Die Verweigerung des Kopftuchs kann tödlich enden

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In der Diskussion um ein Kopftuchverbot an Grundschulen warnt Linke-Politikerin Christine Buchholz vor einer Ausgrenzung von Muslimen und fordert völlige Freiheit in Bezug auf religiöse Symbole. Aber Kopftuch, Kreuz und Kippa zu vergleichen, ist schlichtweg Zynismus.

Von Martin Niewendick | DIE WELT

Eines der intellektuell dürftigsten Argumente in der Debatte um ein Kopftuchverbot wurde kürzlich von der Linke-Politikerin Christine Buchholz wiederholt. Ein solches Verbot an Grundschulen schüre Stimmung gegen Muslime, schrieb die Bundestagsabgeordnete auf Twitter und ergänzte: „Wir stellen uns gegen jeden Zwang, Kopftuch, Kippa, Turban oder Kreuz tragen zu müssen oder es nicht tragen zu dürfen.“ Ähnliches liest und hört man immer wieder.

Nun ist die faktische Gleichsetzung des Kopftuches mit Kippa und Christenkreuz schlicht falsch. Das Kopftuch wird bekanntlich vielen Mädchen aufgezwungen, ob unmittelbar durch die eigene Familie oder vermittelt durch Kultur. Das leugnen nicht einmal Kopftuch tragende Gegnerinnen eines Verbotes wie die Autorin Kübra Gümüsay.

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Frankreich: 70 Prozent der Jüngeren wollen nicht wählen

Bild: Pixabay License
„Langweiliger“ Wahlkampf ohne Youtuber – Umfragen vor der EU-Wahl sprechen von Gleichgültigkeit und Desillusionierung

Thomas Pany | TELEPOLIS

Für Marine Le Pen steht nichts weniger als die Zivilisation zur Wahl. Natürlich geht es ihr dabei um die Migration. Sie spricht von einer „Einwanderungs-Überschwemmung“ als Konstante einer europäischen Politik, die das Kennzeichen der Macht Macron in Frankreich sei.

Migration war in den letzten Wochen kein großes Thema in den Debatten der französischen Medien. Aber auch das Ibiza-Skandal-Video, wo mit dem FPÖ-Politiker Strache ein politischer Verbündeter Le Pens Federn lassen musste, wurde in Frankreich weitaus weniger ausführlich behandelt als hierzulande, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass das Video deutschen Medien zugespielt worden war und Österreichs Rechte in Deutschland eine andere Wichtigkeit haben.

Pathos

Auch gab es keine Youtuber, die die öffentliche Diskussion über die Politik alter Parteiapparate anheizten. Der Klimawandel hat zwar seit der Pariser Klima-Konferenz einen anderen Stellenwert im Nachbarland bekommen, aber in Deutschland wird das Thema um einiges erhitzter ausgetragen. Im Mittelpunkt der Debatten über die Europawahl steht das Abschneiden Macrons und der Ausgang des Zweikampfes zwischen seinem Wahlbündnis mit dem Kampagnentitel „Projekt Renaissance“ und Le Pens Rassemblement national (RN).

Doch trotz des Pathos in beiden Lagern wird von einem langweiligen Wahlkampf vor den EU-Wahlen geschrieben. Niemals seit mindestens zwanzig Jahren sei der Wahlkampf vor einer europäischen Wahl „so mittelmäßig, so arm an Debatten und Ideen, ohne kräftige Linien, ohne klar ersichtliche Einsätze und Mut zum Risiko geführt worden“, beschreibt Médiapart die Lage. „Die Beobachtung ist einstimmig.“

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Vereinsartige Strukturen begünstigen Missbrauch in evangelischer Kirche

Vereinsartige Strukturen, unreflektierte Vermischung von dienstlichen und privaten Angelegenheiten sowie das Fehlen einer Beschwerdemöglichkeit sind nach Auffassung der Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs wesentliche Faktoren, die sexuellen Missbrauch in der evangelischen Kirche begünstigen.

evangelisch.de

„In der evangelischen Kirche ist es komplett undurchschaubar, an wen sich Betroffene wenden können“, sagte die EKD-Beauftragte zum Schutz vor sexualisierter Gewalt am Samstag bei einer Tagung der Evangelischen Akademie Hofgeismar zum Thema „Geschlecht, Gesellschaft, Gewalt“. Derzeit seien in evangelischer Kirche und Diakonie rund 600 Fälle von Missbrauch bekannt. Wie hoch die Dunkelziffer sei, wisse man nicht.

