Die Neue Rechte und die Christen— Fürchtet euch!


1000 Kreuze in Berlin 2008/Quelle: Brights Berlin
Die Autorin Liane Bednarz erklärt bei einem Vortrag im Thoma-Haus sachkundig, wie die Neue Rechte systematisch christliche Kreise unterwandert – und dafür gezielt gegen „Abtreibung, Genderwahn und Islamisierung“ hetzt

Von Anna-Elisa Jakob | Süddeutsche Zeitung

Liane Bednarz nennt sich selbst sehr konservativ, kirchlich, fromm, Abtreibung lehnt sie strikt ab. In ihrem Alltag spricht sie mit Menschen, die sich auf christliche Werte berufen, um gegen Migration, Homosexualität und Gender Mainstreaming kämpfen – Anhänger der Neuen Rechten. Unter ihnen Politiker, Journalisten und Kirchenvertreter. Auf Einladung des Kreisjugendrings und des Runden Tisch gegen Rassismus ist die 45-jährige Autorin von Hamburg nach Dachau gereist, um ihre Erfahrungen zu teilen, zu debattieren und auch zu warnen.

Der Vortrag, den Liane Bednarz am Mittwochabend im Ludwig-Thoma-Haus hält, ist wissenschaftlich unterfüttert, kein Punkt bleibt ohne Quellenangabe und genauer Erklärung. Das entspricht der Strategie, mit der Bednarz der Neuen Rechten entgegentritt: „Wenn man gut vorbereitet ist, kann man Widersprüche aufzeigen“, so ihr Credo. Die Konfrontation lohnt sich, davon ist sie überzeugt, es ist ein Grundgedanke ihrer Arbeit. In ihrem eigenen Umfeld habe sie seit dem Jahr 2013 beobachtet, wie sich konservativ-christliche Menschen einer neuen Rhetorik bedienten, die sie aufmerksam werden ließ. Bednarz schrieb zunächst vor allem Kommentare auf Facebook, recherchierte und hielt aktiv dagegen. Später, von Medien und Verlegern angesprochen, veröffentlichte sie zuletzt das Buch „Die Angstprediger – Wie rechte Christen Kirchen und Gesellschaft unterwandern“. Mittlerweile hat sie nicht nur miterlebt, wie sich ein ehemaliger Freund „turboradikalisierte“, sondern diese Rhetorik genauer definiert: Die Rhetorik der Neuen Rechten baut darauf auf, politisch Andersdenkende zu diffamieren und abzuwerten. „Die liberale und repräsentative Demokratie, die wir hier in Deutschland eindeutig haben, wird als Quasi-Diktatur diffamiert“, ergänzt Bednarz. Zum Beispiel mit Begriffen wie „Kanzlerdiktaktorin“, der Bezeichnung der etablierten Parteien als „Blockparteien“, der Medien als „Lügenpresse“. Die Vertreter der Neuen Rechten seien an sich keine Rechtsextremisten, definiert Bednarz, bezeichneten sich als konservativ, bewegten sich in den Grenzen des Legalen.

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