Afrikas Geiersterben bedroht die Menschen

foto: beckie garbett via ap Charles Darwin nannte sie „widerliche Biester“, doch sie sind ziemlich nützlich: Geier.
Geier ernähren sich von Aas. Damit sorgen sie dafür, dass sich Anthrax oder Tuberkulose nicht noch weiter verbreiten

Johannes Dieterich | derStandard.at

Sie gelten als Vorboten und als Wegweiser des Todes: Doch nun droht ihnen selbst der Exitus. Fachleute sprechen von einem beispiellosen Geiersterben vor allem in Afrika – mit verheerenden Folgen für die Umwelt und nicht zuletzt für ihren größten Feind, den Menschen.

Naturschützer trafen sich kürzlich in der nigerianischen Hafenstadt Lagos, um die Alarmglocken zu läuten: Sollten die Aasfresser tatsächlich aussterben, muss nach den Worten Muktari Aminu-Kanos, des Generaldirektors der Nigerianischen Naturschutz-Stiftung (NCF), mit wachsenden Seuchengefahren, mit vermehrten Krankheiten und Todesfällen auch unter Menschen gerechnet werden.

Wichtige Funktion

Die Riesenvögel mit dem noch größeren Reputationsproblem – schon Charles Darwin nannte sie „widerliche Biester“ – übernehmen in der freien Wildbahn eine wichtige Funktion: Sie sorgen dafür, dass verstorbene Lebewesen nicht weiter vergammeln und gefährliche Erreger wie Anthrax, Tuberkulose oder Tollwut in die Natur abgeben.

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Das System braucht den Krieg, um noch funktionsfähig zu sein

Bild: DoD
Der permanente Krieg könnte der Hauptgrund für die seit Jahren zu beobachtende mediale Formierung sein

Ulrich Teusch | TELEPOLIS

In einer idealen Welt wäre Politik gleichbedeutend mit Friedenspolitik. Politiker würden alles in ihrer Macht und Kraft stehende tun, um den äußeren und inneren Frieden zu sichern. Den äußeren Frieden durch Diplomatie, Respekt vor dem Völkerrecht, Vertragstreue, Multilateralismus, Institutionenbildung, Friedenserziehung, Abrüstung und Rüstungskontrolle, vertrauensbildende Maßnahmen, Austausch von Menschen und Ideen, Entwicklungshilfe, Interessenausgleich. Den inneren Frieden durch größtmögliche Liberalität und Toleranz, Offenheit der Diskurse, demokratische Mitsprache und Mitbestimmung, rechts- und sozialstaatliche Sicherheit, Verteilungs- und Chancengerechtigkeit.

Doch wir leben nicht in einer idealen Welt. Wir sind – global betrachtet – von Friedenszuständen im Äußeren wie im Inneren weit entfernt und entfernen uns immer mehr.

Der Krieg zwischen der NATO und Russland hat schon begonnen. Noch fliegen uns zwar keine Raketen um die Ohren, aber wir befinden uns mitten in einem Wirtschaftskrieg, einem Cyberkrieg, einem hybriden Krieg, einem Propagandakrieg – auch einem Krieg mit militärischen Provokationen oder „Nadelstichen“. Dort, wo man sich unmittelbar gegenübersteht, etwa in Syrien, bedarf es eines erheblichen Koordinationsaufwands (und manchmal auch beachtlicher Nervenstärke), um den direkten Konflikt und dessen Eskalation zu vermeiden.

Die Grenzlinien zwischen Kriegs- und Friedenszuständen werden immer poröser. Folgt man einem weitgefassten Kriegsverständnis, dann ist Krieg inzwischen zu einem Normalzustand geworden. Die westliche Führungsmacht führt seit 2001 permanent Krieg. Die politisch Verantwortlichen des Landes bezeichnen ihn als Generationenkrieg, langen Krieg, unendlichen Krieg. Krieg ist für die USA zum natürlichen Zustand geworden, zum Way of Life, zur Raison d’être. Das System braucht den Krieg, um noch funktionsfähig zu sein. Es ist einer „Kriegssucht“ (Philip Giraldi) verfallen.

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Zentralrat der Muslime kritisiert Debatte um Kopftuchverbot

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Der Zentralrat der Muslime hat das erneute Aufflammen einer Debatte um ein Kopftuchverbot in Deutschland kritisiert.

