Was die Bundeszentrale für politische Bildung nicht veröffentlichen will


Grafik: TP
Die dem Bundesinnenministerium unterstellte Institution hat ein Dossier zur „Digitalen Desinformation“ erstellt, in dem Kritisches offenbar und symptomatisch unerwünscht war

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Im Februar erhielt ich eine Email von einem Mitarbeiter der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Geplant sei ein Dossier zur Europawahl zum Thema „Digitale Desinformation“. Zuvor hatte ich in einigen Artikeln meine Skepsis über die dauernden Warnungen vor Desinformation geschrieben, war etwa auf die britische Kampagne der Integrity Initiative eingegangen und hatte darüber berichtet, dass den US-Demokraten nahestehende Organisationen und Firmen, die über die russische Desinformation „aufklärten“, selbst an Desinformationskampagnen beteiligt waren, um Wahlhilfe für Kandidaten zu leisten. Eben zu letzterem Thema wurde ich angefragt: „In diesem Zusammenhang möchte ich Sie im Anschluss an Ihren Telepolis-Text vom Anfang des Jahres für einen Beitrag zum Thema „Führt der Kampf gegen Desinformation zu weiterer Desinformation?“ anfragen.“

Zugegeben, ich war überrascht, dass die bpb ausgerechnet in einem Dossier, das offensichtlich darauf angelegt schien, im Vorfeld der EU-Wahlen die Gefahr von Desinformationskampagnen von Russland und EU-Gegnern zu beschwören, ein Beitrag erwünscht war, der sich dem Thema kritisch nähert und letztlich hinter der Bekämpfung von Desinformationskampagnen selbst auch Interessen und Propaganda sieht, nicht nur die reine Liebe zur Wahrheit und zu Fakten.

Also ich war angetan, sagte einen Beitrag zu und schickte ihn mit dem unterschriebenen Vertrag auch fristgerecht ein. Das Honorar wurde auch gezahlt, der Betreuer mahnte im April noch formale Verbesserungen wie Angabe von Seiten bei Zitaten, weitere Belege und einen “ resümierenden Satz“ am Ende an. Das wurde erledigt, dann hörte ich nichts mehr, ging davon aus, dass alles seinen Bearbeitungsgang ging und vergaß die Angelegenheit schließlich.

weiterlesen