Forscher widerlegen Hypothese vom gefährlichen weiblichen Blut

Weiblich oder männlich? Bei Bluttransfusionen spielt das Geschlecht des Spenders keine Rolle. (Bild: Imago)
Der Verdacht stand im Raum, dass es bei der Transfusion von Blut von Frauen, die schon einmal schwanger waren, vermehrt zu tödlichen Zwischenfällen kommt. Eine grosse Studie gibt nun Entwarnung.

Alan Niederer | Neue Zürcher Zeitung

Beim Thema Bluttransfusion hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. So sieht man Fremdblut längst nicht mehr als allgemeines Lebenselixier, das schon bei geringer Blutarmut verabreicht wird, sondern als medizinische Therapie mit potenziell schweren Nebenwirkungen. Eine solche Behandlung wird nur dann eingesetzt, wenn es nicht anders geht. Dieser Gedanke spiegelt sich auch im Blutwert, der beim Patienten unterschritten sein muss, damit eine Transfusion medizinisch begründet werden kann. Dieser Wert ist in den letzten Jahren laufend gesenkt worden.

In jüngerer Zeit ist noch eine weitere Diskussion dazugekommen. Studien haben nämlich nahegelegt, dass das Blut von Frauen, die schon einmal schwanger waren, ein besonderes Risiko für den Blutempfänger darstellen könnte – insbesondere für Männer.

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Frühe Christen und Jesu-Anhänger zerstörten die antike Hochkultur

Im Jahr 392 legten christliche Fanatiker den Serapis-Tempel in Schutt und Asche. Getty Images/iStockphoto
Sie lebten im Geist der Nächstenliebe und trotzten grausamen Verfolgern: Bis heute ist dieses Bild von den frühen Christen verbreitet. Eine britische Historikerin schildert die Jesus-Anhänger jedoch als religiöse Fanatiker, die eine liberale, hochentwickelte Kultur zum Einsturz brachten.

Von Harald Wiederschein | FOCUS ONLINE

Die erste Szene des Buches wirkt schrecklich vertraut: Bärtige, schwarz gekleidete Fanatiker aus der Wüste stürmen den Athene-Tempel im syrischen Palmyra, mit Eisenstangen zertrümmern sie voller Begeisterung die Statue der Göttin und den Altar. Was sich um das Jahr 385 nach Christus abspielte, hat sich erst vor wenigen Jahren wiederholt – so die Botschaft der Autorin. Nur waren es in der Spätantike christliche Fundamentalisten, welche die „Götzenbilder“ zerstörten. 2015 legten Mitglieder des sogenannten „Islamischen Staates“ das UNESCO-Weltkulturerbe von Palmyra in Schutt und Asche.

Der provokante Einstieg gibt den Ton vor für die folgenden mehr als 300 Seiten. „Heiliger Zorn. Wie die frühen Christen die Antike zerstörten“ lautet der Titel des kürzlich auf Deutsch erschienenen Buches der britischen Historikerin und Journalistin Catherine Nixey. Zuvor hatte es bereits in der angloamerikanischen Welt für Aufsehen gesorgt. In England war es zum „Buch des Jahres“ gewählt und mit einem Literaturpreis ausgezeichnet worden.

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Ärztinnen wegen Paragraf 219a in Berlin vor: Gericht Für Abtreibung geworben

Gesetzestext des Paragrafen 219a Strafgesetzbuch © Harald Oppitz (KNA)
Erstmals seit der Neuregelung des umstrittenen Paragrafen 219a: Gegen zwei Berliner Gynäkologinnen wird wegen des Verstoßes gegen das sogenannte Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche in Berlin verhandelt.