ZEIT ONLINE

Er finde es absurd, dass eine solche Diskussion «gefühlt zum tausendsten Mal» geführt werde – meist vor Wahlen, sagte dessen Präsident Aiman Mazyek im rbb-Inforadio. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, nenne es absurd, dass Mädchen Kopftuch tragen, und die meisten Muslime sähen das auch so. Es gäbe kein Kopftuchgebot für Schulkinder. Mazyek sprach von Fällen im «Promillebereich», die Schulen und Familien regeln könnten.

UNHCR fordert „dringend“ Aufnahme weiterer Migranten

Männer in einem Auffanglager für Flüchtlinge in Libyen Quelle: picture alliance/dpa
Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen kritisiert die Situation für Migranten in Libyen. Durch neue Kampfhandlungen in dem Bürgerkriegsland habe sich die Lage noch einmal verschärft.

Von Christoph Schiltz | DIE WELT

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat die Europäische Union mit Nachdruck dazu aufgerufen, dabei mitzuhelfen, die Situationen in den libyschen Haftlagern zu verbessern und zugleich einen Rücktransport von Migranten in diese Lager zu verhindern. „Menschen, die von der libyschen Küstenwache im Mittelmeer gerettet werden, sollten auf keinen Fall wieder in die Haftlager in Libyen zurückgebracht werden. Es muss jede politische Einflussmöglichkeit – auch seitens der EU – genutzt werden, um das Leid in den Lagern zu beenden“, sagte der Leiter des UNHCR in Deutschland, Dominik Bartsch, WELT AM SONNTAG.

Die Lage der Flüchtlinge und Migranten haben sich durch die Kampfhandlungen in Libyen noch einmal zugespitzt, so Bartsch: „Die humanitäre Situation der Menschen in den Lagern ist verheerend. Es fehlen Nahrung, Wasser und viele brauchen dringend medizinische Hilfe. Hinzu kommt, dass die Haftlager in der Hauptstadt Tripolis ins Kreuzfeuer der bewaffneten Gruppen geraten.“

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Der unheimliche Tag, an dem die Welt beinahe unterging

So sahen Zeitgenossen den „Dark Day“ 1780 Quelle: Archiv
Am 19. Mai 1780 wurde es dunkel in Neuengland. Bunte Wolken zogen über Massachusetts. Tiere flohen, Menschen fürchteten sich vor der Apokalypse. Bis heute ist das Phänomen nicht abschließend geklärt.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

Es war gegen 10.30 Uhr, als Nathan Read am Harvard College in Cambridge (Massachusetts) eine beängstigende Beobachtung machte. „Eine ungewöhnliche Dunkelheit kam auf und breitete sich ziemlich schnell aus.“ Eine halbe Stunde später war Reads Dozent „Mr. Wigglesworth nicht mehr in der Lage, die Bibel am Fenster zu lesen“. Um 12.21 Uhr fügte er hinzu: „Mr. W. kann Kolumnentitel einer großen Bibel nicht lesen. – Kerzen müssen angezündet werden.“ Und um 12.45 Uhr musste Read feststellen, dass er die Zeiger einer Uhr mit hellem Hintergrund nicht mehr erkennen konnte, obwohl der Raum über drei Fenster verfügte.

Der 19. Mai 1780 ist als Dark Day in die Geschichte Neuenglands eingegangen. In Massachusetts, New Hampshire und Maine verschwand binnen weniger Minuten das Tageslicht und machte einer Dunkelheit Platz, die viele Menschen in Panik versetzte. Beherzte Zeugen wie Professor Samuel Williams vom Harvard College machten sich umgehend daran, das unheimliche Phänomen zu dokumentieren. Danach war die Dunkelheit noch in der Stadt New York und in New Jersey zu sehen, während sie weder in Philadelphia oder in Pennsylvania bemerkt wurde. Die Suche nach den Ursachen dauert bis heute an.

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Radioaktive Geheimnisse über Europa

llustration: Carsten Feig/FAZ
Im Herbst 2017 zog ei­ne rät­sel­haf­te ra­dio­ak­ti­ve Wol­ke über den Kon­ti­nent. Ge­fähr­lich war sie nicht, doch die Su­che nach ih­rer Quel­le ver­lor sich in Russ­land.

