Was ist eigentlich Evidenz in der Medizin und wer braucht sie?

foto: katsey Ohne Herz geht nichts, sagt auch Historiker Jakob Lehne. Sein Arbeitsplatz ist das Josephinum
Die evidenzbasierte Medizin hat den Anspruch, die bestmögliche Therapie für eine Vielzahl von Patienten zu sichern

Günther Brandstetter | derStandard.at

Etwa 2000 Jahre lang war der Aderlass eine der gängigsten medizinischen Behandlungsmethoden. Bereits in der Antike dachten die weisen Eminenzen, den Menschen von ungesunden Säften befreien zu müssen. Auch Hildegard von Bingen pries ihn an, um den Körper von schlechtem Blut zu reinigen, das durch falsche Ernährung, Stress oder Ängste entsteht. Ihre Empfehlung: Bei abnehmendem Mond solle man dem Patienten „fauliges und zersetztes Blut“ abzapfen.

Doch spätestens mit der Entdeckung des Blutkreislaufs im 17. Jahrhundert hätte der Eingriff sein Ende finden müssen. Seit damals war klar, dass sich schlechtes Blut nicht irgendwo im Körper staut. Viele Ärzte praktizierten den Unsinn dennoch unverdrossen weiter, auch der erste US-Präsident George Washington wurde damit im Jahr 1799 zu Tode kuriert.

Nachweise für die Wirksamkeit

Es sollte bis 1972 dauern, die vorherrschende Dominanz der ärztlichen Eminenzen zu schmälern: Der britische Epidemiologe Archie Cochrane veröffentlichte sein Buch „Effectiveness and Efficiency – Random Reflections on Health Services“.

Darin kritisierte er, dass jeder Arzt tun und lassen konnte, was er für richtig hält. Er prangerte die mangelnde Wissenschaftlichkeit der medizinischen Praxis an und verlangte Nachweise für die Wirksamkeit von Therapien.

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Ein Juso-Vorsitzender, ein wenig Eigentumskritik und deren empörte Zurückweisung

Bild Kevin Kühnert: Martin Kraft / CC BY-SA 3.0 / Illustration: TP
Eines hat er erreicht, der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert: Plötzlich fragen sich doch durch alle Empörung hindurch ein paar nachdenklichere Leute, was eigentlich dran ist an seiner Kritik am Kapitalismus.

Rainer Schreiber | TELEPOLIS

Der Befund, der sich dabei durch die Bank ergibt – und schon längst erhoben wurde -, ist eindeutig: Die Armen werden eher ärmer, die Reichen gewiss reicher:

Superreiche 45 Deutsche besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung: Das Vermögen in Deutschland ist sehr ungleich verteilt, das sagen offizielle Statistiken. Nun hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung diese Statistiken ergänzt: Demnach ist die Ungleichheit weit extremer.

F. Diekmann, SPIEGEL online

Und da soll eine Debatte über die Art und Weise der Produktion, der Organisation und Verteilung von Eigentum und Reichtum überflüssig oder gar störend sein? Kommt darauf an: Schlecht ist diese Diskussion für alle, die von diesen absurden Verhältnissen profitieren. Die wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, obwohl sie vielleicht wissen, dass dies auch für sie selbst keine Zukunft hat:

Selbst ich als Kapitalist gebe zu, dass der Kapitalismus nicht mehr funktioniert“, räumt Starinvestor Ray Dalio ein und warnt zugleich vor einer „Revolution“, sollte der Kapitalismus nicht reformiert werden.

Handelsblatt online, 05.05.2019

Der hellsichtige Starinvestor und milliardenschwere Fondsmanager Warren Buffet bemerkte schon vor vielen Jahren:

There’s a class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.