DOMRADIO.DE

Der Prozess gegen die beiden Berlinerinnen ist der erste seit der Neuregelung des Paragrafen im Februar. Vor Gericht steht neben der Gynäkologin Bettina Gaber auch ihre Kollegin. Auf der Internetseite ihrer Gemeinschaftspraxis heißt es: „Auch ein medikamentöser, narkosefreier Schwangerschaftsabbruch gehört zu den Leistungen von Frau Dr. Gaber.“

Für den Abbruch von Schwangerschaften geworben

Den Angeklagten wird nach Angaben des Amtsgerichts von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, auf der frei zugänglichen Internetseite ihrer Berliner Gemeinschaftspraxis zwischen Februar und Juli 2018 in unzulässiger Weise für den Abbruch von Schwangerschaften geworben zu haben.

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People Smoked Pot to Get High at Least 2,500 Years Ago

A brazier (incense burner) holding burnt stones that was found in Pamirs. Credit: Xinhua Wu
Getting high on marijuana may not be a modern pastime, as archaeologists have found the earliest clear evidence to date that people were smoking cannabis for its psychoactive properties some 2,500 years ago.

By Laura Geggel | LIVESCIENCE

They found evidence of burned cannabis with high levels of tetrahydrocannabinol (THC) (the cannabis ingredient responsible for the high) on 10 wooden incense burners, known as braziers; the burners were found alongside eight human burials at an ancient site known as Jirzankal Cemetery (also called Quman Cemetery) on the Pamir Plateau of western China.

The burners all carried a mystery residue, which a chemical test soon revealed to be cannabis. „To our excitement, we identified the biomarkers of [cannabis],“ study co-researcher Yimin Yang, a professor in the department of archaeology and anthropology at the University of Chinese Academy of Sciences, told reporters at a news conference. [25 Odd Facts About Marijuana]

Researchers have known for decades that ancient people in eastern China cultivated cannabis as long ago as 3500 B.C. But this cannabis was grown as an oil-seed and fiber crop, and so it had low psychoactive properties. In other words, the ancient people harvesting cannabis for these purposes probably weren’t smoking or ingesting it for its high.

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Indien treibt die Militarisierung des Weltraums voran

Mission Shakti: Im März testete Indien eine Antisatellitenrakete und schoss einen Satelliten ab. Screenshot von DRDO-Video
Das Wettrüsten im Weltraum geht ungebremst weiter und längst gefährlich über die Konkurrenz der Großmächste USA, Russland und China hinaus

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Donald Trump hat schnell nach der Ankündigung neuer Wunderwaffen durch Russlands Präsident Putin, darunter Hyperschallraketen, ein atomgetriebener Marschflugkörper mit großer Manövrierbarkeit oder ein von Flugzeugen abgefeuerter Überschall-Marschflugkörper, die Einrichtung eines Weltraumkommandos angeordnet.

Da es bei den angeblich neuen strategischen Waffen Russlands vor allem darum geht, das amerikanische Raketenabwehrsystem auszuhebeln, wurden im Pentagon gleich Pläne erwogen, Abwehrraketen im Weltraum zu stationieren, um im Wettrüsten zwischen Raketenabwehrsystemen und den neuen Hyperschallraketen und -drohnen, die Überlegenheit zu sichern (Pentagon will Raketen im Weltraum stationieren). Die Pläne haben sich weiter konkretisiert: Pentagon plant Raketenabwehr aus dem Weltraum. Das würde aber gigantische Kosten mit sich bringen, erforderlich wären Tausende von auf Umlaufbahnen stationierte Raketen.

Eine auf einer Umlaufbahn um die Erde installiertes defensives und offensives Raketensystem war schon unter dem Schauspielerpräsidenten Ronald Reagan im Kalten Krieg unter dem Titel Strategic Defense Initiative (SDI) begonnen worden. Das ist im Konzept der Brillant Pepples gemündet. 1991 wurde es im Kontext des ersten Irak-Kriegs und nach dem Ende des Kalten Kriegs vom damaligen US-Präsidenten Bush auf ein begrenztes Raketenabwehrsystem reduziert, Bill Clinton ersetzte die Strategic Defense Initiative Organization durch die Ballistic Missile Defense Organization und senkte die Ausgaben, die dann George W. Bush trotz des Kriegs gegen den Terror wieder in die Höhe trieb, aus dem ABM-Vertrag ausstieg, das Raketenabwehrsystem NMD in den USA installierte und mit dem Plan, es auch in Osteuropa aufzubauen, den schon wegen der Osterweiterung schwelenden Konflikt mit Russland eskalieren ließ. Damit war die Bahn zum neuen Wettrüsten bereits gelegt.

