„Warum eskalieren politische Prozesse, wenn Religion im Spiel ist?“

Exzellenzcluster „Religion und Politik“ in Münster eröffnet neue Förderphase – Festredner würdigen Exzellenzcluster als international sichtbaren „Leuchtturm“ – Sprecher Prof. Dr. Nils Jansen stellt Forschungsprogramm über religiöse Dynamiken vor – „Faktoren, die Religion zum Motor politischen Wandels machen, bedürfen noch wissenschaftlicher Erklärung“
Viola van Melis Zentrum für Wissenschaftskommunikation
Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

An der Universität Münster ist am Freitagabend die neue Förderphase des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ feierlich eröffnet worden. „Dass wir als einziger geistes- und sozialwissenschaftlicher Verbund in der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern eine dritte Förderzeit einwerben konnten, eröffnet neue Forschungsperspektiven“, sagte der Sprecher und Rechtshistoriker Prof. Dr. Nils Jansen beim Festakt mit rund 200 Gästen aus Wissenschaft, Politik und Religionen. „In den kommenden Jahren fragen wir, wie Religion ihre politische Kraft gewinnt und welche soziale Dynamik dahinterliegt.“ Die Faktoren, die Religion zum Motor des Wandels machen, seien überhaupt noch nicht verstanden. „Warum etwa eskalieren politische Prozesse bis hin zu terroristischer Gewalt, wenn sie in das Feld der Religion geraten, und warum kann Religion zugleich Katalysator von Friedensschlüssen sein?“ Erklärungen seien auf vielen Ebenen zu suchen, so Jansen, „in sozialen Mechanismen und der Psychologie ebenso wie in Charakteristika von Religionen: in ihrer Dialektik von Tradition und Innovation, in ihrem Transzendenzbezug, in der Unverfügbarkeit ihrer Wahrheiten.“

Der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster untersucht seit 2007 das komplexe Verhältnis von Religion und Politik von der Antike bis heute. Beteiligt sind 140 Forschende aus 20 geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern und 10 Ländern. Das neue Forschungsprogramm „Dynamiken von Tradition und Innovation“ wird von 2019 bis 2025 mit 31 Millionen Euro gefördert. Der Forschungsverbund ist der bundesweit größte dieser Art und unter den Exzellenzclustern in Deutschland einer der ältesten und der einzige über Religion. „Der Verlängerungserfolg“, sagte Nils Jansen, „drängt uns dazu, unsere Forschungen in Zukunft zu verfestigen und neue, dauerhafte institutionelle Strukturen zu suchen.“ Neue Forschungsideen fielen dabei freilich weiterhin „nicht vom Himmel“, Innovation sei nicht ohne wissenschaftliche Auseinandersetzung bis hin zur Fundamentalkritik zu erreichen.

Die WWU-Prorektorin für Forschung, Prof. Dr. Monika Stoll, hob in ihrem Grußwort den hohen Grad an Interdisziplinarität des Exzellenzclusters sowie eine breit aufgestellte und sichtbare Wissenschaftskommunikation hervor. Damit füge sich der Forschungsverbund hervorragend in den Schwerpunkt „Religion und Politik“ ein, den das Rektorat im Rahmen der WWU-Bewerbung zur Exzellenzuniversität als forschungsstarken Profilbereich der Universität ausgewählt habe. Der Exzellenzcluster bündele mit sieben von 14 beteiligten Fachbereichen alle Geistes- und Sozialwissenschaften der WWU. Er füge sich zudem mit der Wissenschaftskommunikation in die neu entstandene Transferstrategie der Universität ein. Damit vermittle er seine Forschungen auch in die Breite der Gesellschaft hinein.

