Freikirchler sollen homosexuelle Teenager nicht mehr «heilen» dürfen


Homosexuelle haben im christlich-konservativen Milieu einen schweren Stand. (Bild: Keystone)
Selbsternannte Therapeuten versprechen, fromme Schwule und Lesben von ihrer «Sünde» zu befreien. Diesen Machenschaften soll nun das Handwerk gelegt werden – wie in Deutschland, wo die Politik einen Schritt voraus ist.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Gleichgeschlechtliche Liebe gilt in konservativ-christlichen Kreisen als eine Sünde, die direkt in die Hölle führt. Wenn junge Menschen aus dem freikirchlichen oder streng katholischen Milieu merken, dass sie homosexuelle Tendenzen haben, stürzt sie dies deshalb oft in ein schweres Dilemma. Vermeintliche Abhilfe versprechen Therapeuten, welche die Gläubigen von ihrem Schwul- oder Lesbischsein heilen wollen. Solche so genannten Konversionstherapien will der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn verbieten lassen – und auch in der Schweiz steigt der Support für die entsprechende Forderung.

Dazu beigetragen haben Medienberichte der letzten Jahre, die ein beelendendes Bild der Situation homosexueller Christen hierzulande zeichnen. In diesem Zusammenhang taucht oft der Verein Wüstenstrom auf, der sich – nach eigenen Angaben – um Menschen kümmern will, «die sich eine Veränderung ihrer gleichgeschlechtlichen Orientierung wünschen». Geleitet wird die Organisation vom freikirchlichen Theologen Rolf Rietmann. Gemeinsam ist all diesen Therapeuten, dass sie Homosexualität als eine Krankheit betrachten, die heilbar sei. Rietmann behauptet, er selber habe diese Wandlung vom Homo- zum Heterosexuellen geschafft. Er hat heute eine Frau und zwei Kinder.

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