Russland profitiert von Irankrise


Der iranische Präsident Hassan Rouhani mit Wladimir Putin im Februar in Moskau. Bild: Kreml/CC BY-SA-4.0
Amerikanischer Druck auf Teheran nutzt dem Kreml. Ein Krieg ist sehr unwahrscheinlich. Moskau wird von allen Seiten umworben

Christian Wipperfürth | TELEPOLIS

Russland besitzt als einziges Land tragfähige bis ausgezeichnete Beziehungen zu allen Akteuren des Nahen und Mittleren Ostens. Präsidenten, Scheichs und Minister geben sich in Moskau fast die Klinke in die Hand. Washington hingegen ist mit seiner Iran-Politik international isoliert und hat sich in eine Sackgasse manövriert. Falls ein Land in der Lage sein könnte, in Krisen zu vermitteln, so wäre es Russland. Es genießt Respekt, trotz aller Interessenunterschiede, gilt als berechenbar, handlungsfähig und grundsätzlich kooperationswillig, ob in Israel, Saudi-Arabien oder dem Iran.

Moskau wird in westlichen Medien mitunter als „Verbündeter“ Teherans bezeichnet. Das ist unzutreffend. Die beiden Länder pflegen enge Kontakte, aber es ist zweifelhaft, ob sie auch nur als „befreundet“ gelten können. Sie nehmen im Fall von Differenzen wenig Rücksicht aufeinander und fechten mitunter harte Konflikte aus. Dies nehmen sie sich nicht übel. So funktioniert Realpolitik.

Inwiefern profitiert Russland vom US-Druck auf Teheran? Um dies weiter zu erläutern, müssen wir zunächst ein wenig Licht in die vielfältigen russisch-iranischen Beziehungen bringen. Wenden wir uns zunächst den Bereichen zu, in denen sich ihre Interessen weitgehend decken.

Moskau und Teheran sehen den Terror im Kaukasus, den Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien) oder etwa die Situation in Afghanistan ähnlich. Dies alles sind für Russland sehr wichtige Fragen.

Der Iran spielt nach russischer Ansicht auch in Zentralasien seit fast 30 Jahren eine konstruktive Rolle. Widmen wir uns hierfür einem kurzen Beispiel: Kurze Zeit nach dem Ende der Sowjetunion brach im nunmehr unabhängigen Tadschikistan ein Bürgerkrieg aus. Moskau war mit eigenen Problemen beschäftigt, entschloss sich schließlich aber dazu, die Konfliktparteien unter der Androhung von Gewalt an den Verhandlungstisch und zu einem Kompromiss zu zwingen. Es handelte sich übrigens um einen der weltweit wenigen Fälle einer erfolgreichen friedenschaffenden Mission, die im Westen dennoch kaum wahrgenommen wird. Die Unterstützung durch den Iran spielte eine zentrale und vielleicht unentbehrliche Rolle für die erfolgreiche Vermittlung. Das ist dem Kreml nach wie vor bewusst.

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