„Wir haben kapital versagt und haben den Schutz uns anvertrauter Menschen nicht gewährleistet“, räumte Fehrs ein. Nun sei eine unabhängige Aufarbeitung der Fälle nötig.

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Amerikas Inbegriff des Bösen ist wieder auf freiem Fuß

foto: afp Erst ein junger Nordkalifornier, dann ein Taliban.
Der US-Bürger John Walker Lindh ist nach 9/11 als Taliban verurteilt worden. Seine Freilassung löste eine Debatte aus

Frank Herrmann | derStandard.at

Das Gesicht war dreckverschmiert, das Haar verfilzt, der Bart wucherte. Als John Walker Lindh drei Monate nach den 9/11-Anschlägen von Kameraleuten gefilmt wurde, war er der Schurke, der sein eigenes Land verraten hatte. Der Inbegriff des Bösen. Ein Amerikaner, der nach Afghanistan gegangen war, um den Taliban zu helfen, den Beschützern Osama Bin Ladens, und nun in Handschellen nach Hause gebracht wurde. Die Regierung George W. Bushs nannte ihn den Häftling 001 im Krieg gegen den Terror. „Ich glaube, die Todesstrafe ist die angemessene Lösung, die wir in Betracht ziehen sollten“, sagte Rudy Giuliani, damals der Bürgermeister New Yorks.

Seit ein paar Tagen ist Lindh ein freier Mann. Ursprünglich zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, wurde er wegen guter Führung schon nach 17 Jahren entlassen. Er bleibt unter Beobachtung, die Auflagen sind streng. Ein Smartphone darf er nur kaufen, wenn die Behörden es gestatten. Welche Seiten er im Internet anklickt, wird rund um die Uhr überwacht. Fürs Erste darf er sich nur im engeren Umkreis von Alexandria aufhalten, der Stadt in Virginia, in der er schuldig gesprochen worden ist. An eine Rückkehr ins Marin County, in den idyllischen Küstenlandstrich nördlich von San Francisco, aus dem er stammt, ist vorläufig nicht zu denken.

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Die verlorene Mutter und die verlorene Vernunft

Joel Whitebook
Freud: sein Leben und Denken
Verlag: Klett-Cotta, Stuttgart 2018
ISBN: 9783608110241 | Preis: 32,00 €

Wie gelingt eine weitere Biografie über eine Person, über die bereits alles gesagt zu sein scheint? Dieser Herausforderung hat sich der Psychoanalytiker und Philosoph Joel Whitebook gestellt, der bereits mit seinen früheren Werken von sich reden machte, in denen er die kritische Theorie mit der Psychoanalyse vereinte.

Von Maxime Pasker | spektrum.de

In seinem Buch rückt der Autor einen wenig belichteten Aspekt in den Vordergrund: Freuds Mutter. Wer Freuds Theorie kennt, wird sich wundern, dass die Beziehung zu seiner eigenen Mutter so selten thematisiert wird. Die verschiedenen Gründe erörtert Whitebook ausführlich.

Dunkle Aufklärung

Die zweite wichtige Frage des Werks ist die nach dem Verhältnis der Psychoanalyse zur Rationalität. Whitebook prüft den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit, mit dem sich die Psychoanalyse immer wieder konfrontiert sieht. Dabei bringt er die freudsche Wahrheitssuche in den Tiefen der menschlichen Psyche in Zusammenhang mit der Dialektik Georg Wilhelm Friedrich Hegels 100 Jahre zuvor. Er bezeichnet Freud als Vertreter der »dunklen Aufklärung« – einer Strömung, die auf den Versuch der Gegenaufklärung, der Irrationalität zu ihrem theoretischen Recht zu verhelfen, reagierte, indem sie Irrationales akzeptierte und in ihre Theorie integrierte. Freuds Theorie fasst das Unbewusste, das nicht nach rationalen Gesichtspunkten strukturiert ist, als einen der zentralen Treiber menschlichen Verhaltens auf.

