Zu Pfingsten: Exegese in Christentum und Islam

Schnorr von Carolsfeld – Die Erschaffung Evas (1825)
Dürfen die Texte, auf die sich Christentum und Islam berufen, in der aktuellen Sprache ausgelegt werden oder sind sie unverrückbar heilig?

Christoph Jehle | TELEPOLIS

Es soll an dieser Stelle nicht darum gehen, nachzuweisen, ob es ein höheres Wesen gibt oder nicht, sondern in erster Linie darum, ob man die Texte der Heiligen Schriften im aktuellen Zusammenhang von Wissenschaft und Kultur auslegen kann und darf oder ob die Gläubigen an das schriftlich überlieferte Wort gebunden sind, auch wenn ihnen der entsprechende Wortschatz inzwischen völlig fremd geworden ist.

Im Christentum muss man auch die Tatsache berücksichtigen, dass das sogenannte Neue Testament nicht in der Sprache verfasst wurde, die zu Zeit Jesu gesprochen wurde, sondern in der damaligen Weltsprache (Bibel-)Griechisch und damit wurde auch natürlich auch griechisches Gedankengut in die Texte aufgenommen. Dazu kam dann im Laufe der Zeit, dass die Schrift mehrmals in eine andere Sprache übersetzt wurde, was durchaus zumindest zu Ungenauigkeiten führen konnte.

So kamen im Zusammenhang mit der Übersetzung in die lateinische Sprache dann weitere Änderungen zum Tragen. So wurde aus dem ″geweihten Atem″, der in der Schöpfungsgeschichte den lebenden Menschen vom toten unterscheidet, in der lateinischen Sprache der ″spritus sanctus″ im Deutschen wird daraus der ″Heilige Geist″. Ebenfalls im Umfeld der Schöpfungsgeschichte wurde aus dem lateinischen ″malus″, dem Bösen, der Apfelbaum, denn im Lateinischen kann ″malus″ beide Bedeutungen haben.

Die Kanonisierung der biblischen Schriften

Dass die heutige Bibel ihren Autoren von Gott selbst diktiert wurde, ist heute zumeist keine Annahme mehr, die auf größeren Zuspruch stößt. Zumeist wurden die Texte der heutigen Bibel erst mal mündlich weitergegeben, bevor sie dann schriftlich fixiert wurden. Und dabei gab es aufgrund abweichender Erzähltraditionen auch mehrere unterschiedliche Aufzeichnungen, weil den einzelnen Elementen unterschiedliche Bedeutung beigemessen wurde.

Der heute bestehende biblische Kanon geht auf eine historische Entwicklung zurück, die sich in mehreren Etappen vollzogen hat. Nicht alle zur Zeit der Kanonisierung im 4. Jahrhundert vorliegenden Schriften wurden in die Bibel aufgenommen. Die damals verworfenen Texte nennt man Apokryphe Schriften. Dazu zählt beispielsweise das Thomasevangelium. Die bei der Auswahl gültigen Kriterien sind nicht durchgängig dokumentiert. Dabei ist die Auswahl der biblischen Schriften für die nachfolgende Auslegung keinesfalls irrelevant.

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Zuerst den Menschen ändern, dann die Welt – für Friedrich Schleiermacher ist Revolution ein religiöses Ereignis

Nicht Umsturz, sondern Reform: Friedrich Schleiermacher (1768–1834) fordert für die Religion Freiräume, die von politischer Bevormundung frei sind. (Bild: PD)
Die Französische Revolution betrachtete er kritisch. Und vom Wesen der Freiheit hatte er seine eigene Vorstellung: Friedrich Schleiermachers Denken bewegt sich zwischen Liberalismus und Reaktion.

Friedrich Seven | Neue Zürcher Zeitung

Es ist fast unbemerkt vorübergegangen, obwohl es auch ein Jubiläum des deutschen Protestantismus gewesen wäre: Im vergangenen Herbst jährte sich der Geburtstag des Philosophen, Theologen und Predigers Friedrich Schleiermacher (1768–1834) zum 250. Mal. Andreas Arndt, Professor für Philosophie an der theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin und damit an der Wirkungsstätte Schleiermachers tätig, liefert nun das Buch zur verpassten Gelegenheit. Ein Buch, das keine einfache Darstellung von Leben und Werk geben will, sondern sich ein höheres Ziel setzt: Friedrich Schleiermacher als Reformator des 18. Jahrhunderts in den Kontext der Französischen Revolution zu stellen.

