what he had done. “Our sadness pales in comparison to the grief and anguish our son has caused for so many innocent people,” they wrote, in a statement released through the family lawyer. But the shock and confusion was most intense for them.

Paul Rosenberg | RawStory

“Our son’s actions were informed by people we do not know, and ideas we do not hold,” they wrote. “Like out other five children, he was raised in a family, a faith, and a community that all rejected hate and taught that love must be the motive for everything we do. How our son was attracted to such darkness is a terrifying mystery to us …”

It’s a terrifying mystery for America as well — but it shouldn’t be. As David Neiwert wrote at Daily Kos, under the title, “The new age of chain terrorism”:

The pattern is becoming frighteningly familiar: A white man, radicalized online at alt-right media websites and through social media into hateful white nationalist beliefs built around the anti-Semitic conspiracy theories about “cultural Marxism,” walks into a mass gathering of his selected targets (which can be any of the perceived participants in the conspiracy, including liberals, Jews, Muslims, Latinos, any nonwhite person, LGBTQ folk, even moviegoers) and opens fire.

It wasn’t generic anti-Semitism that motivated the shooter, as a wave of right-wing blame-shifting. Even at the vigil for the victim, the Daily Beast reported that one participant “seemed to believe that anti-Semitism does not come from the right wing, but from the left,” claiming that “Fascism and socialism are the same sides of a different coin.”

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Beton beim Explodieren beobachtet

Bei Tunnelbränden wird Beton zu einer großen Gefahr, denn er kann bei Hitze explodieren. Warum, zeigen nun Bilder aus dem Innern des Betons. © http://www.ifa-swiss.ch
Beton brennt nicht, kann aber beim Erhitzen explodieren – beispielsweise bei Tunnelbränden. Warum das so ist, haben nun Forscher mithilfe von Echtzeitbildern aus explodierendem Beton aufgeklärt. Demnach entsteht bei Hitze eine Feuchtigkeitsbarriere im Beton, die den sich bildenden Wasserdampf am Entweichen hindert. Dadurch staut der Dampf sich auf, bis das Ganze wie ein Dampfkessel unter Überdruck platzt.

scinexx

Ob für Brücken, Gebäude oder Tunnel: Fast alle Konstruktionen der Neuzeit bestehen aus Beton – einem Baustoff, den sogar schon die Römer vor 2.000 Jahren nutzten. Doch so stabil beispielsweise die Röhren von Tunneln wie dem Gotthard-Basistunnel gelten – sie haben eine Schwachstelle. Bei Tunnelbränden bringen die höllischen Temperaturen von bis zu 1.000 Grad den Beton an seine Grenzen – und je nach verbautem Material kann er explodieren.

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Alle 40 Sekunden tötet sich ein Mensch: Suizid hat viele Gesichter

Mann hält Hände vor sein Gesicht © Corinne Mercier/CIRIC (KNA)
Fast jeder weiß von einem Menschen, der sich das Leben genommen oder es versucht hat. Oft wird das Thema tabuisiert. Was bedeutet überhaupt Suizid und wie wird er moralisch-religiös bewertet?

DOMRADIO.DE

Alle 40 Sekunden nimmt sich weltweit ein Mensch das Leben. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Suizid damit zu den größten Herausforderungen der Gegenwart. In Deutschland sterben jährlich rund 10.000 Menschen durch Suizid – etwa doppelt so viele wie durch Verkehrsunfälle, HIV/Aids oder Drogen zusammen.

Mit Verzweiflung und Einsamkeit verbundene Lebenskrisen, psychische Krankheiten oder Leid können Suizidgedanken fördern. Ganz oben in der Risikoliste stehen laut Deutscher Gesellschaft für Suizidprävention Männer, Senioren und junge Frauen mit Migrationshintergrund. Rund 70 Prozent der Selbsttötungen werden hierzulande von Männern ausgeführt. Das durchschnittliche Alter eines Suizid-Toten liegt bei 57 Jahren.

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Die Rechte gehört zur EU seit deren Gründung

Salvini und Orban. Bild: Szecsődi Balázs/Miniszterelnöki Sajtóiroda, Árvai Károly/kormany.hu/
Die Gegenüberstellung liberales gegen illiberales Europa ist propagandistisch und nützt den Parteien des Status quo – Ein Kommentar

Peter Nowak | TELEPOLIS

In den letzten Wochen brachten zwei Wahlen in den EU-Staaten Spanien und Finnland rechten Parteien Erfolge. In Spanien kam erstmals die neue Rechtspartei Vox in das Parlament. EU-Gremien wie auch viele Medien sprachen davon, dass seit dem Ende der Franco-Ära erstmals ultrarechte Parlamentarier in das spanische Parlament einziehen.

Doch die mediale Darstellung, dass mit Vox erstmals in der Nachfranco-Ära Ultrarechte im spanischen Parlament vertreten sind, ist falsch. Richtig ist vielmehr, dass die Ultrarechten bisher nicht in einer eigenen Parteiformation, sondern innerhalb der Partido Popular (Volkspartei, PP) beheimatet waren. Die langjährige spanische Regierungspartei ist fester Bestandteil des Bündnisses Europäischer Volksparteien (EVP) im EU-Parlament gemeinsam mit der CDU/CSU. Bis vor kurzen gehörte der EVP auch die ungarische Regierungspartei Fidesz an.

