Klöckner: Ohne Distanz zur „Philosophie von Nestlé“

Foto (2018): Olaf Kosinsky/CC BY-SA 3.0 DE
Sich derart zum Verbündeten der PR-Arbeit des Konzerns zu machen, wie es die Landwirtschaftsministerin vorführt, ist nicht harmlos, wie das Beispiel Frankreich zeigt

Thomas Pany | TELEPOLIS

Essen und Trinken sei wichtig, sagt die Ministerin, „aber die Frage ist, ist es mit unserer Umwelt gut vereinbar und ist es vor allen Dingen gut für unsere Gesundheit und deshalb freue ich mich, dass wir uns heute über die Philosophie von Nestlé unterhalten haben“. Am Ende des 1-Minute-Instant- Videoclips („Tüte Unternehmensphilosophie auf, heißes Wasser drauf und fertig“) wird serviert: Es geht, Nestlé Germany, unterstützt die Regierungsstrategie zur guten Ernährung.

Man habe in den letzten Jahren circa 10 Prozent Zucker, Salz und Fette reduziert, sagt der Konzernchef von Nestlé Deutschland. „In der Zukunft kommen sicher noch 5 Prozent hinzu“. Das sei aber noch nicht genug. Er stellt Innovationen in Aussicht. Ende des Clips.

Wenn sich ein Konzernchef wie CEO Marc Boersch mit einer Ministerin im für sein Geschäftsfeld zuständigen Ressort, wie Julia Klöckner vom BMEL, in ungezwungener Atmosphäre trifft, so ist das allein schon eine kostbare Gelegenheit. Umso mehr, wenn das dann auch noch vom Ministerium positiv nach außen übermittelt wird. Es gibt genug Geschichten von Unternehmern, die eine Menge Geld dafür zahlen, dass sie sich mit Politikern treffen können und das ist noch gar keine Werbung dabei.

Der Clip des Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung wurde weit über 500.000 Mal aufgerufen. Es gab empörte Reaktionen über die „Schleichwerbung“. Die Medienanstalt Berlin Brandenburg will den Fall nun prüfen.

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Die Vorratsdatenspeicherung soll EU-weit zurückkehren

Bild von Pete Linforth auf Pixabay
Die Vorratsdatenspeicherung soll zurückkehren. So lautet zumindest der Wille des EU-Rats, der nun der EU-Kommission den Auftrag erteilt hat, sich mit dem Thema zu befassen.

Muzayen Al-Youssef | derStandard.at

Dabei handelt es sich um die Speicherung bestimmter Daten wie Anrufprotokolle, Standortdaten und Einordnungen zu der genutzten IP-Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt – und die Weitergabe dieser Informationen an Behörden. 2014 und 2016 hat der Europäische Gerichtshof sie gekippt, da anlasslos Daten von Personen gespeichert wurden, bei denen es keinen Verdacht auf Straftaten gab.

Arbeitsgruppe arbeitet an legaler Version

In einer eigenen EU-weiten Arbeitsgruppe wurde nun erörtert, wie diese Vorgaben umgangen werden könnten. Die türkis-blaue Regierung war maßgeblich daran beteiligt, diese ins Leben zu rufen. Dort kam man zu dem Entschluss, dass das Verbot des EuGH sich zwar auf Verkehrs- und Standortdaten beziehe, nicht aber auf Stammdaten – beispielsweise Namen und Adresse.

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Ausdauer: Wo liegt das Leistungslimit?

Unser Körper ist zu beeindruckenden Ausdauerleistungen fähig. © Bryce Carlson
Natürliches Limit: Forscher haben herausgefunden, warum Ausdauersportler nicht ständig neue Geschwindigkeitsrekorde brechen können. Wie ihre Studie zeigt, scheint es eine physiologisch bedingte Leistungsgrenze zu geben. Bei länger andauernden Aktivitäten fährt der Stoffwechsel demnach irgendwann herunter und pendelt sich auf einem konstanten Niveau ein. Dieses liegt offenbar nie höher als das 2,5-Fache der individuellen Grundstoffwechselrate.

scinexx

Ob Tour de France oder Ironman: Sportwettkämpfe wie diese beweisen immer wieder, zu welch beeindruckenden Ausdauerleistungen der menschliche Körper fähig ist. Doch wo liegt die Grenze? Auch die besten Sportler können auf langen Distanzen nicht unbegrenzt neue Rekorde aufstellen, so scheint es. Gibt es womöglich ein natürliches Limit das bestimmt, wie viel Energie wir auf Dauer maximal verbrennen können – und somit auch, was wir zu leisten im Stande sind?

