Evangelikale Privatschulen: Wo Gottes Wort weiterhin Pflicht ist


Ein Kreuz in einer Sekundarschule im Kanton St. Gallen. Evangelikale Privatschulen sind weniger zurückhaltend mit ihren Botschaften. (Bild: Dominic Steinmann / NZZ)
Im 19. Jahrhundert entreisst der liberale Staat die Volksschule den Kirchen und macht sie zum Instrument der Integration. Katholiken und Reformierte gründen daraufhin eigene Schulen. Heute dominieren Evangelikale die religiöse Szene.

Urs Hafner | Neue Zürcher Zeitung

Die Gretchenfrage ist unvermeidbar: Wie hält es Ihre Privatschule mit der Sexualität? Eric Flurys Antworten bleiben vage. Die Eltern nähmen an Weiterbildungen teil, damit sie die sexuelle Entwicklung ihrer Kinder besser verstehen und sie in der Identitätsfindung begleiten könnten. Und die Homosexualität? Die Schule befasse sich nun mit dem Sexualunterricht und werde die Sichtweise definieren. Auf jeden Fall werde die Freiheit der Jugendlichen respektiert, ihre sexuelle Orientierung zu bestimmen, schiebt Flury nach.

Flury ist Leiter der Schulkooperative, einer christlichen, bibelfundierten Privatschule in Biel und Thun mit über hundert Schülerinnen und Schülern. Sie ist vom Kanton Bern anerkannt. Flury, der an einer Dissertation zur evangelischen Lehrerbildungsgeschichte arbeitet, lebt offensichtlich für seine Schule. Er berichtet von der engagierten Zusammenarbeit der Lehrerinnen mit den Eltern, von Theateranlässen, die von einigen hundert Jugendlichen der Volksschule besucht werden, von Sozialeinsätzen der Schüler «bei Leuten mit Migrationshintergrund». Die öffentliche Schule spreche über Religion, sagt Flury, die Schulkooperative aber praktiziere den Glauben. Das Gebet ist Teil des Unterrichts.

weiterlesen