Von Piotr Heller | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Tag der Deut­schen Ein­heit 2017 war kein ge­wöhn­li­cher Fei­er­tag für Flo­ri­an Ge­ring. Der Lei­ter des Fach­ge­biets „Ra­dio­lo­gi­sches La­ge­bild“ am Bun­des­amt für Strah­len­schutz (BfS) er­in­nert sich, noch im Bett ge­le­gen zu ha­ben, als ge­gen acht Uhr mor­gens das Te­le­fon klin­gel­te. Sein Vor­ge­setz­ter Mat­thi­as Zäh­rin­ger war dran. Der lei­tet die Ab­tei­lung Not­fall­schutz am BfS. Am Vor­abend, al­so am 2. Ok­to­ber 2017, hat­ten ihn E-Mails aus For­scher­krei­sen er­reicht: Über Eu­ro­pa ist das ra­dio­ak­ti­ve Iso­top Ru­the­ni­um-106 nach­ge­wie­sen wor­den.

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Missing Link: Predictive Policing – die Kunst, Verbrechen vorherzusagen

(Bild: dpa, Silas Stein)
In ersten Untersuchungen wird die Wirksamkeit vorausschauender Polizeiarbeit geprüft. Was bringt Predictive Policing? Und welche Daten werden dafür genutzt?

Von Ulrike Heitmüller | heise online

Ein Verbrechen geschieht. Kurz darauf ein Zweites, ähnliches, ganz in der Nähe. Die Polizei will die Verbrechen aufklären und hat dabei drei Ziele: Erstens, herauszufinden ob diese beiden Verbrechen möglicherweise den Anfang einer Serie bilden. Zweitens, wenn es nach einer Serie aussieht, zukünftige Verbrechen zu verhindern. Drittens, die Verbrechen aufzuklären und den Täter zu verhaften. Tja, und wie geht sie nun vor?

Dieses Vorgehen ist seit ein paar Jahren im Umbruch. Die Polizeiarbeit hat vielerorts den Sonntagabend-Tatort hinter sich gelassen, bei dem man Netzwerke noch auf Flipcharts dargestellt und Tatorte und Fluchtwege mit Stecknadeln auf Karten gepinnt hat. Sie wird aber wohl auch nie so weit sein, dass sie wie in Philip K. Dicks „Minority Report“ Präkogs einsetzt, die einen Mord vorhersehen, so dass die Polizei den potentiellen Mörder vor dem Mord verhaftet.

Wo aber steht die Polizei denn nun? Klar ist: Immer mehr Polizeibehörden nutzen „Predictive Policing“, im Allgemeinen übersetzt als „vorausschauende Polizeiarbeit“. In Deutschland funktioniert das meistens so, dass die Polizei einen Algorithmus nutzt, der Statistiken analysiert und wahrscheinliche zukünftige Tatorte und Tatzeiten nennt. Hat sie diese Einschätzung, reagiert sie, indem beispielsweise mehr Beamte zu der prognostizierten Zeit und an dem prognostizierten Ort Streife gehen. Eingesetzt wird Predictive Policing in Deutschland hauptsächlich für Serieneinbrüche, weil Serieneinbrecher sich erfahrungsgemäß einen gewissen Modus Operandi angewöhnen und gern in der Nähe eines Ortes wieder einbrechen, an dem sie schon einmal Erfolg hatten.

Das klingt gut, aber ich sehe offene Fragen. Vor allem diese drei:

  • Erstens: Um solche Algorithmen zu erstellen, braucht man Daten. Was sind das für Daten, und was geschieht mit ihnen?
  • Zweitens: Noch gibt es kaum Auswertungen. Aber bislang sieht es so aus, als ob Predictive Policing, so wie es in Deutschland angewendet wird, die Kriminalität kaum senkt. Wird es ausgeweitet, damit man seine Wirkung sieht? Wenn ja: wie?
  • Drittens: Predictive Policing ist ein wachsender Markt – wie gestalten Politik und Gesellschaft die Entwicklung und Nutzung?

In den 1990er Jahren entwickelte der New Yorker Polizeikommissar William Bratton das Statistikprogramm CompStat. Im Jahr 1994 führte das New York Police Department es ein als System zur Datenerfassung und -auswertung, und nach und nach wurde es von den meisten US-Polizeiabteilungen übernommen. Im Jahr 2002 zog Bratton nach Kalifornien und dort, im Los Angeles Police Department, entwickelte er auf der Basis von CompStat das erste Predictive-Policing-Modell, eigentlich als Rechercheprojekt des LAPD und der Uni Kalifornien. So entstand PredPol, das Predictive-Policing-System, das heute international am weitesten verbreitet ist. In den folgenden Jahren arbeiteten Polizeibehörden in immer mehr Staaten mit solchen Modellen.

