Sitz von Angsterinnerungen identifiziert

In welchem Teil des Gehirns werden Angsterinnerungen abgebildet? © pixologicstudio/ thinkstock
Emotionaler Gedächtnisinhalt: Forscher haben Strukturen im Gehirn identifiziert, die für das Erinnern von Angst zuständig sind. Demnach spielen offenbar bestimmte Oxytocin-produzierende Neuronen im Hypothalamus eine besondere Rolle dabei. Bestätigt sich dieser Zusammenhang, könnten sich daraus neue Behandlungsansätze für Menschen mit krankhaften Angstzuständen ergeben.

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Emotionale Erlebnisse brennen sich besonders stark ins Gedächtnis ein. Das gilt nicht nur für schöne Situationen wie eine Hochzeit, sondern auch für traumatische Erfahrungen – beispielsweise einen Unfall. Dieser gedächtnisfördernde Effekt von starken Gefühlen ist biologisch durchaus sinnvoll. So prägen sich auf diese Weise etwa vergangene Gefahrensituationen besser ein und wir vermeiden sie in Zukunft eher.

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„Qatar Papers“: Muslimbruderschaftsunterstützung in Europa

Das Emirat Qatar unterstützt die weltweiten Netzwerke der islamistischen Muslimbruderschaft durch offizielle und quasi-offizielle Organisationen wie die humanitäre und entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation Qatar Charity oder die Qatar Foundation.

Dr. Friedmann Eißler | EZW

In Europa sollen über 140 Moscheen und Einrichtungen beachtliche finanzielle Zuwendungen erhalten, weltweit sind es über 8000. Die französischen Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot (France Inter und Le Figaro) präsentieren in ihrem neuen Buch „Qatar Papers“ ihre investigativen Recherchen, die sie in einem Dutzend französischer Städte und weiteren sechs europäischen Ländern durchgeführt haben.

Auf knapp 300 Seiten werden finanzielle Details der Aktivitäten des Golfstaats in Europa beleuchtet, vertrauliche Dokumente erstmals veröffentlicht, Geschäftsbeziehungen transparent, Verflechtungen analysiert. In erster Linie stehen französische Projekte, aber auch die Schweiz, Italien, der Balkan oder London im Fokus. Eines der 14 Kapitel ist dem Institut Européen des Sciences Humaines (IESH) nahe Château-Chinon gewidmet, einer der Muslimbruderschaft nahestehenden Kaderschmiede, die mit dem gleichnamigen Europäischen Institut für Humanwissenschaften (EIHW) in Frankfurt am Main und weiteren Einrichtungen aus Frankreich und England in einem europäischen Institutsverbund steht.

Für Deutschland werden (nur) sechs Projekte genannt, von denen bislang vier in die Tat umgesetzt worden seien. Ausführlich wird der Penzberger Imam Benjamin Idriz vorgestellt, der für die Finanzierung des Projekts Münchner Forum für Islam (MFI) mehrfach mit Qatar Charity verhandelt hat. (Die Verhandlungen führten nicht zum Ziel, das Projekt Großmoschee in München ist ins Stocken geraten.) Die Berliner Dar Al-Salam Moschee (Neuköllner Begegnungsstätte, NBS) erhielt den Recherchen zufolge von Qatar Charity für die „Umwandlung einer [neuapostolischen; F. E.] Kirche in eine Moschee“ 400 000 von 750 000 Euro Projektkosten. Für eine Moschee in Dinslaken wurden 300 000 von 400 000 Euro bereitgestellt. Ein „Islamisches Zentrum Berlin“ wird ebenfalls genannt, das vollständig (4,4 Mio. Euro) gesponsert worden sei, wobei die Zuordnung zu einer konkreten Berliner Moschee nicht vorgenommen wird.

