Antivegane Religioten

Colin Goldner, ©brightsblog
Und schon wieder erschien ein Artikel auf dem hpd, der sich um das Thema „Veganismus“ dreht. Sehr zum Missfallen all jener Leserinnen und Leser, die es lieber sähen, wenn der hpd bei seinen „Kernthemen“ bliebe, sich also mit Atheismus, Religionskritik, Trennung von Staat und Kirche und dergleichen befasste, anstatt in nachgerade sektenhaft anmutendem Glaubenseifer vegane Ernährung zu einer Art Ersatzreligion zu stilisieren.

Colin Goldner | hpd.de

Ich selbst, der ich vor knapp einem Jahr in einem Artikel „Vegan Religion?“ eben diesen Vorwurf aufgriff und dabei in einem Nebensatz erwähnte, seit gut 25 Jahren vegan zu leben, musste mich von einem Leserbriefschreiber belehren lassen, dass die „eifrigsten Veganverfechter“, zu denen er offenbar auch mich zählt, „nicht wahrhaben wollen oder können, dass ihre Ideologie deutliche Züge einer missionarischen Heilslehre zeigt“; ganz abgesehen davon, dass „all die hier immer wieder auftauchende penetrante Werbung in veganer – und somit in letzter Konsequenz inhumaner – Sache nervt.“ Anderweitig erboste sich ein Leser, dass schon wieder „Veganismus“ thematisiert werde, obwohl doch kürzlich erst „massenhaft dagegen Einspruch erhoben wurde, dass ein dem Rationalismus verpflichtetes Forum ständig dafür mißbraucht wird, für eine sektenähnliche Minderheit Propaganda zu machen“. Echt jetzt? Der hpd als Plattform für eine Art Vegansekte, die in penetrant-missionarischer Manier Propaganda macht für ihre irrational-inhumane Minderheitensache?

In der Tat scheinen die Artikel Daniela Wakoniggs, Armin Pfahl-Traughbers, Falko Pietschs und anderer zum Thema „Veganismus“ einen Nerv zu treffen, was sich nicht zuletzt an der jeweils überdurchschnittlich hohen Zahl an Leserzuschriften zeigt, die die Redaktion erreichen; einschließlich einer überdurchschnittlich hohen Zahl an Beschwerden, dass ausgerechnet in einem säkularen Medium wie dem hpd (quasi-)religiös besetzte Unsinnsthemen wie „Veganismus“ – oder in weiterem Sinne: Beiträge zu Tier- Arten-, Natur- und Klimaschutz – sich breitmachten.

Beyond Meat

Als hpd-Autor Sebastian Hackauf unlängst über den Megahype berichtete, den der rein pflanzliche „Beyond Meat“-Burger in den USA auslöste – ein fleischloses Burger-Pattie, das in Aussehen, Textur und Geschmack von echtem Fleisch kaum mehr zu unterscheiden ist – beklagte sich einer der Dauerleserbriefeschreiber darüber, auf hpd immer wieder parareligiös verkleisterte oder schlicht antihumanistische Veganpropaganda lesen zu müssen, nach dem Motto: „Werdet gefälligst vegan oder wir unterstützen euch nicht mehr! Unterstützt gefälligst die Tierrechte oder wir unterstützen keine Menschenrechte mehr! Wer Tiere nutzt, ist ein Nazi!“

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Gaulands ganzer Stolz?

Abführen von Gefangenen. Bild: Kipper / Bundesarchiv, Bild 101I-020-1272-21 / CC-BY-SA-3.0
Anlässlich des Jahrestages des Überfalls Nazideutschlands auf die Sowjetunion – eine Erinnerung an die Verbrechen der Wehrmacht im Osten

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Im Wahlkampf 2017 bekannte sich der Vorsitzende der AfD, Alexander Gauland, offen zu den militaristischen Traditionslinien der deutschen Rechten. Man habe das Recht, „stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“, erklärte Gauland Mitte September 2017. Die AfD habe das Recht, sich „nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen“.

