Keine Turbane für Polizisten


Quebec, Burg Frontenac. Bild von Jean-François Gagnon auf Pixabay
Die kanadische Provinz Quebec plant derzeit als einzige Region Nordamerikas ein Laizitätsgesetz – die Proteste dagegen sind massiv.

Julian Bernstein | tachles.ch

Staatsbedienstete mit religiösen Kopfbedeckungen gehören in nordamerikanischen Grossstädten immer mehr zum Alltag. So vertritt bei der New Yorker Polizei eine eigene Organisation die Belange der rund 160 Anhänger der Sikh-Religion. Seit 2016 dürfen Sikhs im Polizeidienst Turbane tragen, die farblich auf die blauen Uniformen abgestimmt sind. Besonders tolerant gegenüber seinen religiösen Minderheiten zeigt sich tradi­tionell Kanada. Hier trägt selbst der amtierende Verteidigungsminister Harjit Singh Sajjan einen Turban, ohne dass dies bislang zu nennenswerter Kritik geführt hätte. Nun droht die frankophone kanadische Provinz Quebec aus diesem Konsens auszuscheren. Hier hält die konservative Coalition Avenir Quebec (CAQ) eine absolute Mehrheit im Provinzparlament. Ihre Regierung betreibt ein Gesetz, das einem Teil der staatlichen Angestellten das Tragen religiöser Symbole verbieten würde.

Für Staatsangestellte mit Machtbefugnissen

Die CAQ will das Vorhaben bis zum 14. Juni ver­abschieden und provoziert damit seit Wochen massive Proteste. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau bezeichnete das Gesetz als diskriminierend und im multikulturellen Kanada «undenkbar». Der Bürgermeister von Calgary, Naheed Nenshi, forderte die betroffenen Minderheiten in Quebec auf, in die Provinz Alberta überzusiedeln. Besonders hartnäckig sind die Proteste im sprachlich geteilten Montreal, der mit rund zwei Millionen Einwohnern grössten Stadt Quebecs. Die frankophone Mehrheitsgesellschaft der Provinz unterstützt die Gesetzesinitiative mehrheitlich. Aber Montreal ist eine Hochburg selbstbewusster Minderheiten.

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