Die australische Historikerin und Luther-Biographin Prof. Dr. Lyndal Roper von der Universität Oxford sprach in ihrem Festvortrag über „Cranachs Luther“. Für den Erfolg der Reformation sei es entscheidend gewesen, dass der Künstler Lucas Cranach den Reformator vielfach porträtiert habe. Für Musik sorgte beim Festakt das Arthos Trio mit Nima Mirkhoshhal (Klavier), Till Müller (Klarinette) und Cornelia Emmert (Cello).
Münsters Bürgermeisterin Karin Reismann bezeichnete den Exzellenzcluster in ihrem Grußwort als „Leuchtturm“, der weit über Deutschlands Grenzen sichtbar sei. Das Thema „Politik und Religion“ passe wie kaum ein anderes zu Münster als Stadt des Westfälischen Friedens. Universität, Stadt und Gruppen der Zivilgesellschaft arbeiteten gemeinsam daran, die Erinnerung an den Friedensschluss von 1648 zu bewahren, der erstmals einen Krieg nicht militärisch, sondern durch Verhandlungen beendet habe. Der Exzellenzcluster sei ein wichtiger Partner in vielen Formaten des Forschungstransfers wie Podien, Ausstellungen und Schülerakademien, die im Arbeitskreis „Dialoge zum Frieden“ mit dem Zentrum für Wissenschaftskommunikation und in vielfältigen persönlichen Kontakten entwickelt würden. Ein Beispiel sei die vom Cluster initiierte Friedensausstellung 2018 in fünf Häusern in Münster.

Festrednerin Lyndal Roper führte in ihrem Vortrag aus, Luthers Gesicht sei durch die Porträts aus Cranachs Werkstatt wohl zum bekanntesten im 16. Jahrhundert geworden, das weder einem Heiligen noch einem Regenten gehörte. Den Reformator „sehen“ zu können, sei ein wichtiges Element lutherischer Frömmigkeit gewesen. „500 Jahre nach dem Anschlag der 95 Thesen wurden die Portraits in aller Welt aus den Depots geholt worden. Cranachs Luther war 2018 allgegenwärtig und prägte sogar das Design vieler Souvenirs“, so Roper, die in ihrem Vortrag Cranachs Luther-Porträts ebenso beleuchtete wie zeitgenössische. Die Festrednerin ist „Regius Professor of History“ in Oxford und gehört dem Beirat des Exzellenzclusters an. Ihre Biografie „Der Mensch Martin Luther“ wurde mehrfach ausgezeichnet. – Der Rechtshistoriker Nils Jansen hat zum Jahreswechsel das Sprecheramt im Exzellenzcluster von dem Religionssoziologen Detlef Pollack übernommen, der nun stellvertretender Sprecher ist. (vvm)

Das neue Forschungsprogramm des Exzellenzcluster „Religion und Politik“

Mit dem neuen Forschungsprogramm „Dynamiken von Tradition und Innovation“ baut der 2007 gegründete Exzellenzcluster in seiner dritten Förderphase (2019-2025) auf eine mehr als zehnjährige interdisziplinäre Kooperation auf. Ausgangspunkt war, wie Sprecher Nils Jansen darlegte, die damals neue Beobachtung der Rückkehr der Religion auf die politische Agenda, und die Frage, wie diese mit Säkularisierungstheorien in Übereinstimmung zu bringen war und wie sich zentrale Begriffe wie Religion, Politik, Recht oder Normativität definieren lassen. In der zweiten Phase ab 2012 galt das Interesse der Frage, wo Grenzen zwischen den Feldern von Religion, Politik und Recht verlaufen, wie sie verschoben, angegriffen oder neu austariert wurden. „Solche Prozesse“, so der Rechtshistoriker, „sehen wir vom Investiturstreit bis zu gegenwärtigen Debatten um den Religionsunterricht.“

In der dritten Förderphase des Exzellenzclusters befassen sich die Forschenden mit religiösen Dynamiken von der Antike bis heute in rund 80 Einzelprojekten. Das Augenmerk gilt der Dynamik von Tradition und Innovation, also nicht zuletzt dem Paradox, dass Religionen ihr Innovationspotential regelmäßig im Rückgriff auf ihre Traditionen entwickeln. Um den komplexen Forschungsgegenstand systematisch zu untersuchen, ist er in drei Forschungsfelder unterteilt: transkulturelle Verflechtungen und Entflechtungen, religiöse Vielfalt und rechtlich-politische Einheit sowie Religionskritik und Religionsapologie. Quer dazu verlaufen Theorieplattformen, in denen mit Theorien des Konflikts, der Emotionalität und Medialität sowie der gesellschaftlichen Ungleichheit und Differenzierung gearbeitet wird. Hinzu kommen „Research Clouds“ zu übergreifenden Themen wie Theologische Glaubenslehre und gelebte Religiosität, Migration und Diaspora, Ambiguität und Entscheidung, Genesis und Geltung. (vvm)


Weitere Informationen:

https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2019/mai/PM_Exzellenz…


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Politik, Recht, Religion
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
Deutsch


Papst gegen drakonische Lösungen bei Missbrauch

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Als Reaktion auf Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche helfen laut Papst Franziskus drakonische Maßnahmen nicht weiter. Bei einem Treffen mit Leiterinnen von Frauenorden verdeutlichte er dies mit einem drastischen Vergleich.

