Das Stichwort: Niemand weiss, woher das Wort «Mutter» eigentlich kommt. Aber zur Mutterliebe hat Aristoteles einiges zu sagen


Niemand liebt einen so wie eine Mutter, sagt man. Und Aristoteles würde dem zustimmen. Die Liebe der Mütter zu ihren Kindern, sagt er, ist wahrscheinlich grösser als die der Väter. (Bild: Alecsandra Dragoi / Reuters)
Lieben Mütter ihre Kinder mehr als Väter? Aristoteles hat eine entschiedene Antwort auf die Frage geliefert. Und er nennt gleich mehrere Gründe für seine Überzeugung.

Klaus Bartels | Neue Zürcher Zeitung

Von einer Wortgeschichte der «Mutter» kann kaum die Rede sein: Aus einer uralten, von Indien bis Europa bezeugten Muttersprache ist das Wort gleicherweise in die vielen «indoeuropäischen» Tochtersprachen eingegangen. Im Altindischen heisst die Mutter matar, im Griechischen méter, mit zwei langen, offenen e-Lauten, im Lateinischen mater, im Althochdeutschen muoter, danach in den romanischen und germanischen Enkelsprachen madre, mère und mother. Ganz fern am äussersten Horizont hat die Sprachwissenschaft das sogenannte Lallwort ma, verdoppelt mama, als die Mutter aller «Mütter» ausgemacht.

Warum Mütter mehr lieben

Zur nächsten Nachkommenschaft gehören die «Metropolen», die «Mutterstädte», die in frühgriechischer Zeit ihre vielen Tochterstädte an ferne Mittelmeer- und Schwarzmeerküsten aussandten und in neuerer Zeit in Paris der «Métro», in New York der «Metropolitan Opera» und in Zürich dem Haus «Metropol» den Namen gaben. Dem väterlichen «Patriarchat» hat sich ein lateinisch-griechisches «Matriarchat» gegenübergestellt, und schliesslich wäre hier noch die «Alma mater», die akademische «Nährmutter», mit ihrem Matrikelregister zu verzeichnen, an der sich die Studenten «immatrikulieren» und «exmatrikulieren», sozusagen sich «einmuttern» und «ausmuttern».

weiterlesen