Was die Impfmuffel aufs Spiel setzen

Wer aus Nachlässigkeit, Zeitmangel, Desinteresse und fahrlässiger Unaufgeklärtheit Impftermine verstreichen lässt, trägt Mitschuld an der gesundheitlichen Misere. Bild: dpa
Die eigene Entfaltung zählt für Impfgegner mehr als die Solidarität mit Schwächeren. Statt ständig um die persönliche Freiheit zu fürchten, sollten die Menschen lieber eine andere Frage an die Gesundheitspolitik stellen.

Von Lucia Schmidt | Frankfurter Allgemeine Zeitung

In der Debatte über eine Zunahme von Maserninfektionen, eine sinkende Impfquote und den gerade von Gesundheitsminister Jens Spahn vorgelegten Gesetzesentwurf zur Masernimpfpflicht fällt immer wieder der Begriff Impfmüdigkeit. Die Deutschen seien „impfmüde“, heißt es dann gerne. Damit soll kurz und prägnant erklärt werden, was auch wissenschaftliche Untersuchungen nahelegen. Zur Wiederkehr fast ausgerottet geglaubter Erkrankungen tragen nicht nur überzeugte Impfgegner bei – die machen laut Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter den Eltern nur rund zwei Prozent aus. Die größere Schuld an dieser gesundheitlichen Misere tragen diejenigen, die aus Nachlässigkeit, Zeitmangel, Desinteresse und fahrlässiger Unaufgeklärtheit Impftermine und -aufforderungen verstreichen lassen.

Ein solches Verhalten, eine solche Haltung kann sich nur leisten, wer, wie die Deutschen, in einem reichen Staat mit einem hohen Maß an gesundheitlicher Sicherheit und Versorgung lebt. Impfmüdigkeit ist Begleiterscheinung einer Gesellschaft, in der die eigene Entfaltung mehr zählt als Solidarität und Fürsorge für den Nächsten und den Schwächeren. Impfmüde kann nur werden, wer fälschlicherweise den Respekt vor tödlichen Infektionskrankheiten verloren hat und sich selbst für unverwundbar hält. Impfmüde zu sein bedeutet aber auch, Errungenschaften der modernen Medizin aufs Spiel zu setzen.

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Lasst Gott aus dem Spiel

Helmut Ortner: EXIT – Warum wir weniger Religion brauchen Eine Abrechnung Mit Essays von Hamel Abdel-Samad, Constanze Kleis u.a. Nomen Verlag, 360 S., 24 Euro, erscheint am 15. Mai. © Nomen Verlag
Im Buch „Exit“ befassen sich Helmut Ortner und andere Autorinnen und Autoren mit der Frage, warum die Welt weniger Religion braucht – und der Glaube Privatsache sein sollte. Ein Auszug.

Frankfurter Rundschau

Unser Land darf weiterhin auf göttlichen Beistand hoffen. Ein überwiegend christliches Kabinett setzte auch im März 2018 im Berliner Reichstag auf gewohnte Dramaturgie: zwölf Bundesministerinnen und -minister beendeten ihren Amtseid mit der Formel „So wahr mir Gott helfe“. In den Niederungen der Realpolitik mag eine Dosis göttlicher Eingebung mitunter durchaus hilfreich sein, doch möglich ist es den Ministerinnen und Ministern auch, ihren Eid „ohne religiöse Beteuerung“ zu leisten. Sie sagen dann nur: „Ich schwöre es!“ Drei der neuen Minister nutzten die Formel ohne religiöse Beteuerung: Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Bundesjustizministerin Bärbel Barley und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (alle SPD). Schon Kanzler Gerhard Schröder hatte einst auf das religiöse Beiwerk verzichtet, ebenso wie sein grüner Außenminister Joschka Fischer und Umweltminister Jürgen Trittin. Die moralischen Grundwerte des rot-grünen Abendlandes gerieten – trotz leicht atheistischer Einfärbung – nicht in ernsthafte Gefahr. Immerhin.