DOMRADIO.DE

Hätte man „hundert des Missbrauchs schuldige Priester auf dem Petersplatz aufgehängt, wären alle zufrieden gewesen, aber das Problem wäre nicht gelöst“, sagte Franziskus am Freitag vor Leiterinnen von Frauenorden im Vatikan.

Einige Opferverbände seien unzufrieden mit den Ergebnissen des vatikanischen Kinderschutzgipfels im Februar, sagte der Papst laut der Internetseite Vatican News. „Ich verstehe sie, weil sie innerlich leiden“, so Franziskus. Das Problem des Missbrauchs könne in der Kirche aber nicht von einem Tag auf den anderen gelöst werden; ein Prozess habe jedoch begonnen.

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Berlin, Ankara und die Folter – Politik heuchelt Empörung

Deniz Yücel. Foto: Harald Krichel/CC BY-SA 4.0
Deniz Yücel wirft der Türkei Folter vor, die Empörung in der deutschen Politik ist groß. Dabei ist es keineswegs neu, dass in der Türkei gefoltert wird

Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Der deutsche Journalist Deniz Yücel, der ein Jahr lang in der Türkei inhaftiert war, erhebt schwere Vorwürfe. Drei Tage lang sei er geschlagen und gedemütigt worden, sagte er am 10. Mai vor dem Berliner Amtsgericht Tiergarten aus und bezeichnet die Behandlung als „Folter“. Er vermutet, dass dies auf Anweisung des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan geschehen sei.

Die taz hat Yücels Aussage in voller Länge protokolliert. Darin heißt es: „Weil in den Zellen im Gegensatz zu den Korridoren keine Kameras installiert sind, wurde ich erstmals auch körperlich mit Tritten gegen meine Füße und Schlägen auf Brust und Rücken angegangen. Das Maß der Gewalttätigkeit war nicht allzu hoch, weniger darauf ausgerichtet, mir körperliche Schmerzen zuzufügen, als darauf, mich zu erniedrigen und einzuschüchtern. Womöglich wollte man mich auch zu einer Reaktion provozieren. Doch auch so war dies ein Fall von Folter.“

Wie der Spiegel berichtet ist die Aufregung nun groß im politischen Berlin. Quer durch alle Parteien werden Konsequenzen gefordert. „Bei Folter und brutalen Menschenrechtsverletzungen hört die Freundschaft auf“, sagte demnach der CDU-Politiker Michael Brand gegenüber dem Nachrichtenmagazin.

Da kann es nicht um Nachsicht gehen, es muss jetzt um intensive Untersuchung und Aufklärung gehen, und das schnell.

Michael Brand, CDU

Interessant ist diese Reaktion schon deshalb, weil es keineswegs eine Neuigkeit ist, dass in der Türkei gefoltert wird. Begebenheiten wie die von Yücel geschilderte sind in türkischen Haftanstalten an der Tagesordnung. Auch nach der Ratifizierung der Antifolterkonvention im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen änderte sich daran nichts – offiziell abgeschafft wurde lediglich die schwere Folter.

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Mysterious ‚Sub-Neptunes‘ Are Probably Water Worlds

An artist’s illustration of the K2-138 system, which contains at least five „sub-Neptune“ planets orbiting closely around their parent star. (Image: © R. Hurt (IPAC)/NASA/JPL-Caltech)
Most exoplanets between Earth and Neptune in size are probably all wet.

By Charles Q. Choi | SPACE.com

Water worlds that each possess thousands of times more water than Earth does may be more common than Earth-like rocky planets in the Milky Way galaxy, a new study finds.

Over the past 20 or so years, astronomers have confirmed the existence of thousands of exoplanets, or planets around other stars. NASA’s recently deceased Kepler spacecraft discovered 2,702 confirmed exoplanets, and several thousand more „candidates“ it found are awaiting confirmation.