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Deutscher Verfassungsschutz spricht Österreich Misstrauen aus

Chef des Verfassungsschutz in Deutschland sieht „erhebliche Risiken in der Zusammenarbeit“ mit Österreich

derStandard.at

Wie die „Welt am Sonntag“ berichtet, sieht der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Thomas Haldenwang, erhebliche Risiken in der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit mit Österreich. Entsprechende Äußerungen sollen in der vergangenen Woche im Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) des Deutschen Bundestages gefallen sein. Ob ein Zusammenhang mit den aufgekommenen Ibiza-Videos besteht, ist damit unklar.

Hintergrund sei laut „Welt“ jedenfalls die Annahme, dass Österreich geheime Informationen, die es von Partnerländern wie Deutschland erhalte, missbräuchlich verwenden und womöglich an Russland weiterleiten könnte.

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Manager bestätigt: Böhmermann kannte Strache-Video

Satiriker Jan Böhmermann – imago/STPP
Der deutsche Satiriker hatte bereits im April bei der Verleihung der Romy-Akademiepreise in einer Video-Botschaft Andeutungen zu dem Fall gemacht.

Die Presse.com

Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann hat das Video mit heimlichen Aufnahmen des nun zurückgetretenen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache (FPÖ) bereits vor Wochen gekannt. Das bestätigte sein Manager Peter Burtz am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Burtz dementierte aber, dass die Aufnahmen Böhmermann angeboten worden seien. Da sie ihm nicht angeboten worden seien, habe er sie auch nicht abgelehnt. Woher Böhmermann die Aufnahmen kannte, wisse er nicht, sagte Burtz.

Böhmermann hatte bereits im April bei der Verleihung der Romy-Akademiepreise in einer Video-Botschaft Andeutungen zu dem Fall gemacht. Den Preis könne er nicht persönlich abholen, weil er „gerade ziemlich zugekokst und Red-Bull-betankt mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchen-Villa auf Ibiza rumhänge“, hatte Böhmermann gesagt.

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Ultima Thule gibt erste Geheimnisse preis

Eines der ersten Bilder von Ultima Thule, aufgenommen am 1. Januar 2019 © NASA/ Johns Hopkins University/ Southwest Research Institute
Erkenntnisreicher Besuch: Forscher haben erste Daten des Vorbeiflugs der Raumsonde „New Horizons“ an Ultima Thule ausgewertet. Ihre Analysen bestätigen, dass der Himmelskörper im Außenbereich unseres Sonnensystems eine flache, zweigeteilte Struktur besitzt. Zudem identifizierte das Team Einschlagskrater und Eis auf seiner Oberfläche. Begleiter wie Monde scheint Ultima Thule nicht zu besitzen – ebenso wenig wie eine Atmosphäre.

scinexx

Die NASA-Raumsonde „New Horizons“ flog Anfang des Jahres erstmals an Ultima Thule im sogenannten Kuipergürtel vorbei – einem Himmelskörper, der rund 6,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt liegt und damit am Rand unseres Sonnensystems. Das Objekt ist der am weitesten entfernte Himmelskörper im Sonnensystem, der jemals von einer Raumsonde aus der Nähe untersucht wurde und ist für Astronomen von besonderem Interesse.

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Wegen des Namens: Kardinal Woelki distanziert sich brüsk von „Maria 2.0“

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Zum Abschluss des einwöchigen Kirchenstreiks von Katholikinnen für mehr Frauenrechte unter dem Motto „Maria 2.0“ hat sich Kardinal Rainer Woelki brüsk von der Aktion und ihren Anliegen distanziert.

Von Joachim Frank | Kölner Stadt-Anzeiger

Im Marienwallfahrtsort Hennef-Bödingen (Rhein-Sieg-Kreis) wandte er sich gegen eine – missbräuchliche – Verwendung des Namens der Gottesmutter zur Durchsetzung kirchenpolitischer Forderungen.