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Pannen-AKW: Immer Ärger mit Mochovce

Bild: tagesschau.de
Die Blöcke 3 und 4 des AKW Mochovce sollten längst laufen, produzieren aber statt Energie nur Milliardenkosten. Inzwischen hoffen immer mehr, dass die beiden Atommeiler nie in Betrieb gehen.

Von Peter Lange | tagesschau.de

Peter Pellegrini, der slowakische Ministerpräsident, bemühte sich gar nicht erst um diplomatische Floskeln, als er neulich auf seinen österreichischen Kollegen Sebastian Kurz reagierte. Der hatte Sicherheitsbedenken geltend gemacht und verlangt, dass der Bau der AKW-Blöcke Mochovce 3 und 4 gestoppt werden.

„Äußerungen von der Art, dass man alles tun wolle, um die Inbetriebnahme von Mochovce zu verhindern, halte ich für etwas, womit Bundeskanzler Kurz seine Kompetenzen überschreitet und versucht, in die Souveränität der Slowakei einzugreifen“, beschwert sich Pellegrini.

Und in die Richtung seiner eigenen Landsleute sprach Pellegrini: „Ich will in erster Linie die Bürger der Slowakei versichern, dass die Regierung, das Wirtschaftsministerium, die Atomaufsichtsbehörde und alle verantwortlichen Organe alles dafür tun werden, damit der dritte und vierte Block von Mochovce absolut sicher sind.“

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Das Rezo-Video im Faktencheck

Themenbild. Bild von Hermann Traub auf Pixabay
Ganz Deutschland diskutiert über einen 55-Minuten-Monolog zur Politik: das YouTube-Video von Rezo. Es wurde inzwischen 7,5 Millionen mal geklickt. Zwanzig Minuten davon handeln von der Klimakrise.

Von Stefan Rahmstorf  | Blog Klimalounge

In ersten Reaktionen sprach die CDU – die in dem Video scharf kritisiert wird – von einer „Vermischung von ganz vielen Pseudofakten“. Dann wurde ein Gegenvideo angekündigt und anscheinend auch gedreht – dann aber doch nicht veröffentlicht (sehr lustig: die Satire vom Postillon dazu). Gestern erfolgte dann eine 11-Seitige pdf-Datei als Antwort auf Rezo. Auch dort ist von „verkürzen, verzerren, verdrehen“ die Rede, von „überzeichnen, übertreiben, überspitzen“ und von „steilen Thesen“ und der „kühnen Interpretation von Statistiken“.

Unser Job als Wissenschaftler ist es dazu beizutragen, dass die Diskussion über die Klimakrise auf einer soliden Faktenbasis steht. Deshalb habe ich mir das Video von Rezo angeschaut. Hier ein Faktencheck zu seinen wichtigsten Aussagen zum Klima.

  • Die globale Temperatur ist um 1 Grad angestiegen, und die letzten 4 Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Messungen. Stimmt! Man muss wahrscheinlich sogar rund 120.000 Jahre weit zurückschauen, bis in die Eem-Warmzeit, um eine höhere globale Mitteltemperatur zu finden als jetzt. Wir Menschen haben seit Beginn unserer Zivilisation nie höhere Temperaturen erlebt.
  • Die erhöhten Temperaturen werden Jahrhunderte bis Jahrtausende andauern, selbst wenn wir jetzt aufhören, CO2 in die Luft zu pusten. Stimmt! Das liegt daran, dass das CO2 so lange in der Luft bleibt. Rezo hätte noch erwähnen können, dass wir die Luft bereits jetzt mit so viel CO2 angereichert haben, dass wir dadurch wohl die in 50.000 Jahren fällige nächste Eiszeit schon verhindert haben. Der Erderhitzung lässt sich nicht zurückdrehen, sie lässt sich nur rechtzeitig stoppen.
  • „Naturkatastrophen nehmen durch die Erderwärmung zu.“ Stimmt! Der Chef der Arbeitsgruppe 1 des Weltklimarats IPCC hat ein zentrales Ergebnis des aktuellen Berichts so zusammengefasst: „Wir sehen bereits die Folgen von 1 °C globaler Erwärmung durch mehr Extremwetter.“ Auch die meteorologische Weltorganisation WMO hat das schon vor Jahren festgestellt. Die Belege habe ich letztes Jahr hier diskutiert. Rezo spricht von jährlich hunderten Milliarden Kosten. Das stimmt allerdings nur für manche Jahre, wie die Datenbank der Münchner Rück zeigt:
Weltweite Schäden durch wetterbedingte Katastrophen, in Milliarden US-Dollar. Quelle: Münchner Rück.