Der Fokus ist geschickt gewählt. Einmal mehr werden so die Vorbehalte deutlich, welche die deutschen Philosophen gegenüber dem gesellschaftlichen Umsturz im Nachbarland hegten. Wie Kant zeigte Schleiermacher grosse Sympathie für die Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Doch er dachte in anderen Kategorien: Er wollte nicht zuerst die Welt verändern und dann den Menschen. Er wollte beim Menschen anfangen und bei dessen Denken. In Bezug auf die Revolution blieb Schleiermacher Beobachter. Sein Ziel war es nicht, von der punktuell möglichen denkerischen Freiheit auf die gewaltsame gesellschaftliche Befreiung überzugehen.

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Kretschmer verteidigt Sanktionen-Kritik

Bild: tagesschau.de
Sachsens Ministerpräsident Kretschmer hat bei einem Treffen mit Putin ein Ende der Russland-Sanktionen gefordert und damit massive Kritik auf sich gezogen. Jetzt legte er nach.

tagesschau.de

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat seine Forderung nach einem Ende der Wirtschaftssanktionen gegen Russland verteidigt. „Wir brauchen die Befriedung des Ukrainekonflikts, in dem jeden Tag Menschen sterben. Aber wir wollen, dass die Sanktionen so schnell wie möglich enden“, sagte er dem MDR. „Diejenigen, die sich jetzt zu Wort melden und das mit sehr erhobenem Zeigefinger tun, sollten auch zur Kenntnis nehmen, dass es in den neuen Bundesländern eine eigene Meinung zu dieser Frage gibt, die gleichberechtigt neben anderen steht.“

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Hoch lebe der Staatshumor

Grafik: TP
Die öffentlich-rechtlichen Sender bespaßen ihr Publikum mit einer kunterbunten Parade aus Komikern, Witzeerzählern, Hofnarren und ein paar politischen Kabarettisten im Alibimodus. Hört und sieht man genauer hin, vergeht einem umgehend das Lachen

Wolf Reiser | TELEPOLIS

Claus von Wagner, neben Max Uthoff gastgebender Klinikchef der ZDF-Anstalt, erinnerte unlängst an die Definition seiner Kunstsparte: „Kabarett ist das Spiel mit dem erworbenen Wissenszusammenhang eines informierten Zuschauers.“ Und im gleichen Atemzug erfolgte die Frage: „Doch was macht man, wenn über wesentliche Belange nicht, falsch oder manipulativ berichtet wird?“

In normalen Zeiten sind Journalisten dafür zuständig, Journalismus zu betreiben, während sich die Kabarettisten um das Kunsthandwerk der satirischen Nachrichtenbearbeitung kümmern. Doch wir leben in keinen normalen Zeiten. Die Ära Merkel hat die Republik umfassend sediert und sie in einen hypnotischen Dämmerzustand aus Opportunismus, Diskursverschleppung und Paralyse versetzt.

Aus diesem Grund müssen politische Künstler sich nicht nur durch die wuchernden Fake-Narrative der politischen Macht kämpfen, sondern parallel auch noch die journalistischen Defizite der loyalen Leitmedien aufarbeiten. Das kostet Nerven und unendlich viel Zeit, also auch Sendezeit. Und so greifen die Anstaltsmacher immer wieder zum Trick der antiquierten Grundschul-Schautafel, um den Zuschauern auf diesem Weg die grundlegenden Fakten des jeweiligen Themas zu vermitteln.

Trotz dieser Widrigkeiten schafft man es in jeder Folge, Facetten aus dem rotierenden Irrsinn unseres Absurdistans herauszugreifen, das Rad anzuhalten und die Dunkelstellen mit detektivischer, respektloser und im besten Sinne unterhaltsamer Präzision zu erhellen.