Eine interessante Facette bietet der vollständig abgedruckte Projektantrag der Mainzer Al-Nur-Moschee (Arab Nil-Rhein Verein), in dem der Verein 2,5 Millionen Euro für den Aufbau eines islamischen Gymnasiums beantragt. Der Arab Nil-Rhein Verein gehörte mit dem erwähnten Europäischen Institut für Humanwissenschaften und über 40 weiteren Mitgliedern dem Deutsch-Islamischen Vereinsverband Rhein-Main (DIV) an, dem eine erhebliche extremistische Beeinflussung mit Bezügen zur Muslimbruderschaft bescheinigt wurde und der sich schließlich im Oktober 2018 auflöste. Der DIV war Mitglied im Zentralrat der Muslime in Deutschland. Ganz aktuell war der Arab Nil-Rhein Verein in die Schlagzeilen geraten, da ihm in zwei Gutachten Beziehungen zum Salafismus und zur Muslimbruderschaft vorgeworfen worden waren und er deshalb seinen „Al Nur Kindergarten“, die erste und einzige islamische Kita in Rheinland-Pfalz, bis Ende April schließen musste. Früher hatte es schon Ärger um Auftritte von Predigern aus dem salafitisch-wahhabitischen Spektrum in der Moschee gegeben, im Herbst 2018 wurde bekannt, dass der Verein offenbar jahrelang mit der von dem kanadischen Salafiten Abu Ameena Bilal Philips in Qatar gegründeten Islamic Online University kooperierte.

In dieses Bild passt der Projektantrag (ca. 2015) des Vereinsvorsitzenden Samy El Hagrasy und seiner Ehefrau Britta Iman Haberl, die die Leiterin des Kindergartens war. Es gebe bis auf eine Grundschule in Berlin keine islamische Schule in Deutschland und somit keine Möglichkeit, muslimische Kinder gemäß den islamischen Prinzipien ordentlich zu erziehen. Muslimische Kinder lebten in den westlichen Gesellschaften sehr gefährlich und seien in deutschen Schulen gravierend benachteiligt, vor allem Mädchen mit Kopftuch. Sie seien dem unmoralischen Verhalten der Mitschüler und der Lehrer ausgesetzt. Eine islamische Schule werde dringend gebraucht, da eine moralische Erziehung der Kinder und die Möglichkeit der Geschlechtertrennung fehlten.

Auch Tariq Ramadan kommt in den „Qatar Papers“ vor. Anscheinend hat er 35 000 Euro monatlich von Qatar erhalten, wo er seit etwa zehn Jahren in verschiedenen Funktionen tätig ist (bzw. war, Ramadan war aufgrund des Vorwurfs sexueller Übergriffe Anfang 2018 in Untersuchungshaft gekommen). Seit 2012 stand er dem Center for Islamic Legislation and Ethics (CILE) an der Universität in Doha vor.
Unabhängig von den Untersuchungen der Franzosen kam das Berliner „House of One“ in die Kritik, da es von der Qatar Foundation International finanziell unterstützt wird. Seit November 2018 würden ein Jahr lang mit einem Betrag im niedrigen sechsstelligen Bereich sechs Teilzeitstellen im Bildungsbereich finanziert, hieß es: je zwei christliche, jüdische und muslimische Pädagogen, zwei der Pädagogen erteilten auch Arabischunterricht an der Evangelischen Schule in Berlin-Mitte. Das House-of-One gab an, dass es vor dem Hintergrund der Spenden eine potenzielle Einflussnahme der Qatar Foundation International kritisch geprüft habe, aber keine Anhaltspunkte für Indoktrinierungsversuche feststellen könne.

Der Vorwurf, Qatar unterstütze die Muslimbruderschaft, spielt in den diplomatischen Auseinandersetzungen des Emirats mit den regionalen Nachbarn eine wichtige Rolle. Qatar ist nicht nur der Wohnsitz des „inoffiziellen Chefideologen“ der Muslimbruderschaft, Yusuf al-Qaradawi, sondern auch des palästinensischen Hamasführers Khaled Mashal.

Arab News: ‘Qatar Papers’ book reveals Doha’s lavish funding for Muslim Brotherhood in Europe

BZ: Umstrittene Katar-Stiftung finanziert Lehrer in Berlin

Der Tagesspiegel: Berlins Innensenator will mit Muslimbruderschaft kooperieren

Schwindet die biologische Vielfalt, hat der Mensch ein Problem

Wiesen, auf denen viele verschiedene Arten auf wenigen Quadratmetern existieren, sind in unseren Breitengraden selten geworden. (Bild: Goran Basic / NZZ)
Der neue Weltbiodiversitätsbericht macht klar: Wenn sich unser Umgang mit der Natur nicht ändert, werden auch wir zu den Leidtragenden gehören. Erste Auswirkungen zeigen sich schon jetzt.