Damit wollte Herr Gauland auch explizit auf die Leistungen der Wehrmacht stolz sein, die bekanntlich das militärische Instrument des Vernichtungskrieges der Nazis im Osten bildeten. Der AfD-Spitzenkandidat bekräftigte, dass – allen Verbrechen zum Trotz – „Millionen deutscher Soldaten tapfer waren“, die man nun loben könne. Das „verbrecherische System“ sei schuld, so der AfD-Chef, und „nicht die Soldaten, die tapfer waren“.

Diese Argumentation der Neuen Rechten, die an die alte Legende von der „sauberen Wehrmacht“ erinnert, übersteht die Konfrontation mit den historischen Fakten nicht. Anlässlich des Jahrestags des Überfalls Nazideutschlands auf die Sowjetunion, der sich am 22. Juni zum 78. Mal jährt, scheint es geboten, in Erinnerung zu rufen, dass gerade die Wehrmacht nicht nur die militärischen Voraussetzungen für den Ausrottungsfeldzug der Nazis im Osten schaffte, sondern Teil eben dieser Völkermordmaschinerie war.

Der Stolz auf die militärischen Leistungen der Wehrmacht, auf die „Tapferkeit“ der Wehrmachtssoldaten; er blendet den Zweck des militärischen Eroberungsfeldzugs Nazideutschlands im Osten aus – und dieser bestand im Genozid, in der Ausrottung von Juden, Slawen und weiterer „Untermenschen“ in einem künftigen Siedlungsgebiet für germanische „Übermenschen“, das sich bis zum Ural erstrecken sollte.

Gaulands Stolz auf die militärischen Mittel, mit denen der Zweck des Völkermordes ermöglicht wurde, stellt nicht nur einen Schlag ins Gesicht all jener Nachkommen der damaligen Opfer und Kämpfer gegen den deutschen Faschismus dar – er errichtet auch eine Scheinbarriere zwischen militärischen Mitteln und verbrecherischen Zweck, die es in der Realität nicht gegeben hat.

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Moscheeverbände in Deutschland: Gefährliche Solidarität mit Muslimbrüdern?

Nach dem Mursi-Tod solidarisieren sich deutsche Moscheeverbände laut Kontraste-Recherche mit den islamistischen Muslimbrüdern. Beobachter warnen vor einem „gefährlichen Schulterschluss“.

Von Sascha Adamek | tagesschau.de

Anlässlich des Todes des ehemaligen ägyptischen Präsidenten und Muslimbruders Mohammed Mursi bekunden große Moscheeverbände ihre Solidarität mit der islamistischen Muslimbruderschaft. Wie das ARD-Magazin Kontraste berichtet, sollen an diesem Freitag unter anderem in sämtlichen gut 300 deutschen Moscheen der „Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs“ (IGMG) Gebete für Mursi stattfinden.

Der Vorsitzende der Deutschen Muslimischen Gesellschaft (DMG), Khalled Swaid, erklärte, der Verlust von Mursi stehe „symbolhaft für die Krise, die das ägyptische Volk unter dem autokratischen Militärregime“ durchleben müsse. Die DMG, bis vor kurzem „Islamische Gemeinschaft in Deutschland“ IGD genannt, wird von Deutschlands Verfassungsschutzbehörden als wichtigste Organisation von Anhängern der Muslimbrüder in Deutschland angesehen. Sie ist auch Mitglied im Zentralrat der Muslime (ZMD).

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Knapp 500 Rechtsextreme werden per Haftbefehl gesucht

Reichsbürger demonstrieren. Bild: MiGAZIN
Die Zahl der per Haftbefehl gesuchten und untergetauchten Neonazis ist auf 497 Personen angestiegen. 44 von ihnen befinden sich im Ausland – unter anderem in Thailand und Marokko.

