Die Rückeroberung Istanbuls


Istanbul. Bild: Selda Yildiz und Erol Gülsen/Istanbul und Türkei Community. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE
Erdogans AKP steht mit dem Rücken zur Wand, während die Opposition im Wahlkampf wirkt, als wäre sie gerade aus einem langen Winterschlaf erwacht

Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Am 23. Juni finden in Istanbul Neuwahlen statt. Nachdem im ersten Wahlgang erstmals seit 1994 die oppositionelle CHP den Urnengang gewann, intervenierte Staatschef Recep Tayyip Erdogan bei der obersten Wahlbehörde YSK und ließ das Votum annullieren. In einer fairen und freien Wahl, daran zweifelt bislang niemand, würde CHP-Kandidat Ekrem Imamoglu erneut die Mehrheit der Stimmen holen. Aber mit fairen und freien Wahlen ist das so eine Sache in der Türkei…

Am 20. Mai trat Imamoglu in einer Livesendung des inzwischen unter weitgehender staatlicher Kontrolle stehenden Nachrichtensenders CNN Türk auf. Das Gespräch mit Moderator Ahmet Hakan sollte eigentlich bis Mitternacht dauern. Doch als Imamoglu begann, über Verschwendung von öffentlichen Geldern durch die AKP-Stadtverwaltung in Istanbul zu sprechen, wurde die Sendung unerwartet abgebrochen – um 23.30 Uhr.

In den sozialen Netzwerken führte das zu einem Ausbruch der Empörung – was schon deshalb bemerkenswert ist, weil in den letzten Jahren Zehntausende Menschen, die online die Regierung kritisiert hatten, vor Gericht gezerrt wurden. Das mag ein Zeichen dafür sein, dass die Anhänger der Opposition ihren Mut zurückgewinnen.

weiterlesen