Staatsrechtler Dreier fordert Trennung von Staat und Kirche: Religiöse Feiertage nur für Gläubige

Bild: Leipziger Blatt
Der Würzburger Staatsrechtler Horst Dreier hat sich für eine klarere Trennung von Staat und Kirche in Deutschland ausgesprochen. Auf vielen Feldern sei eine Zusammenarbeit historisch gewachsen. Eine „Flurbereinigung“ könne nicht schaden.

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Dreier äußerte sich in einem Streitgespräch mit der Tübinger Theologin Johanna Rahner im „Stern“ (Donnerstag). Der Autor des Buches „Staat ohne Gott“ plädierte für das Modell eines säkularen Staats, der sich mit keiner Religion oder Weltanschauung identifiziere, auch nicht mit der christlichen.

Staat ohne Gott heiße aber nicht Welt ohne Gott, betonte der protestantische Christ. Die Kirche dürfe sich selbstverständlich „kraftvoll einmischen und überall ihre Stimme erheben, vor allem wenn es um Ziele und Forderungen geht, die sich aus ihrer Glaubensüberzeugung ableiten lassen.“

Dreier: Änderungen bei Feiertagen sinnvoll

Dreier forderte unter anderem eine Abschaffung der Dotationen, das sind jährliche Zahlungen des Staats an die Kirchen. Der Auftrag zu einem solchen finanziellen Schnitt stehe schon in der Weimarer Reichsverfassung und seit 1949 auch im Grundgesetz.

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Das Kopftuch: Symbol der Würde oder Unterdrückung?

Themenbild
Inwieweit das Kopftuch zum Islam gehört oder vielmehr Ausdruck einer politischen Auslegung dieser Religion ist, darum scheiden sich auch innerhalb der muslimischen Gemeinschaft die Geister. Auf einer Frankfurter Tagung sprachen dazu Menschen, die normalerweise gar nicht oder nur sehr ungern miteinander reden.

Von Eva-Maria Götz | Deutschlandfunk

„Wir können ja nichts machen. Ich kann mit den Kindern sprechen, aber die Kinder, die haben ja gar keine Möglichkeit als das zu machen, was ihre Eltern oder die Gemeinschaft oder die Verwandtschaft sagt. Die Kinder haben keine Chance.“

Zwang, Bekenntnis oder spirituelle Geste?

Für die Lehrerin an einer weiterführenden Schule gehört die Auseinandersetzung mit ihren kopftuchtragenden Schülerinnen und deren Umfeld zum Alltag. Sie erhoffte sich von der Konferenz inhaltliche Hilfestellung beim Umgang mit diesem Thema, zum Beispiel bei der Frage, inwieweit das Kopftuch überhaupt zum Islam gehört oder ob es nicht vielmehr Ausdruck einer politischen Auslegung dieser Religion ist. Doch genau darum scheiden sich innerhalb der vielfältigen muslimischen Gemeinschaft die Geister. Und so ist es schon ein erstes Verdienst der Frankfurter Tagung, Menschen in einen Raum und zu einer Diskussion gebracht zu haben, die normalerweise gar nicht oder nur sehr ungern miteinander reden. Etwa die Publizistin Khola Maryam Hübsch, Mitglied der Ahmadiyya-Gemeinschaft und dort für Medienarbeit und den interreligiösen Dialog zuständig. Sie verteidigte vehement ihr Recht auf das Tragen der Kopfbedeckung als Ausdruck ihres feministischen Selbstverständnisses und muslimische Kleidung insgesamt als eine Möglichkeit, sich dem ihrer Meinung nach zu körperorientierten Blick auf Frauen in der westlichen Welt zu entziehen. Demgegenüber ist für die Journalistin und Autorin Alice Schwarzer das Kopftuch:

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Evangelische Kirche Hessen plant „Church Card“

Geldbeutel © Paul Sklorz (KNA)
Es ist ein Prinzip der Kundenbindung. Mitgliederkarten bringen Vergünstigungen für treue Zahler. In Zeiten schwindender Kirchenmitglieder hat sich die evangelische Kirche in Kurhessen-Waldeck daher eine „Church Card“ ausgedacht.

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DOMRADIO.DE: Was steckt hinter dieser Idee?

Martin Hein (Bischof der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck) Sie haben wahrscheinlich mitbekommen, dass in den letzten Wochen sehr viel von einer Studie die Rede war. Diese prophezeit uns, dass sich die Zahl der Kirchenmitglieder der evangelischen und katholischen Kirche möglicherweise im Jahr 2060 halbiert haben wird.