Stephanie Kusma | Neue Zürcher Zeitung

Der Mensch lebt von der Natur. Das mag sich nicht so anfühlen, wenn man in einem warmen Zimmer am Schreibtisch sitzt, sich weitgehend unabhängig vom Wetter fortbewegen kann, im Supermarkt einkauft und es mehr Event-Charakter hat, Früchte im Sommer selbst zu pflücken, als dass es der Nahrungssuche ähnelt. Doch trotzdem ist es so: Selbst in den am stärksten verarbeiteten Nahrungsmitteln steckt Natur – und sei es nur das Wasser in einer Limonade. Die meisten Möbel bestehen aus Holz, und einen grossen Teil unserer Kleidung verdanken wir Pflanzen oder Tieren, zum Beispiel der Baumwolle, dem Lein, den Seidenraupen oder Kaschmirziegen. Selbst der Sauerstoff, den wir atmen, wurde von Pflanzen produziert.

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Temperatur und Stromstärke: Für wichtige Masseinheiten gelten seit Montag neue Definitionen

Das Ur-Kilogramm in Paris hatte ein wenig an Gewicht verloren. Auch darum mussten neue Definitionen her. (Bild: Japs 88 / CC BY-SA 3.0)
Kleine Unstimmigkeiten bei der Grösse von Kilogramm, Kelvin und Ampere spielten für den Alltag keine Rolle, wohl aber für die Wissenschaft. Darum hat ein internationales Büro die Masseinheiten jetzt präziser festgelegt.

Neue Zürcher Zeitung

Adieu Ur-Kilo: Seit Montag hat der alte Metallzylinder, der 130 Jahre lang als Mass aller Kilos galt, ausgedient. Für das Internationale Einheitensystem für physikalische Grössen gelten nun andere Messmethoden. Auch für die Einheiten für Temperatur (Kelvin), Stromstärke (Ampere) und Stoffmenge (Mol) gibt es neue Masse. Die alte Basis für diese physikalischen Grössen war für die neue Welt des präzisen Messens einfach zu ungenau.

Die Wissenschaft vom Messen ist die Metrologie. Bisher massen alle Metrologie-Institute weltweit ihre nationalen Kilo-Prototypen an «Le Grand K» («das Grosse K»), einem Zylinder aus 90 Prozent Platin und zehn Prozent Iridium, der unter dem Schutz von drei Glasglocken beim Internationalen Büro für Masse und Gewichte (BIPM) bei Paris aufbewahrt wird. Doch irgendwann mussten die Wissenschafter feststellen, dass das Ur-Kilo sein Gewicht nicht hielt.

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Konstantin von Notz: „Fahren mit dem deutschen Staatskirchenrecht sehr gut“

Konstantin von Notz, Religionspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag © von-notz.de, Foto: Stephan Pramme
Das Grundgesetz wird in diesem Jahr 70 Jahre alt und mit ihm die Bestimmungen, die das Verhältnis von Staat und Kirche regeln. Der religionspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Konstantin von Notz, erklärt im Gespräch, wie sich die Regelungen bewährt haben, wie der Islam besser integriert werden kann und wie er es persönlich mit der Religion hält.

Von Corinna Buschow | MiGAZIN

Das Grundgesetz wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Die darin enthaltenen Bestimmungen für Religionsgemeinschaften wurden aus der Weimarer Reichsverfassung von 1919 übernommen. Es gilt der Grundsatz, dass die Religionen ihre Angelegenheiten selbst regeln. Ist das noch zeitgemäß?

Konstantin von Notz: Ich glaube, dass sich das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften als verfassungsrechtlicher Status bewährt. Gerade dieses kooperative, nicht hart laizistische Verhältnis ist gut. Es lässt den Kirchen Freiraum, sie gleichzeitig aber auch nicht aus der Verantwortung. Wenn ich mich in der Welt umgucke, finde ich, wir fahren mit dem deutschen Staatskirchenrecht sehr gut.

Es gibt immer wieder Forderungen nach einer stärkeren Trennung von Staat und Kirche. Was ist der Nachteil von Laizismus?