The New York Times, 26.11.2006

Buffet meinte damals auch, dass es ihm unverständlich sei, wieso seine Sekretärin mehr Steuern zu bezahlen hätte wie er, der Milliardär. Soeben war zu lesen, dass Amazon, derzeit wohl einer der verrufensten Ausbeuter-Konzerne des Planeten, trotz seiner 11,2 Milliarden Dollar an (ausgewiesenem) Gewinn in 2018 eine Steuerrückerstattung von 129 Millionen Dollar erhalten hat. Mit einem Steuersatz von minus 1 Prozent liegt Amazon deutlich unter den Steuerverpflichtungen für die 20 Prozent der ärmsten Haushalte der USA in Höhe von 1,5 Prozent. Trump macht‘s möglich; die Zahl der Konzerne, die keine Steuern mehr bezahlen, hat sich unter seiner Regierung verdoppelt.

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Gundula Gause: Ihr Glaube ist ihre Privatsache – alles andere Afterdienst Gottes

Bei aller Kritik: Aus der Kirche auszutreten, ist für ZDF-Nachrichtenmoderatorin Gundula Gause unvorstellbar. 2019 ist sie Mitglied der Jury für den Bonifatiuspreis. Im Interview spricht sie über ihren Glauben und die Zukunft der Kirche.

DOMRADIO.DE

Bonifatiuswerk: Viele denken darüber nach, aus der Kirche auszutreten oder haben dies schon getan. Was hält Sie in der Kirche?

Gundula Gause (Moderatorin): Es ist für mich unvorstellbar, aus der Kirche auszutreten. Der Glaube gehört zu meinem Koordinatensystem, das in der Kirche eine verlässliche Organisation findet. Den Verlust dieser Institution würde ich – bei aller berechtigten Kritik – für eine Bedrohung halten, die die gesamte Gesellschaft existenziell treffen würde, auch die Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften. Der christliche Glaube gehört zur kulturellen und spirituellen Identität Deutschlands.

Dieses Bewusstsein und das daraus resultierende Selbstbewusstsein sind Grundlage für das Miteinander in einer immer vielfältigeren Gesellschaft. Da sich diese in allen Ländern verändert, könnten der christliche Glaube und die Verbindung über die Kirchen eine Basis für ein besseres Miteinander sein. Das sollte unser aller Ziel sein. Nicht zuletzt hält mich in der Kirche meine katholische Kirchengemeinde, in der ich als Protestantin sehr gerne lebe.

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Flatearther: Wie das Internet die Renaissance der Erdscheibe brachte

foto: flat earth societa, nasa – montage: standard Das populärste Modell der flachen Erde (hier perspektivisch geneigt) geht davon aus, dass Landmasse und Ozeane von einem riesigen Eiswall umringt sind.
Eine fast ausgestorbene Bewegung reüssiert dank sozialer Netzwerke – zwei Prozent der US-Amerikaner sollen an die Theorie glauben

Georg Pichler | derStandard.at

Die Menschheit hat den Mond betreten, Roboter auf den Mars geschickt und zwei Sonden aus dem Sonnensystem geschossen. Erstmals belegten Fotos schon vor 84 Jahren bildlich etwas, was für die Wissenschaft schon seit vielen Jahrhunderten als erwiesen gilt: Wir leben auf einer Erdkugel. Genauer genommen: Auf einem Ellipsoiden mit sehr unregelmäßiger Oberflächenausprägung.

1935 stieg der Ballon „Explorer 2“ auf rund 22 Kilometer Höhe in die Stratosphere auf. Dort entstandene Fotos zeigen bereits deutlich die Erdkrümmung. 1947 schoss die Nasa (damals noch Naca) eine von der deutschen Wehrmacht erbeutete und umgebaute V2-Rakete gar über 160 Kilometer hoch und lieferte einen noch deutlicheren Fotobeleg dafür, dass auch die letzten verbliebenen Anhänger der „flachen Erde“ falsch lagen.

Überzeugt werden konnten manche davon dennoch nicht. Doch in den folgenden Jahrzehnten versank die Bewegung, die sich zehn Jahre später, 1957, formell als Flat Earth Society gegründet hatte, in der Versenkung. Doch durch das Internet – und insbesondere soziale Netzwerk – gewinnen die „Flatearther“ wieder deutlichen Zulauf.

