Die erste Zivilisation, die interstellare Reisen durchführen kann, „löscht notwendig jede Konkurrenz aus“


Crab nebula. Image: ESA/NASA.
Gibt es intelligentes außerirdisches Leben, ist es gut- oder bösartig oder sind die Menschen doch alleine?

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Was ist los mit den Außerirdischen, auf die wir auf der Erde schon so lange warten oder deren Spuren manche immer mal wieder sehen wollen. Da draußen im Weltall ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass auf irgendeinem der zahllosen Exoplaneten in unserer Galaxie Leben und dann auch intelligentes Leben entstanden ist, das sich durch Technik bemerkbar oder auch zur Erde reisen könnte. Aber bislang sind wir auf der Erde einsam geblieben, was vielleicht dem Bild der monotheistischen Religionen entspricht, dass auch nur Teile der Menschen auf der Erde von Gott auserwählt wurden. Schließlich ist der Heiland auf der Erde zu den sich auserwählt wähnenden Menschen gekommen und hat ihnen die frohe Botschaft verkündet. Theoretisch wäre natürlich auch möglich, dass sich das Drama auf allen Exoplaneten wiederholt oder, viel naheliegender, dass andere intelligente Wesen sich andere Götter erfinden oder auch ohne diese auskommen.

Aber jenseits der Religion bleibt die Frage, warum bislang noch keine Hinweise auf außerirdische Intelligenz wahrgenommen werden konnten oder ob es womöglich trotz einer theoretisch riesigen Zahl von Exoplaneten, die prinzipiell Leben erlauben würden, wie wir es kennen, doch nur die Erde gibt, auf der es zufällig entstanden ist, weil die Wahrscheinlichkeit vielleicht gegen Null geht, dass aus Mikroorganismen intelligentes Leben durch Mutation entstehen kann.

Fermi Paradox

Hintergrund ist das so genannte Fermi Paradox. Der Physiker Enrico Fermi entwickelte in den 1950er Jahren die Argumentation, dass dann, wenn die Erde keine große Ausnahme sein sollte, auch woanders intelligentes Leben entstanden sein muss, das auch fähig zur Raumfahrt, zu Reisen durch Galaxien und zur Kolonisierung ist. Wenn solche Zivilisationen entsprechend alt werden und Millionen von Jahren überleben können, müssten wir bereits auf sie bzw. sie auf uns gestoßen sein. Paradox ist nach dieser Argumentation, warum das noch nicht geschehen ist.

Da hier auch mit der Langlebigkeit von Zivilisationen argumentiert wird, die erst interstellare oder gar intergalaktische Reisen ermöglichen, liegt das Argument nicht fern, dass Zivilisationen eben nicht alt genug werden, sondern sich selbst etwa durch (atomare) Kriege oder ihre Lebensgrundlagen durch rücksichtslose Ausbeutung oder negatives Geoengineerinng wie Klimaerwärmung relativ schnell zerstören könnten. Die Menschen haben gerade erst vor 50 Jahren die technischen Mittel gehabt, zum Mond zu fliegen, darüber hinaus sind sie noch nicht gelangt, während gleichzeitig die Chancen im Anthropozän steigen, dass die planetaren Bedingungen für das Überleben der Menschen bald zusammenbrechen könnten. Ob es dann bereits möglich ist, auf Millionen von Jahren dauernde Reisen ins Unbekannte loszuziehen, die gerade voraussetzen, in den Raumschiffen bzw. Kolonien eine autarke Lebenswelt mit in sich geschlossenen Kreisläufen zu erhalten, wie das mit Biosphäre II versucht wurde, darf bezweifelt werden.

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