In den fünf Jahren nahm man sich Themen wie Steuergerechtigkeit, Sexismus, Rechtsextreme oder Automobil-industrie vor und kümmerte sich um Griechenland wie auch des Öfteren um die westliche Wertemilitanz in Libyen, Syrien und der Ukraine. Man legt hohes Tempo an den Tag, intellektuelle Schärfe, eine lockere Mischung aus Kalauern, Parodie, Klartext und radikaler Opposition zum politisch-medialen Mainstream, oft auch in Form der Medien. Und die reagieren nicht immer wohlgesonnen. Mal erkennt man die Autoren als Putin-Trolle und antiamerikanische Aufwiegler oder straft das ganze Format als arroganten Agit-Prop und neomarxistisches Bauerntheater ab.

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Milchstraße: Kalte Scheibe ums Schwarze Loch

Das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße ist nicht nur von sehr heißem Gas, sondern auch von einer Scheibe aus relativ kühlem Wasserstoff umgeben. (Illustration). © NRAO/AUI/NSF; S. Dagnello
Blick in Herz der Milchstraße: Astronomen haben eine neue Struktur am zentralen Schwarzen Loch unserer Galaxie entdeckt. Es handelt sich um eine rotierende Scheibe aus relativ kühlem Wasserstoffgas, die den Ereignishorizont im Abstand von einem hundertstel Lichtjahr umgibt. Sie bildet nun ein weiteres Puzzleteil im komplexen Ensemble dieses supermassereichen Schwarzen Lochs. Aufgespürt haben die Forscher die Gasscheibe mithilfe des ALMA-Teleskops, wie sie im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Im Zentrum der Milchstraße sitzt ein Schwerkraftgigant: Sagittarius A*, ein supermassereiches Schwarzes Loch von rund vier Millionen Sonnenmassen. Doch obwohl dieses Schwarze Loch „nur“ 26.000 Lichtjahre entfernt liegt, haben Astronomen bisher kein vollständiges Bild von ihm. Immerhin ist es bereits gelungen, Magnetfelder und heiße Gase in der Nähe des Ereignishorizonts zu beobachten. Aktuelle Daten deuten zudem darauf hin, dass Sagittarius A* einen Strahlen-Jet besitzen könnte.

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Neue Klage gegen australischen George Pell

Bild: © KNA
Laut Medienberichten wird der wegen Missbrauchs verurteilte australische Kardinal George Pell in einer neuen Klage beschuldigt, in den 1980er-Jahren Missbrauchstaten eines Ordensmitglieds vertuscht zu haben.

katholisch.de

Der wegen sexuellen Missbrauchs zu sechs Jahren Haft verurteilte australische Kardinal George Pell sieht einer weiteren Klage entgegen. Laut Medienberichten (Samstag) beschuldigt ihn ein Mann in einem zivilrechtlichen Verfahren, in den 1980er-Jahren Missbrauchstaten eines Ordensmitglieds im Bistum Ballarat vertuscht zu haben. In dieser Woche hatte Pell in Melbourne an zweitägigen Beratungen im Berufungsverfahren gegen seine Verurteilung als Sexualstraftäter teilgenommen. Die Richter werden ihre Entscheidung zu einem späteren, noch nicht genannten Termin verkünden. Im Dezember war Pell von einem Geschworenengericht für schuldig befunden worden, 1996 als Erzbischof von Melbourne einen 13 Jahre alten Jungen missbraucht und einen anderen belästigt zu haben.

Physicists Search for Monstrous Higgs Particle. It Could Seal the Fate of the Universe.

A subatomic particle illustration. (Image: © Shutterstock)
We all know and love the Higgs boson — which to physicists‘ chagrin has been mistakenly tagged in the media as the „God particle“ — a subatomic particle first spotted in the Large Hadron Collider (LHC) back in 2012. That particle is a piece of a field that permeates all of space-time; it interacts with many particles, like electrons and quarks, providing those particles with mass, which is pretty cool.

By Paul Sutter | SPACE.com

But the Higgs that we spotted was surprisingly lightweight. According to our best estimates, it should have been a lot heavier. This opens up an interesting question: Sure, we spotted a Higgs boson, but was that the only Higgs boson? Are there more floating around out there doing their own things?

Though we don’t have any evidence yet of a heavier Higgs, a team of researchers based at the LHC, the world’s largest atom smasher, is digging into that question as we speak. And there’s talk that as protons are smashed together inside the ring-shaped collider, hefty Higgs and even Higgs particles made up of various types of Higgs could come out of hiding. [Beyond Higgs: 5 Elusive Particles That May Lurk in the Universe]

If the heavy Higgs does indeed exist, then we need to reconfigure our understanding of the Standard Model of particle physics with the newfound realization that there’s much more to the Higgs than meets the eye. And within those complex interactions, there might be a clue to everything from the mass of the ghostly neutrino particle to the ultimate fate of the universe.