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Canberra lässt 4000 Kängurus töten

Kängurus regulieren ihre Fruchtbarkeit nach der Verfügbarkeit von Wasser und Nahrung. Doch dieser natürliche Mechanismus wird durch die Landwirtschaft ausgehebelt, und die Weibchen bekommen auch bei Dürre Nachwuchs. (Bild: Darrin Zammit Lupi / Reuters)
In der australischen Hauptstadt Canberra vermehren sich die Kängurus derart rapide, dass die Behörden zum Handeln gezwungen sind. Tierschützer drohen nun Widerstand an.

Urs Wälterlin | Neue Zürcher Zeitung

In Canberra kommt der Tod mit einem sanften Ton. Ein gedämpftes «Pop» ist das Letzte, was in diesen Wochen Tausende von Kängurus hören werden. In Parks und öffentlichen Gartenanlagen lauern nachts speziell ausgebildete Schützen den Tieren auf – mit Gewehren im Anschlag, die mit Schalldämpfern ausgerüstet sind. Die Strahlen von Hochleistungsscheinwerfern tasten die Landschaft ab. Lange müssen die Jäger nicht warten. In der australischen Hauptstadt leben Zehntausende der ikonischen Tiere, die das Wappen der Nation zieren. Zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, immer häufiger aber auch mitten am Tag, grasen Kängurus zu Hunderten auf Kinderspielplätzen und Golfanlagen. Immer wieder kommt es zu Unfällen. Canberra ist wohl die einzige Hauptstadt der Welt, wo Automobilisten sogar beim Umfahren des Parlamentsgebäudes die Gefahr droht, mit einem Tier zu kollidieren, das bis zu zwei Meter gross werden kann.

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Saudischer Kronprinz fordert „entschlossene Haltung“ gegen Iran

Saudi-Arabien macht wie die Vereinigten Staaten Iran für die mutmaßlichen Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman verantwortlich. Der Kronprinz des Landes sieht nun die internationale Gemeinschaft in der Pflicht.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Saudi-Arabien hat seinen Erzrivalen Iran für die mutmaßlichen Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman verantwortlich gemacht. Das „iranische Regime“ habe den Besuch des japanischen Regierungschefs Shinzo Abe nicht respektiert und während dessen Anwesenheit die Schiffe angegriffen, eins davon ein japanisches, sagte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman der arabischen Zeitung „Al-Sharq al-Awsat“, wie das Blatt am Sonntag berichtete. Von der internationalen Gemeinschaft forderte er eine „entschlossene Haltung“.

Die beiden Tanker waren am Donnerstagmorgen bei schweren Zwischenfällen im Golf von Oman beschädigt worden. Zu dieser Zeit war Abe in Teheran, um im Konflikt mit Iran zu vermitteln. Die „Front Altair“ einer norwegischen Reederei geriet nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der „Kokuka Courageous“ berichtete von zwei Detonationen. Die genauen Hintergründe sind bislang unklar.

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1000 Peitschenhiebe für Religionskritik

Von Ensaf Haidar – Picture provided by PEN International, CC BY-SA 3.0
Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik geht an den saudischen Blogger Raif Badawi

Markus Kompa | TELEPOLIS

Die Initiative für Nachrichtenaufklärung e.V. hat am Freitag zum 5. Mal den Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik verliehen. Der Ehrung geht jährlich an Personen oder Institutionen, die sich laut INA auf originelle und ausgewogene Weise kritisch mit dem Journalismus auseinandersetzen. Die mit jeweils 5.000,- € dotierte Auszeichnung ging diesmal an einen entschiedenen Streiter für Meinungs- und Pressefreiheit, nämlich an den saudischen Journalisten Raif Badawi. Vor einem Jahrzehnt hatte Badawi trotz Repressalien das „Saudische liberale Netzwerk“ gegründet, seine religionskritischen Blogposts wurden von Zeitungen nachgedruckt. So schrieb Badawi etwa:

„Die Hauptmission einer jeden Theokratie ist es, jegliche Vernunft zu töten, den historischen Materialismus und den gesunden Menschenverstand rigoros zu bekämpfen und die Massen, so gut es geht, in die absolute Verdummung zu treiben.“

Wegen „Beleidigung des Islam“ wurde Badawi zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt. Die ersten 50 waren öffentlich durchgeführt worden, seither sitzt Badawi seit sieben Jahren hinter Gitter. Eine ihm nahegelegte Flucht hatte Badawi aus Prinzip abgelehnt. Aufgrund des Konzepts der Sippenhaft wurde letztes Jahr auch Badawis Schwester inhaftiert.