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Gender-Forschung: Wie schwanger können Männer werden?

Wem gehört denn nun der Bauch? Die Gleichstellung und moderne Rollenverteilung der Geschlechter wird vor allem in der Zeit der Schwangerschaft auf eine harte Probe gestellt. Bild: dpa
Die Debatte um Gleichberechtigung der Geschlechter und deren Diskriminierung ist so lebendig wie vielleicht noch nie. Ein Gender-Forscher identifiziert jedoch die Schwangerschaft als ein Hindernis auf dem Weg zur totalen Gleichheit.

Von Gerald Wagner | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gute Soziologie beginnt mit Erstaunen. Etwa darüber, dass sich die Arbeitsteilung in Paarbeziehungen nach der Geburt des ersten Kindes wieder retraditionalisiert: Mütter- und Vaterrollen werden sehr geschlechtstypisch ausgeformt. Frauen übernehmen die Kinderbetreuung, die Männer gehen arbeiten. Wenn man weiß, dass die Versorgerehe als Lebensform staatlicherseits gefördert und von den ökonomischen Verhältnissen belohnt wird, wirkt das allerdings gar nicht so erstaunlich.

Für den Gender-Forscher Stefan Hirschauer kratzen solche Erklärungsmuster bestenfalls an der Oberfläche des Phänomens. Ihm geht es um nicht weniger als um die Delegitimierung der biologischen Naturalisierung der Geschlechterdifferenz sogar während der Schwangerschaft und der unmittelbaren Zeit nach der Geburt. Selbst ansonsten längst emanzipierte Paare fallen in dieser Zeit zurück in eine mit körperlichen Unterschieden begründete Differenzierung von Elternrollen, die Hirschauer als eine „Vermutterung der Elternschaft“ anprangert. Warum, fragt Hirschauer, nehmen sich Paare gerade in dieser Zeit so stark als Mann und Frau wahr?

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Warum Esoterik in der Medizin nicht klappt

Pendel. Bild Bild von Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay
An der Med-Uni Wien wurde der Einfluss von nicht wissenschaftlichen fundierten Heilmethoden in der medizinischen Praxis diskutiert

Karin Pollack | derStandard.de

Es ist ein Dilemma mit Menschen, die krank sind. Wenn sie sich von Medizinern mit einer klassischen, naturwissenschaftlichen Ausbildung nicht gut betreut fühlen, suchen viele Hilfe bei jenen, die außerhalb des streng naturwissenschaftlichen Rahmens agieren. An der Medizinischen Universität Wien hat man diese Gefahr erkannt.

Der Alumni-Club lud zur Veranstaltung „Esoterik in der Medizin“ ins Hörsaalzentrum, den Abschluss machte eine Podiumsdiskussion unter dem Titel: „Warum ist Esoterik beliebt und ein erfolgreiches Geschäftsmodell?“ Rund 200 Studierende, Professoren und interessierte Laien hatten sich eingefunden.

Homöopathie weg

An der Medizinischen Universität fand bis Herbst letzten Jahres eine Lehrveranstaltung zur Homöopathie statt. Das Rektorat entschloss sich, diese wissenschaftlich nicht zu belegende Lehre nicht mehr auf dem Lehrplan zu belassen und distanzierte sich als Institution. Die Veranstaltung war sozusagen auch ein Zeichen dafür, sich auf eine andere Weise mit dem Thema auseinandersetzen zu wollen.