Das hat unsere Landeskirche zu der Fragestellung gebracht: Wie können wir eigentlich diejenigen, die Mitglied der evangelischen Kirche sind, bei uns behalten? Welche Vorteile können wir ihnen möglicherweise auch durch die Kirchen-Mitgliedschaft verschaffen? Und wie können wir in Kontakt zu ihnen treten? Da kamen wir auf die Idee einer Mitgliedskarte – ähnlich wie beim ADAC oder bei Vereinen.

DOMRADIO.DE: Es ist aber noch nur eine Idee, richtig?

Hein: Das Ganze ist natürlich – wie im evangelischen Bereich üblich – erst einmal eine Idee, die von einem kleinen Ausschuss ausgearbeitet worden ist. Die Idee hatte ich früher schon, weil ich eben auch Besitzer solcher Vorteilskarten bin.

Warum nicht an alle konfirmierten Gemeindeglieder einmal im Jahr diese Karte schicken, um sie dadurch auch wissen zu lassen: Wir kümmern uns um Euch. Wir denken an Euch und wir wollen euch gute Gründe geben, warum ihr evangelische Gemeindeglieder seid.

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Wie die neuronale Vielfalt entsteht

Cortex eines Mäuseembryos: Aus Stamm- (grün) und Vorläuferzellen (rot) werden schließlich fertige Neuronen (weiß). © IST Austria/ Hippenmeyer Group
Auf das Timing kommt es an: Forscher haben das Geheimnis der Neuronenvielfalt in unserem Gehirn entschlüsselt. Ihre Untersuchungen mit Mäusen zeigen: Im Laufe der embryonalen Entwicklung spulen bestimmte Vorläuferzellen eine Reihe von genetischen Programmen ab. Auf diese Weise entstehen nach einem festgelegten zeitlichen Muster unterschiedliche Arten von Neuronen. Wird dieser fein orchestrierte Prozess gestört, hat das fatale Folgen.

scinexx

Alle Neuronen unseres Gehirns gehen im Laufe der embryonalen Entwicklung aus sogenannten Stamm- oder Vorläuferzellen hervor. Bei diesem Prozess entsteht eine erstaunliche Vielfalt von Zelltypen: Allein im cerebralen Cortex sitzen einige Dutzend unterschiedliche Arten von Neuronen. Zusammen bilden sie unzählige neuronale Schaltkreise, die die Basis für unsere Wahrnehmung, unsere Gedanken und Taten bilden.

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„Staat diskriminiert die Haltung von Millionen Menschen“ – Stiftung will weniger Macht der Kirchen

Im Düsseldorfer Landgericht wurden die Kreuze bereits 2010 abgehängt. Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung fordert eine klare Trennung von Staat und Kirche ©Udo Ungar, Martin Gerten / DPA Picture Alliance
Eine strikte Trennung von Staat und Kirche – das fordert die Giordano-Bruno-Stiftung. Im stern-Interview erklärt der Vorstandssprecher, warum er einen weltanschaulich neutralen Staat für unverzichtbar hält – für Gläubige wie Nichtgläubige.

Daniel Wüstenberg | stern.de

Michael Schmidt-Salomon ist in diesen Tagen viel auf der Autobahn unterwegs: Berlin, Rostock, Schwerin und Hannover hießen die bisherigen Stationen. Es folgen bis Ende Mai Bremen, Köln, Karlsruhe, München und rund 20 weitere Städte. Jetzt ist aber erst einmal Hamburg dran. Am Jungfernstieg im Zentrum der Hansestadt sitzt er nun im Oberdeck eines roten Doppeldeckers. „Kirchenstaat? Nein Danke“, steht in großen Buchstaben auf der Außenwand – das Gefährt ist ein Hingucker.

Die Giordano-Bruno-Stiftung, deren Vorstandssprecher der 51-jährige Autor und Philosoph ist, will Aufmerksamkeit. Sie tourt während ihrer „Sakulären Buskampagne 2019“ noch bis Ende Mai durch ganz Deutschland, um für ihre Ziele zu werben: „Die konsequente Trennung von Staat und Kirche sowie die strikte Beachtung des Verfassungsgebotes der weltanschaulichen Neutralität des Staates.“ (Hier geht’s zur Homepage der Kampagne mit den Terminen der Deutschland-Tour.)

stern: Herr Schmidt-Salomon, was haben Sie gegen die Kirche?