Many exoplanets are quite unlike any planets in our solar system. For example, so-called super-Earths have diameters up to twice that of Earth, and „sub-Neptune“ worlds are two to four times wider than Earth. (Neptune’s diameter is about four times Earth’s.)

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Duft dunkler Schokolade entschlüsselt

Dunkle, kakaoreiche Schokolade hat einen unverwechselbaren Duft – wie aber kommt er zustande? © Artisteer/ iStock
Unwiderstehliches Aroma: Dunkle Schokolade hat einen ganz besonderen Duft – doch welche Geruchsstoffe dieses Aroma bestimmen, war bislang unbekannt. Jetzt haben Forscher das Geheimnis des schokoladigen Dufts gelöst und ihn sogar schon künstlich hergestellt. Demnach enthält die kakaoreiche Schokolade zwar hunderte Aromastoffe, aber nur gut 25 davon sind für ihren charakteristischen Geruch entscheidend.

scinexx

Schokolade ist Tröster, Glücklichmacher und beliebter Snack zugleich. Dem verlockenden Aroma dieses Kakaoprodukts können trotz seines hohen Kaloriengehalts nur wenige widerstehen. Immerhin: Gerade dunkle Schokolade soll sogar gesundheitsfördernde Wirkungen haben. Studien zufolge schützen aus dem Kakao stammende Inhaltsstoffe die Gefäße, helfen gegen Stress und könnten sogar das Gedächtnis fördern.

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Abtei Trisulti: Die Klosterschule der Populisten

Bild: © Marco Bonomo/KNA
Trumps Ex-Berater Steve Bannon will in einer ehemaligen Kartause nahe Rom die künftige Elite der europäischen Rechten trainieren. Das Unternehmen zur vermeintlichen Rettung des christlichen Abendlands läuft jedoch nicht so rund, wie der Populist aus den USA geplant hatte.

Von Burkhard Jürgens | katholisch.de

Die Kartause Trisulti, in Eichenwäldern hoch in einer karstigen Schlucht gelegen: Das Kloster ist in den Schlagzeilen, seit der Rechtspopulist Steve Bannon, ehemaliger Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, hier eine Kaderschmiede errichten will. Von Trisulti soll die Verteidigung der „jüdisch-christlichen Grundlagen der westlichen Zivilisation“ ausgehen. Aber der Kreuzzug zur Rückeroberung des Abendlands scheint zu stocken, bevor er Fahrt aufgenommen hat.

1204 gegründet, diente Trisulti als Ort des Gebets und der Askese für Kartäusermönche. 1947 folgten Zisterzienser nach. Als der Orden sich zurückzog, schrieb das Kulturministerium, dem die Abtei untersteht, den Komplex zur Pacht aus. Den Zuschlag erhielt Anfang 2018 das „Dignitatis Humanae Institute“ (DHI) mit Sitz in Rom. Schirmherr ist Bannon, den Beirat bildet eine Riege Kardinäle. Das DHI gab im Nutzungskonzept für das Kloster an, eine Bildungsstätte „für die Freien Künste, Politik und Kultur“ einrichten zu wollen. Bannon selbst spricht von einer „Gladiatorenschule“.

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Pentagon und CIA sollen eine neuartige Rakete einsetzen

Bild, das Charles Lister von dem Drohnenangriff 2017 auf das Fahrzeug von einer Quelle erhalten hat. Dabei waren Ahmad Hasan Abu Khayr al-Masr und ein weiterer Mitfahrer getötet worden.
WSJ berichtet, die im Geheimen entwickelte Rakete für Drohnen explodiere nicht, sondern töte gezielt durch Wucht und ausfahrende Klingen, um Kollateralschäden zu vermeiden

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Es ist eine exotische Geschichte. Angeblich haben das Pentagon und die CIA eine neue Waffe entwickelt, um Terroristen oder Einzelpersonen gezielt zu töten, aber Kollateralschäden zu vermeiden. Es soll sich um eine modifizierte, geheim gehaltene Hellfire-Rakete namens R9X handeln, die nicht explodiert, sondern mit Klingen Widerstände überwindet und Körper verstümmelt, wie das Wall Street Journal berichtet hat.