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Could Microbes Live in Martian Dust? Mission Designers Are Thinking Ahead for Red Planet Crews

A false-color view from NASA’s Opportunity rover taken in 2017 shows the dusty surface of the planet. (Image: © NASA/JPL-Caltech/Cornell/ASU)
Could Mars have little microbes living in its dust? It seems difficult to imagine, with radiation bathing the planet’s surface and no water running in at least most Red Planet regions. But NASA’s Office of Planetary Protection is making plans for what to do if Martian microorganisms turn up.

By Elizabeth Howell | SPACE.com

At The Humans to Mars Summit in Washington, D.C., last week, on May 16, NASA Planetary Protection Officer Lisa Pratt briefly brought up the possibility of Mars microbes in a panel discussion. She said that future explorers should be concerned about possible biological agents in the dust, but she clarified that nobody knows that life exists for sure anywhere on the Red Planet — let alone on the Martian surface.

Life as we know it probably would do poorly in the radiation-filled Red Planet environment, which is exacerbated by the lack of a magnetic field that would have reduced exposure levels on the surface, said Jim Rice, a senior scientist at the Planetary Science Institute.

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Politologe Sickinger: „Manche Parteifunktionäre fürchten nur den Staatsanwalt“

foto: apa Heinz-Christian Strache bei seiner Abtrittspressekonferenz.
Diskrete Parteienkomitees, illegale Querfinanzierung durch den Parlamentsklub, heimliche Fördervereine: Der Politologe Hubert Sickinger erklärt, wie Parteien derzeit die laxen Regeln zur Parteienfinanzierung umgehen können

András Szigetvari | derStandard.at

Parteienfinanzierung: Nein, das Thema klingt nicht sehr sexy. Doch Ibiza-Gate hat nun auch das Interesse daran geweckt, wie und woher Österreichs Parteien eigentlich ihr Geld nehmen, was schiefläuft – und was sich ändern sollte. Hubert Sickinger gilt als einer der renommiertesten Experten des Landes für Parteienfinanzierung. Ziel des Interviews war, selbst Laien einen guten Überblick zu verschaffen.

STANDARD: Herr Sickinger, gibt es eine große Lehre aus Ibiza-Gate? Haben wir es nun schwarz auf weiß, dass Österreichs Parteien, allen voran die FPÖ, sich systematisch Geld aus illegalen Quellen holen?

Sickinger: Das würde ich so nicht sagen. Heinz-Christian Strache dürfte den Mund sehr voll genommen haben, um die angebliche Oligarchennichte zu beeindrucken. Dass es Spenden an den Rechenschaftsberichten der Parteien vorbei gegeben hat, ist offensichtlich. Aber es lässt wenig darauf schließen, dass es um Millionenbeträge geht, die heimlich über illegale Kanäle fließen. So teuer sind die Wahlkämpfe in Österreich dann auch nicht. Aber es läuft auch nicht so gut, dass man nach Ibiza sagen könnte: Schwamm drüber. Ganz abgesehen davon, was sich hier für ein Sittenbild offenbart hat. Der Obmann einer Partei, die mit dem Slogan „Österreich zuerst“ wirbt, war offensichtlich bereit, im Gegenzug für einen finanziellen Vorteil die Interessen des Landes und der österreichischen Unternehmer an eine osteuropäische Oligarchin zu verkaufen.

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Spanien „ist technisch gesehen keine Demokratie mehr“

Abgeordnetenhaus (Congreso de los Diputados) der Cortes Generales in Madrid. Bild: Luis García/ CC BY-SA 4.0
Kommentar: Gegen alle Warnungen von Verfassungsrechtlern und hochrangigen Juristen hat das spanische Parlamentspräsidium vier gewählte katalanische Politiker suspendiert

Ralf Streck | TELEPOLIS

Es war leider nicht anders zu erwarten (Aus dem Parlament wieder zurück ins Gefängnis). Experten raufen sich nun die Haare. Gegen Gesetze und Verfassung, davor hatten hochrangige Verfassungsrechtler wie Javier Pérez Royo oder Joaquín Urias immer wieder gewarnt, hat nun ein nicht zuständiges Gremium trotz aller Warnungen das „Unmögliche“ getan.