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Kritik an Sachsens Ministerpräsident Kretschmer wegen Treffen mit Putin

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (links) steht nach einem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin in der Kritik. (Bild: Alexei Nikolsky, Sputnik, Kremlin Pool Photo via AP)
Er muss im Herbst eine Landtagswahl bestehen – und freut sich, von Russland Präsident Putin zum Gespräch empfangen worden zu sein. Doch Michael Kretschmer weicht dabei von der Linie deutscher Aussenpolitik ab. Nun erntet er Widerspruch.

Neue Zürcher Zeitung

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer steht nach einem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin in der Kritik. Der CDU-Politiker, der in Sachsen im Wahlkampf steckt, hatte sich – gegen die Linie der schwarz-roten Bundesregierung – für ein Ende der Russland-Sanktionen ausgesprochen und Putin nach Sachsen eingeladen.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer widersprach seiner Forderung umgehend: «Die Wirtschaftssanktionen sind die Reaktion auf das völkerrechtswidrige Verhalten der russischen Regierung auf der Krim und in der Ostukraine», sagte Kramp-Karrenbauer der «Bild am Sonntag». «Solange sich am russischen Verhalten dort nichts ändert, gibt es auch keinen Spielraum für eine Änderung in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.»

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Why It Pays to Play Around

Image credit: NAUTILUS
Play is so important that nature invented it long before it invented us.

By Andreas Wagner | NAUTILUS

The 19th-century physicist Hermann von Helmholtz compared his progress in solving a problem to that of a mountain climber “compelled to retrace his steps because his progress stopped.” A mountain climber, von Helmholtz said, “hits upon traces of a fresh path, which again leads him a little further.” The physicist’s introspection provokes the question: How do creative minds overcome valleys to get to the next higher peak?

Because thinking minds are different from evolving organisms and self-assembling molecules, we cannot expect them to use the same means—mechanisms like genetic drift and thermal vibrations—to overcome deep valleys in the landscapes they explore. But they must have some way to achieve the same purpose. As it turns out, they have more than just one—many more. But one of the most important is play.

I don’t mean the rule-based play of a board game or the competitive play of a soccer match, but rather the kind of freewheeling, unstructured play that children perform with a pile of LEGO blocks or with toy shovels and buckets in a sandbox. I mean playful behavior without immediate goals and benefits, without even the possibility of failure.

Play is so important that nature invented it long before it invented us. Almost all young mammals play, as do birds like parrots and crows. Play has been reported in reptiles, fish, and even spiders, where sexually immature animals use it to practice copulation. But the world champion of animal play may be the bottlenose dolphin, with 37 different reported types of play. Captive dolphins will play untiringly with balls and other toys, and wild dolphins play with objects like feathers, sponges, and “smoke rings” of air bubbles that they extrude from their blowholes.

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EU plant Überwachungs-Abkommen mit den USA: Wenn das FBI in Europa mit­hört

Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay
Noch bevor sich die EU überhaupt auf Pläne zur grenzüberschreitenden E-Beweissicherung geeinigt hat, verhandelt sie mit der Trump-Administration über eine Beteiligung der USA. In Berlin sorgt man sich um die Grundrechte.

Von Dr. Markus Sehl | LTO

Jetzt soll alles ganz schnell gehen: Am Donnerstag hat sich die EU-Kommission von den Mitgliedstaaten ein Mandat geholt, um mit den USA noch im Juni über ein neues Rahmenabkommen zum Austausch elektronischer Beweismittel zu verhandeln. Damit sollen schneller und einfacher als im klassischen Rechtshilfeverfahren Daten zwischen den Behörden auf beiden Seiten des Atlantiks ausgetauscht werden können. Deutschland hat sich auf dem Treffen der EU-Justiz- und Innenminister in Luxemburg enthalten, aber nach Informationen von LTO wachsen bei den Beamten im Bundesjustizministerium (BMJV) die Sorgen. Zu welchem Preis kommt der Deal mit den USA für die Grundrechte der Europäer?

