Menschen aus höheren sozialen Schichten neigen zur Selbstüberschätzung


Bild. TP
Nach einer Studie werden sie auch dafür belohnt und gelten als kompetenter, wodurch die soziale Ungleichheit perpetuiert wird

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wer sich an Vermögen und Macht der Reichen reibt und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich kritisiert, wird gerne mal als neidisch bezeichnet. Das Selbstbild der Reichen und Mächtigen ist, dass sie halt erfolgreicher und letztlich besser seien als diejenigen, die es nicht so weit gebracht haben und daran letztlich selber schuld sind. Sie schreiben sich das individuell zu, auch wenn Glück, Erbschaften, familiärer Bildungshintergrund, privilegierte Lebensweise etc. einen großen Teil des Erfolgs ausmachen. Ein gutes Beispiel dafür ist Donald Trump, der vorgibt, er habe seinen Reichtum aus wenig Geld als Selfmade-Mann aufgebaut, obwohl er von seinem Vater Milliarden erhalten hat und aufgrund seines Vermögens und seiner Herkunft auch immer Kredite erhielt (Donald Trump, der König der Schulden).

Dass es bei der Selbstüberschätzung der Reichen und Mächtigen nicht nur um eine Projektion der Underdogs handelt, bestätigt nun eine Studie, die im Journal of Personality and Social Psychology erschienen ist. Peter Belmi von der University of Virginia und Erstautor der Studie, stellt das eigentlich Offensichtliche heraus: „Vorteile erzeugen Vorteile. Wer in den oberen Schichten geboren wurde, wird wahrscheinlich in der Oberklasse bleiben, und viel verdienende Unternehmer kommen unverhältnismäßig oft aus gut gebildeten und arrivierten Familien.“

Die Schicht oder Klasse formiert dabei die Einstellungen der Menschen über ihre Fähigkeiten, dabei überschätzen sich die Angehörigen der oberen Schichten, was von anderen mitunter als höhere Kompetenz eingestuft wird. Die Selbsteinschätzungen werden oft von Generation und Generation weiter gegeben und mit anderen Privilegien vererbt. Das wiederum zementiert die sozialen Klassen und verhindert die soziale Mobilität, die ja immer als Möglichkeit, von ganz unten nach oben zu kommen, also als der „amerikanische Traum“, propagiert wird.

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