Michael Schmidt-Salomon: Unsere Kampagne richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Kirche. Wir werben für einen weltanschaulich neutralen Staat. Dafür können auch gläubige Menschen eintreten. Aus unserer Sicht wird ein weltanschaulich neutraler Staat mit Blick auf die Zukunft immer wichtiger.

Was bringt Sie zu diesem Schluss?

Wir erleben eine Pluralisierung und eine Säkularisierung unserer Gesellschaft. In diesem Umfeld muss der Staat als unparteiischer Schiedsrichter auf dem Spielfeld der Religionen und Weltanschauungen auftreten. Denn nur dann kann er glaubwürdig Regeln, die für alle gelten, durchsetzen. Zurzeit werden zum Beispiel Muslimen Rechte verwehrt, die Protestanten und Katholiken gewährt werden. Das ist ein großes Problem.

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„Kein Recht, Unsinn zu vertreten“: Kammer-Chef will impfkritische Ärzte versetzen

Frank Ulrich Montgomery stellt sich ganz klar gegen die Impfgegner. Foto: picture alliance / Monika Skolim
In der Debatte um eine Impfpflicht gegen Masern will Bundesärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery gegen Ärzte vorgehen, die Eltern von diesen Impfungen abraten. „Man muss mit ihnen reden, und wenn sie sich nicht überzeugen lassen, muss man diese Kollegen soweit bringen, dass sie in einem anderen Bereich tätig werden, etwa im Labor oder als Gutachter“, sagte Montgomery dem „Focus“ vom Freitag.

Kölner Stadt-Anzeiger

Die ärztliche Zulassung könne die Bundesärztekammer impfkritischen Ärzten nicht entziehen. Aber „ein Arzt hat nicht das Recht, Unsinn zu vertreten“, sagte er. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will zum März kommenden Jahres eine gesetzliche Pflicht zur Masern-Impfung einführen.

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„Das Gejammer der Umweltverbände ist blanker Unsinn“

Porsche Mission E concept car auf der IAA 2015. Das Serienmodel „Taycan“ soll bis zu 680 PS haben und den Wagen von 0 auf 100 km/h in weniger als 3,5 s beschleunigen, die Höchstgeschwindigkeit über 250 km/h liegen. Bild: s.yuki / CC-BY-2.0
Der Verkehrsexperte Winfried Wolf über Elektromobilität als neuen Hype, Enteignungen der Autokonzerne und die Alternative einer „umweltverrträglichen Stadtmobilität“

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Zu Teil 1: „Neuer Reform-Furz“

Winfried Wolf kritisiert in seinem Buch „Mit dem Elektroauto in die Sackgasse“ die Fixierung auf das Elektroauto zur Behebung der Klimaerwärmung.

Herr Wolf, was hat China mit dem E-Auto-Boom zu tun?

Winfried Wolf: Man kann die Euphorie über Elektromobilität nur verstehen, wenn man die weltweite Situation des Kapitalismus im Allgemeinen und die der Weltautoindustrie untersucht. China ist die absolut entscheidende aufsteigende Wirtschaftsmacht. Das Land hat es in so gut wie allen Industrie- und Dienstleistungssektoren geschafft, an die Spitze der jeweiligen Branche vorzustoßen: mit Lenovo im PC-Bereich, mit Huawei im Bereich Telekommunikation und Smartphones, mit kuka im Bereich Robotorisierung und Automatisierung, im Bereich Hochgeschwindigkeitszüge mit CRRC.
Nur ausgerechnet im Bereich der Autoindustrie gibt es China faktisch nicht. Es gibt keinen einzigen großen chinesischen Autokonzern, der an der Spitze der Weltautobranche mitmischen würde. Geely mit Volvo (und Proton) ist da immer noch ein Nischenanbieter. Doch die Autoindustrie ist nun mal seit rund hundert Jahren die Schlüsselindustrie des Weltkapitalismus. Das sieht auch die chinesische Partei- und Staatsführung so. Sie identifizierte 2017 den Sektor der „New Energy Vehicles“ (NEV) als „eine von zehn Industrien, in der China einen nationalen Champion, der auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig ist, schaffen will“1. Deshalb gilt in China seit dem 1. Januar dieses Jahres die Quote. Nicht die Frauen-, aber die Autoquote: 10 Prozent aller Pkw, die in China gebaut, verkauft oder importiert werden, müssen Elektroautos sein (oder Brennstoffzellen-Pkw oder Hybrid-Pkw, also solche mit Verbrenner- und E-Motoren). Ab 1.1.2019 sind es 12 Prozent. Später wird die Quote noch höher liegen.
Die ganz großen US-amerikanischen, japanischen und deutschen Autohersteller schaffen diese Quote zunächst nicht. VW zum Beispiel müsste 2019 rund 400.000 Elektro-Autos in China auf den Markt bringen – 10 Prozent des gesamten Absatzes. Das ist aktuell technisch noch nicht machbar. Macht nichts, sagt die chinesische Führung. Das ist wie im Mittelalter beim Ablaßhandel; es gilt Johann Tetzel: „Sobald der Gülden im Becken klingt im huy die Seel im Himmel springt“. Die Autokonzerne können sich zunächst mit „credits“ freikaufen – hunderte Millionen US-Dollar an Strafgeldern, die an die chinesische Konkurrenz zu zahlen sind.