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Ausbruch wäre katastrophal: Vulkan auf Kamtschatka-Halbinsel brodelt wieder

Der Vulkan Bolschaja Udina in der Vulkan-Gruppe Kljutschewskaja auf Kamtschatka Foto: dpa
Wie aus einem Prospekt für den Skiurlaub wirken die Berge auf der Pazifik-Halbinsel Kamtschatka im Osten Russlands. Doch unter den Schneemassen lauert Gefahr: Ein als erloschen geglaubter Vulkan ist vor einiger Zeit wieder erwacht.

Kölner Stadt-Anzeiger

„Es kann jederzeit zu einem Ausbruch kommen“, sagt der Vulkanologe Iwan Kulakow der Deutschen Presse-Agentur.

Seit gut zwei Jahren stellen Wissenschaftler fest, dass die seismische Aktivität des Vulkans Bolschaja Udina in der Vulkan-Gruppe Kljutschewskaja zunimmt. Sollte er ausbrechen, könnte das verheerende Folgen haben, nicht nur in Russland.

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New York schafft wegen Masern religiöse Ausnahme bei Impfpflicht ab

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio rief im April den gesundheitlichen Notstandt für Teile von Brooklyn aus. Dort wüten die Masern insbesondere in der jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft, da diese Impfungen meist ablehnt. (Bild: Shannon Stapleton/Reuters)
Angesichts der schweren Masern-Epidemie schafft der US-Gliedstaat New York Ausnahmen von der Impflicht aufgrund religiöser Motive ab. Beide Kammern des Parlaments stimmten dafür und Gouverneur Andrew Cuomo kündigte an, das Gesetz unterzeichnen zu wollen.

Neue Zürcher Zeitung

Der Bundesstaat ist seit dem vergangenen Herbst von einem schweren Masern-Ausbruch betroffen. Besonders viele Erkrankungen gibt es im New Yorker Stadtteil Brooklyn und im Landkreis Rockland. In beiden Gebieten leben zahlreiche orthodoxe Juden, die aus religiösen Gründen die Impfung ablehnen.

Zwar gibt es in New York wie in fast allen US-Gliedstaaten eine Reihe verpflichtender Impfungen für Schulkinder. Bisher wurden aber Ausnahmen aus medizinischen oder religiösen Gründen zugelassen. New York ist nun einer der wenigen Bundesstaaten, welche religiöse Motive nicht mehr als Grund für eine Ausnahme akzeptieren.

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Alien Life Could Be Hiding Out on Far Fewer Planets Than We Thought

Under the new parameters, the planets of TRAPPIST-1 have little chance of hosting complex alien life. (Image: © Image courtesy of R. Hurt/NASA/JPL-Caltech)
Where is complex alien life hanging out in the universe? Likely not on planets stewing in toxic gases, according to a new study that dramatically reduces the number of worlds where scientists will have the best luck finding ET.

By Laura Geggel | SPACE.com

In the past, researchers defined the „habitable zone“ based on the distance between the planet and its star; planets that, like Earth, orbit at just the right distance to accommodate temperatures in which liquid water could exist on the planetary surface would be considered „habitable.“ But while this definition works for basic, single-celled microbes, it doesn’t work for complex creatures, such as animals ranging from sponges to humans, the researchers said.