Seit einiger Zeit herrscht Verwirrung, was Waffeneinsatz und Kriegsverbrechen betrifft. Die ungezielte Gefährdung von Zivilisten durch ungenauen Beschuss oder den Einsatz von Massenvernichtungswaffen ist verpönt. Gleichfalls verpönt ist eigentlich, wenn es sich nicht um eine unmittelbare Reaktion auf eine Bedrohung handelt, die gezielte Tötung von Menschen durch Präzisionswaffen, die Mord- oder Exekutionswaffen darstellen. Gleichwohl gibt es seit langem die Tendenz zum sauberen Krieg, was lediglich heißt, dass die militärische überlegene Partei in militärischen Konflikten die technischen Möglichkeiten nutzt, vermeintliche Gegner zu vernichten, auch wenn sie nicht kämpfen, angreifen oder bewaffnet sind.

Eine Exekution auf der Grundlage von Vermutungen, die nicht gerichtsfest bewiesen werden müssen. Dadurch wird das frühere Treiben der Geheimdienste, Gegner heimlich und hinterrücks zu eliminieren, zu einem militärischen Akt, der bislang darin bestand, den Gegner mit wenig präzisen Waffen zu treffen. Man kehrt nach immer weiter reichender Artillerie, Raketen und Bomben wieder auf den Status eines Nahkriegs zurück, der nun etwa mittels von Drohnen oder Präzisionsraketen aus der Ferne geführt wird, nicht mehr mit Schwertern oder Spießen. Das Fatale ist, dass die Mordanschläge zwar präzise sein, aber trotzdem Unschuldige treffen können – und dass es sich eben Exekutionen eines Verdächtigen handelt, dessen Schuld nicht von einem Gericht festgestellt wurde.

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Eine Würdigung des „deutschen Darwins“

Ernst Haeckel, Bild:Phyletisches Museum. barb.:bb
Biologiedidaktiker der Universität Jena geben Sonderband über Ernst Haeckel mit heraus
Stephan Laudien Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

„Ernst Haeckel (1834-1919): The German Darwin and his impact on modern biology“, so ist eine Sonderausgabe der Zeitschrift „Theory in Biosciences“ überschrieben, die gerade veröffentlicht wurde. In 13 Beiträgen würdigen die Autorinnen und Autoren Leben und Werk Ernst Haeckels, des „deutschen Darwins“, der in Jena lebte und forschte. Die Herausgeber des „Special-Issue“ sind Prof. Dr. Uwe Hoßfeld und PD Dr. Georgy S. Levit von der Universität Jena sowie der Kasseler Pflanzenphysiologe und Evolutionsbiologe Prof. Dr. Ulrich Kutschera.

„Unsere Forschungsergebnisse etwa zu Haeckels Rezeption in Russland werden hier erstmals publiziert“, sagt Georgy S. Levit. Sein Kollege Uwe Hoßfeld ergänzt, Ernst Haeckel friste heute ein regelrechtes Schattendasein, weil seine wichtigsten wissenschaftlichen Werke nie ins Englische übertragen wurden: „Haeckels ,Generelle Morphologie‘ ist bis heute nicht übersetzt worden.“ Dabei seien manche Ergebnisse Haeckels höher einzustufen als Darwins, so Hoßfeld. Doch spätestens mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde davon kaum noch Notiz genommen. „Nach dem Krieg wurde Englisch weltweit zur führenden Wissenschaftssprache, das Deutsche geriet ins Hintertreffen“, sagt Levit. Erschwerend sei bei Haeckel hinzugekommen, dass sowohl von den Nazis wie auch von Marxisten versucht wurde, seine Ideen zu vereinnahmen. Außerdem passte Haeckels Weltanschauung nicht ins Bild: Der Jenaer Gelehrte war 1904 in Rom zum „Gegenpapst“ ausgerufen worden.

Haeckel erreichte zeitweise mehr Menschen als Darwin

In dem Haeckel-Sonderheft geht es um den theoretischen Nachlass des Jenaer Gelehrten und sein Wirken in verschiedenen Kulturen. Es kommen Autoren aus Kanada, den USA, Deutschland und Russland zu Wort. So haben Hoßfeld, Levit und Ko-Autoren die Haeckel-Rezeption in Russland, der Sowjetunion oder bspw. Schweden erforscht und zudem untersucht, welche Spuren Haeckels Ideen in Lehrbüchern in den USA und der DDR hinterlassen haben.