An Orten wie Bödingen sei dagegen das Original, die wahre Maria, anzutreffen. „Hier begegnen wir einer Maria, die nicht irgendwelche Wahrheiten verkündet“, sagte der Erzbischof in seiner Predigt. „Hier begegnen wir einer Frau, die steht für die überzeitlichen Wahrheiten; für die Wahrheiten, die wesentlich für unser Leben sind, weil sie entscheidend sind für das Heil unserer Seele.“

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Die Linke ist zu blöd für ihre eigene Theorie geworden

Thomas Metscher. Bild: Mangroven-Verlag
Der Philosoph Thomas Metscher über den Marxismus als Philosophie, Teil 1

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Das hätte man bereits bei Hegel lernen können: Eine gegnerische Position kritisiert man am wirkungsvollsten nicht, indem man den Kontrahenten moralisch denunziert, seine Argumentation verkürzt und verkleinert und anschließend mit der moralischen Fliegenpatsche draufhaut, sondern im Gegenteil, indem man ihn voll zur Kenntnis nimmt, um daraus die eigene Gegenposition zu entwickeln. Man muss sich in den Umkreis der Stärke dessen stellen, was man kritisiert, man muss den Gegner voll begriffen haben, ihn richtig stark machen, um dann nach seinen blinden Flecken forschen.

Von außen kritisieren kann der Volldepp auch. Leider hat sich bei der Linken Letzteres durchgesetzt. So lässt sich bis auf wenige Ausnahmen auch für die sich marxistisch verstehende Linke konstatieren: Die Linke ist zu blöd für ihre eigene Theorie geworden. Einen Ausweg aus diesem absoluten Degenerationsfiasko präsentiert der Philosoph Thomas Metscher mit seinem Buch „Integrativer Marxismus“.

Herr Metscher – Sie haben Ihr Buch „Integrativer Marxismus“ genannt. Was hat es damit auf sich?
Thomas Metscher: Die Grundhypothese des vorliegenden Buchs ist von der Vermutung getragen, dass der Marxismus noch über unausgelotete Möglichkeiten der Entwicklung verfügt, die ihn befähigen, in der Zukunft erneut eine weltgestaltende Rolle zu spielen. Er wird dies freilich nicht in jeder beliebigen, sondern allein in einer gegenüber den heute gängigen Marxismen veränderten Gestalt tun können. Zudem ist nicht von oben herab zu deklarieren, wie die „neue“ Gestalt des Marxismus verfasst sein soll, vielmehr ist dies argumentativ zu erkunden. Solche Erkundungen versucht das vorliegende Buch zu leisten. In diesem Sinn stellen sie Überlegungen zum Marxismus – seiner Restauration, seiner Weiterentwicklung, seiner zukünftigen Gestalt – zur Diskussion.

Der Begriff des Integrativen zeigt die Richtlinie der vorgenommenen Erkundung an. Mit dem Begriff ist keine neue Form des Marxismus gemeint – an Marxismen haben wir schon übergenug -, vielmehr will er, in Erinnerung an die Klassiker, das Gemeinsame der oft sektenförmig zerstrittenen Marxismusformen in Erinnerung rufen. Dieses Gemeinsame, die Kernkategorie des von Marx und Engels begründeten „neuen“ Materialismus, ist die Dialektik – und ihr zugeordnet die Geschichte. Das Eine ist ohne das Andere nicht zu denken, beide stehen in dialektischer Relation. Es gibt keine Geschichte, die nicht durch Gegensätze strukturiert wäre (der Klassenkampf ist ein solcher Gegensatz) – wie es keine Dialektik gibt, die nicht auf die eine oder andere Art geschichtlich wäre: Teil eines prozessualen Geschehens.

Wenn, nach Wittgenstein, die Welt alles ist, „was der Fall ist“, das heißt „die Gesamtheit der Tatsachen“, so ist alles, was der Fall ist, dialektisch verfasst und kann in dieser Dialektik auch nur dialektisch erfasst werden. Die Tatsachen selbst sind werdend-gewordene, dialektisch-prozessual. In diesem Sinn ist Dialektik eine Seins-Kategorie, zugleich aber ist sie eine Kategorie der Methode, also des Verfahrens, Seinsverhältnisse theoretisch zu erfassen.