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AfD-Rechtsaußen: Auch Björn Höcke ist jetzt in eine Finanzaffäre verwickelt

Björn Höcke Foto: dpa
Die Bundestagsverwaltung hat wegen eines weiteren Falls nicht angegebener Parteieinnahmen Nachfragen an die AfD. Es geht dabei um den Kreisverband Nordthüringen – Eichsfeld – Mühlhausen. Vorsitzender dort ist der Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke.

Von Jan Sternberg | Kölner Stadt-Anzeiger

Dessen Parteigruppierung „Der Flügel“ richtet alljährlich das „Kyffhäusertreffen“ aus. Hier treffen sich immer im Juli die Rechtsaußen der Partei. Auch die AfD-Chefs Alexander Gauland und Jörg Meuthen waren in der Vergangenheit gern gesehene Gäste.

Mehrere Zehntausend Euro werden bei „Kyffhäusertreffen“ eingenommen

Die Teilnehmerzahlen für das Treffen wuchsen stetig von 500 auf 1000 Gäste an. Als Teilnehmerbeitrag wurden erst 20, dann 30 Euro pro Person verlangt – darüber hinausgehende Spenden sind gern gesehen. Pro Jahr kommen also zwischen 10.000 und 30.000 Euro allein an Teilnehmerbeiträgen zusammen – plus Spenden. Daraus werden das Treffen und weitere „Flügel“-Aktivitäten bezahlt.

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Whistleblowerin Chelsea Manning aus Beugehaft entlassen – nächste Haft droht

Demonstranten protestieren am 3. Mai am Martin Place im Zentrum der australischen Stadt Sydney für die Freilassung von Chelsea Manning und Wikileaks-Gründer Julian Assange. (Bild: Bianca de Marchi / EPA)
Die frühere Wikileaks-Informantin Chelsea Manning ist nach zwei Monaten Beugehaft in einem Gefängnis in Alexandria im amerikanischen Gliedstaat Virginia wieder auf freiem Fuss – zumindest vorübergehend.

Neue Zürcher Zeitung

Mannings Anwälte teilten mit, Grund für die Freilassung sei, dass die Amtszeit der Grand Jury abgelaufen sei. Manning hatte sich geweigert, den Geschworenen Fragen zur Enthüllungsplattform des australischen Wikileaks-Gründers Julian Assange zu beantworten, der im vergangenen Monat in London festgenommen worden war. Die USA fordern Assanges Auslieferung.

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Neuwahlen in Istanbul: Erdogans größter Fehler

Ekrem Imamoglu bei einer Wahlkampfveranstaltung am 7. Mai. Bild: ekremimamoglu.com
Der abgesetzte Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu wird zur Galionsfigur für die Opposition

Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Am Montagabend, nur wenige Stunden, nachdem die Wahlbehörde YSK in Ankara auf Druck der Regierungspartei AKP die Bürgermeisterwahl in Istanbul für ungültig erklärt und Neuwahlen für den 23. Juni angesetzt hatte, gingen Tausende in der Stadt am Bosporus auf die Straßen. Sie riefen „Recht, Gesetz, Gerechtigkeit“ und schlugen auf Töpfe und Pfannen. Bis tief in die Nacht schepperte es laut in den Straßen der Innenstadt. Es war der Klang der Gezi-Proteste, die Erdogan im Sommer 2013 von der Polizei niederschlagen ließ. Und es war ein deutliches Signal: „Wir sind noch da!“ verkündeten die überwiegend jungen Demonstrantinnen und Demonstranten.