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Keine Turbane für Polizisten

Quebec, Burg Frontenac. Bild von Jean-François Gagnon auf Pixabay
Die kanadische Provinz Quebec plant derzeit als einzige Region Nordamerikas ein Laizitätsgesetz – die Proteste dagegen sind massiv.

Julian Bernstein | tachles.ch

Staatsbedienstete mit religiösen Kopfbedeckungen gehören in nordamerikanischen Grossstädten immer mehr zum Alltag. So vertritt bei der New Yorker Polizei eine eigene Organisation die Belange der rund 160 Anhänger der Sikh-Religion. Seit 2016 dürfen Sikhs im Polizeidienst Turbane tragen, die farblich auf die blauen Uniformen abgestimmt sind. Besonders tolerant gegenüber seinen religiösen Minderheiten zeigt sich tradi­tionell Kanada. Hier trägt selbst der amtierende Verteidigungsminister Harjit Singh Sajjan einen Turban, ohne dass dies bislang zu nennenswerter Kritik geführt hätte. Nun droht die frankophone kanadische Provinz Quebec aus diesem Konsens auszuscheren. Hier hält die konservative Coalition Avenir Quebec (CAQ) eine absolute Mehrheit im Provinzparlament. Ihre Regierung betreibt ein Gesetz, das einem Teil der staatlichen Angestellten das Tragen religiöser Symbole verbieten würde.

Für Staatsangestellte mit Machtbefugnissen

Die CAQ will das Vorhaben bis zum 14. Juni ver­abschieden und provoziert damit seit Wochen massive Proteste. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau bezeichnete das Gesetz als diskriminierend und im multikulturellen Kanada «undenkbar». Der Bürgermeister von Calgary, Naheed Nenshi, forderte die betroffenen Minderheiten in Quebec auf, in die Provinz Alberta überzusiedeln. Besonders hartnäckig sind die Proteste im sprachlich geteilten Montreal, der mit rund zwei Millionen Einwohnern grössten Stadt Quebecs. Die frankophone Mehrheitsgesellschaft der Provinz unterstützt die Gesetzesinitiative mehrheitlich. Aber Montreal ist eine Hochburg selbstbewusster Minderheiten.

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Gotteswahn: Netflix-Boykott weitet sich aus— Christen in England stornieren Abos

Jetzt haben auch in England Christen und Pro-Life-Gruppen dazu aufgerufen, den Videostreamer zu boykottieren.

kath.net

Der Boykott von Netflix weitet sich aus. Jetzt haben auch in England Christen und Pro-Life-Gruppen dazu aufgerufen, den Videostreamer zu boykottieren. Eine Petition wurde bereits von tausenden Menschen unterzeichnet. Clare McCarthy, die Sprecherin von „Right to Life UK“ erklärte gegenüber Medien: „Ich und viele andere haben heute unser Netflix-Abo storniert. Wir können keine Firma unterstützen, die aktiv Abtreibung fördert.“ Netflix hatte nach der Einführung eines Pro-Life-Gesetzes in George den US-Bundesstaat unter Druck gesetzt und mit Boykott von Filmproduktionen gedroht. In den USA haben Christen daraufhin mit einem Boykottaufruf von Netflix geantwortet, kath.net hat berichtet.

Auch Millionen von Jungen werden schon als Kinder verheiratet

Nicaragua (hier eine Einkaufshalle in Managua) ist einer der Länder der Erde, in der auch Jungen häufig bereits als Kinder zwangsverheiratet werden Quelle: AP
Nicht nur Mädchen, auch Jungen werden oft gegen ihren Willen früh in Ehen gezwungen: Laut einer Schätzung des Kinderhilfswerks wurden weltweit über 100 Millionen Jungen verheiratet, obwohl sie teils noch nicht einmal 15 Jahre alt waren.

