Religionsmonitor: Grenzen der Glaubensfreiheit


Die Europäer verhalten sich zur Religion insgesamt recht tolerant – außer bei einem Thema.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche Zeitung

Wie hältst du’s mit der Religionsfreiheit? Anlässlich des 70. Grundgesetz-Geburtstags haben die Macher des Bertelsmann-Religionsmonitors das im Februar die Menschen in Deutschland gefragt, außerdem in Österreich und der Schweiz, in Frankreich, Großbritannien und der Türkei. Die Antwort lautet: Insgesamt steht es sehr gut in Europa um die Freiheit, seinen Glauben zu leben oder unbehelligt von einem Glauben zu bleiben. Ein paar bemerkenswerte Entwicklungen aber gibt es doch. Und schwierig kann es werden, wenn einem der Glaube oder Nichtglaube des anderen nahe kommt, weil der in die Familie einheiraten möchte.

„Jeder sollte die Freiheit haben, seinen Glauben zu wechseln“ – dieser Satz findet bei fast allen Befragten Zustimmung. Nur in der Türkei liegt die Quote mit 73 Prozent deutlich niedriger als in den anderen Ländern. In diesen Ländern befürworten jedoch fast alle Muslime das Recht auf Religionswechsel; von 88 Prozent in Frankreich bis zu 96 Prozent in der Schweiz. Für die Soziologin und Islamwissenschaftlerin Yasemin El Menouar, die das Projekt leitet, ist dies ein Beleg dafür, „dass sich die Werte und Einstellungen der muslimischen Einwanderer zunehmend denen der Gesamtgesellschaft annähern.“ Muslime fänden „eigenständige, pragmatische Wege, ihren Glauben mit dem Leben in einer mehrheitlich nichtmuslimischen Gesellschaft in Einklang zu bringen.“

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