Die Annullierung der Wahl in Istanbul könnte Erdogans bislang größter und fatalster Fehler sein. „Mit dieser Entscheidung hat sich Erdogan selbst in den Kopf geschossen, er weiß es nur noch nicht“, zitiert die taz einen türkischen Kolumnisten. Und er könnte richtig liegen – es kommt nun ganz drauf an, wie weit Erdogan zu gehen bereit ist, um die Macht nicht zu verlieren.

Wahlen sind unter Erdogans Herrschaft nichts als ein Feigenblatt

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass Erdogan deutlich seine Verachtung für demokratische Prozesse demonstriert. Im Sommer 2015 verlor seine AKP die absolute Mehrheit im Parlament, weil die kleine linksliberale HDP, die zum ersten Mal antrat, deutlich besser abschnitt als erwartet. Mit der damals schon angepeilten Verfassungsreform und dem Umbau des Staates zum Präsidialsystem wäre es eng geworden – daher blockierte Erdogan die Koalitionsverhandlungen, polarisierte das Land, indem er die Friedensgespräche mit der PKK ab- und einen Krieg im Südosten des Landes vom Zaun brach. Bei den Neuwahlen wenige Monate später kam dann ein Ergebnis heraus, das wieder in seinem Sinne war.

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Esoterik: Wer’s glaubt

Bild von Couleur auf Pixabay
Mainstream-Esoterik, Astrologie und Tarot-Karten – viele belächeln sie, trotzdem sind diese Themen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Besonders empfänglich dafür seien Millenials, sagt ein Soziologe.

Deutschlandfunk Nova

Seit zehn Jahren beschäftigt sich Gwen intensiv mit Astrologie. Sie beobachtet, dass dieses Thema von vielen in der Gesellschaft belächelt wird, obwohl sich ihrer Meinung nach die wenigsten wirklich mit Astrologie auseinandergesetzt hätten.

Markus hatte nie wirklich vor, sich Tarot-Karten legen zu lassen. Bei einem Date kommt es dann aber spontan dazu. Die Ergebnisse machen ihn stutzig, er sieht heute einige Dinge anders als zuvor.

Millenials besonders aufgeschlossen für Esoterik

Der Soziologe Helmut Knoblauch ist der Meinung, dass die Esoterik ganz allgemein mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Im Ab 21 – Podcast erklärt er, warum er glaubt, dass besonders die Millennials dafür aufgeschlossen sind.

Podcast zur Sendung

Ethikrat: Gen-Veränderungen bei Menschen derzeit unverantwortlich

Bild: geralt/Pixabay
Der Deutsche Ethikrat hat vor dem Hintergrund neuer Methoden zur DNA-Veränderung ein Moratorium für Eingriffe in die menschliche Keimbahn gefordert.

Corinna Buschow | evangelisch.de

Wegen ihrer unabsehbaren Risiken seien solche Eingriffe derzeit ethisch unverantwortlich, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme des Ethikrats. Danach sind die Experten in dem Gremium zwar einhellig der Meinung, dass die menschliche Keimbahn, in der sich alle Erbinformationen finden, nicht unantastbar ist. Voraussetzung für die Anwendung neuer Technologien seien aber Sicherheit und Wirksamkeit der Verfahren.

Als „Genome-Editing“ oder auch „Gen-Chirurgie“ werden in der Wissenschaft Verfahren bezeichnet, mit denen sich das Erbgut gezielt verändern lässt, eben so, wie ein Text-Dokument editiert werden kann. Umgangssprachlich hat sich dafür der Begriff Gen-Schere durchgesetzt, weil die DNA, in der alle Erbinformationen gesammelt sind, dabei tatsächlich mit Schnitten bearbeitet wird, um etwas herauszunehmen oder hinzuzufügen.