Konstantin von Notz: Bei der strikten Trennung von Kirche und Staat werden beide Akteure aus der gegenseitigen Verantwortung entlassen. Jeder bespielt dann autark seine Bereiche und beansprucht den ganzen Menschen. Man kann in der Türkei sehr gut sehen, dass Laizität nicht dazu geführt hat, dass die Religion ohne Einfluss auf die Politik ist. Ich würde das sogar für Frankreich sagen: Die Art und Weise, wie erfolgreich bestimmte kirchliche Kreise dort beispielsweise gegen die Homoehe mobilisieren, hat etwas Irritierendes.

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Das Rätsel des Voynich-Manuskripts ist noch nicht gelöst: Der neueste Lösungsvorschlag lässt viele Fragen offen

Eine Schrift, die niemand lesen kann, und ein Text, den niemand versteht: Das Voynich-Manuskript ist schon so oft entschlüsselt worden, dass man skeptisch wird. Der jüngste Versuch überzeugt so wenig wie die bisherigen. (Bild: Imago)
Ein Lehrbuch der Pflanzenkunde soll es enthalten, das geheimnisvolle Voynich-Manuskript: Das behauptet ein englischer Romanist. Sein Deutungsansatz ist interessant. Doch seine Argumente sind nicht stichhaltig.

Felix Philipp Ingold | Neue Zürcher Zeitung

Der sogenannte Voynich-Codex, der seit 1969 in der Beinecke Library (Yale University) aufbewahrt wird, gilt als das «weltweit mysteriöseste Manuskript» aus dem europäischen Mittelalter – nicht umsonst. Das nicht ganz komplett erhaltene Konvolut, das sich in exzellentem Zustand befindet, wird auf das erste Drittel des 15. Jahrhunderts datiert, seine Überlieferungsgeschichte reicht zurück bis in die Zeit um 1600, als es nachweislich zur Sammlung Kaiser Rudolfs II. in Prag gehörte. Der Codex ist nicht datiert und trägt weder einen Verfassernamen noch einen Werktitel; er umfasst insgesamt 240 Seiten im Folioformat, ist reich und kunstvoll illustriert und enthält mehrere ausfaltbare Tafeln.

Anhand des Bildprogramms lassen sich Medizin und Hygiene, mediterrane Fauna und Flora, Vulkanologie (dazu Phänomene wie Erd- und Seebeben), Astrologie und Zeitmessung (Kalender) sowie Schifffahrt als vorrangige Themenbereiche ausmachen. Dabei fällt auf, dass weibliche Anliegen und Befindlichkeiten (Körperpflege, Menstruation, Schwangerschaft, Geburt, Abtreibung usw.) mit Vorrang behandelt werden. Auch bleibt die Menschendarstellung fast ausschliesslich auf Frauen und Kinder beschränkt. Von daher ist die These, die Gerard Cheshires vor einigen Tagen vorgebracht hat, durchaus einleuchtend: Der Text sei von Frauen eigens für Frauen erstellt worden.

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Muslimbruderschaft als Partner? Ein gefährlicher Tanz mit Radikalen

Weltpolitik in Berlin. Kürzlich wurde in Mitte für die Rückführung der Kinder von IS-Kämpfern aus Syrien demonstriert.Foto: P. Zinken/dpa
Eine Kooperation Berlins mit der Muslimbruderschaft wäre ein fatales Signal. Die Bruderschaft ist Teil des Problems, nicht Teil der Lösung. Ein Gastkommentar.

Von Seyran Ates | DER TAGESSPIEGEL

Das Staunen wandelte sich schnell zur Sorge, als ich vom Plan der SPD las, mit der Muslimbruderschaft kooperieren zu wollen, um militante Salafisten zu deradikalisieren. Der Argumentation des SPD-Innensenators Andreas Geisel kann ich weder zustimmen noch ist sie für mich schlüssig.

Auf der ganzen Welt sind wir Zeugen der Aktivitäten von Islamisten, die versuchen, Demokratien auszuhöhlen und das öffentliche Leben eng an der Scharia auszurichten. Wir sind auch in Europa nicht gefeit vor diesem Trend, in England sind Scharia-Gerichte traurige Realität. Wenn Frauen von oben bis unten mit schwarzen Vorhängen verhüllt werden, dann verschwindet der Mensch ein Stück weit mit.