Auch ohne Gottesschwur: Gott mischt kräftig mit in der deutschen Politik. In den Parlamenten, den Parteien, den Institutionen. „Dabei wird so getan, als hätte er ein ganz natürliches Anrecht darauf, als gehörte er zur politischen Grundausstattung, zum politischen Personal der Bundesrepublik, zur deutschen Demokratie“, konstatiert Dirk Kurbjuweit.

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Kopftuchverbot: Ausschussfeststellung „überhaupt nicht verbindlich“

Symbolbild: Schülerin mit Kopftuch im Sportunterricht – imago (Siegfried Kuttig)
Zu dem Initiativantrag der Koalition gibt es eine Ausschussfeststellung, wonach Kippa oder Patka nicht vom Verbot betroffen sind. Verfassungsjurist Öhlinger nennt das überflüssig.

Die Presse.com

Der Nationalrat beschließt am Donnerstag ein Kopftuchverbot in Österreichs Volksschulen. Zu dem Initiativantrag der Koalition gibt es eine Ausschussfeststellung, wonach etwa die jüdische Kippa oder die Patka der Sikhs nicht vom Verbot betroffen sei. Verfassungsjurist Theo Öhlinger hält dies für überhaupt nicht verbindlich, aber auch für überflüssig, wie er am Mittwoch sagte.

Eine Ausschussfestlegung sei eine Auslegungshilfe, wenn das betreffende Gericht das wolle. „Wenn es nicht will, ignoriert es das“, so Öhlinger. In der Festlegung heißt es wörtlich, dass nur jene Art von Bekleidung gemeint sei, „die das gesamte Haupthaar oder große Teile dessen verhüllt“. Patka und Kippa fielen daher nicht unter diese Regelung. Eine Gleichsetzung von Kopftuch und Kippa sieht Öhlinger aber ohnehin nicht gegeben, denn ersteres sei „Ausdruck von Diskriminierung“ der Mädchen, wogegen die Kippa ein religiöser Brauch sei.

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OPCW: Wurde ein Bericht von Inspektoren über den Giftgasangriff in Duma unterdrückt?

Der Chlorgas-Kanister auf dem Bett. Bild: Screenshot
Ein angeblicher vertraulicher Bericht eines technischen OPCW-Teams hält es für wahrscheinlich, dass die Gaskanister platziert und nicht von Flugzeugen abgeworfen wurden

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Am 7. April 2018 soll sich nach Berichten der Weißhelme, die, finanziert vornehmlich von Großbritannien und den USA, auffälligerweise nur in den von „Rebellen“ und dschihadistischen Gruppen kontrollierten Regionen tätig sind, und der mit diesen verbundenen Syrian American Medical Society (SAMS) und des Violations Documentation Center ein Angriff mit chemischen Waffen in Douma (Duma) ereignet haben (Das lässt aufhorchen: Angeblicher Chemiewaffenangriff in Ost-Ghouta). Hubschrauber sollen sie abgeworfen haben. Markant blieben im Gedächtnis die Bilder von vielen Toten, von mit Wasser abgespritzten Kindern mit Sauerstoffmasken und einem Zylinder mit Giftgas hängen, der das Dach eines Hauses durchschlagen und auf ein Bett gefallen sein soll.

Damals hatten in den anderen Teilen von Ost-Ghuta die islamistischen Gruppen Faylaq al-Rahman und Ahrar al-Sham mit Damaskus und Moskau vor dem drohenden Angriff eine Evakuierung vereinbart. Die Gruppe Jaysh al-Islam, die Duma kontrollierte, wollte hingegen nicht abziehen. Am Tag vor dem auslaufenden Ultimatum geschah dann der Angriff mit dem Giftgas, dann verließen auch Jaysh al-Islam mit Kämpfern und Familien über den Korridor Duma Richtung Idlib oder Afrin.

