Zu Pfingsten: Exegese in Christentum und Islam


Schnorr von Carolsfeld – Die Erschaffung Evas (1825)
Dürfen die Texte, auf die sich Christentum und Islam berufen, in der aktuellen Sprache ausgelegt werden oder sind sie unverrückbar heilig?

Christoph Jehle | TELEPOLIS

Es soll an dieser Stelle nicht darum gehen, nachzuweisen, ob es ein höheres Wesen gibt oder nicht, sondern in erster Linie darum, ob man die Texte der Heiligen Schriften im aktuellen Zusammenhang von Wissenschaft und Kultur auslegen kann und darf oder ob die Gläubigen an das schriftlich überlieferte Wort gebunden sind, auch wenn ihnen der entsprechende Wortschatz inzwischen völlig fremd geworden ist.

Im Christentum muss man auch die Tatsache berücksichtigen, dass das sogenannte Neue Testament nicht in der Sprache verfasst wurde, die zu Zeit Jesu gesprochen wurde, sondern in der damaligen Weltsprache (Bibel-)Griechisch und damit wurde auch natürlich auch griechisches Gedankengut in die Texte aufgenommen. Dazu kam dann im Laufe der Zeit, dass die Schrift mehrmals in eine andere Sprache übersetzt wurde, was durchaus zumindest zu Ungenauigkeiten führen konnte.

So kamen im Zusammenhang mit der Übersetzung in die lateinische Sprache dann weitere Änderungen zum Tragen. So wurde aus dem ″geweihten Atem″, der in der Schöpfungsgeschichte den lebenden Menschen vom toten unterscheidet, in der lateinischen Sprache der ″spritus sanctus″ im Deutschen wird daraus der ″Heilige Geist″. Ebenfalls im Umfeld der Schöpfungsgeschichte wurde aus dem lateinischen ″malus″, dem Bösen, der Apfelbaum, denn im Lateinischen kann ″malus″ beide Bedeutungen haben.

Die Kanonisierung der biblischen Schriften

Dass die heutige Bibel ihren Autoren von Gott selbst diktiert wurde, ist heute zumeist keine Annahme mehr, die auf größeren Zuspruch stößt. Zumeist wurden die Texte der heutigen Bibel erst mal mündlich weitergegeben, bevor sie dann schriftlich fixiert wurden. Und dabei gab es aufgrund abweichender Erzähltraditionen auch mehrere unterschiedliche Aufzeichnungen, weil den einzelnen Elementen unterschiedliche Bedeutung beigemessen wurde.

Der heute bestehende biblische Kanon geht auf eine historische Entwicklung zurück, die sich in mehreren Etappen vollzogen hat. Nicht alle zur Zeit der Kanonisierung im 4. Jahrhundert vorliegenden Schriften wurden in die Bibel aufgenommen. Die damals verworfenen Texte nennt man Apokryphe Schriften. Dazu zählt beispielsweise das Thomasevangelium. Die bei der Auswahl gültigen Kriterien sind nicht durchgängig dokumentiert. Dabei ist die Auswahl der biblischen Schriften für die nachfolgende Auslegung keinesfalls irrelevant.

weiterlesen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.