Dialektik ist, mit Lenin4 , Weg des Denkens und Bewegung des Seins, eine zugleich logische und ontologische Kategorie. Hinzugefügt sei, dass hier die logisch-methodologische und die ontologische Kategorie – Subjekt und Objekt – selbst ein dialektisches Verhältnis bilden. Für uns (den menschlichen Geist) gibt es keine Welt ohne Subjekt, wie es ohne Welt kein Subjekt gibt. Subjekt und Objekt bilden eine dialektische Relation. Welt als menschliche ist nur als vielschichtig vermittelte prozessuale Subjekt-Objekt-Struktur. Es ist dies die Grundstruktur eines vielschichtigen In-der-Welt-Seins, und diese Struktur gilt für den Raum wie sie für die Zeit gilt. Menschliches Dasein ist Sein in der Zeit wie es Sein im Raum ist- diese Einsicht gilt unterscheidet die marxistische Humanontologie von jeder existentialen.

Kirche am Tagebau Hambach wird profaniert: Stummer Protest geplant

St. Albanus und Leonhardus in Manheim © Wikimedia Commons/gemeinfrei
Die katholische Kirche St. Albanus und Leonhardus in Kerpen-Manheim wird profaniert, da sie sich im Abbaugebiet des Braunkohletagebaus befindet. Klimabündnisse wollen mit stillen Aktionen dagegen protestieren.

DOMRADIO.DE

Im Rheinischen Revier wird an diesem Samstag die nächste Kirche für einen Tagebau entweiht. In der katholischen Kirche St. Albanus und Leonhardus in Kerpen-Manheim soll bei der letzten Heiligen Messe nach Kirchenangaben ein Schreiben vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki verlesen werden, mit dem die Kirche außer Dienst gestellt und dann nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt wird.

Abriss nach Umsiedlung

Der Kirchenbau und das Dorf Manheim, in dem bis Ende 2011 noch 1700 Menschen lebten, soll nach Ende der Umsiedlung in wenigen Jahren für den Tagebau Hambach abgerissen werden. Nach der Empfehlung der Kohlekommission, bis 2038 aus der Kohleverstromung auszusteigen, gibt es Forderungen, Kirchen und Dörfer zu erhalten.

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«Kunstformen der Natur»: Ausstellung über Ernst Haeckel

„Desmonema annasethe“. Die Tentakel hatten Haeckel an die Haare seiner Frau erinnert. Ernst Haeckel. Scan: Ragesoss. Cleanup: Ilmari Karonen. – Kunstformen der Natur (1904), plate 8: Discomedusae. PD
Schwungvolle Quallen-Tentakel und schillernde Seeanemonen: Eine neue Ausstellung gibt einen Überblick über das kreative Schaffen von Ernst Haeckel. Von Samstag an sind in der Kunstsammlung Jena rund 50 Zeichnungen und 30 Druckgrafiken des Biologen zu sehen.

DIE WELT

Haeckel (1834-1919) baute Ideen von Charles Darwin zu einer speziellen Abstammungslehre aus. Eine Reihe wissenschaftlicher Begriffe wie etwa «Ökologie» gehen auf ihn zurück. In Jena arbeitete er als Professor für Zoologie. Haeckel war aber nicht nur Forscher, sondern auch Künstler – die Zeichnungen seiner Tier- und Pflanzenwelt sind bis heute populär.

Lebewesen – meist aus dem Meer – werden in seinen detailverliebten Zeichnungen zu ornamentalen Kunstwerken.

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Migrationsexperte: Integration bedeutet auch mehr Konflikte

Die Integration von Migranten bedeutet nach Auffassung des Soziologen Aladin El-Mafaalani auch eine Zunahme von Verteilungskonflikten. „Integration bedeutet, dass sich mehr Menschen an einen Tisch setzen“, sagte El-Mafaalani, Abteilungsleiter im NRW-Integrationsministerium, am Freitagabend auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Villigst in Schwerte.

evangelisch.de

Wenn der zu verteilende Kuchen nicht größer werde, seien die Folge programmiert: „Es gibt mehr Konflikte.“ Dies sei jedoch nicht nur negativ zu beurteilen. „Konflikte haben eine wichtige Funktion für den sozialen Frieden.“

Die Entwicklung der zurückliegenden 30 Jahren zeige eindeutig, dass die deutsche Gesellschaft offener geworden sei. Am deutlichsten werde das bei der Rolle der Frauen in der Gesellschaft, die die höheren Bildungsabschlüsse und besseren Examina als Männer vorweisen könnten. Nur beim Erreichen von Spitzenstellungen in Wirtschaft oder Politik sowie bei der Entlohnung seien sie weiterhin benachteiligt. Auch andere Gruppen wie die Zuwanderer, Homosexuelle, Behinderte fänden heute mehr Gehör.

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