Im Westen waren sich die meisten Regierungen und Medien einig und schnell bei der Hand mit der Schuldzuweisung. Ohne mehr als die Aussagen und Bilder der Weißhelme zu kennen, war es für sie klar, dass es sich um einen Angriff der syrischen Truppen gehandelt habe. Assad und Moskau wurden verantwortlich gemacht. US-Präsident Donald Trump ließ, sekundiert von Briten und Franzosen, am 14. April, obgleich die OPCW-Inspektoren bereits in Damaskus waren, einige Orte in Syrien bombardieren, die Teile des angeblich noch nicht beendeten Giftgasprogramms sein sollten. Damit konnte man dann auch noch unterstellen, dass Syrien die Chemiewaffenkonvention, der es 2013 beigetreten ist, verletzt haben soll, weil nicht alle Chemiewaffen zerstört worden seien.

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Tropen: Jagddruck gefährdet Säugetiere

In der Hälfte der tropischen Wälder stehen Säugetiere unter Jagddruck. © Ruth Archer/ pixabay
Tierwelt unter Druck: Viele Säugetiere in den Tropen sind durch menschliche Jagdaktivitäten bedroht. Wie eine Studie zeigt, stehen die Populationen in rund der Hälfte der tropischen Wälder unter erheblichem Jagddruck – sogar in geschützten und auf den ersten Blick noch intakten Gebieten. Langfristig drohen dadurch nicht nur empfindliche Folgen für die Tierwelt, warnen die Forscher.

scinexx

Ob zur Holzgewinnung oder um Platz für Siedlungen oder große Monokulturen zu schaffen: Die Abholzung der tropischen Regenwälder ist schlecht für das Klima und nimmt vielen Tieren den Lebensraum. Doch selbst in auf den ersten Blick noch intakten Waldgebieten ist die Tierwelt zunehmend bedroht. Denn viele Spezies werden dort im großen Stil bejagt – oftmals auch illegal.

Wie sehr dieser Jagddruck die Fauna gefährdet, hat jüngst eine Studie von Ana Benitez-Lopez von der Radboud-Universität im niederländischen Nijmegen und ihren Kollegen offenbart. Demnach gingen die Vogelpopulationen in einigen bejagten Wäldern um 58 Prozent zurück, die Säugetierzahlen sogar um 83 Prozent. Wie sehr aber wirkt sich die Bejagung insgesamt auf die Säugetierwelt in den Tropen aus?

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Amerikanische Senatoren legen Gesetz gegen Nord Stream 2 vor

Spezielle Schiffe verlegen gerade die neue Gasleitung durch die Ostsee. Bild: AP
Die amerikanische Regierung will verhindern, dass Deutschland die neue Gasleitung nach Russland fertig baut. Politiker in Washington arbeiten nun an einem Gesetz, das es in sich hat.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Im amerikanischen Kongress machen mehrere Senatoren mobil gegen die im Bau befindliche neue Ostsee-Gasleitung Nord Stream 2. Sie schlugen am Dienstag ein Gesetz vor zur Verhängung von Reise- und Finanzsanktionen gegen Unternehmen und Einzelpersonen, die an dem Bau der Pipeline beteiligt sind.

Bis das von den Republikanern Ted Cruz, John Barrasso und Tom Cotton sowie der Demokratin Jeanne Shaheen eingebrachte Gesetz in Kraft treten kann, dauert indes noch. Zunächst müsste es von beiden Kammern angenommen und dann vom Präsidenten Donald Trump unterzeichnet werden.

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Forscher entwickeln programmiertes Ablaufdatum für Genveränderungen

Verfahren kann etwa künstliche Unfruchtbarkeitsgene von Malariamücken mit einem vorprogrammierten Stopp ausstatten

derStandard.at

Mit sogenannten „Gene Drives“ können etwa Unfruchtbarkeitsgene in Moskitos gebracht werden, die Malaria verbreiten, um die Krankheit zu bekämpfen. Der Nachteil einer solchen Maßnahme wäre, dass sich solche kritischen Gene unkontrolliert verbreiten würden. Durch eine Befehlskette, bei der einzelne Glieder nacheinander verschwinden, wäre die Wirksamkeit aber zeitlich und lokal beschränkbar, schlägt ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachblatt „Pnas“ eine Alternative vor.

