Gewalt gegen Kinder: „50 Prozent der Misshandlungen laufen ab wie eine chronische Erkrankung“


Zwei Handpuppen in der Medizinischen Kinderschutzambulanz einer Klinik in Hessen. Hier werden Kinder und Jugendliche behandelt, bei denen der Verdacht auf Misshandlung, Vernachlässigung oder Missbrauch vorliegt. (Foto: dpa)
Der Verein Riskid bietet ein Frühwarnsystem, um Kindesmissbrauch zu stoppen. Kinderarzt Ralf Kownatzki fordert, dass Ärzte sich noch leichter austauschen können – und ist froh, dass Missbrauch kein Tabuthema mehr ist.

Interview von Edeltraud Rattenhuber | Süddeutsche Zeitung

Der Duisburger Kinderarzt Ralf Kownatzki kämpft seit Jahren für einen besseren Schutz von Kindern vor Gewalt jeglicher Art. Seinem Verein Riskid, der vor 14 Jahren in Duisburg als Frühwarnsystem zur Prävention von Kindesmissbrauch gestartet ist, haben sich mittlerweile mehr als 300 Ärzte, Kliniken und Institutionen angeschlossen.

SZ: Herr Kownatzki, überraschen Sie die in Berlin vorgestellten Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zur „Gewalt gegen Kinder“?

Ralf Kownatzki: Nein, überhaupt nicht. Die Zahlen schwanken seit Jahren zwischen zwei und drei getöteten Kindern pro Woche hier in der Bundesrepublik.

Wie hoch ist denn aus Ihrer Sicht die Dunkelziffer insgesamt bei Gewalt gegen Kinder?

Sehr hoch. Man geht von bis zu 80 000 Fällen pro Jahr aus, je nach Schätzung. Bei allen Formen der Misshandlung und des sexuellen Missbrauchs bei Kindern ist von einer vielfach höheren Dunkelziffer auszugehen, da die PKS ja nur die bekannt gewordenen Fälle auflistet.

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