When these extra parameters — needed for complex creatures to exist — are taken into account, this habitable zone shrinks substantially, the researchers said. For instance, planets with high levels of toxic gases, such as carbon dioxide and carbon monoxide, would drop off the master list. [9 Strange, Scientific Excuses for Why Humans Haven’t Found Aliens Yet]

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Journalismusdämmerung? Für Online-Nachrichten will kaum jemand zahlen

Grafik: TP
Eine international Reuters-Studie sieht sinkendes Vertrauen in Medien, steigende Abo-Müdigkeit und Nachrichtenabstinenz. Statt Nachrichten werden Unterhaltungsangebote wie Spotify oder Netflix abonniert

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Schlechte Nachrichten für Nachrichtenmedien. Nach dem Digital News Report des Reuters Institute for the Study of Journalism, für den 17.000 Menschen in 38 Ländern von YouGov online befragt wurden, sinkt die Bereitschaft, für Online-Nachrichten zu zahlen. Smartphones und mobile Internetzugänge hätten die Geschäftsmodelle vieler Nachrichtenmedien während der letzten 20 Jahre zerstört und zu sinkenden Einkünften und Entlassungen geführt. Und dann wollen die Menschen angeblich nicht für Online-Nachrichten bezahlen, es habe in den letzten Jahren bestenfalls einen kleinen Zuwachs der Zahlungswilligen gegeben.

Nach einem „Jahrzehnt der digitalen Disruption“ würden Nachrichtenmedien zunehmend versuchen, Zahlschranken einzuführen und Bezahlmodelle über Abos, Mitgliedschaften oder Spenden zu entwickeln. Zudem gebe es einen Hype über Podcasts und Sprachnachrichten etwa über Amazon Echo und Google Home. Aber es würde auch in einigen Ländern darüber nachgedacht, ob Qualitätsjournalismus in Zukunft noch machbar sein wird. Zwar würden in nordeuropäischen Ländern mehr Menschen bereit sein, für Online-Nachrichten zu zahlen, ein Problem aber ist, dass in der Regel nur ein Online-Abo gezahlt wird. In Deutschland sagen 70 Prozent von denjenigen, die für Online-Nachrichten zahlen, dass sie nur ein Abo haben, nur 10 Prozent sind bereit, für drei oder mehr zu zahlen. Das fördere große Medien und benachteilige kleinere.

Die Rede ist auch von einer sich ausbreitenden Abo-Müdigkeit in vielen Ländern. Die könnte gerade bei Online-Nachrichtenmedien verstärkt werden, wenn die Nutzer zunehmend auf mehr Bezahlschranken stoßen und davon abgeschreckt werden bzw. zu Angeboten von Nachrichtenaggregatoren wie Apple News gehen, von denen sie gegen ein Abo auf mehrere Nachrichtenmedien zugreifen können.

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Urteil des EuGH: Gmail ist kein Telekommunikationsdienst

Bild: tagesschau.de
Telekommunikationsdienste müssen in Deutschland Auflagen beim Datenschutz und bei der Zusammenarbeit mit Ermittlern erfüllen. Die Bundesnetzagentur wollte erreichen, dass dies auch für Gmail gilt – scheiterte aber nun vor dem EuGH.

tagesschau.de

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Web-Maildienste wie Gmail nicht an die gesetzlichen Regeln für Telekommunikationsdienste gebunden sind. Derlei Dienste seien nach EU-Recht keine elektronischen Telekommunikationsdienste, urteilten die Richter in Luxemburg. Das bedeutet, dass Gmail und vergleichbare Webangebote nicht den neuen Verpflichtungen beim Datenschutz oder der öffentlichen Sicherheit unterliegen.

In Deutschland gelten für die Anbieter von Telekommunikationsdiensten besondere Vorgaben. Sie müssen unter anderem Schnittstellen für den Datenzugriff von Ermittlungsbehörden einrichten. Die Bundesnetzagentur hatte seit 2012 von Google verlangt, diese Pflichten zu erfüllen, weil sein Maildienst Gmail ein solcher Telekommunikationsdienstleister sei.

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Katholische Bischöfe protestieren gegen Kunstpreis: Karikaturstreit in Kerala

Photo/Ani
Im indischen Bundesstaat Kerala protestieren die katholischen Bischöfe gegen die Vergabe eines staatlichen Kunstpreises. Mit dem Preis soll eine Karikatur ausgezeichnet werden, die einen wegen Vergewaltigung angeklagten Bischof zeigt.