Vier gewählte katalanische Untersuchungsgefangene wurden nun nach einer Entscheidung des neuen spanischen Parlamentspräsidiums mit den Stimmen der Parteien suspendiert, die auch schon die Zwangsverwaltung für Katalonien über den Paragraphen 155 bestimmt hatten.

„Entscheidung mit Bedacht gefällt“

Die Sozialdemokraten (PSOE), die Volkspartei (PP) und die ultranationalistische Ciudadanos (Cs) rudern nun wieder gemeinsam im nationalistischen Boot. Nur die beiden Vertreter der Linkspartei Podemos haben zaghaft dagegen gestimmt. Allerdings wollten sie nur, dass der Oberste Gerichtshof entscheidet. Das ist fast genauso hanebüchen, wie wir noch sehen werden.

Die neue Parlamentspräsidentin Meritxell Batet behauptet aber, die Entscheidung zur Suspendierung sei „mit Bedacht“ und „größtmöglicher Rechtssicherheit“ getroffen worden. Das kann man angesichts der mannigfaltigen Expertenkritik eigentlich nur als Realsatire bezeichnen.

Das weiß auch Batet, die wegen der bevorstehenden Wahlen am Sonntag in die Falle getappt ist, die ihr die Rechtsparteien gestellt haben. Sie hat sich nun ins Boot zu den Rechtsbeugern gesetzt. Sie hatte in den vergangenen Tagen seit ihrer Wahl mit allen Mitteln versucht, dieser Entscheidung zu entgehen oder sie hinter die Kommunalwahlen, Europaparlamentswahlen und Wahlen in etlichen Autonomiegebieten zu verschieben, die den Bundesländern ähnlich sind.

Sie wollte sie Richter Manuel Marchena und dem Obersten Gerichtshof die heiße Kartoffel zuschieben. Dabei war ihre Pflicht nach Artikel 71 der Verfassung, „sofort die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“, damit die gewählten sie bei der „Ausübung ihres Mandats“ nicht behindert werden.

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Papst gegen Abtreibungen – auch bei Hinweisen auf schwere Krankheit

Papst Franziskus (Archivbild) nahm im Vatikan Teilneher der Tagung „Yes To Life!“ in Empfang. – (c) REUTERS (Remo Casilli)
Papst Franziskus warnt bei einer Audienz vor Pränataldiagnostik für „selektive Zwecke“. Alle Menschen seien mit dem Leben vereinbar.

Die Presse.com

Papst Franziskus hat sich erneut gegen Abtreibung ausgesprochen – auch für den Fall, dass es Hinweise auf eine schwerwiegende Erkrankung oder Fehlbildung des Kindes gibt. „Kein Mensch kann als mit dem Leben unvereinbar betrachtet werden, weder wegen seines Alters noch wegen seines Gesundheitszustands“, sagte das Kirchenoberhaupt am Samstag.

Der Papst äußerte sich bei einer Audienz für Teilnehmer einer vom Vatikan mitorganisierten Tagung mit dem Titel „Yes to Life!“, bei der es auch um Pränataldiagnostik ging. „Abtreibung ist nie die Antwort“, sagte Franziskus und warnte davor, Pränataldiagnostik für „selektive Zwecke“ zu nutzen. Er ermunterte Ärzte, Lösungen zu finden, „die die Würde eines jeden Menschenlebens respektieren“ und Familien zu unterstützen, die ein krankes Kind auf die Welt bringen wollen. „Oft hinterlassen diese wenigen Stunden, in denen eine Mama ihr Kind wiegen kann, eine Spur im Herzen dieser Frau, die sie nie vergessen wird.“

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Teuerste Arznei der Welt zugelassen: Zwei Millionen Dollar pro Dosis

Bild: tagesschau.de
Eine Dosis kostet gut zwei Millionen Dollar und soll Kleinkinder behandeln, die an einer Muskelerkrankung leiden. Laut Pharmahersteller rettet eine einmalige Anwendung das Leben der Patienten und vermeidet Folgekosten.

tagesschau.de

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat in den USA die Zulassung für eine Gen-Therapie erhalten. Die einmalige Dosis des Medikaments kostet gut zwei Millionen Dollar und ist damit die teuerste Arznei der Welt. Die Behörde FDA genehmigte den Einsatz der Arznei Zolgensma bei Kindern unter zwei Jahren, die an der Erbkrankheit Spinale Muskelatrophie leiden.

