Amerikas Inbegriff des Bösen ist wieder auf freiem Fuß


foto: afp Erst ein junger Nordkalifornier, dann ein Taliban.
Der US-Bürger John Walker Lindh ist nach 9/11 als Taliban verurteilt worden. Seine Freilassung löste eine Debatte aus

Frank Herrmann | derStandard.at

Das Gesicht war dreckverschmiert, das Haar verfilzt, der Bart wucherte. Als John Walker Lindh drei Monate nach den 9/11-Anschlägen von Kameraleuten gefilmt wurde, war er der Schurke, der sein eigenes Land verraten hatte. Der Inbegriff des Bösen. Ein Amerikaner, der nach Afghanistan gegangen war, um den Taliban zu helfen, den Beschützern Osama Bin Ladens, und nun in Handschellen nach Hause gebracht wurde. Die Regierung George W. Bushs nannte ihn den Häftling 001 im Krieg gegen den Terror. „Ich glaube, die Todesstrafe ist die angemessene Lösung, die wir in Betracht ziehen sollten“, sagte Rudy Giuliani, damals der Bürgermeister New Yorks.

Seit ein paar Tagen ist Lindh ein freier Mann. Ursprünglich zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, wurde er wegen guter Führung schon nach 17 Jahren entlassen. Er bleibt unter Beobachtung, die Auflagen sind streng. Ein Smartphone darf er nur kaufen, wenn die Behörden es gestatten. Welche Seiten er im Internet anklickt, wird rund um die Uhr überwacht. Fürs Erste darf er sich nur im engeren Umkreis von Alexandria aufhalten, der Stadt in Virginia, in der er schuldig gesprochen worden ist. An eine Rückkehr ins Marin County, in den idyllischen Küstenlandstrich nördlich von San Francisco, aus dem er stammt, ist vorläufig nicht zu denken.

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