DOMRADIO.DE

Der Künstler K.K. Subhash hatte Franco Mulakkal in seiner Karikatur als Hahn dargestellt, der einen Bischofsstab hält, an dem das Kreuz durch Damenunterwäsche ersetzt wurde. Die Auszeichnung Subhashs sei ein vorsätzlicher Versuch der kommunistischen Regierung Keralas, die Kirche zu beleidigen und christliche Symbole verächtlich zu machen, zitiert der asiatische katholische Pressedienst Ucanews am Donnerstag aus dem Protestschreiben des Rats der Bischöfe von Kerala.

„Wir mussten dagegen protestieren“

Ein Sprecher des Bischofsrats sagte Ucanews, die Bischöfe hätten nicht protestiert, wäre der Preis von einer privaten Organisation verliehen worden. „Da es sich aber um den Preis einer staatlichen kulturellen Organisation handelt, mussten wir dagegen protestieren.“

Der Leiter Kunstakademie „Kerala Lalithakala Akademi“, Nemom Pushparaj, wies eine Beeinflussung der Preisvergabe durch die Regierung zurück. Trotzdem solle die Entscheidung der unabhängigen Jury überprüft werden. Es sei nicht die Absicht gewesen, das Christentum verächtlich zu machen.

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Wie groß ist der CO2-Fußabdruck des Bitcoin?

Wie groß der CO2-Fußabdruck des Biotcoin-Netzwerks ist, hängt davon ab, wo die Rechner stehen und wie dort der Strommix aussieht. © traviswolfe / iStock
CO2-Fußabdruck wie Jordanien oder Hamburg: Die Kryptowährung Bitcoin benötigt für ihre Rechenoperationen inzwischen rund 46 Terawattstunden Strom pro Jahr. Um diesen Energiebedarf zu decken, werden jährlich rund 22 Megatonnen Kohlendioxid freigesetzt, wie die bisher detaillierteste Studie zur Energiebilanz des Bitcoin enthüllt. Der CO2-Fußabdruck der Kryptowährung entspricht damit dem eines kleinen Landes oder der Stadt Hamburg.

scinexx

Kryptowährungen liegen im Trend, denn dank des Blockchain-Prinzips lassen sich über Bitcoin, Ethereum und Co Finanz-Transaktionen dezentral und trotzdem sicher abwickeln. Der Haken jedoch: Die dafür nötigen Rechenprozesse sind aufwändig und das „Bitcoin-Mining“ verbraucht daher viel Energie – Tendenz steigend. Weil die zu lösenden Krypto-Berechnungen ständig schwerer werden, hat sich allein im Jahr 2018 die für ein Bitcoin nötige Rechenleistung vervierfacht.

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Spanien ist irritiert über die Schließung des Abdullah-Zentrums

APA/HERBERT NEUBAUER
Madrid wurde überrascht und berät nun weiteres Prozedere. Für die Schließung ist die Zustimmung aller Mitgliedsstaaten notwendig.

Die Presse.com

Die vom Nationalrat überraschend geforderte Schließung des „König-Abdullah-Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ in Wien droht zu diplomatischen Friktionen mit Spanien zu führen: „Überrascht“ und „irritiert“ ist man laut „Presse“-Informationen in Madrid über den am Mittwoch verabschiedeten Entschließungsantrag: Man habe davon gestern „aus den Medien erfahren“, hieß es aus spanischen Diplomatenkreisen. Vom Außenministerium in Wien sei man gar nicht kontaktiert worden – nicht einmal nach dem Votum.

Spanien hat gemeinsam mit Österreich und Saudiarabien die Organisation 2012 gegründet, bei dem der Vatikan einen Beobachterstatus hat. Daher müssen auch Madrid und Riad konsultiert werden, wenn das Zentrum geschlossen wird. Derzeit wird in Madrid über das weitere Prozedere noch beraten. Ob das Zentrum nun nach Spanien verlegt werden könnte – wie bereits in der Vergangenheit immer wieder spekuliert wurde – könne man noch nicht sagen, hieß es.