DIE WELT

Für die Untersuchung, die Unicef Deutschland nun vorlegt hat, wurden Zahlen aus 82 Ländern ausgewertet. Sie richtet den Blick auf ein wenig bekanntes, aber offenbar weit verbreitetes Phänomen: Nicht nur Mädchen, sondern auch viele Jungen sind von Kinderehen betroffen.

In den untersuchten Ländern wurden rund 115 Millionen der heute 20 bis 24 Jahre alten Männer bereits vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, wie Unicef mitteilte. Jeder fünfte von ihnen (23 Millionen) war bei seiner Hochzeit noch nicht einmal 15 Jahre alt. Üblich sind Kinderehen bei Jungen demnach in einer Reihe von afrikanischen Ländern südlich der Sahara, in Lateinamerika und Karibik, in Südasien sowie Ost-Asien und in der Pazifik-Region verbreitet.

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Deutsche Justizminister verlangen Sicherheitslücken in 5G

Themenbild. Bild von succo auf Pixabay
Der neue Mobilfunkstandard ist nicht nur schnell, sondern auch sicher. Ein Novum, dass die Justizminister per Beschluss ändern wollen. Abhöraktionen seien mit 5G nämlich nicht mehr so leicht möglich.

Die Presse.com

Der neue Mobilfunkstandard 5G ist auf dem Weg Realität zu werden. Er ist schneller und ermöglicht der Wirtschaft viele neue Möglichkeiten, wenn es um Echtzeit-Datentransfer geht. Doch den deutschen Justizministern ist ein Aspekt des Standards ein Dorn im Auge: die Sicherheit. Denn mit 5G sei die Überwachung nicht mehr so leicht möglich. Und das soll per Beschluss geändert werden.

Konkret heißt es, dass die Anbieter der 5G-Netze technisch in der Lage und rechtlich verpflichtet sind, die TKÜ-Daten (Telekommunikationsüberwachung) den Ermittlungsbehörden in gleichem Umfang und in gleicher technischer Qualität wie bisher zur Verfügung zu stellen“. Der Beschlussvorschlag wird am Mittwoch in der Frühjahrskonferenz eingereicht. Die Justizministerin wird laut Spiegel-Bericht dazu angehalten, die ausstehenden technischen Spezifikationen den „Anforderungen der Strafverfolgung“ zu berücksichtigen.

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Kirche und Staat „am Schei­deweg“ – Empfang der Kirchen für die Bundesjustiz

Bundesverfassungsgericht Karlsruhe (gemeinfrei, from RoBi 2006)
Einmal im Jahr laden die großen christlichen Kirchen die Karlsruher Bundesjustiz zum Empfang. Diesmal warb Erzbischof Georg Gänswein aus dem Vatikan für die katholische Sicht auf Menschenwürde und Recht. Christian Rath war dabei.

Von Dr. Christian Rath | LTO

Zu keiner gesellschaftlichen Gruppe sind die institutionellen Kontakte der Karlsruher Justiz so eng wie zu den beiden großen christlichen Kirchen. Das lässt sich anschaulich am jährlichen Empfang, aber auch an dem kontinuierlich arbeitenden „Foyer Kirche und Recht“ zeigen.

Der Jahresempfang ist keine gemeinsame Veranstaltung von Kirche und Justiz, sondern eine Veranstaltung der Kirchen für die Justiz. Die Einladung stammt vom katholischen Freiburger Erzbischof Stephan Burger und vom evangelischen badischen Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh. Eingeladen sind das Bundesverfassungsgericht, der Bundesgerichtshof, die Bundesanwaltschaft und die Rechtsanwaltskammer beim BGH.

Erzbischof Georg Gänswein als Festredner hatte allerdings wohl eher das Gefühl, bei einer Veranstaltung der Justiz zu sprechen und bezeichnete es als „kleines Wunder“, „dass Sie nun mich als Angehörigen jenes Berufstandes, dessen Leumund zuletzt so grauenhaft unter die Räder gekommen ist, überhaupt eingeladen haben“. Doch die Veranstaltung fand ganz eindeutig im Haus der Katholischen Kirche in Karlsruhe statt und es sang ein katholischer Mädchenchor.