Viele der Ideen, die Islamisten vertreten, verkörpern gesellschaftliche Vorstellungen von vor 100 oder mehr Jahren. Die Muslimbruderschaft ist bei dieser Entwicklung Teil des Problems, nicht Teil der Lösung.

Die Gruppierung ist auch nicht per se gewaltfrei. Die Hamas, ein Arm der Muslimbruderschaft, zeigt das fast täglich. Das Netzwerk der Gruppierung ist weltweit aktiv und wenn man Aussagen über eine weltumspannende Gruppierung trifft, sollte der Horizont nicht hinter Wannsee enden. Sollte es ausreichen, sich öffentlich als gewaltfrei zu inszenieren, aber verfassungsfeindliche Ziele zu verfolgen, um als seriöser Kooperationspartner des Staates zu gelten, wäre das doch fatal.

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Politikversagen – und was dem Klima wirklich hilft

Klimaschutz braucht globale Koordination, die Anpassung an den Klimawandel aber ist nur national, lokal und individuell möglich. (Bild: Steffen Schmidt / Keystone)
Statt Scheingefechte gegen globale Klimaprobleme zu führen, sollten wir uns auf nationale und lokale Umweltprobleme konzentrieren: Verursacherprinzip anwenden und Kostenwahrheit durch Lenkungsabgaben erzielen.

Reiner Eichenberger, David Stadelmann | Neue Zürcher Zeitung

Der Klimawandel verursacht riesige Kosten. Alleine für die USA für die Zeit um 2100 schätzte sie kürzlich ein offizieller Bericht auf mehrere hundert Milliarden Dollar jährlich. Solche Zahlen prägen die Politik und machen Angst. Die Emissionen steigen aber trotzdem weiter. Was also tun? Viele hoffen, die zunehmende Fühlbarkeit und das wachsende Wissen über den Klimawandel machten wirksame globale Massnahmen möglich. Doch aus ökonomischer Sicht gilt eher das Gegenteil.

Internationalistischer Irrlauf

Klimafühlbarkeit und -wissen lösen die Grundprobleme der Klimapolitik nicht. Weiterhin sind Emissionsreduktionen für die Emittenten teuer, ihr Nutzen hingegen verteilt sich auf die ganze Welt. Weiterhin fallen die Kosten von Klimaschutz in der Gegenwart, sein Nutzen aber wegen der Trägheit des Klimas erst in Jahrzehnten an. Und weiterhin herrschen vielerorts Regierungen, die sich kaum um das Wohl ihrer Bürger kümmern. Zu erwarten, dieselben Politiker wollten das globale Klimaproblem lösen, ist naiv. Folglich werden auch in Zukunft viele Länder zum Trittbrettfahren tendieren.

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Was Hunde zum Japsen bringt

Viele Norwich Terrier verfügen offenbar über eine Mutation, die zu Atemproblemen führen kann. © Marcia A. Sessions
Röchelnde Vierbeiner: Nicht nur eine flach gezüchtete Schnauzenform kann bei Hunden zu Atemproblemen führen. Auch eine mit dieser anatomischen Besonderheit nicht in Zusammenhang stehende Genmutation führt bei manchen Rassen offenbar zu Schwierigkeiten beim Atmen. Wie Forscher herausgefunden haben, fördert die genetische Variante Schwellungen, die die Luftzufuhr stören. Verbreitet ist sie unter anderem bei Norwich Terriern.

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Die gemeinsame Geschichte von Mensch und Hund dauert nun schon mindestens 15.000 Jahre. Als unsere Vorfahren damals begannen, die ersten Wölfe zu zähmen, legten sie den Grundstein für eine ganz besondere Beziehung. Der Übergang zum Haushund hat dabei nicht nur das Sozialverhalten der Tiere geändert. Auch das Aussehen der Vierbeiner wurde im Laufe der Domestikation immer wieder gezielt beeinflusst – teilweise mit problematischen Folgen.