Genetische Serienschaltung

Derartige „Gene Drives“, also Genantriebe, sorgen dafür, dass sich eine beliebige Erbgutsequenz mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 in der ganzen Population ausbreitet, wie im Labor bei Experimenten mit Hefezellen, Fruchtfliegen und zwei Stechmückenarten gezeigt wurde.

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Anwalt verklagt Regierung: Deutsche IS-Kinder sollen zurückgeholt werden

Bild: nationalreview.com
Dutzende Deutsche IS-Anhänger und ihre Kinder werden nahe der syrisch-irakischen Grenze gefangen gehalten. Nach Recherchen von NDR, WDR und SZ verklagt ein Anwalt die Bundesregierung auf Rückholung von zwei deutschen Mädchen.

Von Britta von der Heide, Volkmar Kabisch, Georg Mascolo. Amir Musawy | tagesschau.de

Im Lager Al-Haul an der syrisch-irakischen Grenze werden 76.000 Menschen gefangen gehalten, darunter eine große Zahl ehemaliger Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), meist Frauen und Kindern. Niemand weiß, was aus ihnen werden soll.

Nur eine schmale Straße führt in das Lager, schon aus der Ferne ist der große Wasserturm zu erkennen. Dicht an dicht stehen Tausende Zelte, die Hilfsorganisationen eilig errichtet haben. Geheimdienstler aus aller Welt gehen in Al-Haul ein und aus. Auch der Bundesnachrichtendienst war schon vor Ort, um ehemalige IS-Angehörige zu befragen.

Katastrophale Zustände im Lager

Die Zustände in dem Lager seien „entsetzlich“, verkündete gerade das Rote Kreuz. In Teilen des Camps sollen inzwischen radikale IS-Anhängerinnen eine Art islamistische Sittenpolizei eingerichtet haben. Es gibt Berichte über angezündete Zelte von vermeintlich abtrünnigen Muslimen.

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Warum starben Australiens große Raubtiere aus?

Während Beutellöwe und Beutelwolf ausgestorben sind, hat der „Tasmanische Teufel“ überlebt. Eine bösartige Krebserkrankung macht ihm seit längerem zu schaffen. Bild: dapd
Beutellöwe, Beutelwolf und Beutelteufel bevölkerten einst große Teile Australiens. Ihr Schicksal zeigt, wie die Fleischfresser einst auf dem Kontinent Fuß fassten und untergingen. Eine Spurensuche.

Von Diemut Klärner | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Familie der Beutellöwen zählte einst zu Australiens Säugetierfauna. Wie ihr Gebiss verrät, waren ihre Urahnen wohl Vegetarier, die aus unbekannten Gründen Geschmack an Fleisch gefunden hatten. Fast so groß wie ein Löwe, präsentierte sich der Beutellöwe des Pleistozäns – mit wissenschaftlichem Namen Thylacoleo carnifex – als letzter und stattlichster Vertreter dieser karnivoren Beuteltiere.

Als vor etwa 60.000 Jahren erstmals Menschen nach Australien kamen, streifte er dort noch zahlreich umher. Doch schon bevor das Eiszeitalter zu Ende ging, ist er vor etwa 40.000 Jahren ausgestorben. Damals gab es keine heftigen Klimaschwankungen, die als Ursache in Frage kämen.

Wie viele Kollegen halten deshalb auch Wissenschaftler um Christopher Sandom von der Universität Aarhus für plausibel, dass ambitionierte Jäger ihre Hände im Spiel hatten. Welche Rolle dabei indirekte Effekte wie die Dezimierung von Beutetieren und gezielt gelegte Brände spielten, bleibt eine offene Frage.