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Evangelikale Privatschulen: Wo Gottes Wort weiterhin Pflicht ist

Ein Kreuz in einer Sekundarschule im Kanton St. Gallen. Evangelikale Privatschulen sind weniger zurückhaltend mit ihren Botschaften. (Bild: Dominic Steinmann / NZZ)
Im 19. Jahrhundert entreisst der liberale Staat die Volksschule den Kirchen und macht sie zum Instrument der Integration. Katholiken und Reformierte gründen daraufhin eigene Schulen. Heute dominieren Evangelikale die religiöse Szene.

Urs Hafner | Neue Zürcher Zeitung

Die Gretchenfrage ist unvermeidbar: Wie hält es Ihre Privatschule mit der Sexualität? Eric Flurys Antworten bleiben vage. Die Eltern nähmen an Weiterbildungen teil, damit sie die sexuelle Entwicklung ihrer Kinder besser verstehen und sie in der Identitätsfindung begleiten könnten. Und die Homosexualität? Die Schule befasse sich nun mit dem Sexualunterricht und werde die Sichtweise definieren. Auf jeden Fall werde die Freiheit der Jugendlichen respektiert, ihre sexuelle Orientierung zu bestimmen, schiebt Flury nach.

Flury ist Leiter der Schulkooperative, einer christlichen, bibelfundierten Privatschule in Biel und Thun mit über hundert Schülerinnen und Schülern. Sie ist vom Kanton Bern anerkannt. Flury, der an einer Dissertation zur evangelischen Lehrerbildungsgeschichte arbeitet, lebt offensichtlich für seine Schule. Er berichtet von der engagierten Zusammenarbeit der Lehrerinnen mit den Eltern, von Theateranlässen, die von einigen hundert Jugendlichen der Volksschule besucht werden, von Sozialeinsätzen der Schüler «bei Leuten mit Migrationshintergrund». Die öffentliche Schule spreche über Religion, sagt Flury, die Schulkooperative aber praktiziere den Glauben. Das Gebet ist Teil des Unterrichts.

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Asyl-Netzwerk: Innenminister sollen Regeln für Kirchenasyl lockern

Das ökumenische Netzwerk „Asyl in der Kirche“ hat die Innenminister der Länder aufgefordert, den Umgang mit sogenannten Dublin-Kirchenasylen zu verändern.

evangelisch.de

Die Innenminister sollten dazu beitragen, „dass der ursprüngliche Sinn der Vereinbarung zwischen Kirchen und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) – das gemeinsame Suchen nach humanitären Lösungen in besonderen Härtefällen – wieder sichtbar wird“, heißt es in einem Offenen Brief, den das ökumenische Netzwerk am Donnerstag in Berlin veröffentlichte. Die Innenminister von Bund und Ländern beraten am Donnerstag und Freitag kommender Woche in Kiel.

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Türkei baut Lager für syrische Flüchtlinge ab

Kürzlich geschlossenes Lager in Suruç/Türkei. Bild (von 2016): Vladimir Platonow/Agência Brasil/CC BY 3.0 BR
Offiziell wird dies mit der wirtschaftlichen Lage begründet. Unterstützt wird damit die Islamisierungspolitik türkischer „Protektorate“ im Norden Syriens

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Türkei schließt nach und nach Lager für syrische Flüchtlinge auf ihrem Territorium. Als Grund werden die hohen Kosten angeführt und Probleme bei der Integration von Flüchtlingen, die in Lagern leben. Von insgesamt 21 Flüchtlingslagern wurden bereits acht geschlossen, berichtet al-Monitor. In den kommenden Monaten sollen alle geschlossen werden.

In den noch geöffneten 13 Lagern sind 117.000 Syrer untergebracht. Wohin sie nach Schließung der Lager gehen sollen, ist unklar.

Der Bericht legt anhand von Aussagen eines Experten und Hintergrundinformationen von Menschenrechtsgruppen nahe, dass die Türkei auf Rückkehr der Flüchtlinge nach Syrien drängt. Der Unterhalt der Lager komme dem Land, das in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt, zu teuer, so lautet die offizielle Begründung. Erwähnt werden auch Integrationsprobleme. Diejenigen, die isoliert im Lager leben, haben es schwer, sich in das türkische Leben einzugliedern.