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‚God Plays Dice with the Universe,‘ Einstein Writes in Letter About His Qualms with Quantum Theory

In a letter that Albert Einstein wrote in 1945, the famous physicist sketched two diagrams demonstrating a novel approach to the thought experiment called the Einstein-Podolsky-Rosen (EPR) paradox.
Three letters written by Albert Einstein in 1945 are up for auction and offer an intriguing glimpse into the renowned physicist’s criticisms of how scientists were interpreting physics at the quantum level.

By Mindy Weisberger | SPACE.com

The letters, which were addressed to Caltech theoretical physicist Paul Epstein, describe Einstein’s qualms about quantum theory, which he called „incomplete“ in one letter.

Another letter details the thought experiment that led to a quantum concept known as „spooky action at a distance“ — when separated particles behave as if they were linked. [Gallery: See Photos of Einstein’s Brain]

The letters — eight pages of German writing and hand-drawn diagrams — will hit the auction block at Christie’s in New York today (June 12) at 2 p.m. ET, as part of the „Fine Printed Books and Manuscripts Including Americana“ auction.

Einstein’s words in the letters demonstrate his fraught relationship with quantum physics, or the theories that describe the world of the very small (atoms and the subatomic particles inside them). For decades, he famously clashed with physicist Niels Bohr, whose views on the workings of the quantum world stated that particles behave differently when they are observed.

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Rio de Janeiro: Evangelikale wollen afro-brasilianische Kultstätten zerstören

Die afro-brasilianischen Religionen haben viele Rituale und Kultstätten. Foto: dpa/Leo Correa
Angehörige afro-brasilianischer Religionen sind derzeit im Großraum Rio de Janeiro durch evangelikale Drogenkriminelle gefährdet.

Stuttgarter Nachrichten

Rund 120 afro-brasilianische Kultstätten im Großraum Rio de Janeiro sind laut Medienberichten akut durch evangelikale Drogenkriminelle bedroht. Die Straftäter seien in den Gefängnissen bekehrt worden und evangelikalen Kirchen beigetreten, berichtete das Portal „UOL“ am Samstag. Wieder in Freiheit, vertreiben sie Priester und Angehörige von Religionen mit afrikanischen Wurzeln, die sie als „Teufelszeug“ ansehen, wie es hieß.

Die Polizei in Rio de Janeiro vermutet, dass die Drogenbande Terceiro Comando Puro (TCP) hinter den Attacken auf die Kultstätten steckt. Zuletzt sollen sich demnach die Übergriffe auf die Religionen Candomble und Umbanda vor allem in Armenvierteln gehäuft haben. So seien Versammlungshäuser zerstört worden. Zudem hätten die Priester ein Ultimatum von 48 Stunden erhalten, um sich aus den Vierteln zurückzuziehen.

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Am Online-Pranger: Wie Gesetzesbrechern in den USA die Identität genommen wird

Ist ein Gesicht einmal im Netz, ist auch der Verdacht, der auf einer Person lastet, kaum wieder wegzubringen. Mit sogenannten Mug-Shots, Gesichtsaufnahmen, werden Tatverdächtige in den USA im Netz markiert. (Bild: REUTERS)
Polizeifotos von Tatverdächtigen sind in den USA allgegenwärtig. Selbst diejenigen, die ihre Strafe verbüsst haben oder freigesprochen wurden, werden von den Aufnahmen verfolgt – und damit erpresst. Doch nun regt sich Widerstand.

Steve Przybilla | Neue Zürcher Zeitung

Thomas T. war mit seinem Leben zufrieden. Als Chef der Schulaufsicht von Kenilworth, einem Bezirk im US-Teilstaat New Jersey, hatte sich der 42-Jährige einen exzellenten Ruf erarbeitet. Sein Jahresgehalt von knapp 150 000 Dollar lieferte ihm und seiner Familie ein gutes Auskommen. «Ich habe meinen Job geliebt», erzählte T. einer amerikanischen Zeitung in einem der raren Interviews, die er in den vergangenen Monaten gegeben hat. Denn T. ist heute kein leitender Beamter mehr. Er ist ein Mann, der alles verloren hat: seinen guten Ruf, seinen Job, sogar seine Würde.