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Priester-Kinder sind Tabu in katholischer Kirche

Weltweit soll es Schätzungen zufolge mindestens 10.000 Priesterkinder geben. dpa
In der Kirche gibt es viele Tabus. Missbrauch an Kindern, Missbrauch an Nonnen. Ein weiteres Geheimnis sind Kinder, die von Priestern stammen. Einige von ihnen versuchen, das Schweigen zu brechen.

FOCUS ONLINE

Es sind Kinder, die es eigentlich gar nicht geben sollte. Zumindest, wenn es nach dem Willen der Kirche geht: Kinder von Geistlichen. Weltweit dürfte es Tausende von ihnen geben. Viele von ihnen aber leben im Verborgenen – oder in Unwissenheit. In Paris treffen an diesem Donnerstag mehrere Bischöfe Betroffene. Eine seltene Zusammenkunft. Denn während sogar der Papst mittlerweile offen einräumt, dass sexueller Missbrauch durch Geistliche ein Problem ist, sind die Priesterkinder noch immer ein Tabu.

Auch Vincent Doyle ist Sohn eines katholischen Priesters. Er kannte ihn sogar. Doch dass der Kirchenmann sein Vater war, habe er erst im Mai 2011 erfahren, sagt Doyle. Zu diesem Zeitpunkt war sein Vater bereits tot.

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Seine Philosophie hat die Lehren der Katastrophe verinnerlicht

Jürgen Habermas im Jahr 2012 auf dem Deutschen Juristentag (DJT) in München © Johannes Simon/dpa
Über Kants Philosophie soll Goethe einmal gesagt haben, ihre Lektüre erwecke den Eindruck, dass man ein hell erleuchtetes Zimmer betritt. Ein solches Lob gebührt nicht minder der Philosophie von Jürgen Habermas, die als spätmoderner Gipfel des von Kant begründeten rationalistischen Geistes herausragt.

Von Peter E. Gordon | ZEIT ONLINE

Was Habermas aber antreibt, sind nicht die nostalgischen Energien eines weltlosen Rationalismus; es ist vielmehr ein geläuterter Rationalismus, der die Lehren der historischen Katastrophe verinnerlicht und seinen Sitz in der sozialen Praxis selbst gefunden hat. Von metaphysischen Unbedingtheiten kann die Vernunft nicht mehr sprechen; sie überlebt einzig in der innerweltlichen und irrtumsanfälligen Form der öffentlichen Beratschlagung.

Ich begegnete Habermas zum ersten Mal in den späteren Achtzigerjahren. Damals wurden die Studierenden in den USA von Begeisterung für die anarchistischen Tendenzen gepackt, die man wahllos unter die Bezeichnung „Postmoderne“ subsumierte. Eine von Nietzsche und Heidegger inspirierte Stimmung verspielter Ironie hielt Einzug ins akademische Leben und verbreitete die Botschaft, dass der Sinn von Texten unerschöpflich und die Berufung auf universelle Moral als Maskierung der Macht zu entlarven sei. Doch die postmoderne Geisteshaltung verbraucht ihre emanzipatorischen Energien. Foucaults Verfahren der historischen Genealogie nährt die Einstellung einer alles erfassenden Skepsis: Es kann nicht erklären, warum irgendein politisches Engagement Vorrang vor einem anderen genießen sollte. Wird „Macht“ aber einmal als ultimative Bedeutung von Normalität angesehen, dann ist der zersetzende Realismus der Linken nicht mehr vom harten Realismus der politisch Konservativen zu unterscheiden – und die haben schon immer gesagt, dass Moral eine Fiktion und der Mensch ein gefährliches Tier sei.