MiGAZIN

Die Zahl der mit Haftbefehl gesuchten Neonazis ist wieder gestiegen. Ende März bestanden bundesweit insgesamt 657 offene Haftbefehle gegen 497 Personen, die dem politisch rechten Spektrum zuzurechnen sind, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht, die dem MiGAZIN vorliegt.

Bei der letzten Erhebung im September 2018 hatten die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern noch 467 Rechtsextreme zur Fahndung ausgeschrieben. Davor war im Frühjahr 2018 laut Bundesregierung erstmals seit Beginn der Erfassung vor fünf Jahren ein Rückgang um rund zehn Prozent verzeichnet worden.

Zweithöchsten Stand seit März 2014

Die Zahl gesuchter Neonazis ist mit 497 auf dem zweithöchsten Stand seit März 2014. Nur im September 2017 waren es mehr als heute (501). Laut der Erhebung zum Stichtag 28. März lagen bei 18 der 657 nicht vollstreckten Haftbefehle gegen Neonazis politisch motivierte Gewaltdelikte vor, überwiegend Körperverletzungen und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

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Unsere Sonne war ein langsamer Stern

Unsere Sonne gehörte in ihrer Jugend offenbar eher zu den ruhigen, langsam rotierenden Sternen, wie Analysen von Mondgestein nahelegen. © NASA/ SDO
Langsamer als andere Sterne: Unsere Sonne war in ihrer Jugend offenbar weniger aktiv und schnelldrehend als viele andere Jungsterne. Indizien dafür haben Astronomen im Natrium- und Kaliumgehalt des Mondgesteins gefunden. Demnach benötigte die junge Sonne in ihrer ersten Milliarde Jahren rund neun bis zehn Tage für eine Umdrehung – sie gehörte damit eher zu den langsamen Sternen. Doch erst das könnte die frühe Erde lebensfreundlich gemacht haben.

scinexx

Als unsere Sonne vor rund 4,6 Milliarden Jahren entstand, war sie noch deutlich unruhiger und aktiver als heute. Wie für junge Sterne typisch, schleuderte sie immer wieder große Mengen an Strahlung und Plasma ins All hinaus – und prägte damit auch die Entwicklung der Planeten. So könnte der Mars in dieser Zeit einen Großteil seiner Atmosphäre und seines Wassers verloren haben, während die Erde – geschützt von ihrem stärkeren Magnetfeld – diese Phase weitgehend unbeschadet überstand.

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Freikirchler sollen homosexuelle Teenager nicht mehr «heilen» dürfen

Homosexuelle haben im christlich-konservativen Milieu einen schweren Stand. (Bild: Keystone)
Selbsternannte Therapeuten versprechen, fromme Schwule und Lesben von ihrer «Sünde» zu befreien. Diesen Machenschaften soll nun das Handwerk gelegt werden – wie in Deutschland, wo die Politik einen Schritt voraus ist.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Gleichgeschlechtliche Liebe gilt in konservativ-christlichen Kreisen als eine Sünde, die direkt in die Hölle führt. Wenn junge Menschen aus dem freikirchlichen oder streng katholischen Milieu merken, dass sie homosexuelle Tendenzen haben, stürzt sie dies deshalb oft in ein schweres Dilemma. Vermeintliche Abhilfe versprechen Therapeuten, welche die Gläubigen von ihrem Schwul- oder Lesbischsein heilen wollen. Solche so genannten Konversionstherapien will der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn verbieten lassen – und auch in der Schweiz steigt der Support für die entsprechende Forderung.

Dazu beigetragen haben Medienberichte der letzten Jahre, die ein beelendendes Bild der Situation homosexueller Christen hierzulande zeichnen. In diesem Zusammenhang taucht oft der Verein Wüstenstrom auf, der sich – nach eigenen Angaben – um Menschen kümmern will, «die sich eine Veränderung ihrer gleichgeschlechtlichen Orientierung wünschen». Geleitet wird die Organisation vom freikirchlichen Theologen Rolf Rietmann. Gemeinsam ist all diesen Therapeuten, dass sie Homosexualität als eine Krankheit betrachten, die heilbar sei. Rietmann behauptet, er selber habe diese Wandlung vom Homo- zum Heterosexuellen geschafft. Er hat heute eine Frau und zwei Kinder.