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Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die genetische Vielfalt einer Art

Spielende Alpenmurmeltiere. Carole und Denis Favre-Bonvin
Welche Auswirkungen hat der Wandel des Klimas auf die genetische Diversität von Lebewesen? Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat das jetzt am Beispiel des Alpenmurmeltiers und seiner Anpassung an das Klima der letzten großen Eiszeit untersucht.
Manuela Zingl GB Unternehmenskommunikation
Charité – Universitätsmedizin Berlin

Der überraschende Befund: Diese Spezies besitzt die geringste genetische Vielfalt, die bislang bei einem wildlebenden Säugetier nachgewiesen wurde. Trotz seiner großen Population konnte das Murmeltier diese wegen seiner Anpassung an die Klimaveränderungen nicht wieder aufbauen. Die Erkenntnisse sind in der Fachzeitschrift Current Biology* veröffentlicht.

Das Alpenmurmeltier ist ein großes Nagetier aus der Gruppe der
Eichhörnchen, das jenseits der Baumgrenze in Gebirgshöhenlagen heimisch ist. Ein internationales Forschungsteam hat nun sein Genom entschlüsselt und dabei herausgefunden, dass sich die einzelnen Tiere auf der Erbgutebene sehr ähnlich sind. Sie weisen die geringste genetische Diversität aller bisher sequenzierten wildlebenden Säugetiere auf. „Dieses Ergebnis war für uns sehr überraschend, da genetische Verarmung vor allem bei sehr bedrohten Tierarten, wie beispielsweise dem Berggorilla, zu finden ist. Von den Alpenmurmeltieren gibt es aber hunderttausende, weshalb sie bislang nicht als vom Aussterben bedroht gelten“, erklärt Prof. Dr. Markus Ralser. Der Leiter des Instituts für Biochemie der Charité verantwortet die Studie, die auch am Francis Crick Institute durchgeführt wurde.

Um eine Erklärung für diesen Befund zu finden, rekonstruierten die Forschenden die genetische Vergangenheit am Computer, denn die heutigen Lebensumstände liefern keinen Grund für die geringe genetische Vielfalt des Alpenmurmeltiers. Dazu kombinierten sie umfassende genetische Analysen mit Erkenntnissen, die von der Analyse von Murmeltier-Fossilien herrührten, und kamen zu dem Schluss: Das Alpenmurmeltier verlor seine genetische Vielfalt, weil es sich mehrfach an Klimaveränderungen der letzten großen Eiszeit anpassen musste. Zum einen bei der Besiedlung der eiszeitlichen Steppe vor etwa 110.000 bis 115.000 Jahren, zum anderen gegen Ende der Eiszeit vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren, als die eiszeitliche Steppe wieder verschwand. Seither leben sie in der höher gelegenen Steppe der Hochalpen, wo die Temperaturen denen der eiszeitlichen Steppe ähneln. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden Hinweise, dass die Adaption an die kälteren Temperaturen der eiszeitlichen Steppe dazu führte, dass sich die Generationszeit der Murmeltiere verlangsamte und ihre Mutationsrate abnahm. Deshalb konnten die Tiere nach der Besiedelung der Hochalpen keine wesentliche neue genetische Diversität mehr aufbauen. Insgesamt weist das Genom des Alpenmurmeltiers eine außergewöhnlich langsame Evolutionsgeschwindigkeit auf.

„Unsere Studie zeigt, dass Klimaveränderungen extrem langfristige Auswirkungen auf die genetische Vielfalt einer Art haben. Das war in der Deutlichkeit so noch nicht bekannt. Wenn sich also eine Spezies genetisch sehr ähnelt, kann das an Klimaereignissen liegen, die zehntausende Jahre zurückliegen“, ordnet Prof. Ralser die Ergebnisse ein und ergänzt: „Es ist erstaunlich, dass es das Alpenmurmeltier trotz seiner genetischen Armut geschafft hat, über tausende von Jahren zu bestehen.“ Denn eine niedrige Variation im Genpool einer Spezies bedeutet eine geringere Anpassungsfähigkeit und höhere Anfälligkeit für beispielsweise Krankheiten, aber eben auch für Veränderungen der Umwelt und damit des Klimas. Entsprechend stellt eine geringe genetische Diversität ein Aussterberisiko dar.

