Was die Impfmuffel aufs Spiel setzen


Wer aus Nachlässigkeit, Zeitmangel, Desinteresse und fahrlässiger Unaufgeklärtheit Impftermine verstreichen lässt, trägt Mitschuld an der gesundheitlichen Misere. Bild: dpa
Die eigene Entfaltung zählt für Impfgegner mehr als die Solidarität mit Schwächeren. Statt ständig um die persönliche Freiheit zu fürchten, sollten die Menschen lieber eine andere Frage an die Gesundheitspolitik stellen.

Von Lucia Schmidt | Frankfurter Allgemeine Zeitung

In der Debatte über eine Zunahme von Maserninfektionen, eine sinkende Impfquote und den gerade von Gesundheitsminister Jens Spahn vorgelegten Gesetzesentwurf zur Masernimpfpflicht fällt immer wieder der Begriff Impfmüdigkeit. Die Deutschen seien „impfmüde“, heißt es dann gerne. Damit soll kurz und prägnant erklärt werden, was auch wissenschaftliche Untersuchungen nahelegen. Zur Wiederkehr fast ausgerottet geglaubter Erkrankungen tragen nicht nur überzeugte Impfgegner bei – die machen laut Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter den Eltern nur rund zwei Prozent aus. Die größere Schuld an dieser gesundheitlichen Misere tragen diejenigen, die aus Nachlässigkeit, Zeitmangel, Desinteresse und fahrlässiger Unaufgeklärtheit Impftermine und -aufforderungen verstreichen lassen.

Ein solches Verhalten, eine solche Haltung kann sich nur leisten, wer, wie die Deutschen, in einem reichen Staat mit einem hohen Maß an gesundheitlicher Sicherheit und Versorgung lebt. Impfmüdigkeit ist Begleiterscheinung einer Gesellschaft, in der die eigene Entfaltung mehr zählt als Solidarität und Fürsorge für den Nächsten und den Schwächeren. Impfmüde kann nur werden, wer fälschlicherweise den Respekt vor tödlichen Infektionskrankheiten verloren hat und sich selbst für unverwundbar hält. Impfmüde zu sein bedeutet aber auch, Errungenschaften der modernen Medizin aufs Spiel zu setzen.

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1 Comment

  1. Die Impfmüden brauchen bei uns keine Sorge tragen insoweit die Krankenversicherung vorhanden ist, dass hohe Kosten auf diese zu kommen.
    In anderen Ländern könnte es vermutlich einige Tausend Scheine kosten.
    Durch eine Pflicht wächst jedoch auch der sowieso schon vorhandene Widerstand gegen die Impfungen. Diverse Foren und Gruppen auf Facebook, Blogs, Anti Impf-Videos, Filme etc. tun ihr übriges, um weiterhin dahingehend zu „Impfen“ sich gegen Impfungen auszusprechen.
    Es „könnten“ viele Krankheiten nicht erst wieder auf dem Vormarsch sein wäre die Ignoranz zu diesem Thema nicht da.
    Pharmakonzerne verdienen sich am Ende nur Reich, weil gerade die Kinder oder Erwachsenen sich nicht impfen lassen. Der Impfmüde wird daher von allen finanziell mit finanziert.
    Auf Dauer wird in dieser Sache auch das Jugendamt wohl intensiver involviert sein auch, wenn bisherige Kapazitäten nicht gewährleistet werden können. (Eine reine Vermutung meinerseits). 😉

    Liken

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