Canberra lässt 4000 Kängurus töten


Kängurus regulieren ihre Fruchtbarkeit nach der Verfügbarkeit von Wasser und Nahrung. Doch dieser natürliche Mechanismus wird durch die Landwirtschaft ausgehebelt, und die Weibchen bekommen auch bei Dürre Nachwuchs. (Bild: Darrin Zammit Lupi / Reuters)
In der australischen Hauptstadt Canberra vermehren sich die Kängurus derart rapide, dass die Behörden zum Handeln gezwungen sind. Tierschützer drohen nun Widerstand an.

Urs Wälterlin | Neue Zürcher Zeitung

In Canberra kommt der Tod mit einem sanften Ton. Ein gedämpftes «Pop» ist das Letzte, was in diesen Wochen Tausende von Kängurus hören werden. In Parks und öffentlichen Gartenanlagen lauern nachts speziell ausgebildete Schützen den Tieren auf – mit Gewehren im Anschlag, die mit Schalldämpfern ausgerüstet sind. Die Strahlen von Hochleistungsscheinwerfern tasten die Landschaft ab. Lange müssen die Jäger nicht warten. In der australischen Hauptstadt leben Zehntausende der ikonischen Tiere, die das Wappen der Nation zieren. Zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, immer häufiger aber auch mitten am Tag, grasen Kängurus zu Hunderten auf Kinderspielplätzen und Golfanlagen. Immer wieder kommt es zu Unfällen. Canberra ist wohl die einzige Hauptstadt der Welt, wo Automobilisten sogar beim Umfahren des Parlamentsgebäudes die Gefahr droht, mit einem Tier zu kollidieren, das bis zu zwei Meter gross werden kann.

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