„Neuer Reform-Furz“


Bild: Felix Kramer / CC BY-SA 2.0
Winfried Wolf über Elektromobilität, Teil 1

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

E-Mobilität wird von Teilen der Politik als Gebot der Stunde propagiert. Winfried Wolf hält das in seinem Buch „Mit dem Elektroauto in die Sackgasse“ für falsch.

Herr Wolf, Sie schreiben in Ihrem Buch, dass es bei der E-Mobilität nicht um Umweltverträglichkeit geht. Worum geht es dann?

Winfried Wolf: Es geht im Grunde um drei Dinge. Erstens aus Sicht der Öl- und Autokonzerne um einen neuen Reform-Furz, mit dem sie ihre Glaubwürdigkeitskrise – Stichwort: Dieselgate und Feinstaub-Belastung – überwinden und einen neuen Autoboom, stark von staatlichen Subventionen gepampert, starten können. Zweitens geht es den politisch Verantwortlichen in Berlin und Brüssel darum, es der wichtigsten politischen Lobby recht zu machen und gleichzeitig in der Öffentlichkeit das Gesicht wahren zu können, indem anscheinend ein „Weg aus der fossilen Wirtschaft“ beschritten wird. Drittens geht es um China beziehungsweise um die Industriepolitik der chinesischen Führung.

„Neuer Boom der Autoproduktion“

Dann eines nach dem anderen. Was hat es mit diesem höchst anrüchigen Reformsurrorgat auf sich?

Winfried Wolf: Ich beobachte seit Mitte der 1970er Jahren, dass die Autoindustrie in allen großen Krisen – ökonomische Krisen und Glaubwürdigkeitskrisen – es immer wieder geschafft hat, ein Reformprojekt zu propagieren, das die Öffentlichkeit und meist auch ein größerer Teil der Umweltbewegung immer dankbar aufnahm – das jedoch am Ende immer auf ein- und dasselbe hinauslief: es kam zu einem neuen Boom der Autoproduktion und zu einer weiteren Steigerung der Pkw- und Kfz-Dichte.
Wir hatten da Mitte der 1970er Jahre – Stichwort: Ölkrise 1973 und Autokrise 1974/75 – die Katalysator-Debatte. Wir hatten nach der Autokrise 1980-82 die Debatte über das „Waldsterben“ mit dem „Großversuch Tempo 100“. In den 1990er Jahren gab es die Reformidee „Swatch-Car“: der Schweizer Milliardär und Uhren-Zampano Nicolas Hajek wollte, ähnlich der lustigen bunten Swatch-Uhr, lustige bunte kleine Elektro-Autos, „swatch-cars“, bauen lassen.
Querdenker wie Frederic Vester und Daniel Goeudevert (Ford) propagierten das querparken in den Citys. Und Züge, die die kleinen netten Stadtflitzer transportieren sollten (natürlich auch mit Bahnsteigen, auf denen man quer in die Züge rollen würde können). Daraus wurde dann der profane Benziner-Smart mit einer homöopathischen Dosis von Elektro-Smarts. In den Nuller-Jahren war es dann der „Bio-Sprit“ – Kraftstoffe auf agrarischer Basis sollten die CO2-Belastung reduzieren – sogar der Weltklimarat ist darauf ein paar Jährchen lang hereingefallen.

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