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Breaks in the Perfect Symmetry of the Universe Could Be a Window Into Completely New Physics

(Image: © Shutterstock)
The bible of particle physics is dying for an upgrade. And physicists may have just the thing: Some particles and forces might look in the mirror and not recognize themselves. That, in itself, would send the so-called Standard Model into a tailspin.

By Paul Sutter | SPACE.com

Just about all fundamental reactions between the universe’s subatomic particles look the same when they are flipped around in a mirror. The mirror-image, called parity, is then said to be symmetrical, or to have parity symmetry, in physics speak.

Of course, not everyone follows the rules. We know that, for instance, reactions involving the weak nuclear force, which is also weird for a whole bunch of other reasons, violates parity symmetry. So it stands to reason other forces and particles in the quantum world are also rule-breakers in this area.

Physicists have some ideas about these other hypothetical reactions that wouldn’t look the same in the mirror and hence would violate parity symmetry. These strange reactions could point us toward new physics that could help us move past the Standard Model of particle physics, our current summary of all things subatomic.

Unfortunately, we will never see most of these strange reactions in our atom smashers and laboratories. The interactions are just too rare and weak to detect with our instruments, which are tuned to other kinds of interactions. But there might be some rare exceptions. Researchers at the world’s largest atom smasher, the Large Hadron Collider (LHC), located near Geneva, have been hunting for these rare interactions. So far, they’ve come up empty-handed, but even that result is illuminating. Those negative results help weed out fruitless hypotheses from consideration, allowing physicists to focus on more-promising avenues in the hunt for new physics.

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Was hat eine antisemitische Botschaft auf dem Walter-Benjamin-Platz in Berlin zu suchen

Walter-Benjamin-Platz (Bild: Peter Kuley / CC BY-SA 4.0)
Um den Walter-Benjamin-Platz in Berlin wird wieder gestritten. Der Architekt Hans Kollhoff habe auf dem Platz eine «antisemitische Flaschenpost» in die Gegenwart geschmuggelt, schreibt eine Architekturzeitschrift. Nur eine hysterische Fachkritik? Sie trifft einen wunden Punkt.

Benedict Neff | Neue Zürcher Zeitung

Zwei jeweils hundert Meter lange Kolonnaden-Bauten stehen sich kühl und massig gegenüber. Der Raum zwischen den Häusern heisst Walter-Benjamin-Platz. Das neoklassizistische Ensemble von Hans Kollhoff aus dem Jahr 2000 war von Beginn an umstritten. Manche sahen die Steinmassen von einem faschistischen Geist durchdrungen. Andere mahnten die beiden Häuser an sozialistische Plattenbauten. Dass der Platz, wenige Schritte vom Ku’damm entfernt, etwas Totalitäres ausstrahlt, lässt sich nicht bestreiten.

Die Architekturzeitschrift «Arch+» hat eine ganze Ausgabe «rechten Räumen» gewidmet und behandelt diese Architekturen als Wegbereiter für den Rechtspopulismus in Europa. Da wurde auch der Walter-Benjamin-Platz einer näheren Betrachtung unterzogen. Der Bau stelle stilistisch und programmatisch eine Verneigung vor dem italienischen Faschismus dar, heisst es in einem Aufsatz. Seither wird über den Platz wieder gestritten.

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The Spirit of the Inquisition Lives in Science

Image credit: NAUTILUS
What a 16th-century scientist can tell us about the fate of a physicist like David Bohm.

By Michael Brooks | NAUTILUS

I’ve been talking to Jerome Cardano for years now. What’s more, he talks back to me—in a voice that often drips with gentle mockery. He clearly thinks my sanity is as precarious as his always was.