Verantwortlich dafür ist, auch das gehört zur Wahrheit, zum Teil er selbst. Während seiner Zeit als Behördenchef joggte T. regelmässig auf dem Sportplatz einer nahe gelegenen Highschool. Niemand ahnte, dass ihn bei seinen Runden regelmässig der sogenannte Läuferdurchfall überkam, offenbar so akut, dass er es nicht mehr bis auf die Toilette schaffte. Im Mai 2018 wurde T. dabei erwischt, wie er seine Notdurft hinter der Zuschauertribüne verrichtete.

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Zentralrat begrüßt Rücktritt von Direktor des Jüdischen Museums: „Wieder auf inhaltlich wichtige Arbeit konzentrieren“

Das Jüdische Museum in Berlin-Kreuzberg © Bernd von Jutrczenka (dpa)
Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßt den Rücktritt des Direktors der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, Peter Schäfer. „Es ist ein wichtiger Schritt, um weiteren Schaden von der Institution abzuwenden.“

DOMRADIO.DE

Das schrieb Zentralratspräsident Josef Schuster am Freitagabend auf Twitter. Das Museum befinde sich derzeit in einer wichtigen Phase der Neuaufstellung, die zu einem guten Abschluss gebracht werden müsse.

Der Zentralrat hatte in den letzten Tagen scharf kritisiert, dass das Museum per Internet eine Leseempfehlung für einen Zeitungsartikel über Wissenschaftler gegeben hatte, die den Beschluss des Bundestags gegen die BDS-Bewegung verurteilen. Die Bewegung ruft unter anderem zum Boykott israelischer Waren auf. Der Zentralrat stellte infrage, ob die Bezeichnung „jüdisch“ für das Museum noch angemessen sei. Überdies hatte der Rat Vorbehalte gegen eine Jerusalem-Ausstellung des Museums vorgebracht.

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Vertreter des Abdullah-Zentrums: „Unglaubliche Heuchelei Österreichs“

Foto: apa
Direktoriumsmitglied Rabbiner Rosen: Zentrum habe zur Öffnung der Gesellschaft in Saudi-Arabien beigetragen

derStandard.de

Der britische Rabbiner David Rosen wirft Österreich nach dem Nationalratsvotum zur Schließung des Wiener König-Abdullah-Zentrums (KAICIID) „unglaubliche Heuchelei“ vor. So würden sich die damaligen Regierungsparteien ÖVP und SPÖ, die das Zentrum vor sieben Jahren in Wien ansiedelten, nun dagegen stellen, kritisierte das KAICIID-Direktoriumsmitglied laut Vorabmeldung (Samstag) im „profil“.

Das „König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog“ sorgt seit Jahren für innenpolitische Kontroversen. Im Herbst 2012 von Saudi-Arabien, Österreich und Spanien eröffnet, wird es größtenteils von Riad mit rund 15 Millionen Euro pro Jahr finanziert. Der Vatikan hat Beobachterstatus.

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Gott schuf Mann und Frau

Homosexuellen-Aktivisten demonstrieren im Dezember 2012 vor dem Petersdom in Rom. Bild: Reuters
Der Vatikan hat ein Dokument veröffentlicht, das auf traditionellen Geschlechterrollen beharrt. Liberale Katholiken und LGBT-Vertreter kritisieren die Handreichung für veraltete Ansichten.

Von Matthias Rüb | Frankfurter Allgemeine Zeitung

An dem 30 Seiten umfassenden Dokument wurde lange herumgezerrt und gefeilt – wie das im Vatikan eben der Fall ist, wenn widerstreitende Interessen und Überzeugungen der zahlreichen Glieder der Weltkirche unter einen Hut gebracht werden sollen. Der Titel des nun veröffentlichten Dokuments, das es bisher nicht in deutscher Fassung gibt, lautet: „Mann und Frau: ER hat sie geschaffen. Auf dem Weg zu einem Dialog in der Frage der Gender-Theorie im Bildungsbereich“.