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Stadtbäume leben schnell und kurz

Stadtbäume führen ein Leben unter Extrembedingungen. © Nikada/ istock
Leben unter Extrembedingungen: Stadtbäume leben schneller, aber auch kürzer als ihre Verwandten auf dem Land. Wie eine Studie zeigt, führt das urbane Umfeld einerseits zu einem schnelleren Wachstum der Bäume. Gleichzeitig sind sie dort allerdings anfälliger und haben eine höhere Sterblichkeit. Um den positiven Effekt von Stadtbäumen voll auszuschöpfen, müsse daher verstärkt auf ihre Gesundheit geachtet werden, so die Forscher.

scinexx

Bäume sind die grüne Lunge unseres Planeten: Die Pflanzen atmen große Mengen des schädlichen Treibhausgases Kohlendioxid aus der Atmosphäre ein und produzieren den für uns Menschen so wichtigen Sauerstoff. Gerade in der Stadt leisten sie darüber hinaus weitere wichtige Dienste. Denn über Verdunstungseffekte können Bäume dabei helfen, urbane Wärmeinseln herunterzukühlen. Zudem fungieren sie als effektive Staubfilter und wirken so der Luftverschmutzung entgegen.

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Wegen Maria 2.0: Katholiken-Forum ruft zu Austritt aus Frauenbund auf

Bild: © Víctor – stock.adobe.com (Symbolbild)
Katholische Frauen rufen ab Samstag zu einem bundesweiten „Kirchenstreik“ auf. Für das konservative Forum Deutscher Katholiken ist das zu viel: Es forderte dazu auf, den Katholischen Deutschen Frauenbund zu verlassen – und bekam Antwort.

katholisch.de

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) hält Kritik des konservativen Forums Deutscher Katholiken an der Aktion Maria 2.0 für unbegründet. Den Aufruf des Forums, dass Frauen den KDFB verlassen und eine neue Gruppe gründen sollten, kann der Verband nach Angaben vom Donnerstag nicht nachvollziehen.

Der Sprecher des Forums, Hubert Gindert, hatte erklärt, der Aufruf zum Boykott von Gottesdiensten bedeute „eine neue Qualität in der Auseinandersetzung innerkirchlicher Kräfte gegen die Lehre der katholischen Kirche“. Frauen, die sich der Lehre der Kirche verbunden fühlten, sollten „eine neue glaubenstreue Organisation“ gründen. In durchsichtiger Weise werde bei Maria 2.0 der sexuelle Missbrauch instrumentalisiert, „um das Frauenpriestertum durchzusetzen“.

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Umgekehrter Turing-Test: Welches Gesicht ist real?

Welches Gesicht ist „real“? Bild: West and Bergstrom
Mit Algorithmen wie StyleGAN lassen sich fotorealistische Gesichter von Menschen erzeugen, die es nicht gibt. Können wir noch echte von simulierten Gesichtern unterscheiden?

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Fotografie wurde seit ihrem Beginn wegen ihrer Entsubjektivierung gefeiert. Im Unterschied zur Malerei von der Bildherstellung durch den Apparat und die Lichtmalerei ersetzt wird. Deswegen wurde Fotografie als objektives Medium verherrlicht. Was von dem Objektiv aufgenommen wurde, soll es da auch gegeben haben. Der Druck auf den Auslöserknopf setzte die Wahrheitsbildgebung in Kraft, auch wenn der Ausschnitt, die Belichtung oder die Schärfe die Darstellung der Szene verändert.

Mit der digitalen Fotografie hat sich das Misstrauen in das fotografische Bild extrem verstärkt – zu Recht. Zwar konnten auch schon zuvor Bilder manipuliert werden, nicht nur mit Nachbearbeitung, sondern auch, was überhaupt aufgenommen und wie das Bild beschrieben wird, digital ist aber das Foto bestenfalls Ausgangsbasis für Verabeitungen. Mit Mitteln der Künstlichen Intelligenz lassen sich fotorealistische Fakes noch leichter bewerkstelligen. Ein Bild ist kein Beweis für etwas Wirkliches mehr, sondern nur noch ein – auch bewegtes – Bild, das ebenso wenig oder viel Glaubwürdigkeit hat wie beispielsweise ein Text. Vertrauen muss in die Quelle gesetzt werden, die Bilder oder Texte produziert und verbreitet.

Deepfakes nennt man fotorealistische Bilder und Videos, die manipuliert sind. Das Problem ist, dass diese immer leichter herstellbaren verfälschten Bilder auch als Belege für politische Zwecke verwendet werden können. Noch immer glauben viele traditionsverhaftet eher scheinbar objektiv generierten Bildern als etwa Texten.

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Es braucht keine päpstlichen Regeln für Meldepflicht, es gibt Strafgesetzbücher, Staatsanwälte und die Polizei

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus hat für die katholische Kirche eine Meldepflicht für Fälle sexuellen Missbrauchs erlassen. Für Kleriker und Ordensleute werde die Verpflichtung eingeführt, innerhalb der Kirche Missbrauchs- und Vertuschungsfälle umgehend anzuzeigen.

