Ein Hypermoralist im Hoodie versetzt die CDU in Panik


Ein Youtuber veröffentlicht eine Abrechnung mit den deutschen Christlichdemokraten und erreicht damit fünf Millionen Zuschauer. Die Reaktion der Partei auf die Attacke endet in einem kommunikativen Desaster. So cool, modern und internetaffin wie einige PR-Berater in Berlin-Mitte die CDU gerne hätten, ist diese nicht.

Hansjörg Müller | Neue Zürcher Zeitung

Wer den Medienwandel bis jetzt nicht begreift oder zu verdrängen versucht, erhielt dieser Tage unerbetenen Nachhilfeunterricht: Letzten Samstag stellte ein Youtuber namens Rezo ein 55-minütiges Video mit dem martialischen Titel «Die Zerstörung der CDU» ins Netz. Über fünf Millionen Aufrufe verzeichnete es bis Donnerstagmittag.

Seinen Auftritt hatte der 26-Jährige, der bisher vor allem Musikvideos verbreitete und dabei 1,6 Millionen Abonnenten ansammelte, offenbar akribisch vorbereitet: Mehrere hundert Stunden hatte Rezo nach eigenen Angaben recherchiert, bevor er sich im orangen Hoodie, die blau gefärbten Haare unter einer Dächlikappe hervorlugend, vor die Kamera setzte. Was in schnellem Tempo folgte, war eine 55-minütige Philippika gegen die Partei von Bundeskanzlerin Angela Merkel, angereichert mit vereinzelten Seitenhieben gegen SPD und AfD. Nicht er wolle die CDU «aktiv zerstören», so Rezo, dies täten bereits «die Fakten und Tatsachen».

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