Man darf davon ausgehen, dass Papst Franziskus den Text abgesegnet hat, unterzeichnet hat er ihn nicht: Damit wird signalisiert, dass es eben um die Eröffnung eines Dialogs und nicht um dessen Abschluss mittels päpstlichem Dogma gehen soll.

Formal handelt es sich bei dem Dokument um eine Handreichung für Pädagogen an katholischen Bildungseinrichtungen, wie der Leiter der Bildungskongregation, der italienische Kardinal Giuseppe Versaldi, dem Portal „Vatican News“ versicherte. Doch natürlich ist es weit über den Bildungsbereich hinaus von Bedeutung, wenn sich der Vatikan zu Fragen von Sex und Geschlechterrollen äußert.

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„Die Religion durchwebt fast jedes Buch“

Grafik: TP
Constantin Schreiber über Schulbücher in muslimischen Ländern

Reinhard Jellen | TELEPOLIS

In seinem Buch Kinder des Koran hat der Journalist Constantin Schreiber die Schulbücher verschiedener muslimischer Länder untersucht.

Herr Schreiber, aus welchen Ländern haben Sie sich Schulbücher angesehen und warum?

Constantin Schreiber: Ich habe mir Bücher aus acht verschiedenen mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern angesehen. Im Buch habe ich dann jeweils ein Schulbuch aus Afghanistan, dem Iran, Ägypten, den palästinensischen Gebieten und der Türkei besprochen. Ich wollte herausfinden, welches Wissen die Kinder in diesen Ländern an staatlichen Schulen vermittelt bekommen.
Immer wieder waren Lehrer auf mich zugekommen, die über Probleme in ihren Schulklassen mit hohem Migranten-Anteil klagten. Die Fragen wiederholten sich: Warum ist der Begriff der Ehre so wichtig? Warum sind Mädchen so devot? Die Schulbücher geben einen Teil der Antworten.

Konnten Sie in den Büchern ein einheitliches Welt- beziehungsweise Menschenbild ausmachen? Falls ja, wie ist dieses beschaffen?

Constantin Schreiber: Es wird in nahezu keinem Buch Fachwissen vermittelt ohne Bezug zum Islam zu nehmen. Die Religion durchwebt fast jedes Buch, das ich gesehen habe. Entweder im Sinne religiöser Unterweisung, oder aber, um nationalistische Ideen religiös zu rechtfertigen.

Wie steht es in diesen Büchern um die Trennung von Staat und Religion?

Constantin Schreiber: Eine Trennung von Staat und Religion findet kaum irgendwo statt.

Wie werden in diesen Büchern wie Multiethnizität, Andersgläubigkeit, Atheismus, Frauenemanzipation, Demokratie und Menschenrechte behandelt?

Constantin Schreiber: Während wir uns in Deutschland darum bemühen, den Kindern beizubringen, dass Vielfalt etwas Gutes und Wünschenswertes ist, wird in den von mir durchgesehenen Schulbüchern vor allem Homogenität propagiert. Es gibt in den Büchern nur eine richtige Handlungsweise, und die steht im Einklang mit Regeln des Islam. So gibt es nichts anderes für Mädchen, als sich zu verschleiern und dem Ehemann zu gehorchen.

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Weniger Migranten kommen über die Türkei in die EU

Die Zahl der Migranten, die über die Türkei in die Europäische Union eingereist sind, ist in den ersten vier Monaten dieses Jahres einem Bericht zufolge deutlich zurückgegangen.

evangelisch.de

Bis zum 5. Mai seien 11.217 Menschen in der EU angekommen, berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf ein vertrauliches Papier der EU-Kommission. Im Vorjahreszeitraum seien es noch 29 Prozent mehr gewesen.

Fast alle Migranten aus der Türkei kamen den Angaben der EU-Kommission zufolge in Griechenland (11.076) an, deutlich weniger in Bulgarien (86) und Italien (55).

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