Jerome was Europe’s pre-eminent inventor, physician, astrologer, and mathematician in the 16th century. He created the first theory of probability, and discovered the square root of a negative number, something we now call the imaginary number and an essential part of our understanding of how the universe holds together. He invented the mechanical gimbal that was to make the printing press possible. His idea led to the “Cardan joint” that takes the rotary power in the driveshaft of your car’s engine and allows it to be transmitted to the front and rear axles. He pioneered the experimental method of research in areas as diverse as medical cures for deafness and hernia, cryptography, and speaking with the dead (forgive him, his were not strictly scientific times).

My obsession with Jerome has taken me over. I’ve been schooled in quantum physics and trained to think rationally, dissecting facts and ideas dispassionately. And here I am constantly carrying on imaginary conversations with a 16th-century astrologer. Perhaps the most amusing aspect of this is that Jerome is not remotely humbled by talking to someone from the future. On the contrary, he feels he has earned such visitations through his earnest attempts to discern the truth about how the universe works.

He’s not altogether wrong about this. I was first drawn to Jerome by a simple statement in his autobiography: He told his academic colleagues that many of his best ideas came from a spirit that visited him at night. He knows this is an odd claim, but he also sees himself as a pioneering visionary who would be worth the attention of celestial beings. He even writes in one of his books that, on his death, “The earth will not cover me over, but I will be snatched up to high heaven and live in distinction in the learned mouths of men.” This is precisely why he is willing to take so many intellectual risks: He doesn’t worry about being taken seriously on Earth when he already feels he is taken seriously in the heavens.

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Hitze, Gewitter, Starkregen – wie viel Klimawandel steckt im Wetter?

Enorme Blitzintensität: Gewitter über Heidelberg Quelle: Getty Images
Der Sommer des vergangenen Jahres war heiß und trocken. Die erste Hälfte des Juni war ebenfalls außergewöhnlich warm. Experten erklären, was normal ist – und bei welchen Wetterphänomenen bereits die Erderwärmung wirkt.

Von Eva Krafczyk | DIE WELT

Der Juni macht auf Sommer. Hitze, heftige Gewitter, schwüle Nächte. Und tatsächlich war der Monat im Bundesgebiet nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bisher deutlich wärmer als gewöhnlich. Besonders heiß sei es im Osten gewesen, sagt DWD-Meteorologe Jens Bonewitz. Im Mai dagegen hatte es wiederholt Frostalarm gegeben. Und all das nach dem Dürre- und Hitzesommer 2018. Verrücktes Wetter, ganz normal oder Folge des Klimawandels? Einige Fragen und Antworten zu dessen Auswirkungen auf das Wetter in Deutschland.

Wie stark sind die Temperaturen bislang gestiegen?

Es sei seit Beginn der Industrialisierung in Deutschland schon durchschnittlich 1,4 Grad bis 1,5 Grad wärmer geworden, sagt Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „Das heißt aber auch, es gibt immer wieder mal ein Jahr, das darunter oder deutlich höher liegt. Der letzte Winter zum Beispiel war deutlich zu warm und es gab zumindest im Norden kaum Schnee.“ Weltweit beträgt der Temperaturanstieg im Schnitt etwa ein Grad. Die Kontinente erwärmen sich schneller als die Ozeane, die 70 Prozent der Oberfläche des Planeten ausmachen.

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Welche Kraftstoffe für PKWs?

Tesla-Schnelladesäule an der A9. Foto: Avda. Lizenz: CC BY-SA 3.0
Die Verbreitung batterieelektrischer PKWs ist weit hinter Plan, Brennstoffzellen-PKWs kommen nicht vom Fleck und synthetische Kraftstoffe sind derzeit höchstens ein Hoffnungswert

Christoph Jehle | TELEPOLIS

Die Politik beschäftigt sich seit Wochen mit elektrischen Tretrollern, wobei bislang niemand erklären konnte, welche grundlegenden Herausforderungen der Mobilität man damit lösen könnte, die über die sommerliche letzte Meile hinausgehen. Innenstädte werden wegen Feinstaub für Dieselfahrzeuge gesperrt. Bei Benzinern ist der Feinstaub inzwischen feiner als beim Diesel, zeigt sich in der Praxis dadurch als noch lungengängiger als der Feinstaub aus Dieselmotoren und häuslichen Schornsteinen.