Finnland

In den Medien wurde positiv vermerkt, dass die finnische Sozialdemokratie stärkste Partei wird. Allerdings gewann sie mit einem nur hauchdünnen Vorsprung vor der Rechtspartei Wahre Finnen, die sich bereits vor mehreren Jahren von den finnischen Konservativen abgespalten hat und schon Regierungspartei war.

Nachdem sich bei den Wahren Finnen der ultrareche Flügel durchgesetzt hatte, spaltete sich die Partei in die sogenannten moderaten Ultrarechten, die in der Regierung verblieben waren, und den nicht regierungsfähigen Ultra-Rechten, die jetzt fast stärkste Partei wurden.

Was bedeutet die Rede von den antieuropäischen Rechten?

Nun wird den verschiedenen Rechtsparteien oft von Sozialdemokraten und Liberalen aller Couleur vorgeworfen, sie seien antieuropäisch. Es ist selber eine propagandistische Parole, denn die Rechten sind nicht per se gegen Europa oder die EU, sie vertreten vielmehr andere Vorstellungen von der EU als beispielsweise Sozialdemokraten.

Die Rede von den „rechts- und linkspopulistischen Anti-Europäern“ ist einem EU-Nationalismus der Mitte verhaftet, der bestimmte politischen Kräfte nicht inhaltlich kritisiert, sondern mit dem Vorwurf, sie gehörten nicht zu Europa, aus der imaginierten Gemeinschaft ausschließt. Ein solcher Ein- und Ausschluss ist seit jeher ein Kennzeichen des Nationalismus.

So hat man bestimmten politischen Kräften vorgeworfen, nicht zu Deutschland oder einem anderen Nationalstaat zu gehören. Überwiegend sind Linke und liberale Intellektuelle vom Vorwurf der „vaterlandslosen Gesellen“ bzw. des Kosmopolitismus betroffen. Eine nichtnationalistische Kritik sollte daher niemandem vorwerfen, nicht zu Europa und zur EU zu gehören, sondern die Positionen inhaltlich kritisieren.

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Knobloch hat Hoffnung auf „Zeit ohne Judenhass“ aufgegeben

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Das gesellschaftliche und politische Problembewusstsein für Antisemitismus ist nach Ansicht von Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, gewachsen.

evangelisch.de

„Doch die Hoffnung darauf, eine Zeit ohne Judenhass noch zu erleben, in der jüdisches Leben in Deutschland Normalität ist und in der jüdische Gemeinden ohne Panzerglas und ohne Sicherheitsschleusen auskommen, habe ich für mich selbst bereits aufgegeben“, sagte Knobloch am Sonntag beim Gedenken zum 74. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau. Zu groß und zu zahlreich seien die Rückschläge der vergangenen Jahre gewesen.

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Spahn will Masern-Impfpflicht mit Geldbussen ab März 2020 durchsetzen

Das Masern-Virus ist hoch ansteckend, es greift auch in Deutschland um sich. Der Gesundheitsminister macht nun Druck und will Impfungen für Kinder zur Pflicht machen. Auf Verweigerung sollen empfindliche Strafen folgen.

Neue Zürcher Zeitung

Der deutsche Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will verpflichtende Masern-Impfungen für Kita- und Schulkinder mit Geldstrafen von bis zu 2500 Euro und einem Ausschluss vom Kita-Besuch durchsetzen. Das kündigte Spahn in der «Bild am Sonntag» an. Die Impfpflicht soll ab 1. März 2020 gelten, wie aus dem Gesetzentwurf hervorgeht, welcher der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag vorlag und über den zunächst die Zeitung berichtete. «Ich will die Masern ausrotten», sagte Spahn dem Blatt.

Um die Zirkulation von Masern zu verhindern, seien Impfraten von mehr als 95 Prozent erforderlich, heisst es in dem Entwurf. «Diese werden in Deutschland nicht erreicht.» Die angestiegenen Fallzahlen seien auf «fortschreitende Impfmüdigkeit» zurückzuführen. Unter anderem in Bayern, Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen sei es in den vergangenen Jahren zu grossen Ausbrüchen gekommen. Allein bis Anfang März 2019 seien dem Robert-Koch-Institut 170 Masernfälle gemeldet worden.

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„Du sollst nicht töten!“: Das fünfte Gebot

Die Bibel verbietet das Töten – so scheint es zumindest in den Zehn Geboten zu stehen. Doch warum erlauben andere alttestamentliche Gesetze die Tötung eines Menschen? Das ist ein Spannungsfeld, dem sich jede Gesellschaft stellen muss.

Von Till Magnus Steiner | katholisch.de

Mord oder Totschlag? Das fünfte Gebot, das im Hebräischen nur aus zwei Wörtern besteht, definiert nicht, was verboten wird. Doch die Sprache ist eindringlich. Voran steht die Verneinung: Nicht! Und darauf folgt nur noch ein Wort – und es ist weder das typisch verwendete Wort für „töten“, noch das für „erschlagen“. In der antiken, jüdischen Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische, genannt Septuaginta, wird die Bedeutung dieses Wort vereindeutigt: „Nicht sollst du morden!“. Es gibt in den alttestamentlichen Gesetzen eben auch ein erlaubtes Töten: das Töten von Tieren für Nahrung und zu Opferzwecken, das Töten von Menschen aus Notwehr, im Krieg und bei der Vollstreckung der Todesstrafe. Das fünfte Gebot verbietet scheinbar eine bestimmte Art des Tötens, die im Hebräischen mit dem Wort רָצַח (gesprochen: razach) ausgedrückt wird.

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