Adorno war kein Mephisto


Theodor W. Adorno (1964). Bild: wikipedia.org/Jeremy J. Shapiro – CC BY-SA 3.0

Schon Adorno selbst bemängelte die Bedingungen in diesem Raum, und auch diesmal war die Luft im Hörsaal IV auf dem ehrwürdigen Bockenheimer Uni-Campus nicht besonders gut. Aus Anlass des 50. Jahrestages von Adornos Tod am 6. August 1969 war er bis auf die letzten Plätze gefüllt.

Von Nikolaus Gietinger | Frankfurter Rundschau

Gordon begann mit einer Einführung in die Grundlage der Philosophie Adornos, dessen „Negative Dialektik“. Diese habe den Anspruch gehabt, Unwahres dort aufzuzeigen, wo Wahres nicht hinterfragt werde. Doch wie über das hinausweisen, das nicht ist, während unsere Gedanken gleichzeitig vom Bestehenden stark beeinflusst werden? Adornos Philosophie lasse Möglichkeiten offen, wenn auch nur kleine „Risse und Schründe“. Gleichzeitig bleibe jede rationale Begründung von Normativität unsicher, sei nicht komplett „bedeckt“ von Vernunft. Das Werk Adornos sei allgemein fragil, unsicher, zudem beschädigt. Es gäbe keine Sicherheiten, keine festen Wahrheiten.

Um über die gegebenen Verhältnisse hinaus zu weisen, die Quellen einer Normativität zu finden, entwickle Adorno eine eigene Metaphysik. Metaphysik? War Adorno etwa Theologe, und das als Materialist? Beileibe nicht, betonte Gordon. Für ihn schlüpfe die Metaphysik bloß in die materielle Welt, beides gehöre zwingend zusammen, um über das Gegebene hinauszuweisen. Die Metaphysik verweise aber nicht auf ein Jenseits, sondern sei in der sozialen Realität zu verorten.

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