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Diakonie Neuendettelsau: Wie tief verstrickt die Verantwortlichen wirklich waren

NS-„Euthanasie“ bei der Diakonie Neuendettelsau: Laut Forschern sind viele Fragen bei der Aufarbeitung noch offen.Die Diakonie Neuendettelsau hat 1991 mit dem Buch „Warum sie sterben mussten“ ihre Verstrickung in die „Euthanasie“-Verbrechen der Nazis aufgearbeitet. Später hat sie die Zeit bis 1955 in einem zweiten Buch beleuchtet. Doch es gibt immer noch Fragen.

Vanessa Hartmann | evangelisch.de

Es war ein Erdbeben, das die Diakonie Neuendettelsau Anfang der 1990er Jahre auslöste. Als erste diakonische Anstalt in Bayern hatte das Sozialwerk seine Verstrickung in die „Euthanasie“-Morde der Nazis von zwei unabhängigen Wissenschaftlern untersuchen lassen. Bundesweit interessierten sich Medien dafür. „Das war für die Öffentlichkeit sehr erschütternd: Es kann doch nicht sein, dass eine kirchliche Einrichtung keinen Deut besser war als eine staatliche“, erinnert sich Hans-Ludwig Siemen, einer der Autoren. In mehreren Deportationen waren 1940/41 mehr als 1.200 Bewohner der Diakonissenanstalt in staatliche Heil- und Pflegeanstalten verlegt worden, mindestens zwei Drittel starben.

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“Das ist Medienmanipulation” – DJV verlangt von Bayer Aufarbeitung in Sachen Journalisten-Listen

Bayer AG Logo
PR-Agenturen, die im Auftrag von Bayer/Monsanto gearbeitet haben, sollen in Frankreich und eventuell auch in Deutschland und anderen EU-Staaten Journalisten systematisch erfasst und in Listen eingeteilt haben. Der DJV fordert nun eine transparente Aufarbeitung des Skandals.

MEEDIA

Im Jahr 2016 haben PR-Agenturen, die im Auftrag des US-Saatgutkonzerns Monsanto gearbeitet haben, offenbar Listen von Journalisten, Politikern und Aktivisten geführt. Die Personen wurden danach eingeteilt, ob sie Monsanto gegenüber positiv oder negativ eingestellt sind. Bislang ist dieses Vorgehen für Frankreich bekannt, wo die Staatsanwaltschaft mittlerweile ermittelt. Bayer hat Monsanto 2018 übernommen und damit nicht nur den Ärger rund um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat geerbt, sondern nun auch noch den Skandal rund um eine mögliche Beeinflussung und Manipulation der Öffentlichkeit am Hals.

Der Skandal um die Listen wurde vergangenes Wochenende bekannt. Bayer hat sich dafür bereits entschuldigt und volle Aufklärung versprochen. Die Geschäftsbeziehung mit der PR-Agentur Fleishman Hillard, die für Monsanto gearbeitet hat und unter deren Ägide die Listen angelegt wurden, wurde auf Eis gelegt.

Der Deutsche Journalisten-Verband verurteilt unterdessen die systematische Erfassung von Journalisten durch Monsanto und verlangt vom Mutterkonzern Bayer eine transparente Aufarbeitung. “Informationen über Journalisten zu sammeln und die Medienvertreter nach ihrer vermeintlichen Beeinflussbarkeit zu kategorisieren, ist absolut inakzeptabel”, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. “Das hat mit Pressearbeit nichts zu tun, das ist Medienmanipulation.“

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EuGH: Kriminelle Flüchtlinge dürfen mitunter nicht abgeschoben werden

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Auch schwer straffällig gewordene Flüchtlinge dürfen nach einem Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) unter Umständen nicht abgeschoben werden.

Neue Zürcher Zeitung

Der Entzug oder die Verweigerung des Asylrechts nach EU-Recht beeinträchtige nicht den Anspruch auf Schutz durch die Genfer Flüchtlingskonvention und die EU-Grundrechte, urteilten die Luxemburger Richter am Dienstag.