Es gehe keineswegs um eine Rehabilitierung Ernst Haeckels, betonen Hoßfeld und Levit. Gleichwohl sei es an der Zeit, dem „deutschen Darwin“ seinen gebührenden Platz in der Wissenschaftsgeschichte einzuräumen. Der in Chicago lehrende Wissenschaftshistoriker Robert J. Richards habe jüngst in einem Aufsatz nachgewiesen, dass am Ende des 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts mehr Menschen durch Ernst Haeckel von der Evolutionstheorie erfuhren als durch Charles Darwin. Eine mögliche Erklärung für diesen Befund sieht Uwe Hoßfeld darin, dass Haeckel viele gemeinverständliche Werke publizierte und Darwinismus zu einer Weltanschauung zu konvertieren versuchte und zuweilen durchaus kontrovers Stellung bezog: „Haeckel war kein Gelehrter im Elfenbeinturm!“

Die Haeckel-Sonderausgabe in „Theory in Biosciences“ soll ihren Teil dazu beitragen, das Bild Ernst Haeckels gerade zu rücken.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

apl. Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3 (Bienenhaus), 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949491
E-Mail: uwe.hossfeld[at]uni-jena.de

Palliativmediziner kritisiert Gesundheitssystem

Bild von Peter Dargatz auf Pixabay
Der Schweizer Palliativmediziner Gian Domenico Borasio hat die Ausrichtung des deutschen Gesundheitssystems scharf kritisiert. „Es geht nur ums Geld, das ist das Problem, das wir haben“, sagte Borasio am Freitag zur Eröffnung der zehnten Bremer Kongressmesse „Leben und Tod“.

evangelisch.de

Das gelte insbesondere für die Versorgung am Lebensende. Das System sei „komplett gegen die Interessen der Patienten ausgerichtet“. Am Ende des Lebens müssten mehr Ressourcen für eine palliative Versorgung in multiprofessionellen Teams eingesetzt werden, forderte der Professor.

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Deutsche Katholiken: „Stimmung der Gläubigen auf Tiefpunkt“

Bild: tagesschau.de
Die Stimmung unter deutschen Katholiken ist schlecht. Ihr Zentralkomitee wirft der Kirche vor, zu zögerlich Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal zu ziehen. Auch gibt es Streit um Frauen im Priesteramt.

tagesschau.de

Die deutschen Katholiken sind über ausbleibende Reformen in ihrer Kirche zunehmend verärgert. Die Stimmung unter den Gläubigen sei wegen des Missbrauchsskandals auf einem historischen Tiefpunkt angekommen, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg.

Der Vorsitzende forderte Konsequenzen. „Es geht darum, unsere Kirche so zu verändern, dass sie keinen Nährboden für den Missbrauch bietet“, sagte Sternberg auf der ZdK-Frühjahrsvollversammlung in Mainz. Die mehr als 200 Teilnehmer unterstützten ihn mit Applaus. Das ZdK ist der Zusammenschluss von Vertretern der Diözesanräte, katholischen Verbänden und Organisationen katholischer Laien.

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Ältester Sumpfbaum der Welt entdeckt

Feuchtgebiet am Black River in North Carolina: Hier steht der älteste Sumpfbaum der Welt. © Dan Griffin
Grüner Zeuge der Geschichte: Forscher haben im US-Bundesstaat North Carolina eine mindestens 2.624 Jahre alte Sumpfzypresse entdeckt. Die Pflanze ist damit der älteste lebende Baum im östlichen Nordamerika – und der älteste bekannte Feuchtgebietsbaum der Welt. Ihre Jahresringe sollen den Forscher nun auch Hinweise auf das vergangene Klima in der Region liefern.

scinexx

Bäume sind ein wichtiger Teil der Pflanzenwelt und gehören zu den ältesten Lebewesen auf unserem Planeten. Manche Arten können ein enormes Alter von mehreren tausend Jahren erreichen, weil sie immer wieder neu aus einem Wurzelstock austreiben. Dies ist zum Beispiel bei einer 9.560 Jahre alten Fichte in Schweden der Fall.