Der öffentliche Nahverkehr steckt vielerorts im städtischen Stau und erreicht in ländlichen Regionen noch immer nicht die Frequenzen, welche die Bevölkerung dazu bewegen könnte, auf ein eigenes Fahrzeug zu verzichten. Im dünner besiedelten ländlichen Raum kann man zwar kleinere Fahrzeuge einsetzen, die Kosten für den Fahrer lassen sich jedoch kaum noch reduzieren, es sei denn, es kommen sogenannte Bürgerbusse zum Einsatz, deren Fahrer ehrenamtlich unterwegs sind und keinen Lohn erhalten.

Erdgasfahrzeuge

Dabei handelt es sich um Fahrzeuge, die mit Verbrennungsmotoren nach dem Otto- oder Dieselprinzip ausgerüstet sind und mit Erdgas, Biogas oder synthetischem Gas betrieben werden, welches aus Power to Gas Systemen kommt, mit welchen überschüssiger Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind oder PV erzeugt werden können. Zur Förderung von Erdgasfahrzeugen gab es in der Vergangenheit zahlreiche Förderprojekte.

In der Praxis genügte jedoch keines dieser Projekt, um die Durchsetzung von Gasfahrzeugen dauerhaft anzuschieben. Das mag nicht zuletzt damit zu tun haben, dass innerhalb der EU nur solche Projekte gefördert werden dürfen, für welche die Marktnähe noch nicht gegeben ist. Spitze Zungen bemerkten zu den Erdgasprojekten, dass die Erdgasfahrzeuge nicht mit Erdgas betrieben würden, sondern mit staatlichen Fördermitteln.

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eROSITA: Fahndung nach Dunkler Energie beginnt

Das Röntgenteleskop eROSITA soll energiereiche und große Strukturen des Alls kartieren udn so Informationen über die Dunkle Energie liefern. © Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik
Kosmisches Mysterium: Was ist die Dunkle Energie und warum treibt sie unser Universum immer schneller auseinander? Diese Frage wollen Astronomen mithilfe eines neuen Weltraumteleskops klären, das am 21. Juni vom Weltraumbahnhof Baikonur aus ins All startet. Das Röntgenteleskop eROSITA wird Galaxienhaufen, Schwarze Löcher und Supernova-Überreste kartieren. Aus diesen Daten erhoffen sich die Forscher neue Informationen über die Natur der Dunklen Energie.

scinexx

Die Dunkle Energie ist weder sichtbar noch messbar, macht aber fast 70 Prozent des Universums aus. Diese geheimnisvolle Kraft ist der Gegenspieler der Gravitation und sorgt dafür, dass sich die kosmische Expansion immer weiter beschleunigt. Doch welcher Natur die Dunkle Energie ist und welche physikalischen Prinzipien ihr zugrunde liegen, ist noch immer völlig unbekannt. Sie passt zu keinem bekannten Baustein in unserem Standardmodell der Physik.

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„Narluga“: Wenn das Einhorn des Meeres ein Techtelmechtel mit dem Weissen Wal der Arktis hat

Die Schädel eines Narwals (a), eines Belugas (c) und jener des nun beschriebenen Mischlings zwischen den beiden Arten (b). (Bild: Mikkel Høegh Post / Natural History Museum of Denmark)

Sie sehen mindestens so unterschiedlich aus wie Braun- und Eisbären: der weisse Beluga-Wal und der graufleckige Narwal mit seinem Stosszahn. Doch genauso wie es sogenannte Pizzlys gibt, haben Forscher nun genetische Beweise für einen «Narluga» gefunden, eine Kreuzung aus den beiden genannten Walarten.