BR24

Im Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche hat Papst Franziskus eine Meldepflicht für Geistliche erlassen. Priester und andere Mitglieder des Klerus müssen demnach jeden Verdachtsfall und jede versuchte Vertuschung eines sexuellen Missbrauchs der Kirche melden, wie aus einem Schreiben des Papstes hervorgeht. Ein derartiger Schritt war unter anderem von Opferverbänden, Politikern und zahlreichen Bischöfen der Weltkirche gefordert worden. Die katholische Kirche wird seit Jahren von Missbrauchsskandalen erschüttert.

Alle Diözesen müssen Meldesystem einrichten

Das Gesetz sieht neue Verfahrensweisen für die Strafanzeige vor und führt eine weltweite Anzeigepflicht ein. Erstmals regelt es die Untersuchung gegen Bischöfe, die Ermittlungen vertuscht oder verschleppt haben. Es verpflichtet die kirchlichen Stellen, die staatlichen Strafermittler in ihrer Arbeit zu unterstützen. Zudem müssen alle Diözesen bis spätestens Juni 2020 ein leicht zugängliches Meldesystem für Anzeigen einrichten.

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Eine rätselhafte Zunahme von Methan in der Luft bedroht das Pariser Klimaziel

Aus Reisfeldern wie hier in China tritt das Treibhausgas Methan aus, weil Mikroorganismen organisches Material zersetzen. (Bild: Reuters)
Anfang der 2000er Jahre schien sich der Gehalt des Treibhausgases in der Luft stabilisiert zu haben. Seit 2007 steigt er aber wieder. Wissenschafter grübeln über die Ursachen.

Tim Kalvelage | Neue Zürcher Zeitung

Das Gas entweicht aus Reisfeldern und Rindermägen: Methan wirkt als Treibhausgas mehr als 20 Mal so effektiv wie Kohlendioxid. Trotzdem ist der Ausstoss von Methan aus menschengemachten Quellen bloss der zweitwichtigste Antreiber des Klimawandels. Das liegt an der im Vergleich zu Kohlendioxid viel niedrigeren Konzentration.

Seit Beginn der Industrialisierung ist der Methangehalt der Luft um rund 150 Prozent gestiegen. Zu den Ursachen zählen die Nutzung fossiler Brennstoffe, die Intensivierung der Landwirtschaft und andere menschliche Aktivitäten. Um die Jahrtausendwende schien sich der Methangehalt zu stabilisieren. Seit 2007 verzeichnen Forscher aber wieder einen deutlichen Anstieg, der sich seit 2014 noch einmal beschleunigt hat. Das gibt Anlass zur Sorge. Denn je mehr Methan sich in der Atmosphäre anreichert, desto schwieriger wird es, das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Zwei-Grad-Ziel einzuhalten.

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Homosexualität sei therapierbar und gleichgeschlechtliche Liebe eine „narzisstische Suche“ nach Männlichkeit

Bild: © photo_mts/Fotolia.com (Symbolbild)
Homosexualität sei therapierbar und gleichgeschlechtliche Liebe eine „narzisstische Suche“ nach Männlichkeit, die man selbst nicht fühle: Ein Priesterausbilder des Erzbistums Köln erntet für seine Aussagen scharfe Kritik.

katholisch.de

Ein Priesterausbilder des Erzbistums Köln ist wegen eines Vortrags zu Homosexualität in die Kritik geraten. Der Direktor des Bonner Theologenkonvikts Collegium Albertinum, Pater Romano Christen, vertrat vor Studenten die Position, dass Homosexualität nicht angeboren sei, sondern „Folge einer psychologischen (Fehl)entwicklung“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (Donnerstag) berichtete. Es gebe Therapien dagegen, die aber nicht immer erfolgreich seien. Männer mit „tief sitzender homosexueller Tendenz“ könnten daher nicht geweiht werden, wie es auch in vatikanischen Instruktionen festgelegt sei.

In dem auch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegenden Vortrag heißt es unter anderem weiter, auch wenn bei homosexueller Liebe Romantik mitspiele, gehe es „weniger um die reale Begegnung mit einem Du“. Vielmehr handele es sich um eine „narzisstische Suche“ eines Betroffenen nach Männlichkeit, die er selbst nicht fühle.

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