3,6 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei

Die Flüchtlinge in den Lagern sind Teil eines größeren Problems. Sie machen nur einen kleinen Anteil der insgesamt 3,6 Millionen Syrer aus, die das Innenministerium in Ankara im Mai 2019 als Flüchtlinge mit einem befristeten Schutzstatus registriert. Die allermeisten – 96 Prozent laut Angaben aus dem letzten Jahr – leben in Städten. Vor allem in Istanbul, wo sich mehr als eine halbe Million Flüchtlinge aus Syrien aufhalten soll. (Vor vier Jahren lebten noch 17,5 Prozent der Flüchtlinge in den Lagern).

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Unbemannte Systeme: Militärroboter handeln schon heute größtenteils autonom

Der Roboter THeMIS von Milrem Robotics ohne Raketenwerfer und Maschinengewehr. (Bild: Hans-Arthur Marsiske)
Wer zuerst schießt, lebt länger. Das versprechen autonome Waffensysteme. Während über Killerroboter diskutiert wird, schreitet deren Entwicklung voran.

Von Hans-Arthur Marsiske | heise online

In seinem Vortrag werde die zukünftige Eurodrohne „aus politischen Gründen“ nur ohne Waffen zu sehen sein, sagte Thomas Reinartz von Airbus. Aber natürlich werde es sich bei der Drohne, die unter Leitung von Airbus Deutschland zusammen mit Leonardo (Italien) und Dassault (Frankreich) entwickelt werden soll, um ein bewaffnungsfähiges System handeln.

Das Angebot sei vor einer Woche abgegeben worden, sagte Reinartz beim Forum „Unbemannte Systeme“ in Bonn. Das Projekt läuft unter dem Kürzel MALE RPAS, was ausgeschrieben bedeutet „Medium Altitude Long Endurance Remotely Piloted Aircraft System“. Es geht also um ein unbemanntes, ferngesteuertes Flugzeug, das in mittlerer Höhe lange in der Luft bleiben kann. Mit dieser Entwicklung will sich Europa unabhängig von den bislang dominierenden Militärdrohnen aus Israel und den USA machen. Auf Reinartz‘ Vortragsfolien war deswegen auch der stolze Untertitel zu lesen: „A declaration of European independence“.

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Gewalt gegen Kinder: „50 Prozent der Misshandlungen laufen ab wie eine chronische Erkrankung“

Zwei Handpuppen in der Medizinischen Kinderschutzambulanz einer Klinik in Hessen. Hier werden Kinder und Jugendliche behandelt, bei denen der Verdacht auf Misshandlung, Vernachlässigung oder Missbrauch vorliegt. (Foto: dpa)
Der Verein Riskid bietet ein Frühwarnsystem, um Kindesmissbrauch zu stoppen. Kinderarzt Ralf Kownatzki fordert, dass Ärzte sich noch leichter austauschen können – und ist froh, dass Missbrauch kein Tabuthema mehr ist.

Interview von Edeltraud Rattenhuber | Süddeutsche Zeitung

Der Duisburger Kinderarzt Ralf Kownatzki kämpft seit Jahren für einen besseren Schutz von Kindern vor Gewalt jeglicher Art. Seinem Verein Riskid, der vor 14 Jahren in Duisburg als Frühwarnsystem zur Prävention von Kindesmissbrauch gestartet ist, haben sich mittlerweile mehr als 300 Ärzte, Kliniken und Institutionen angeschlossen.

SZ: Herr Kownatzki, überraschen Sie die in Berlin vorgestellten Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zur „Gewalt gegen Kinder“?

Ralf Kownatzki: Nein, überhaupt nicht. Die Zahlen schwanken seit Jahren zwischen zwei und drei getöteten Kindern pro Woche hier in der Bundesrepublik.

Wie hoch ist denn aus Ihrer Sicht die Dunkelziffer insgesamt bei Gewalt gegen Kinder?

Sehr hoch. Man geht von bis zu 80 000 Fällen pro Jahr aus, je nach Schätzung. Bei allen Formen der Misshandlung und des sexuellen Missbrauchs bei Kindern ist von einer vielfach höheren Dunkelziffer auszugehen, da die PKS ja nur die bekannt gewordenen Fälle auflistet.