Hintergrund sind die Klagen dreier Asylbewerber, denen Belgien beziehungsweise Tschechien die Anerkennung verwehrten, nachdem sie wegen besonders schwerer Straftaten verurteilt worden waren. Der EuGH sollte klären, ob der Entzug des Flüchtlingsstatus‘ nach EU-Regeln mit dem Genfer Abkommen und den Grundrechten der EU vereinbar ist.

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US-Polizei dringt in venezolanische Botschaft in Washington vor

Polizei dringt gewaltsam in die Botschaft vor. Bild: Partnership for Civil Justice Fund
Beamte wollen Übergabe an Gegenbotschafter erzwingen. Oppositionsvertreter will US-Militärs treffen

Harald Neuber | TELEPOLIS

Nachdem in Venezuela Parlamentspräsident Juan Guaidó mit einem erneuten Umsturzversuch gescheitert ist (Juan Guaidó scheitert mit Putschversuch in Venezuela) ist, gehen seine Anhänger vor allem in den USA zunehmend aggressiv gegen Vertreter der Regierung und deren Unterstützer vor. Dabei erhalten sie Rückendeckung von der US-Regierung, die international für eine Regime-Change in dem südamerikanischen Land wirbt.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte Guaidó umgehend als Staatspräsident anerkannt, nachdem dieser sich Ende Januar selbst ernannt hatte. Angesichts ihres bisherigen Scheiterns plädieren Vertreter der venezolanischen Opposition um Guaidó nun immer offener für ein militärisches Eingreifen der USA (Guaidó verliert weiter Rückhalt und spielt wieder mit einer Intervention).

Die Eskalation zeigt sich dieser Tage vor der venezolanischen Botschaft in Washington. Das Gebäude wird von dem Vertreter Guaidós, Carlos Vecchio, beansprucht. Die US-Regierung hat den Oppositionellen als Botschafter des selbsternannten Übergangspräsidenten anerkannt. Das Problem: Präsident Maduro ist weiterhin im Amt und weigert sich, die Botschaft aufzugeben. Hilfe bekamen die von Maduro entsandten Diplomaten von US-Aktivisten, die die Räume der venezolanischen Botschaft in Washington besetzten, um eine Übernahme durch die Gegendiplomaten zu verhindern.

Nach Medienberichten verschaffte sich die Washingtoner Metropolitan Police am gestrigen Montag gewaltsam Zugang zu der venezolanischen Botschaft, indem sie mehrere Schlösser aufbrach. Dort überreichten die Beamten den Aktivisten, die sich seit Mitte April im Gebäude befinden, ein Räumungsdokument ohne Unterschrift. Die Polizisten zogen sich danach wieder zurück und die Aktivisten blieben in dem Gebäude. „Die Demonstranten innerhalb und außerhalb des Gebäudes kritisierten die Aktion als Verstoß gegen die Wiener Vereinbarung (über diplomatische Beziehungen)“, schrieb der lateinamerikanische Nachrichtensender Telesur, der im Venezuela-Konflikt eine regierungsnahe Position einnimmt.

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Christen und Juden kritisieren Wahlplakat als volksverhetzend—“Verstoß gegen Völkerverständigung“

Ein rechtsextremer Demonstrant steht zwischen Deutschlandfahnen. © Caroline Seidel (dpa)
Ein Wahlplakat der Partei „Die Rechte“ erzürnt Mitglieder der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Das Plakat mit der Aufschrift „Israel ist unser Unglück“ sei volksverhetzend und störe den Religionsfrieden im Land.

DOMRADIO.DE

Die Bonner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) hat das auch in Bonn zu sehende Wahlplakat der Partei „Die Rechte“ zur Europawahl als volksverhetzend kritisiert. Das Plakat mit dem Text „Israel ist unser Unglück“ bediene sich des Vokabulars antisemitischer Hetze des 19. Jahrhunderts und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, erklärte die Gesellschaft am Dienstag.

