Monsanto spionierte Kritiker aus


Bild: Mike Mozart/CC BY-SA-2.0
Stakeholder Mapping: Im Vorfeld der EU-Neuzulassung von Glyphosat ließ der US-Konzern in großem Stil Daten über externe Personengruppen sammeln

Arno Kleinebeckel | TELEPOLIS

An der Rheinschiene zwischen Köln und Düsseldorf erfreut der „Japanische Garten“ des Leverkusener Chemieriesen BAYER AG Besucher von nah und fern. Angelegt hat die opulente Grünanlage der ehemalige Aufsichtsratschef und Japan-Begeisterte Carl Duisberg (früher I.G. Farben Aktiengesellschaft).

Der heutige Bayer-Chef Werner Baumann, seit 2016 CEO des Unternehmens und verantwortlich für die milliardenschwere Übernahme von Monsanto, dürfte in diesen Tagen kaum Zeit für fernöstliche Andachtsübungen haben: Zu dringlich sitzen ihm die Probleme rund um den Monsanto-Deal und vor allem um das Problemmittel Glyphosat im Nacken.

„Feindliche Kräfte“ im Visier

Zuletzt sah Baumann sich genötigt, einen Brief an den Bundestag zu schreiben, um öffentlich Abbitte zu tun. Grund war nicht das umstrittene Herbizid Glyphosat – es war nur mittelbar Stein des Anstoßes. Vielmehr war Mitte Mai offenbar geworden, dass der von Bayer übernommene Saatgut- und Pestizidhersteller Monsanto Listen über Kritiker führte, und das aus sieben Ländern, darunter auch Deutschland.

Wie der Konzern Anfang der Woche bekannt gab, finden sich allein in Deutschland und Frankreich rund 600 Personen auf den von der US-Tochter Monsanto geführten Listen. Diese Personen werden jetzt angeschrieben. Monsanto hatte, wie zunächst in Frankreich aufflog, eine PR-Agentur damit beauftragt, ab 2016 in mehreren Ländern Informationen über die Haltung von Journalisten, Wissenschaftlern und Politikern zu sammeln und diese zu bewerten.

Auf einem Koordinatensystem wurden mit Werten von eins bis fünf Politiker, Journalisten und Wissenschaftler in unterschiedliche Personengruppen eingeteilt: in Verbündete, potenzielle Verbündete, die es zu „rekrutieren“ gelte, und feindliche, zu überwachende Kräfte. Außerdem habe die Erfassung private Adressen, Telefonnummern und sogar Hobbys eingeschlossen. Zu den Betroffenen gehört auch die prominente französische Politikerin Ségolène Royal, ehemalige Präsidentschaftskandidatin und zwischen 2014 und 2017 Umweltministerin. Unter den Namen von Journalisten finden sich Medienberichten zufolge auch Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders „France Télévisions“.

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