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Eine ziemliche Eselei: AfD-naher Künstler Axel Krause wird von Leipziger Jahresausstellung ausgeschlossen

Die Baumwollspinnerei, ein Leipziger Kunstquartier und Schauplatz der Leipziger Jahresausstellung, die nun doch – zum 26. Mal – stattfinden soll. (Bild: Spinnerei Neonreklame; Uwe Walter / PD, 2006)
Die 26. Leipziger Jahresausstellung findet nach Protesten ohne die Werke des AfD-nahen Künstlers Axel Krause statt. Die Aufmerksamkeit, die Krauses Kritiker ihm entziehen wollten, ist ihm nun jedenfalls gewiss.

Hansjörg Müller | Neue Zürcher Zeitung

Es war ein peinliches Hin und Her: Eigentlich sollte die Leipziger Jahresausstellung am Freitag eröffnet werden. Letztes Wochenende entschied der veranstaltende Verein LIA nach Protesten gegen die Teilnahme des Malers Axel Krause, die Leistungsschau lokaler Künstler dieses Jahr ausfallen zu lassen. Krause macht aus seiner Sympathie für die rechte AfD kein Geheimnis; seit letztem Jahr gehört er dem Kuratorium der parteinahen Desiderius-Erasmus-Stiftung an. Am Dienstag besannen sich die Veranstalter anders: Wenn «alle vorbereitenden Arbeiten» abgeschlossen seien, werde die Ausstellung in der Leipziger Baumwollspinnerei eröffnet, heisst es auf der LIA-Homepage. Wann genau dies der Fall sein wird, blieb offen. Werke Krauses sollen an der Ausstellung nicht gezeigt werden.

Auf dem Kunstmarkt erfolgreich

Der 1958 in Halle geborene Maler galt in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren als hoffnungsvolles Talent. Anders als Künstlern wie Neo Rauch oder Tim Eitel, den Leitfiguren der Neuen Leipziger Schule, blieb Krause der ganz grosse Durchbruch versagt. Auf dem Kunstmarkt ist er allerdings durchaus erfolgreich: Werke von ihm wurden auch schon bei Sotheby’s in New York versteigert.

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Ist der Mutterleib doch nicht steril?

Ist das Kind bereits im Mutterleib Bakterien ausgesetzt? © Janulla/ thinkstock
Von wegen unbesiedelt: Das menschliche Mikrobiom entwickelt sich womöglich doch schon im Mutterleib – und nicht erst nach der Geburt. Denn wie eine Studie nahelegt, ist die Gebärmutter alles andere als steril. Darauf deuten Funde bakterieller DNA in Fruchtwasser und Stuhlproben Neugeborener hin. Das Baby könnte entgegen gängiger Annahme demnach bereits im Mutterleib mit ersten nützlichen Bakterien in Kontakt kommen.

scinexx

Dass nützliche bakterielle Mitbewohner für unsere Gesundheit eine entscheidende Rolle spielen, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Doch wann beginnt sich dieses Mikrobiom zu entwickeln? Lange Zeit gingen Mediziner davon aus, dass der erste Kontakt mit Bakterien im Geburtskanal stattfindet. Die Gebärmutter galt dagegen als steril – zumindest, solange während der Schwangerschaft nichts schiefgeht.

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Staatsanwalt nennt Namen des Zeugen in Pell Prozess: Fauxpas vor Gericht

Anwalt im Gericht © Pierre-Antoine Pluquet (KNA)
Im Berufungsprozess von Kardinal Pell hängt viel an den Aussagen eines einzelnen Belastungszeugen. Bisher war dessen Identität der Öffentlichkeit nicht bekannt – bis dem Staatsanwalt während der Verhandlung der Name herausrutschte.

DOMRADIO.DE

Ein Fauxpas der Staatsanwaltschaft hat am zweiten Tag der Beratungen im Berufungsverfahren gegen den australischen Kardinal George Pell die Schlagzeilen dominiert.

Staatsanwalt Christopher Boyce nannte am Donnerstag vor einem Gericht in Melbourne versehentlich den Namen des einzigen Belastungszeugen, der aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes hätte geheim bleiben sollen.

Aussage des Zeugen sorgte für Schuldspruch 

Wegen der Aussage dieses Zeugen war Pell im Dezember von einem Geschworenengericht für schuldig befunden worden, 1996 als Erzbischof von Melbourne einen 13 Jahre alten Jungen missbraucht und einen anderen belästigt zu haben. Im März wurde der 77-Jährige deshalb zu sechs Jahren Haft verurteilt.

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