Denn das, was da gerade in Luxemburg und Brüssel auf den Weg gebracht wird, hat eine völlig neue Dimension – und die klingt durchaus bedrohlich. Denn die US-Strafverfolger könnten dann unmittelbar von Internetanbietern mit Sitz in Europa verlangen, die Adressdaten deutscher Staatsbürger oder sogar Inhalte von E-Mails oder Messenger-Nachrichten herauszugeben. Und zwar ohne, dass deutsche Gerichte oder Behörden dabei noch ein Veto-Recht hätten.

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Vier „Lügen“ über die katholische Kirche – und die „Wahrheit“

Über die katholische Kirche sind einige Vorurteile im Umlauf: Sie sei gegen die Wissenschaft, gegen Frauen und im Ernstfall richte es einfach die Beichte. Ein Forscher widerlegt diese Behauptungen nun – allerdings mit zum Teil umstrittenen Thesen.

Von Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Der niederländisch-US-amerikanische Forscher und bekennende Katholik Gerard Verschuuren beschäftigt sich bereits seit Jahren mit dem Verhältnis von Wissenschaft und Religion. Für sein Buch „Forty Anti-Catholic Lies“ hat er sich sogenannte „antikatholische Lügen“ vorgenommen und sie widerlegt. Katholisch.de stellt einige davon vor.

Die Beichte macht es einfach

„Die Lüge“: Katholiken haben mit der Beichte eine willkommene Möglichkeit, sich durch einen Priester von allen Sünden reinwaschen zu lassen. Danach können sie wieder in aller Ruhe neue Sünden begehen.

„Die Wahrheit“: Gerard Verschuuren schreibt, dass nicht der Priester Sünden vergibt, sondern Gott selbst. Ein Geistlicher ist dabei nur der Mittler. Der Katechismus sagt dazu (1441f.): „Gott allein kann Sünden vergeben“ und verweist auf Mk 2,7. Jesus hat die Kraft, Sünden zu vergeben, an seine Jünger weitergegeben: „Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ (Joh 20,23) Die Beichte ist ein Zeichen der Gnade Gottes und für jeden Gläubigen die Möglichkeit, eine Zerrüttung in der Beziehung mit Gott aufzuheben. Doch Verschuuren sagt, dass man den Beichtakt nicht unterschätzen sollte: Denn es erfordere viel Demut, die eigenen Sünden zu bekennen und sich damit selbst einzugestehen, fehlerhaft zu sein. Die Beichte ist auch keine Einladung, neue Sünden zu begehen, sondern die Möglichkeit, noch einmal von vorne anzufangen. Wie allerdings mit Katholiken umgegangen werde soll, die die Beichte in dieser Weise gebrauchen, sagt der Wissenschaftsphilosoph nicht.

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Vor NSU-Gedenken: Neonazi-Flugblätter in Köln – Täter noch gesucht

Die Keupstraße (Archivbild) Foto: dpa
Nach dem Fund von Flugblättern mit rechtsextremistischen Inhalten in Kölner Briefkästen wird weiter nach den Tätern gesucht. Sie seien bisher noch nicht gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher am Samstag.

Kölner Stadt-Anzeiger

Die Flugblätter, die kurz vor dem 15. Jahrestag des Nagelbombenanschlages des NSU verteilt worden waren, würden kriminaltechnisch untersucht.
Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker bezeichnete den Vorfall im Ortsteil Mülheim auf Twitter als „widerwärtige Aktion“ und schrieb: „Sie ist inhaltlich inakzeptabel und der Zeitpunkt ist zynisch und für uns alle unerträglich und besonders verletzend“.

Angriff auf Religionsfreiheit

Auch die Evangelische Kirche in Köln verurteilte die Flugblätter-Aktion scharf: „Das ist ein Angriff auf unsere Religionsfreiheit und unsere Demokratie. Wir treten für ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen ein“, sagte Pfarrer Rolf Domning, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region.

Anklage gegen argentinischen Kurienapostel wegen Missbrauchs

Die Justiz ermittelt gegen Gustavo Zanchetta. Er darf Argentinien nicht verlassen. (Bild: AP)
Der Geistliche Gustavo Zanchetta muss sich in Argentinien vor der Justiz verantworten. Ihm wird sexueller Missbrauch vorgeworfen.