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Netanyahu braucht eine starke Hamas

„Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ Screenshot: bb
Während diese Woche in Israel Raketen aufschlugen, muss sich Binyamin Netanyahu der Schwierigkeit stellen, dass er in einer Konfrontation mit der Hamas nur verlieren kann.

Jacques Ungar | tachles.ch

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In einem knapp 48-stündigen Waffengang zwischen Israel und Hamas sowie Islamischem Jihad aus dem Gazastreifen feuerten palästinensische Terroristen Anfang Woche 698 Raketen gegen Israel ab. 240 Mal trat das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome erfolgreich in Aktion. Auf der Soll-Seite dieser Milchmädchenrechnung stehen vier israelische Tote, 234 teils schwer Verwundete sowie 350 IDF-Angriffe auf Terrorziele im Gazastreifen. Die Palästinenser vermeldeten auf ihrer Seite 30 Opfer und 154 Verletzte.

Für Aussenstehende – und das sind die meisten, wenn es um die Ergebnisse militärischer Auseinandersetzungen mit israelischer Beteiligung geht – erscheinen die wiederkehrenden Konfrontationen zwischen Israel und den palästinensischen Terrorverbänden wie immer «vertrauter» werdende Abläufe. Umso deutlicher lassen sich jedes Mal auch die Fragen nach dem Zweck solchen Unterfangens vernehmen, oder viel eher nach dem richtigen beziehungsweise falschen Zeitpunkt für dessen militärische Beendigung.

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Missbrauch kann nicht nur kirchenintern geklärt werden

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Justizministerin Barley hat die Kirchen aufgefordert, Straftaten im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen bei den Staatsanwaltschaften anzuzeigen. Doch bislang gibt es in solchen Fällen keine allgemeine Anzeigepflicht.

evangelisch.de

Nach der Veröffentlichung des Papst-Dekrets zur Einrichtung interner Meldestellen für Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche dringen Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Bundesjustizministerin Katarina Barley (beide SPD) auf eine bessere Zusammenarbeit der Kirchen mit den Strafverfolgungsbehörden. Dass die katholische Kirche das Thema angehe, sei zwar ein guter Schritt, sagte ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums am Freitag in Berlin. Die Frage nach sexuellem Kindesmissbrauch sei aber nichts, „was innerhalb einer Organisation geklärt werden kann“.

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Umfrage: Mehrheit der Katalanen gegen Unabhängigkeit der Region

Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren sind in Katalonien mehr Bürger für einen Verbleib der Region in Spanien als dagegen.

Neue Zürcher Zeitung

Eine im Zuge der spanischen Parlamentswahl vom 28. April veröffentlichte Umfrage des katalanischen Meinungsforschungszentrums CEO ergab, dass 48,6 Prozent der Befragten derzeit Katalonien nicht als eigenen Staat sehen möchte, 47,2 Prozent sprachen sich hingegen für eine Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens aus. Das letzte Mal, dass die Abspaltungsgegner in der Mehrheit waren, sei im Juni 2017 gewesen, berichtete die Zeitung «La Vanguardia» am Freitag.

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Biesinger: Bischöfe müssen sofort handeln – sonst ist es zu spät

Bild: © KNA (Archivbild)
Die Proteste von Frauen und die neue Studie zum Schrumpfen der Kirchen seien wie ein letzter Alarmruf, warnt Religionspädagoge Albert Biesinger. Ohne sofortige kirchliche Reformen gingen viele Gläubige für immer verloren.

katholisch.de

Der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger hat die katholischen Bischöfe zu sofortigen Reformen aufgerufen. „Die Proteste von Frauen und die neue Studie zum Schrumpfen der Kirchen sind ein letzter Alarmruf“, sagte er am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Freiburg. „Wenn sich jetzt nichts Grundlegendes verändert, werden sich noch mehr Menschen von den christlichen Kirchen abwenden und für immer für die christliche Botschaft verloren sein.“

Biesinger hält zwei Schritte für entscheidend: erstens die Weihe von Frauen zu Diakoninnen, zweitens die Weihe von verheirateten Männern in Zivilberufen zu Priestern. Nur so könne ein neues Netz religiösen Lebens entstehen. „Frauen sind die Stützen des kirchlichen Lebens. Wenn wir ihre Kränkung fortsetzen und sie weiterhin vom Weiheamt ausschließen, wird das katastrophale Folgen haben“, so der Theologe.

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