Der Korpsgeist des Whistleblowers


Nach angeblichen Scheinerschießungen in der Staufer-Kaserne in Pfullendorf begann Patrick J. mit seinen privaten Ermittlungen. (Foto: Thomas Warnac/DPA)
  • Der Unteroffizier Patrick J. soll unehrenhaft entlassen werden.
  • Er soll Dutzende Kameraden wegen angeblich rechtsextremen oder NS-verherrlichenden Sprüchen angezeigt haben.
  • Soll hier ein unbequemer Whistleblower beseitigt werden?

Von Ronen Steinke | Süddeutsche Zeitung

An diesem Montagnachmittag wird in der obersten Etage des Verteidigungsministeriums ein ungewöhnlicher Besucher erwartet. Es ist ein junger Unteroffizier. Einer, der sehr genau hingehört hat, wenn seine Kameraden angeblich rechtsextreme oder NS-verherrlichende Sprüche machten in den vergangenen Jahren. Dutzende Kameraden hat er schon angezeigt. So viele vertrauliche Tipps auf rechte Umtriebe hat er abgegeben – und penibel dokumentiert – wie noch kein Bundeswehrsoldat je zuvor.

Der Soldat heißt Patrick J., er ist 31 Jahre alt, und eingeladen hat ihn Staatssekretär Gerd Hoofe, ein langjähriger Begleiter der Ministerin Ursula von der Leyen (CDU). Aber es könnte ein frostiger Termin werden. Denn die Bundeswehr ist gerade dabei, diesen Unteroffizier hinauszuwerfen. Eine unehrenhafte Entlassung ist beschlossen. Am 15. Juni soll bereits sein letzter Tag sein, so berichtet der Spiegel. Die Vorgesetzten von Patrick J. meinen demnach, es fehle ihm an der „charakterlichen Eignung“. Zum einen wegen einer Geldstrafe von 1500 Euro, die er kürzlich wegen „Missbrauchs der Befehlsbefugnis“ bekommen hat; was noch nicht rechtskräftig ist. Vor allem aber wegen seiner vielen, angeblich häufig falschen Neonazi-Verdächtigungen.

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