Konstantin von Notz: „Fahren mit dem deutschen Staatskirchenrecht sehr gut“


Konstantin von Notz, Religionspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag © von-notz.de, Foto: Stephan Pramme
Das Grundgesetz wird in diesem Jahr 70 Jahre alt und mit ihm die Bestimmungen, die das Verhältnis von Staat und Kirche regeln. Der religionspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Konstantin von Notz, erklärt im Gespräch, wie sich die Regelungen bewährt haben, wie der Islam besser integriert werden kann und wie er es persönlich mit der Religion hält.

Von Corinna Buschow | MiGAZIN

Das Grundgesetz wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Die darin enthaltenen Bestimmungen für Religionsgemeinschaften wurden aus der Weimarer Reichsverfassung von 1919 übernommen. Es gilt der Grundsatz, dass die Religionen ihre Angelegenheiten selbst regeln. Ist das noch zeitgemäß?

Konstantin von Notz: Ich glaube, dass sich das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften als verfassungsrechtlicher Status bewährt. Gerade dieses kooperative, nicht hart laizistische Verhältnis ist gut. Es lässt den Kirchen Freiraum, sie gleichzeitig aber auch nicht aus der Verantwortung. Wenn ich mich in der Welt umgucke, finde ich, wir fahren mit dem deutschen Staatskirchenrecht sehr gut.

Es gibt immer wieder Forderungen nach einer stärkeren Trennung von Staat und Kirche. Was ist der Nachteil von Laizismus?

Konstantin von Notz: Bei der strikten Trennung von Kirche und Staat werden beide Akteure aus der gegenseitigen Verantwortung entlassen. Jeder bespielt dann autark seine Bereiche und beansprucht den ganzen Menschen. Man kann in der Türkei sehr gut sehen, dass Laizität nicht dazu geführt hat, dass die Religion ohne Einfluss auf die Politik ist. Ich würde das sogar für Frankreich sagen: Die Art und Weise, wie erfolgreich bestimmte kirchliche Kreise dort beispielsweise gegen die Homoehe mobilisieren, hat etwas Irritierendes.

weiterlesen