Neue Zürcher Zeitung

Die Staatsanwaltschaft in Argentinien hat nach monatelangen Ermittlungen Anklage wegen sexuellen Missbrauchs gegen den ehemaligen Bischof von Oran, Gustavo Zanchetta (55), erhoben.

Wie die Zeitung «El Tribuno» am Freitag (Ortszeit) laut Kathpress berichtete, darf der Geistliche sein Heimatland bis auf Weiteres nicht verlassen. Zudem seien psychologische Gutachten angeordnet worden.

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Das Rätsel der Ringe

Angekohlte Ringfragmente (oben) aus einer Bronzezeit-Festung in Österreich geben Archäologen Rätel auf – denn diese Ringe sind ganz anders als die unten gezeigten Tonringe. © Heiss et al, 2019
Mysteriöse Ringe: In einer Hügelfestung in Österreich haben Archäologen drei merkwürdige Objekte aus der Bronzezeit entdeckt. Es handelt sich um kleine Ringe, die aber weder aus Metall noch Holz oder Stein bestehen. Stattdessen handelt es sich um eine Art getrockneten Mehlteig – ähnlich modernen Nudelteigen, wie Analysen ergaben. Warum jedoch diese Teige zu trockenen Ringen geformt und in einer Grube begraben wurden, ist bisher völlig rätselhaft.

scinexx

Schon seit Jahrtausenden spielen Getreide für die Ernährung unserer Vorfahren eine wichtige Rolle. Anfangs genossen sie die zerkleinerten stärkehaltigen Körner von Gerste, Einkorn, Emmer oder Dinkel vermutlich vorwiegend als Brei. Gleichzeitig diente das Getreide als Grundlage für Bier und andere fermentierte Getränke. Später begannen die Menschen, das erste Brot zu backen und es auch als Proviant mit auf Wanderungen zu nehmen., wie archäologische Funde belegen.

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Bundesamt lehnt 2019 fast alle Fälle von Kirchenasyl ab

Bild: © tuayai – stock.adobe.com
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bewertet Fälle von Kirchenasyl 2019 offenbar strikter als noch in früheren Jahren. Laut einem Medienbericht wurden in diesem Jahr bislang nur zwei von 147 Anträgen von Betroffenen positiv entschieden.

katholisch.de

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) lehnt fast alle Fälle von Kirchenasyl ab. Im Jahr 2019 gab das Amt bis Ende April in nur zwei von 147 Fällen dem Ersuchen einer Kirchengemeinde statt, ein Asylverfahren in Deutschland zu führen, obwohl laut EU-Regelung eigentlich ein anderer europäischer Staat zuständig gewesen wäre, wie die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag) mit Bezug auf eine Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion berichtet.

Deutliche Veränderung zu 2018

Von Januar bis April lehnte das Bamf demnach 145 Anträge von Menschen in Kirchenasyl ab. Somit seien nur 1,4 Prozent aller Fälle als besondere Härtefälle anerkannt worden, in denen das Asylverfahren dann von Deutschland übernommen worden sei.

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Saudi-Arabien: Im Alter von 13 Jahren Verhafteter soll hingerichtet werden

Murtaja Qureiris war gerade erst 13 Jahre alt, als er verhaftet wurde. Jetzt ist er 18 und erwartet die Todesstrafe – wegen Vergehen, die bis zu acht Jahre zurück liegen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Als Murtaja Qureiris im September 2014 mit seinen Eltern nach Bahrein reisen wollte, nahmen ihn saudische Polizisten an der Grenze fest. Er war damals 13 Jahre alt und der jüngste bekannte politische Gefangene in Saudi-Arabien. Das sagen jedenfalls Rechtsanwälte und Aktivisten. Jetzt ist Murtaja Qureiris volljährig, und die Staatsanwaltschaft fordert für ihn die Todesstrafe.

„Das Volk verlangt Menschenrechte“

Der amerikanische Sender CNN berichtete jüngst über den Fall und zeigte ein Video aus dem Jahr 2011, in dem der damals zehn Jahre alte Junge an einer Fahrraddemonstration von Kindern teilgenommen hatte. „Das Volk verlangt Menschenrechte“, soll er in ein Megafon gerufen haben. Gegen die Regierung zu demonstrieren, ist in Saudi-Arabien verboten.

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