Stephanie Kusma | Neue Zürcher Zeitung

Erlegt wurde der einfarbig graue Wal bereits Mitte der 1980er Jahre. 1990 entdeckte ein Forscher dann seinen Schädel – auf dem Dach eines Hauses in der Diskobucht im Westen Grönlands, wie er und ein Kollege in einer Fachzeitschrift berichten. Der Waljäger erinnerte sich, dass das Tier ungewöhnlich war: Es habe ausgesehen wie eine Kombination aus Narwal und Beluga – beides Arten, die in der Bucht vorkommen, sich aber ganz deutlich unterscheiden. Während der Beluga beispielsweise Zähne hat und rein weiss ist, besitzen lediglich die Bullen der graufleckigen Narwale so gut wie nur einen einzigen voll entwickelten Zahn: einen langen, geraden, in sich gedrehten Stosszahn.

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Brutaler Sektenführer schuldig gesprochen

Die Zeichnung eines Künstlers zeigt den Angeklagten (Mitte) und seine Anwälte im Gerichtssaal. Bild: AP
Nach Ansicht der Jury hielt Keith Raniere Frauen als Sexsklavinnen und zwang sie unter anderen zu Abtreibung. Bei der noch ausstehenden Strafmaßverkündung muss er mit lebenslanger Haft rechnen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der amerikanische Sektenführer Keith Raniere, der Frauen als Sexsklavinnen hielt und ihnen seine Initialen in die Haut brennen ließ, verbringt voraussichtlich einige Jahrzehnte im Gefängnis. Nach einem fast sieben Wochen langen Prozess vor dem Bundesgericht in Brooklyn sprach die Jury den Achtundfünfzigjährigen am Mittwoch schuldig.

Der Gründer der Sekte Nxivm, einer vermeintlichen Selbsthilfebewegung für Führungskräfte, hatte immer wieder weibliche Mitglieder vergewaltigt und zu Abtreibungen gezwungen. Um Enthüllungen zu unterdrücken, ließ er die Frauen Fotos ihrer Genitalien aufnehmen, die er als Druckmittel aufbewahrte. Als die Missbrauchsvorwürfe gegen Raniere im Jahr 2017 lauter wurden, setzte er sich nach Mexiko ab. Dort wurde er im Frühjahr 2018 verhaftet und an die Vereinigten Staaten ausgeliefert.

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„Nein, im Nahen Osten kämpfen nicht Sunniten gegen Schiiten“

Bild: Japan01/gemeinfrei
Der „schiitische Halbmond“ ist eine Legende. Wenn Journalisten Kriege erklären, verweisen sie gern auf den uralten Zwist zwischen den Konfessionen. Die Wirklichkeit sieht anders aus

Fabian Goldmann | TELEPOLIS

Irgendwann im Frühjahr 2004 muss es gewesen sein, als ich zum ersten Mal ein islamisches Land bereiste. Mutmaßlich in einem der vielen Wasserpfeifencafés in der Altstadt von Damaskus mündete damals das Halbwissen eines islamwissenschaftlichen Erstsemesters und die Orient-Klischees eines 20-Jährigen, der gerade mit dem Abi fertig war, erstmals in die Frage: „Schiit oder Sunnit?“

Zu meiner Verwunderung spielte der angebliche Grundkonflikt der islamischen Welt für das reale Leben meines syrischen Gegenübers allerdings gar keine Rolle. Mehr noch: Auch in anderen Ländern der Region schienen viele meiner Gesprächspartner nicht einmal die Antwort auf meine Frage zu wissen.

15 Jahre ist das gerade einmal her. Heute dient die Frage, die sich damals vor allem naiven Nahost-Neulingen wie mir stellte, vielen Nahost-Experten als universelle Antwort auf die Konflikte innerhalb der islamischen Welt: „Schiiten gegen Sunniten“.