„Wir sollten die Ergebnisse der Studie ernst nehmen, denn es gibt warnende Beispiele aus der Vergangenheit: Die Wandertaube war im 19. Jahrhundert einer der häufigsten Landvögel der nördlichen Hemisphäre. Dennoch ist diese Taube innerhalb von wenigen Jahren komplett ausgestorben. Geringe genetische Vielfalt hat dabei möglicherweise eine Rolle gespielt“, resümiert Prof. Ralser und gibt einen Ausblick für weitere Forschungsarbeiten: „In einem nächsten Schritt wäre es deshalb wichtig, auch andere Tiere, die wie das Alpenmurmeltier die Eiszeit überlebt haben, genauer zu untersuchen. Diese könnten sich in einer ähnlichen genetischen Verarmungssituation befinden. Im Moment schätzt man die Gefährdung einer Art meist nur an der Anzahl der Tiere, die sich fortpflanzen können, ab. Dies als alleiniges Kriterium heranzuziehen, sollten wir überdenken.“

Informationen zur Studie
Prof. Dr. Markus Ralser ist seit Mai 2018 Einstein-Professor für Biochemie an der Charité. Der Experte für Stoffwechsel war zuvor am Francis Crick Institute in London sowie der University of Cambridge tätig. An beiden Einrichtungen arbeitete er mit seinen Teams an der vorgestellten Studie. Zudem waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der University of Sheffield, der Universität Bielefeld, des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik und weiterer Institutionen beteiligt. Ursprünglich sequenzierten die Forschenden das Genom des Murmeltiers, um seinen Fettstoffwechsel besser zu verstehen.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Markus Ralser
Leiter des Instituts für Biochemie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 528 142
E-Mail: markus.ralser@charite.de


Originalpublikation:
  • Gossmann et al., Ice-Age Climate Adaptations Trap the Alpine Marmot in a State of Low Genetic Diversity, Current Biology. 2019 May 20;(29): 1-9. doi: 10.1016/j.cub.2019.04.020

Weitere Informationen:

https://biochemie.charite.de/
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S096098221930418X


Sozialwissenschaftler Wegner neu im ProChrist Kuratorium

Der Sozialwissenschaftler Gerhard Wegner ist als neues Mitglied in das Kuratorium des evangelistischen Vereins ProChrist aufgenommen worden.

evangelisch.de

Wie der Verein am Montag in Kassel mitteilte, habe Wegner im vergangenen Jahr die Studie „Zur Wirkung von ProChrist-Veranstaltungen“ geleitet und dem Verein damit eine hilfreiche, konstruktiv-kritische Unterstützung für seine Veranstaltungen gegeben. Wegner war von 2004 bis 2019 Direktor des Sozialwissenschaftlichen Institutes der Evangelischen Kirche in Deutschland und wurde kürzlich in den Ruhestand verabschiedet.

Strache-Video: War die Veröffentlichung rechtens?

Bild: tagesschau.de
Auch Juristen beschäftigt das Strache-Video. Insbesondere die Frage: Durfte die heimliche Aufnahme veröffentlicht werden? Eine rechtliche Einschätzung.

Von Klaus Hempel | tagesschau.de

Es ist zunächst einmal streng zu unterscheiden: zwischen der Aufnahme selbst und der Veröffentlichung des Videos. Nach Paragraf 201a Strafgesetzbuch macht sich strafbar, wer heimliche Videoaufnahmen erstellt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich des Gefilmten verletzt.

Geht man davon aus, dass die Aufnahme rechtswidrig und sogar strafbar war, kann die Veröffentlichung dennoch gerechtfertigt sein.

Kontrollfunktion der Presse könnte leiden

Grundsätzlich muss es sich ein heimlich Gefilmter nicht gefallen lassen, dass die rechtswidrigen Aufnahmen in aller Öffentlichkeit verbreitet werden.

Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gibt es aber Situationen, in denen dies ausnahmsweise gerechtfertigt sein kann: Widerrechtlich beschaffte Informationen dürfen von der Presse verbreitet werden, wenn dies für die Unterrichtung der Öffentlichkeit und für die öffentliche Meinungsbildung „von erheblichem Gewicht“ ist.

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Umfrage nach Missbrauchsfilm in Polen: Rücktritte der Bischöfe gefordert

Symbolbild Kindesmissbrauch: Teddybär in einer Kirchenbank © Harald Oppitz (KNA)
Internetdoku löste in Polen Entsetzen aus. Eine Umfrage hat jetzt ergeben, dass mehr als die Hälfte der Befragten den Rücktritt der Bischöfe fordert. Die Schuld liege nicht nur bei den Einzelnen sondern insbesondere auch bei der Institution.