Langfristig rentabel

Mit dem Mittel hat Novartis eine Diskussion über die Kosten von Gen-Therapien angestoßen: Denn zunächst waren beim Zulassungsverfahren die hohen Kosten auf Widerstand der Behörden gestoßen. Doch Novartis argumentierte offenbar erfolgreich, die einmalige Anwendung rette das Leben von Patienten, die andernfalls auf Langzeitbehandlungen mit Kosten von mehreren Hunderttausend Dollar pro Jahr angewiesen wären.

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Kirche braucht „intelligente Lösungen“ für Gebäudemanagement

Die Kirche verfügt über eine Vielzahl von Gebäuden. Die rund 1.400 Immobilien in der braunschweigischen Landeskirche könnten jedoch in Zukunft zur Last werden. Jetzt befasste sich die Synode damit, wie mit den Gebäuden umgegangen werden soll.

evangelisch.de

Obwohl die braunschweigische Landeskirche sich perspektivisch von einem Teil ihrer Gebäude trennen muss, will Landesbischof Christoph Meyns die kirchliche Arbeit in der Fläche präsent halten. „Es ist jetzt an der Zeit, sich intelligente Lösungen zu überlegen“, sagte der evangelische Theologe am Sonnabend am Rande der braunschweigischen Synode dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Vor allem braucht es Menschen, die die Kirche auch im ländlichen Raum repräsentieren.“ Die Tagung des braunschweigischen Kirchenparlamentes setzte sich diesmal vor allem mit der Zukunft kirchlicher Gebäude auseinander.

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Laufroboter zieht Flugzeug

Leistungstest auf ungewöhnliche Art: Laufroboter HyQReal zeiht ein kleines Passagierflugzeug hinter sich her. © IIT-Istituto Italiano di Tecnologia
Skurriler Leistungstest: Auf einem Flughafen in Genua hat ein vierbeiniger Laufroboter seine Zugkraft auf ungewöhnliche Art bewiesen – er zog erfolgreich ein kleines Passagierflugzeug hinter sich her. Der hydraulische Roboter HyQReal soll später Rettungskräfte bei Katastropheneinsätzen unterstützen und muss dabei auch schwere Lasten heben und ziehen können. Das Flugzeug-Ziehen belegt nun, dass HyQReal sogar fast das 30-Fache seines Gewichts bewältigen kann.

scinexx

Roboter helfen nicht nur am Fließband und im Haushalt, sie können auch wertvolle Dienste im Katastrophenfall leisten – beispielweise um eingestürzte Gebäude zu erkunden, Feuer zu löschen oder Trümmer beiseite zu räumen. Einige Roboter verfügen dafür über eine besonders schmale, anpassungsfähige Form, andere können Hindernisse überspringen oder sich im Schwarm organisieren.

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Apostel Overbeck: Kein synodaler Weg ohne Verbindlichkeit

Bild: © KNA/Harald Oppitz
Der „Synodale Weg“ müsse ein Weg der ganzen Kirche in Deutschland sein, fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Und am Ende müssten konkrete Ergebnisse stehen. Sonst drohe der Kirche völlige Belanglosigkeit.

katholisch.de

Der von den deutschen Bischöfen geplante „Synodale Weg“ muss nach Worten von Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck „ergebnisoffen und möglichst klar strukturiert“ gestaltet werden. „Der ‚Synodale Weg‘ kann nur ein Weg der ganzen Kirche in Deutschland sein“, sagte er am Samstag in Münster. Der Prozess müsse eine breite Teilhabe ermöglichen und in verbindliche Ergebnisse münden. „Ohne Verbindlichkeit gibt es diesen Weg mit mir als Bischof nicht“, unterstrich Overbeck. Er äußerte sich bei einer Fachtagung der Katholisch-Theologischen Fakultät.

In den Beratungen müsse zudem ein anderer Stil des Umgangs entwickelt werden. „Wir brauchen ein diskursives Miteinander und ein Ringen um das bessere Argument“, betonte der Bischof.

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