Gemeinsam mit dem Bonner Stadtdechanten Wolfgang Picken und Superintendent Eckart Wüster appelliert sie an die Strafverfolgungsbehörden und die Stadt Bonn, die Verbreitung der Plakate strafrechtlich zu ahnden beziehungsweise Strafanzeige zu stellen.

Plakat stört Religionsfrieden im Land

Die Aussage des Plakats sei nicht vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt, erklärte die GCJZ. Die Aussage diene heute wie damals der Volksverhetzung und sei geeignet, den Religionsfrieden im Land zu stören. Die Aussage sei auch gegen die erklärte Staatsräson der Solidarität Deutschlands mit dem Staat Israel gerichtet.

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Der Urvogel war nicht allein: Forscher finden einen bisher unbekannten Verwandten

Der fossile Flügel, der in Kalkablagerungen aus der Periode des Juras gefunden wurde, gehört zu einer bisher unbekannten Vogelart. (Bild: O. Rauhut, LMU/SNSB)
Archaeopteryx gilt als das berühmte Bindeglied zwischen Reptilien und Vögeln. Ein nun beschriebener zweiter Urvogel lebte in der gleichen Zeit, war aber in der Entwicklung schon weiter.

Sven Titz | Neue Zürcher Zeitung

Seit seiner Entdeckung im Jahr 1861 gilt der Archaeopteryx als der Urvogel schlechthin. Er lebte vor ungefähr 150 Millionen Jahren, in der Periode des Juras, und wird als Übergangsform zwischen den Reptilien und den Vögeln angesehen. Jetzt aber haben Forscher aus Deutschland und der Schweiz im Fachjournal «eLife» einen zweiten Urvogel dokumentiert. Zwar liegt von Alcmonavis poeschli, wie die Fachleute den Vogel getauft haben, nur ein Flügel vor. Doch der reicht womöglich aus, um der Diskussion über die Evolution der Vögel und des Vogelflugs neue Impulse zu geben.

Der Fund stammt aus einem Steinbruch am Schaudiberg bei Mörnsheim im bayrischen Altmühltal. Beschrieben haben den zweiten Urvogel Wissenschafter um Oliver Rauhut von der Ludwig-Maximilians-Universität München. «Wir hatten erst angenommen, dass auch dieses Exemplar ein Archaeopteryx ist», sagte Rauhut gemäss einer Pressemitteilung. Es seien Ähnlichkeiten da, aber seine fossilen Reste liessen vermuten, dass es sich um einen etwas höher entwickelten Vogel handle.

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Wegen Missbrauchsskandal: Denkmal von Johannes Paul II. verhüllt

Foto: Jan Egesborg/Surrend Johannes Paul II. und die Sexualmoral der katholischen Kirche stehen hier in der Kritik. Das Werk ist eine Auftragsarbeit für das Karikatur-Museum in Kassel
Die Kirche in Polen hat ein Denkmal des heiligen Papstes Johannes Paul II. bis auf Weiteres verhüllt. Der Grund dafür ist ein neuer Dokumentarfilm auf YouTube über sexuellen Missbrauch durch Priester.

katholisch.de

Als Reaktion auf einen Dokumentarfilm über sexuellen Kindesmissbrauch durch Geistliche hat die katholische Kirche in Polen ein Papstdenkmal vollständig verhüllt. Das Denkmal im westpolnischen Wallfahrtsort Lichen stellt Papst Johannes Paul II. (1978-2005) dar, wie er von einem knienden Priester, der in dem Film des Missbrauchs beschuldigt wird, ein Modell der dortigen Basilika erhält. Über das Schicksal des Denkmals werde in naher Zukunft entschieden, teilte die zuständige polnische Provinz des Männerordens der Marianer von der unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria (MIC) am Dienstag auf Twitter mit.

Bereits am Sonntagabend hatte der Orden bekanntgegeben, Pfarrer Eugeniusz Makulski (91) seien wegen seiner Vergehen sämtliche pastoralen Tätigkeiten untersagt worden.

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