DOMRADIO.DE

Angesichts der Missbrauchskrise haben sich in einer Umfrage 54 Prozent der Polen für einen Rücktritt der katholischen Bischöfe des Landes ausgesprochen. 20 Prozent lehnten dies hingegen ab, wie eine von polnischen Medien am Montag veröffentlichte Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Pollster ergab. Die restlichen 26 Prozent trauten sich demnach noch keine Aussage zu.

Kein Vertrauen in die Kirche

Ein vor gut einer Woche im Internet veröffentlichter polnischer Dokumentarfilm über sexuellen Kindesmissbrauch durch Priester und die Vertuschung solcher Verbrechen durch die katholische Kirche hatte in Polen Entsetzen ausgelöst. 54 Prozent der befragten rund 1.100 Erwachsenen gaben demnach an, der Kirche nicht zu vertrauen.

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Türkei: „Gemeinsamer Finger am Drücker der US-Atomwaffen“

Eine türkische F-16 auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik. Bild: DoD
Über die nukleare Teilhabe befinden sich auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik vermutlich weiterhin Atombomben, angesichts der eskalierenden Konflikte ist das beunruhigend

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Der Streit zwischen der USA und der Türkei schwelt weiter. Die Türkei will als Nato-Staat russische S-400-Raketenabwrsysteme kaufen und vielleicht auch noch an der Entwicklung der nächsten Generation beteiligt werden, was den USA überhaupt nicht passt. In den USA sieht man dadurch die nationale Sicherheit – und die Interessen der amerikanischen Rüstungskonzerne – bedroht und droht damit, die Kooperation über die F35-Kampfflugzeuge und deren Erwerb zu beenden. Das Thema ist heikel, es geht nicht nur um milliardenschwere Rüstungsgeschäfte, sondern um Loyalitäten und geostrategischen Interessen.

In der Türkei befinden sich wahrscheinlich aber auch noch amerikanische Atomwaffen. Wie Deutschland, Belgien. Italien und die Niederlande ist die Türkei Teil der „nuklearen Teilhabe“. Das war eine trickreiche Strategie der Nato bzw. der USA, Staaten an sich zu binden und atomar aufzurüsten, die sich nach dem Atomwaffensperrvertrag verpflichtet hatten, keine Atomwaffen zu haben.

Gleichwohl stellen die Staaten der nuklearen Teilhabe nicht nur Lagerplätze zur Verfügung, sondern auch Flugzeuge, um Atomwaffen einzusetzen (Darf Deutschland legal Atomwaffen besitzen oder bauen?, Bundeswehr sucht neuen Atombombenträger). Die nukleare Teilhabe war auch ein Grund für Deutschland und die Nato, dem Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen nicht beizutreten, was auch heißt, nicht für die Abrüstung der Atomwaffen einzutreten („So lange es Atomwaffen gibt, wird die Nato ein nukleares Bündnis sein“).

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Erzapostel Woelki spricht Priesterausbilder sein Vertrauen aus

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Ein Priesterausbilder im Erzbistum Köln hatte Homosexualität unter anderem als „therapierbar“ bezeichnet und so für Schlagzeilen gesorgt. Dafür gab es Kritik von Kardinal Rainer Maria Woelki. Dennoch sprach er ihm nun sein Vertrauen aus.

katholisch.de

Kardinal Rainer Maria Woelki hat dem Direktor des Bonner Theologenkonvikts Collegium Albertinum, Pater Romano Christen, nach dessen umstrittenen Aussagen zum Thema Homosexualität sein Vertrauen ausgesprochen. „Wir alle machen Fehler, ich auch, und es ist wichtig, dass ein einzelner Fehler nicht alles andere überschattet. Pater Romano leistet im Collegium Albertinum wertvolle Arbeit, für die ich ihm ausdrücklich gedankt habe“, sagte der Kölner Erzbischof am Montag nach einem „ausführlichen Gespräch“ mit dem Priesterausbilder in Köln.

Kritik von katholischen Laien und Theologen

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte vor eineinhalb Wochen über einen Vortrag Christens berichtet, in dem dieser vor Studierenden seines Hauses unter anderem erklärt hatte, dass Homosexualität nicht angeboren sei, sondern „Folge einer psychologischen (Fehl)entwicklung“.

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