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Katholische Kinderschützer: Verjährung bei Missbrauch aufheben

Bild: © KNA/Harald Oppitz
Viele Opfer von Missbrauch sprechen erst Jahre später über ihr Leid. Die Straftaten sind dann aber meistens verjährt. Deshalb fordern katholische Kinderschützer die Politik zum Handeln auf.

katholisch.de

Die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendschutz hat eine Aufhebung der strafrechtlichen Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch gefordert. Dafür müsse sich die Landesregierung ebenso stark machen wie für eine Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme an den nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf. Im Landesparlament wird derzeit über ein Maßnahmenpaket zum besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Missbrauch beraten.

Die Missbrauchsopfer seien häufig erst Jahrzehnte später in der Lage, über ihre schlimmen Erfahrungen zu sprechen, heißt es weiter. Die Straftaten seien dann teilweise verjährt. Das gelte auch für viele Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche.

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Das Internet bietet Marokkos Atheisten eine Heimat

Atheismus ist kein neues Phänomen in der islamischen Welt. Doch mit der Etablierung der sozialen Netzwerke bietet sich einer Vielzahl von jungen Arabern der Raum, öffentlich über ihre eigene Abkehr vom Glauben zu sprechen und Religion zu kritisieren. Das gilt insbesondere für den Islam, dem viele dieser jungen Menschen zuvor angehörten.
Das Internet ermöglicht es nicht nur, sich zum Atheismus zu bekennen, sondern auch mittels Kritik an Religion im Allgemeinen und dem Islam im Speziellen atheistische Überzeugungen in die Diskussion einzubringen und zu stärken. Ismail Azzam sprach mit jungen Marokkanern, die sich vom Islam abgewendet haben.

Ismail Azzam | Qantara.de

Atheismus ist kein neues Phänomen in der islamischen Welt: Bereits in den vergangenen Jahrhunderten bekannten sich verschiedene wichtige Persönlichkeiten in der Region zum Atheismus. Aber mit der Etablierung der sozialen Netzwerke bietet sich einer Vielzahl von jungen Marokkanern der Raum, öffentlich über ihre eigene Abkehr vom Glauben zu sprechen und Religion zu kritisieren. Das gilt insbesondere für den Islam, dem viele dieser jungen Menschen zuvor angehörten.

„Paltalk“ war das erste Medium, auf dem der Aktivist mit dem Pseudonym Hisham Nousteek über Atheismus sprach. Später wechselte er dann zur Videoplattform YouTube, über die er mittlerweile auf verschiedenen Kanälen Videos zum Thema Religion verbreitet. Darüber hinaus betreibt er eine eigene Webseite und ist auch auf seiner Facebook-Seite weiterhin sehr aktiv. Als erster Atheist Marokkos hat er zudem ein gedrucktes Buch veröffentlicht: In „Memoiren eines Ungläubigen“ schildert er im marokkanischen Dialekt seinen Weg vom Glauben zum Atheismus.

„Ein marokkanischer Ungläubiger“

„Das Internet hat unser Leben grundlegend verändert. Das hat sich auch auf unsere Überzeugungen ausgewirkt und die Art, wie wir sie thematisieren, geändert. Es war der ausschlaggebende Faktor für mich, mit meiner Kritik an Religion und meiner Abkehr vom Glauben an die Öffentlichkeit zu gehen. Auf einmal konnte ich ganz einfach und problemlos mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt treten“, sagt Nousteek im Gespräch mit Qantara.de. In seinen Worten spiegelt sich die weit verbreitete Idee, dass durch die sozialen Netzwerke und die Möglichkeit, öffentlich und ohne Tabus zu diskutieren, eine große Anzahl von Muslimen zu Atheisten werden könnte.

Die Verbreitung atheistischen Denkens über die sozialen Netzwerke ist jedoch nicht die einzige Veränderung, die das Internet mit sich gebracht hat: „Dank des Internets stehen den Menschen heutzutage Informationen und Quellen zur Verfügung, die es früher nur in teuren Büchern gab. Dadurch begannen viele zu hinterfragen, was sie als Kinder zu glauben gelernt haben“, erklärt Nousteek.

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