Die Bombardierung Jemens, der Krieg im Irak, Proteste in Bahrain, Anschläge in Pakistan oder der Kampf um die Macht in Syrien: Alles scheint auch Konsequenz eines innerislamischen Zerwürfnisses zu ein, das vor 1400 Jahren seinen Anfang nahm. Aufstände, Demonstrationen, politische Bündnisse, Krisen und Kriege: Nicht mehr als die Folge eines uralten Streits um die Nachfolge des Propheten?

In vielen Nachrichtentexten verschwindet gar jegliche Auseinandersetzung mit Motiven und Interessen der zahlreichen nahöstlichen Konfliktparteien. Was bleibt sind vermeintlich alles erklärende Attribute: die „schiitische Soundso“ kämpft gegen den „sunnitischen Diesundsas“. Mehr Erklärung scheint es zum Verständnis der islamischen Welt nicht zu brauchen.

Jahrhunderte friedlicher Koexistenz

In Wahrheit ist der Verweis auf die Glaubensrichtung der Konfliktparteien im Nahen Osten in vielen Fällen so hilfreich, als versuche man Differenzen in der Klimapolitik zwischen der katholischen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und der protestantischen Grünen-Chefin Annalena Baerbock aus Luthers Thesenanschlag von 1517 herzuleiten.

Wobei selbst dieser Vergleich zu kurz gegriffen ist: Denn anders als Protestanten und Katholiken hielten es Schiiten und Sunniten die meiste Zeit erstaunlich gut miteinander aus. Betrachtet man die Geschichte der vermeintlich tief verfeindeten Konfliktparteien, dann stößt man größtenteils auf friedliches Miteinander.

Das liegt nicht nur an der hohen Bereitschaft zu innerislamischen Toleranz. Das liegt auch daran, dass die Identitäten „Schiit“ und „Sunnit“ über Jahrhunderte für viele Menschen in der Region keine besonders hohe Relevanz hatte. „Schia oder Sunna?“ Die Konsequenzen dieser Selbstverortung beschränkten sich für Generationen von Muslimen auf die Frage, welche Körperteile man vor dem Gang in die Moschee zu waschen und wie man die Hände zum Gebet zu falten habe.

Interkonfessionelle Ehen waren und sind in vielen Ländern genauso Normalität wie das gemeinsame Beten in der Moschee. Schiitische und sunnitische Theologen stritten erbittert über die richtige Auslegung des Koran und den Überlieferungen aus dem Leben des Propheten Mohammad. Aber Ausmaß und Intensität ihrer Debatten war häufig nicht größer als jene, die Gelehrte der vier sunnitischen Rechtsschulen auch untereinander hatten.

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Kognitive Dissonanzen: Präses Kurschus mit der Bibel gegen Fake News

Das Wort „Fake News“ im Duden © Jens Kalaene (dpa)
Manipulierte Nachrichten vergiften die Atmosphäre in unserer Gesellschaft, sagt Präses Annette Kurschus. Die Bibel hingegen setze auf Vertrauen und Orientierung an der Gegenwart Gottes.

DOMRADIO.DE

Gegen Fake News kann die Bibel nach Worten der westfälischen Präses Annette Kurschus eine Gegenstrategie bieten.

Manipulierte Nachrichten, etwa in sozialen Medien, säten Zwietracht und vergifteten die gesellschaftliche Atmosphäre, sagte Kurschus am Donnerstag auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund.

Bei gezielter Desinformation und Hass brauche es Widerspruch und alternative Erzählungen, unterstrich Kurschus. Die Bibel sei voll von Impulsen, die auf Vertrauen setzten. Entscheidender Orientierungspunkt sei die Gegenwart Gottes.

Pau: Migrationspakt an Desinformation gescheitert

Die Linken-Politikerin Petra Pau warnte, gezielte Desinformation könne ambitionierte politische Vorhaben verhindern. Ein Beispiel dafür sei der UN-Migrationspakt, der nach einer gezielten Desinformationskampagne gescheitert sei, sagte die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

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